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Stefan Effenberg: "Der FC Bayern ist froh, dass Robert Lewandowski weg ist"


"Die Bayern sind froh, dass Lewandowski weg ist"

  • Florian Wichert
  • Robert Hiersemann
Von A. Becker, J. Buhl, R. Hiersemann, F. Wichert

29.07.2022Lesedauer: 6 Min.
Interview
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Der Gesprächspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

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Robert Lewandowski: Nach wochenlangem Knatsch hat er die Bayern Richtung Barcelona verlassen. (Quelle: IMAGO/David Rosenblum/Icon Sportswire)
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Von wegen Sommerpause: Im deutschen Fußball war in den letzten Wochen eine Menge los. Liebe, Trubel, Transfers – Stefan Effenberg findet zu all den Themen klare Worte.

Es ist wieder so weit. Mit der ersten DFB-Pokal-Runde an diesem Wochenende startet die neue Saison in Deutschland. Die Sommerpause ist vorbei – allerdings ist in den letzten Wochen viel passiert.

Der Wechsel-Knatsch um Robert Lewandowski, die Einkaufstour des FC Bayern und von Borussia Dortmund, dazu der Liebes-Wirbel um Julian Nagelsmann und eine Bild-Reporterin. t-online-Kolumnist Stefan Effenberg hat all diese Themen aufmerksam verfolgt. Im Interview spricht er die Probleme, die auf die Bayern warten könnten, klar an. Zudem wirft Effenberg einen Blick auf die neue Saison und erklärt, warum die Attraktivität der Bundesliga nicht leiden wird, nur weil Lewandowski und Erling Haaland weg sind.

Herr Effenberg, der FC Bayern wird für seine Transfers gefeiert. Alles gut also beim Branchenprimus?

Stefan Effenberg (53): Note eins für die Transfers: Sadio Mané und Matthijs de Ligt sind Topstars – Ryan Gravenberch, Noussair Mazraoui und Mathys Tel Mega-Talente. Der Verkauf von Robert Lewandowski ist zwar ein großer sportlicher Verlust, spült aber noch bis zu 50 Millionen Euro in die Kassen. Viel mehr geht nicht. Alles gut ist natürlich noch nichts.

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Warum nicht?

Mich wundert, wie ruhig es um Julian Nagelsmann und seine neue Beziehung geworden ist.

Julian Nagelsmann: Der Bayern-Coach wundert sich über die Einkäufe Barcelonas.
Julian Nagelsmann: Für den Bayern-Trainer könnte es noch ungemütlich werden. (Quelle: IMAGO)

Er ist neuerdings mit einer "Bild"-Reporterin liiert – das wurde in der Sommerpause publik.

Ja, und das könnte ihm irgendwann mal auf die Füße fallen.

Es wurde schon gemunkelt, dass Nagelsmann möglicherweise der Maulwurf ist, der Informationen an die Medien durchsteckt.

Natürlich ist er kein Maulwurf. Er würde sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn er Informationen an die "Bild"-Zeitung geben würde. Ich persönlich finde diese Konstellation allerdings extrem schwierig, halte sie für gefährlich und denke, dass man das beobachten muss. Das ist vergleichbar mit der Situation in Gladbach.

In Gladbach?

Mit Max Eberl und seiner Lebensgefährtin war es eine ähnliche Konstellation. Die arbeitete als Teammanagerin in Gladbach und war somit auch in der Kabine und nah dran an der Mannschaft. Sie hat da Dinge mitbekommen, bei denen sich die Spieler fragen: Landet das jetzt beim Chef? Bei einer Journalistin ist das noch viel schwieriger, erst recht bei einer von "Bild". Als Spieler musst du unter vier Augen mit deinem Trainer sprechen und ihm vertrauen können. Im Hinterkopf hast du aber womöglich die Frage, ob er seiner Freundin zu Hause etwas davon erzählt. Das macht es heikel für Nagelsmann, der sich noch so eine Saison nicht erlauben kann, mit jeweils einem frühen Aus im Pokal sowie in der Champions League.

Max Eberl ist mit der Schweizerin Sedrina Schaller zusammen.
Max Eberl ist mit der Schweizerin Sedrina Schaller zusammen. (Quelle: Fotostand/imago-images-bilder)

Bleiben wir beim Thema Glaubwürdigkeit. Die Bayern-Verantwortlichen haben stets betont, dass Robert Lewandowski bis zu seinem Vertragsende 2023 bei Bayern bleibt. Jetzt ist er weg.

Das war doch klar, dass er geht.

Tatsache?

Ja, schon. So wie er sich geäußert und verhalten hat, war es irgendwann klar. Das war dann nur noch ein Poker.

Es war klar, dass Bayern umkippt?

Sie sind ja nicht umgekippt. Die Bayern hatten intern einen Preis festgelegt. Und am Ende war es nur eine Frage der Zeit, bis man sich auf die letzten fünf bis zehn Millionen Euro einigen würde. Wenn ein Spieler unbedingt einen Verein verlassen will, dann sollte man ihn gehen lassen. Natürlich ist diese Torgarantie damit weg, die 40 bis 50 Saisontore verspricht. Aber: Mané ist ein super Ersatz, dazu haben sie mit Serge Gnabry verlängert. Noch vor sechs Monaten gab es überall Fragezeichen, nun hat Bayern diverse Verträge von Leistungsträgern verlängert und Fakten geschaffen.

Trotzdem: Erst hat Kahn "Basta" gesagt, dann hat er sein "Basta" wieder einkassiert.

Der Olli hat dazu ein Statement abgegeben. So ein "Basta" kann auch Teil des Spiels sein, das gehört auch zum Poker. Er hat damit gleichzeitig ein Signal nach Barcelona gesendet: Wenn ihr unsere Forderungen nicht erfüllt, wird das nichts.

Genau das hätte er doch einfach sagen können: Zahlt 50 Millionen, sonst wird das nichts. Stattdessen hat er gesagt: "Lewandowski bleibt. Basta."

Ich sage trotzdem: Bayern hat alles richtig gemacht. Es zählt doch das Ergebnis – und das ist herausragend. Man muss es auch sportlich sehen. Zum Ende der letzten Saison hat Lewandowski abgebaut. Weniger Spielfreude, die Geilheit auf Tore hat abgenommen – zumindest im Vergleich. Das haben auch die Verantwortlichen gesehen. Willst du so in die neue Saison gehen?

Sie haben also eine klare Negativentwicklung bei Lewandowski gesehen?

Ja, absolut. Ich glaube, die hat jeder gesehen. Ich denke aber auch, dass er seine Qualitäten nun in Barcelona wieder zeigen wird.

Brauchen denn die Bayern noch einen Lewandowski-Ersatz?

Sie arbeiten gerade in der Vorbereitung daran, das System umzustellen. Das musst du auch, wenn du so einen Stürmer wie Lewandowski verlierst. Das war auch damals zu Gerd-Müller-Zeiten so. Nach so einer Ära muss eine Mannschaft die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen.

Gerd Müller ist eine absolute Vereinslegende. Ist Lewandowski das nach diesem Abgang auch noch?

Legendenstatus hat er weiterhin, er hat ja auch Unglaubliches erreicht. Im Nachhinein hat das aber einen faden Beigeschmack, ganz klar. Ich glaube: Die sind sogar alle froh, dass er jetzt weg ist – von den Fans bis zu den Verantwortlichen. Nach den ganzen Nebengeräuschen der letzten Wochen.

Ist er auf einer Stufe mit Gerd Müller oder nicht?

Nein, ist er nicht. Keine Chance. Gerd Müller ist Gerd Müller. Er bleibt die absolute Nummer eins. Auch wenn er damals den Verein ebenfalls verlassen hat, aber das waren andere Zeiten.

Können Sie nachvollziehen, wie Lewandowski sich verhalten hat?

Nein. Und was ich besonders schwierig finde: Wenn sich Berater öffentlich einmischen und Öl ins Feuer gießen. Das ist nie gut für einen Spieler. Die Lewandowski-Geschichte wird immer diesen Beigeschmack behalten. Das ist wirklich schade. Und es hat ihm geschadet. Der große Gewinner ist natürlich Hasan Salihamidzic. Nicht nur wegen des Verkaufs von Lewandowski.

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Sondern?

Er hat neben den vorhin genannten Transfers auch hohe Erlöse erzielt für Marc Roca, Omar und Chris Richards. Brazzo hat gezeigt, was er kann.

Geht der Meistertitel in der neuen Saison deshalb also mal wieder nur über Bayern?

Der FC Bayern ist auf jeden Fall der Top-Kandidat und der Gejagte. Die Jäger sind Leipzig, Dortmund und Leverkusen.

Wie beurteilen Sie die Transfers des BVB?

Nico Schlotterbeck, Niklas Süle, Sébastien Haller, Karim Adeyemi, Salih Özcan – das sind schon echt tolle Einkäufe. Aber Matthias Sammer hat treffend gesagt: "Wir müssen unsere Qualität auch an Regentagen zeigen können." Dafür brauchst du die Führungsspieler – und die habe ich im letzten Jahr nicht gesehen. Es ist auf jeden Fall ein spannender Kader, aber ich sehe sie nicht unbedingt an Position zwei. Zumal die schlimme Diagnose Hodenkrebs bei Haller und der damit verbundene Ausfall ein schwerer Rückschlag ist. Für mich ist Leipzig Bayern-Jäger Nummer eins. Und danach kommt womöglich Bayer Leverkusen, weil die ihren Kader überraschend zusammenhalten und sogar noch verstärken konnten.

Marco Reus (li.) und Mats Hummels stehen heute nicht im Kader.
Marco Reus (li.) und Mats Hummels: Stefan Effenberg sieht auf die beiden BVB-Stars ihre letzte Saison in der Bundesliga zukommen. (Quelle: MIS/imago-images-bilder)

Könnte es für Mats Hummels und Kapitän Marco Reus die letzte Saison beim BVB werden?

Ja, beide sind 33 und beide Verträge laufen 2023 aus. Das Kapitel Bundesliga könnte damit für sie beendet sein, wenn sie nicht doch überzeugen und noch ein Jahr dranhängen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass ihr Weg sie vielleicht noch mal für zwei, drei Jahre ins Ausland führt.

Wer könnte zur Überraschung der neuen Saison werden?

Gespannt bin ich auf jeden Fall auf Gladbach. Da sind viele Fragezeichen bei mir, ob es wirklich wieder nach oben geht oder alles nur heiße Luft ist. Der neue Trainer Daniel Farke hat da schon eine gewisse Euphorie reingebracht. Freiburg wird spannend, auch wie sie es schaffen, uns international zu vertreten. Was passiert mit Hertha? Wieder Abstiegskampf? Oder wer rutscht diesmal unten rein? Bremen und Schalke werden als Aufsteiger auf jeden Fall gegen den Abstieg spielen.

Wie bewerten Sie Mario Götzes Wechsel zurück in die Bundesliga zu Eintracht Frankfurt?

Ein super Transfer. Für Mario auch noch mal der richtige Schritt, um es noch mal allen zu zeigen. Ich mag ihn sowieso als Spieler, da guckt man gerne zu. Mit Frankfurt spielt er auch Champions League. Er hat alles richtig gemacht: mal rauszugehen aus Deutschland und jetzt als 30-Jähriger noch mal wiederzukommen.

Hat die Bundesliga durch die Abgänge von Erling Haaland und Lewandowski an Attraktivität verloren oder gewonnen?

Will man die Attraktivität der Bundesliga an zwei Spielern festmachen? Ich sehe da keinen großen Verlust. Natürlich waren beide außergewöhnlich, aber ich freue mich eher, dass sich Spieler wie Christopher Nkunku und Moussa Diaby entschieden haben, in der Liga zu bleiben. Mit Mané und de Ligt sind zudem zwei neue Aushängeschilder dazugekommen.

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Verwendete Quellen
  • Persönliches Interview mit Stefan Effenberg
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Von Julian Buhl
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