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FC Bayern – Berti Vogts: "Kovac hätte Anerkennung verdient wie Klopp"

MEINUNGVogts-Kolumne  

Kovac hätte ähnliche Anerkennung verdient wie Klopp

Eine Kolumne von Berti Vogts

09.05.2019, 06:52 Uhr
FC Bayern – Berti Vogts: "Kovac hätte Anerkennung verdient wie Klopp". Ex-Bundestrainer Berti Vogts verteidigt Bayern-Coach Niko Kovac. (Quelle: imago images/Sven Simon)

Ex-Bundestrainer Berti Vogts verteidigt Bayern-Coach Niko Kovac. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Beim FC Bayern steht Niko Kovac als Tabellenführer in der Kritik, beim BVB wird Lucien Favre trotz einer glänzenden Saison infrage gestellt. Diese erschreckende Entwicklung müssen wir alle endlich stoppen.

Ich möchte dem FC Bayern zwar noch nicht zum Titel gratulieren, weil ich mir gut vorstellen kann, dass sie gegen RB Leipzig verlieren und das Rennen um die Meisterschaft noch einmal spannend wird. Aber: Was die Münchner für eine Rückrunde spielen, ist trotzdem gigantisch. Sie lagen neun Punkte zurück, jetzt haben sie vier Vorsprung.

Umso erschreckender ist der Umgang mit Trainer Niko Kovac. Wenn man im Vergleich sieht, wie in Liverpool ein Jürgen Klopp gefeiert wird, obwohl er möglicherweise die Saison erneut ohne Titel beenden wird – da frage ich mich ernsthaft, was im deutschen Fußball falsch läuft. Kovac hätte doch zumindest eine ähnliche Anerkennung verdient wie Klopp für diese Rückrunde. Es ist sein erstes Jahr bei Bayern, der Kader steckt im Umbruch – da darf man auch nicht immer glänzende Spiele erwarten.

Die Psyche hat Borussia Dortmund den Titel gekostet

Ähnlich ist es mit den Diskussionen um Lucien Favre bei Borussia Dortmund. Natürlich musst du mit neun Punkten Vorsprung eigentlich Meister werden. Aber man kann doch nicht völlig außer Acht lassen, wie extrem jung und teilweise auch unerfahren diese Mannschaft ist. Die BVB-Spieler hatten einfach Angst vor dem Deutschen Meistertitel. Sie sind irgendwann aufgewacht und haben festgestellt, dass sie es wirklich schaffen können – und von diesem Moment an hatten sie etwas zu verlieren. Damit konnten die Talente nicht umgehen.

Ich glaube, dass dieser psychologische Faktor viel wichtiger ist als irgendwelche Aussagen oder taktischen Entscheidungen von Favre. Für mich ist es auch eine nachvollziehbare Entschuldigung für den Einbruch in der Rückrunde – und trotzdem noch eine glänzende Saison des BVB. Ärgerlich ist es natürlich trotzdem, denn die Chance den FC Bayern zu schlagen war so groß wie seit Jahren nicht mehr.

Trainer brauchen mehr Macht

Die irrsinnigen Trainer-Diskussionen spielen sich aber auch nicht nur bei den Top-Klubs ab, das Problem in der Bundesliga ist noch viel größer. Wir müssen aufhören mit dem Trainer-Pranger! Und wir müssen grundsätzlich über die Zukunft dieses Jobs reden. Es kann doch nicht sein, dass die Trainer ständig eine schlechte Kaderzusammenstellung ausbaden müssen, aber selbst immer weniger Mitspracherecht genießen.

Trainer brauchen wieder mehr Macht. Vielleicht sollten wir uns sogar am traditionellen englischen Modell des Teammanagers orientieren, bei dem alle Entscheidungen zusammenlaufen. Natürlich funktioniert der Fußball im Jahr 2019 nicht mehr als One-Man-Show. Du kannst von mir aus auch noch sieben Co-Trainer und drei Kaderplaner haben. Aber die Frage ist, wer am Ende die Entscheidungshoheit besitzt: häufig unausgebildete Sportdirektoren – oder nicht doch eher die mit mehreren Lizenzen und Lehrgängen geschulten Trainer, die Fachmänner dieses Sports?

Wir müssen die Trainer-Ausbildung optimieren

Ich bin auch enttäuscht vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer. Wo bleiben die Vorschläge für ernsthafte Veränderungen? Warum wird keine nachhaltige Debatte über den Umgang mit Trainern heutzutage angestoßen? Ich bin auch gespannt, ob der Umgang und die Ausbildung von Trainern ein Thema im Beirat des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) wird, in dem ich sitze.

Denn zur Wahrheit gehört auch, dass wir unsere Trainer-Ausbildung optimieren müssen. Wir brauchen meiner Meinung nach mehr erfahrene Köpfe als Ausbilder und müssen die jungen Trainer zu Praktika auf der ganzen Welt zwingen. Mir haben die Erfahrungen bei Manchester United oder in Sochaux (Frankreich) enorm geholfen, es passieren aber auch in Südamerika zum Beispiel spannende sportliche Entwicklungen. Wir in Deutschland sind jedenfalls nicht die Erfinder des Fußballs und sollten unseren Horizont erweitern.

Die Trainer sind nicht immer schuld

Das sind natürlich langfristige Prozesse. Für den Anfang würde schon eins enorm helfen: Fans und Journalisten sollten es sich nicht so einfach machen, und immer zunächst den Trainern die Schuld für sportliche Misserfolge geben. Selten ist es so einfach.

Ein gutes Beispiel ist mein Ex-Klub Borussia Mönchengladbach. Dort wird im Moment auch viel über den Trainerwechsel diskutiert. Spätestens seit bekannt ist, dass Dieter Hecking durch Marco Rose ersetzt wird, geht es deutlich bergab. Aber ist das wirklich der einzige Grund? Ich sage: So dumm können die Spieler gar nicht sein, dass sie sich jetzt schon hängen lassen. Denn auch sie verpassen möglicherweise den Europapokal – und Marco Rose wird die Leistungen schon jetzt ganz genau beobachten.


Die Gründe sind vielfältiger: Fehlende Stabilität in der Abwehr beziehungsweise dem defensiven Mittelfeld hat einige Punkte gekostet, auch noch nach Führung. Bei Verletzungsproblemen hat sich gezeigt, dass der Kader in der Breite vielleicht doch nicht so gut aufgestellt ist wie gedacht. Außerdem hat sich inzwischen eine sehr große Unzufriedenheit bei den Fans entwickelt, die schon früh im Spiel pfeifen – und damit kann die aktuelle Mannschaft meiner Ansicht nach nicht umgehen. Die Leistung gegen Hoffenheim war trotz des 2:2-Unentschiedens erschreckend, das hätte auch eine hohe Niederlage sein können.

Die gleiche Mannschaft hat unter Dieter Hecking in der Hinrunde den besten Gladbacher Fußball seit Jahren gespielt und alle begeistert. Weder für den Erfolg noch den Misserfolg sind ausschließlich die Trainer verantwortlich.

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