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Dortmund-Krise: Der BVB wird harte Entscheidungen treffen müssen


Der BVB muss harte Entscheidungen treffen

  • Florian Wichert
  • Robert Hiersemann
Von Robert Hiersemann und Florian Wichert

Aktualisiert am 25.01.2021Lesedauer: 2 Min.
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Marco Reus spielt bisher eine überschaubare Saison. In 17 Bundesligaspielen erzielte er erst drei Tore, als Kapitän ist er umstritten.
Marco Reus spielt bisher eine überschaubare Saison. In 17 Bundesligaspielen erzielte er erst drei Tore, als Kapitän ist er umstritten. (Quelle: Poolfoto/imago-images-bilder)
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Der Trainerwechsel beim BVB hat nichts gebracht. Deshalb richtet sich die Kritik nun gegen die Mannschaft. Sind die Führungsspieler wirklich an der Misere Schuld?

Borussia Dortmund wollte dem FC Bayern die Deutsche Meisterschaft streitig machen. Nun beträgt der Rückstand auf den Serienmeister nach 18 Bundesliga-Spieltagen schon 13 Punkte. Der Titel ist futsch, stattdessen geht es nur noch um die Qualifikation für die Champions League, also um Platz vier.


Bundesliga: Ex-BVB-Stars: Das machen Amoroso, Koller und Co. heute

Julio Cesar (1994-1998): Der Brasilianer wurde in Dortmund zum Fan-Liebling. Die BVB- Fans verabschiedeten ihn mit einem Banner, auf dem geschrieben stand: "Du kamst als Fremder und gingst als Freund und als Borusse." Heute engagiert er sich im Rahmen eines Regierungsprogramms in Sao Paulo für bessere Bildung von Kindern und sucht nach neuen Fußballtalenten.
Sebastian Kehl (2002-2015): Heute ist der Ex-Nationalspieler Leiter der Lizenzspielerabteilung beim BVB. 2022 wird Kehl in der Dortmunder Hierarchie weiter aufsteigen und zum Nachfolger von Michael Zorc als Sportdirektor.
+18

Der Trainerwechsel von Lucien Favre zu Edin Terzic? Verpufft! Nach dem 2:4 bei Borussia Mönchengladbach am Freitag scheint schon jetzt klar, dass es für Terzic über das Saisonende hinaus wohl kaum als Chefcoach weitergeht. Aus seinen ersten sieben Ligaspielen als BVB-Trainer holte der 38 Jahre alte Ur-Borusse nur zehn Punkte. Erfolgloser war zuletzt Thomas Doll 2007.

Für t-online-Kolumnist Stefan Effenberg war schon vor der Niederlage bei Gladbach klar, dass das große Problem der Borussia nicht auf der Trainerbank zu finden ist, sondern auf dem Platz. Die Hauptverantwortung, so Effenberg, liege bei den Führungsspielern, die mit Top-Leistungen und -Mentalität vorangehen müssten. In seiner Kolumne schrieb er: "Bürki, Reus, Hummels und Delaney – diese Spieler spielen jetzt auf Bewährung bis zum Saisonende. Sportdirektor Michael Zorc und Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl müssen sich ganz genau anschauen, ob das die richtigen Führungsspieler für die nächsten zwei, drei Jahre sind – oder eben nicht."

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Je länger die Krise geht, desto unvermeidlicher scheint beim BVB ein Umbruch im Sommer, der eng verbunden sein wird mit der Frage:

Tragen die Führungsspieler bei Borussia Dortmund die Schuld an der Krise?

Pro
Florian Wichert
Florian Wichert

Ja, in der Hierarchie stimmt es nicht

Sieben Niederlagen in 18 Bundesliga-Spielen, drei davon in nur sechs Spielen unter dem neuen Trainer Edin Terzic. Diese Bilanz verrät: Dortmund ist Mittelmaß statt Meisterkandidat. Und: Dortmund hat ein Führungsproblem! Das sitzt allerdings nicht auf der Trainerbank, sonst hätte der Wechsel von Favre zu Terzic etwas gebracht.

Dortmunds größte Sorgen: Die fehlende Abstimmung bei Standards, die zu elf Gegentoren geführt hat und damit den meisten in der Liga – und die fehlende Entschlossenheit. Sowohl in der Defensive als auch in der Offensive, wenn der Gegner Plan A dekodiert hat und die Top-Talente hilflos sind.

In all diesen Punkten sind die Führungsspieler gefragt. Organisieren, vorangehen, entschlossen handeln und führen, gerade wenn es schlecht läuft – doch das tun sie viel zu selten. Reus ist kein geborener Kapitän, Hummels ist mit seiner öffentlichen Kritik an Mitspielern neben dem Platz konsequenter als auf dem Feld – und daneben gibt es mehr Möchtegern-Führungsspieler als echte Leader. Roman Bürki, Thomas Delaney, Thomas Meunier oder Emre Can stehen sich mit ihren wechselhaften Leistungen selbst im Weg.

Der BVB wird im Sommer ein paar harte Entscheidungen treffen – und neue Spieler holen müssen, die besser führen.

Kontra
Robert Hiersemann
Robert Hiersemann

Der BVB hat tolle Führungsspieler – der Fehler liegt woanders

Top-Spieler wie Mats Hummels und Marco Reus laufen seit vielen Jahren in der Eliteklasse des deutschen Fußballs auf. Sie haben beide längst bewiesen, wie wichtig sie für ihre Mannschaften sein können. Dortmunds Problem sind nicht die verdienten Führungsspieler. Der Fehler liegt woanders.

Mit Jude Bellingham, Jadon Sancho, Erling Haaland, Giovanni Reyna und Youssoufa Moukoko setzt der BVB sehr stark auf hochtalentierte, aber extrem junge Fußballer. Doch man kann nicht erwarten, dass man mit solch einer Truppe gespickt mit Top-Talenten ganz vorne mitspielt oder sogar Titel gewinnt, das ist Irrsinn.

Ihnen fehlt die Erfahrung. Und Jungprofis erleben nun mal starke Leistungsschwankungen in ihren ersten Saisons. Wenn viele dieser Talente im Kader sind, treten diese Schwankungen auch häufig auf. Genau das erlebt der BVB gerade. Daran können auch die Führungsspieler nichts ändern.

Bevor darüber geredet wird, ob Hummels und Reus noch die richtigen Profis für das Team sind, sollten die BVB-Bosse vielmehr über die eigene Transferpolitik mit dem Talente-Fokus nachdenken.

Dortmund braucht keine anderen Führungsspieler – sondern einfach mehr davon.

Wer hat recht?

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Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen.

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