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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 42 Kirchenvertreter

Von dpa, MaM

Aktualisiert am 21.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Papst Benedikt XVI. (r) umarmt den ehemaligen Kardinal und Erzbischof von M├╝nchen und Freising Friedrich Wetter: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach einem Gutachten, das auch die beiden Geistlichen belastet.
Papst Benedikt XVI. (r) umarmt den ehemaligen Kardinal und Erzbischof von M├╝nchen und Freising Friedrich Wetter: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach einem Gutachten, das auch die beiden Geistlichen belastet. (Quelle: Matthias Schrader/dpa-bilder)
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Das Gutachten zum Missbrauch im Erzbistum M├╝nchen und Freising hat die katholische Kirche schwer ersch├╝ttert. Nun hat sich auch die Justiz eingeschaltet ÔÇô und ermittelt in Dutzenden F├Ąllen.

Das neue Gutachten zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum M├╝nchen und Freising ersch├╝ttert die katholische Kirche. Betroffene erheben schwere Vorw├╝rfe und die Justiz pr├╝ft, ob kirchliche Verantwortungstr├Ąger sich wom├Âglich strafbar gemacht haben.

Die Staatsanwaltschaft M├╝nchen untersucht derzeit 42 F├Ąlle von mutma├člichem Fehlverhalten kirchlicher Verantwortungstr├Ąger, best├Ątigte die Sprecherin der Beh├Ârde, Anne Leiding, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW), die das aufsehenerregende Urteil im Auftrag des Bistums verfasst hat, habe der Staatsanwaltschaft im August 2021 "41 F├Ąlle zur Verf├╝gung gestellt", sagte Leiding ÔÇô und einen weiteren Fall im November 2021. "Sie betreffen ausschlie├člich noch lebende kirchliche Verantwortungstr├Ąger und wurden stark anonymisiert ├╝bermittelt."

M├╝nchner Staatsanwaltschaft pr├╝ft Verdachtsf├Ąlle

Sollten sich auf dieser Basis "Verdachtsmomente hinsichtlich eines m├Âglicherweise strafrechtlich relevanten Verhaltens der kirchlichen Verantwortungstr├Ąger ergeben", w├╝rden die entsprechenden Unterlagen bei der Kanzlei angefordert und gegebenenfalls an die zust├Ąndigen Staatsanwaltschaften weitergegeben, sagte Leiding. "Welche strafrechtlichen Normen verletzt wurden, ist noch Gegenstand der Pr├╝fung."

Das vom Erzbistum M├╝nchen und Freising selbst in Auftrag gegebene WSW-Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass F├Ąlle von sexuellem Missbrauch in der Di├Âzese ├╝ber Jahrzehnte nicht angemessen behandelt wurden und wirft den ehemaligen Erzbisch├Âfen Friedrich Wetter und Joseph Ratzinger, dem heute emeritierten Papst Benedikt XVI., Fehlverhalten in mehreren F├Ąllen vor.

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Missbrauchsgutachten geht von Hunderten von Opfern aus

Auch dem aktuellen Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, wird formales Fehlverhalten in zwei F├Ąllen vorgeworfen. Von mindestens 497 Opfern und 235 mutma├člichen T├Ątern sprechen die Gutachter, gehen aber von einem deutlich gr├Â├čeren Dunkelfeld aus.

Besonders brisant ist die Rolle Ratzingers. Denn die Gutachter gehen davon aus, dass er aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Wahrheit gesagt hat. Der renommierte Kirchenrechtler Thomas Sch├╝ller wird deutlicher: "Er hat eindeutig gelogen", sagte er am Donnerstagabend im ARD-"Brennpunkt".

Benedikt hatte immer wieder betont, an einer Sitzung im Jahr 1980 nicht teilgenommen zu haben, in der beschlossen wurde, dass ein Priester, der im Bistum Essen Jungen missbraucht hatte, nach Bayern versetzt werden soll. Ratzinger war von 1977 bis 1982 Erzbischof von M├╝nchen und Freising. Die Kanzlei WSW legte ein Protokoll vor, wonach Ratzinger jedoch durchaus an der Sitzung teilgenommen hatte.

Sch├╝ller: Marx hat es "wirklich kapiert"

"Er m├Âchte heute nicht die Wahrheit sehen, sondern er leugnet sie und versucht, alle Verantwortung von sich zu schieben und dadurch br├╝skiert er die Opfer ein zweites Mal", kritisierte Sch├╝ller den emeritierten Papst. Der heutige M├╝nchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx sei da schon weiter. "Er hat wirklich kapiert jetzt, dass er sich auf die Seite der Opfer zu stellen hat", sagte Sch├╝ller. "Ob es zu sp├Ąt kommt, werden wir sehen."

Die Betroffene Agnes Wich sieht Marx' Rolle dagegen anders und kritisierte scharf, dass er bei der Vorstellung des Gutachtens nicht anwesend war und sp├Ąter nur eine kurze Stellungnahme abgab. Eine ausf├╝hrlichere soll in einer Woche folgen.

Bogner: "Das w├Ąre ein starkes Zeichen"

Theologe Bogner h├Ąlt nach den Enth├╝llungen des Gutachtens einen R├╝cktritt von Marx f├╝r angemessen. Es sei vorstellbar, dass der Erzbischof von M├╝nchen und Freising dem Papst als Reaktion auf das Gutachten erneut ÔÇô wie schon im vergangenen Jahr seinen R├╝cktritt anbiete, sagte der Professor f├╝r Moraltheologie und Ethik an der schweizerischen Universit├Ąt Freiburg.

"Und ich hoffe, er wird eine erneute Ablehnung durch Papst Franziskus diesmal nicht akzeptieren. Dies w├Ąre ein zwar zun├Ąchst nur symbolisches, aber sehr starkes Zeichen daf├╝r, dass die bisherigen Strukturen der Kirche so nicht weiter funktionieren", so Bogner weiter.

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Auch die Pr├Ąsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, hatte nach der Ver├Âffentlichung des Gutachtens Konsequenzen statt einer schleppenden Aufarbeitung gefordert.

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