Pleite beim FC Bayern

BVB wie das Kaninchen vor der Schlange – darum verlor Dortmund

Von Constantin Eckner

07.03.2021, 12:31 Uhr

Unterhaltsamer Klassiker zwischen Bayern und Dortmund: Das sagten die Trainer Hansi Flick und Edin Terzic nach dem Spiel. (Quelle: SID)

Borussia Dortmund begann das Spitzenspiel beim FC Bayern furios und ging schnell mit 2:0 in Führung. Doch gerade das war offenbar das Schlechteste, das Trainer Terzic passieren konnte – aus einem besonderen Grund.

Das Spitzenspiel in München hätte für Borussia Dortmund besser nicht beginnen können. Doch nach dem Doppelschlag durch Erling Haaland gelang dem BVB immer weniger. Nur hinten drin zu stehen, reicht für gewöhnlich nicht gegen Bayern München. So auch gestern Abend.

BVB-Trainer Edin Terzic hatte sich einen detaillierten Plan für das Duell mit den Bayern überlegt. Das wurde schon sehr früh in der Partie deutlich. Emre Can wechselte vom Mittelfeld in die zentrale Verteidigung, wenn sich Dortmund im Rückwärtsgang befand. Gewann der BVB den Ball zurück, bewegten sich die beiden Außenverteidiger, Nico Schulz und Thomas Meunier, umgehend nach vorn und wurden durch die fünf Zentrumsspieler abgesichert.

Dortmund unterliegt im Spitzenspiel – nur ein BVB-Profi mit Bestnote

Der BVB um Mats Hummels (Foto) startete furios ins Prestigeduell mit Bayern München. Danach befanden sich die Schwarzgelben aber vor allem in der Verteidigung. Endergebnis: 2:4. Die Einzelkritik. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Marwin Hitz: Die meiste Zeit wirkte der Schweizer souverän. Nur gelegentlich wackelte er bei einem Zuspiel. Einmal ließ er einen Schuss von Kimmich fallen. Note: 3. (Quelle: Günter Schiffmann/Reuters)

Thomas Meunier: Der Belgier begann stark, aber nach und nach machten sich seine technischen Schwächen bemerkbar. In der 25. Minute hatte er die Möglichkeit, das 3:0 vorzubereiten. Sein Passversuch zu Haaland ging allerdings komplett daneben. Note: 4. (Quelle: Günter Schiffmann/Reuters)

Dan-Axel Zagadou (bis 70. Minute): Etwas überraschend wurde er von Edin Terzic nominiert. Aber Zagadou machte seinen Job gut. Im Defensivzweikampf schien er phasenweise unüberwindbar. Note: 2. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Mats Hummels: Der Routinier glänzte nicht nur als Abwehrorganisator, sondern lange Zeit auch als Zweikämpfer gegen seinen alten Kumpel Lewandowski. Note: 2. (Quelle: dpa)

Nico Schulz: Der Linksverteidiger hatte die undankbarste Aufgabe aller Dortmunder. Er musste ständig Leroy Sané im Eins-gegen-Eins verteidigen. Beim Anschlusstreffer der Bayern ließ er sich von einer Bewegung Sanés austricksen. Offensiv konnte Schulz aber sein Tempo gut einsetzen. Note: 2. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Emre Can: Es war eine komplizierte Partie für den 27-Jährigen. Defensiv sollte er in die Fünferkette rücken, wobei diese taktische Maßnahme zwischenzeitlich aufgehoben wurde. Die notwendige Grundaggressivität brachte Can in jeder Rolle mit. Note: 3. (Quelle: Sven Hoppe/dpa)

Thomas Delaney (bis 70. Minute): Der Däne war der wichtige Defensivanker im BVB-Team. Physisch konnte er sich den Goretzkas und Kimmichs entgegenstemmen. Nach Ballgewinnen wollte er es auffällig oft spielerisch lösen, was nicht immer funktionierte. Note: 2. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Marco Reus (bis 76. Minute): Anfangs konnte Reus als wichtiger Ballmagnet hinter Haaland überzeugen. Doch mit zunehmender Spielzeit wurde der Kapitän immer blasser. Note: 3. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Mahmoud Dahoud: Anders als sonst konnte Dahoud nur selten als Spielmacher glänzen. Ausnahme war die Vorbereitung zum 2:0, als er das Tor mit einem Weltklasse-Verlagerungsball einleitete. Dass er später den Elfmeter gegen Kingsley Coman verursachte, war unglücklich, wobei die Haken des Franzosen insgesamt nur schwer zu verteidigen waren. Note: 3. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Thorgan Hazard (bis 60. Minute): Er musste für den verletzten Jadon Sancho auflaufen und konnte den englischen Superstar mehr als nur passabel ersetzen. Gerade in Umschaltangriffen zeigte Hazard seine technischen wie auch athletischen Stärken. Note: 2. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Erling Haaland (bis 60. Minute): Dortmunds Sturmtank begann die Partie mit einem Paukenschlag. Nach seinem zweiten Treffer gab es für ihn – wie so oft – richtig auf die Socken. Irgendwann ging es nicht mehr weiter. Note: 1. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Julian Brandt (ab 60. Minute): Er sollte Hazard nach einer Stunde ersetzen. Allerdings machte sich seine geringere Geschwindigkeit im Vergleich zu Hazard doch recht deutlich bemerkbar. Note: 4. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Steffen Tigges (ab 60. Minute): Als Haaland runter musste, durfte sich der 1,93 Meter große Angreifer versuchen. Einen Stich sah er allerdings nicht. Die ganze Angelegenheit war etwas zu hochkarätig für ihn. Note: 4. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Mateu Morey (ab 70. Minute): Er übernahm in der Schlussphase die Flügelrolle von Meunier, der seinerseits nach innen rückte. Morey war vor allem mit Defensivarbeit beschäftigt. Note: 3. (Quelle: Poolfoto/imago images)

Jude Bellingham (ab 70. Minute): Mit dem jungen Engländer sollten noch einmal frische Beine ins Mittelfeldzentrum kommen. Sein Auftritt war okay. Note: 3. (Quelle: Poolfoto/imago images)

BVB-Trainer Terzic: Pläne durch das frühe 2:0 über den Haufen geworfen? (Quelle: imago images)

Ein Verlagerungsball auf Schulz war es auch, der den frühen zweiten Treffer der Dortmunder einleitete. Mahmoud Dahoud spielte den Ball quasi blind übers halbe Feld auf Schulz, weil er den Linksverteidiger dort entsprechend dem zuvor besprochenen Plan erwartete. Dortmund wusste, dass die Bayern bei Seitenverlagerungen anfällig sein können.

Nur noch kurze Kontergefahr durch Dortmund

Doch so gut der BVB in der Anfangsphase auch agierte, es schien so, als hätte Terzic keine Überlegungen für eine frühe 2:0-Führung getroffen. Nachdem die Dortmunder in der 10. Minute mit zwei Toren in Front waren, wurden sie immer reaktiver und passiver. Knapp eine Viertelstunde später stand der BVB nur noch tief im 5-2-3 in der eigenen Spielhälfte. Selbst Mittelstürmer Haaland befand sich zehn Meter hinter der Mittellinie.

  In diesen Grundformationen spielten beide Teams.

Konnten sich die Bayern nicht bis zum Tor von Marwin Hitz durchkombinieren, griff umgehend das Gegenpressing über Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Interessanterweise hatte der BVB um die 25. Minute noch einmal ein paar Kontergelegenheiten, als Haaland sowie Thorgan Hazard und Marco Reus etwas höher standen und schon vor den Ballgewinnen auf Risiko spielten. Beinahe hätte es sogar 3:0 für den BVB gestanden, wäre Meuniers Pass bei einem Konterangriff bei Haaland gelandet.

Coman und Sané kommen ins Dribbling

Allerdings bewegte diese kurze Gegenwehr des BVB die Bayern nicht dazu, ihre offensive Spielweise herunterzuregulieren. Das Vertrauen in die eigene Gegenpressing- und Spielstärke war zu groß. Deshalb fuhr der Rekordmeister Angriff um Angriff. Die Fünferkette des BVB zog sich immer weiter zusammen, sodass Bayerns Flügelstürmer, Kingsley Coman und Leroy Sané, immer häufiger außen den Ball erhielten und isolierte Eins-gegen-Eins-Situationen mit Dortmunds Außenverteidigern suchen konnten. Vorm Anschlusstreffer trickste Sané Schulz durch eine kleine Bewegung aus; vorm Elfmeter zum 2:2 begab sich Coman einmal mehr ins Dribbling und wurde von Dahoud gefoult.

In der zweiten Halbzeit blieben entscheidende Impulse des Dortmunder Trainerteams aus. Sogar das Gegenteil war der Fall. Nachdem Terzic in der Schlussphase der ersten Halbzeit Can ins Mittelfeld beordert hatte, um die Angriffe der Bayern schon frühzeitiger zu stoppen, zog er ihn nach dem Seitenwechsel wieder in die Abwehr zurück. Der BVB befand sich also einmal mehr im tiefen 5-2-3 – und wie das Kaninchen vor der Schlange. Zum Ende der Partie schnappte die bayerische Schlange zu und gewann mit 4:2.

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