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Champions League: Geht dem BVB die Luft aus, Herr Helmer?

INTERVIEWVor Duell mit Tottenham  

Geht dem BVB die Luft aus, Herr Helmer?

Von Philip Seiler

13.02.2019, 13:00 Uhr
Champions League: Geht dem BVB die Luft aus, Herr Helmer?. Thomas Helmer: Der Europameister und Ex-BVB-Spieler traut Dortmund keinen Coup in der Champions League zu. (Quelle: imago images)

Thomas Helmer: Der Europameister und Ex-BVB-Spieler traut Dortmund keinen Coup in der Champions League zu. (Quelle: imago images)

Drei Führungen hat Borussia Dortmund zuletzt in Liga und Pokal verspielt. Jetzt wartet auf den BVB in der Champions League mit Tottenham eine schwere Aufgabe. Thomas Helmer verrät bei t-online.de, was er dem jungen Team in dieser Saison noch zutraut – und was nicht. 

Mit der Nationalmannschaft wurde Thomas Helmer 1996 Europameister. In seiner BVB-Zeit gewann er einmal den DFB-Pokal, mit dem FC Bayern holte er drei Meisterschaften, einen Pokalsieg und gewann den UEFA-Pokal. Heute moderiert Helmer ab 20.45 Uhr den "Fantalk" auf SPORT1, der als Themenschwerpunkt auch das Champions-League-Duell des BVB bei Tottenham Hotspur hat.

t-online.de sprach mit dem Ex-Nationalspieler (68 Länderspiele) über das Achtelfinal-Hinspiel der Dortmunder in London (ab 21 Uhr im Liveticker bei t-online.de), den Titelkampf in der Bundesliga und das Wut-Interview von Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic.

Herr Helmer, Borussia Dortmund hat zuletzt geschwächelt und in der Bundesliga zweimal gepatzt. Gegen Werder Bremen flog die Mannschaft im DFB-Pokal raus. Kann der BVB jetzt in der Champions League gegen Tottenham wieder den Schalter umlegen?

Thomas Helmer (53): Das Spiel gegen Tottenham wird eine riesige und ganz andere Herausforderung. Tottenham ist in der Premier League unangefochten Dritter hinter den beiden Topklubs Liverpool und Manchester City. Dortmund muss höllisch aufpassen und vor allem in der Defensivarbeit sehr stabil sein. Sonst kann das böse nach hinten losgehen.

Ist Dortmund als Tabellenführer der Bundesliga trotzdem Favorit?

Nein. Ich sehe Dortmund, zumindest im Hinspiel, überhaupt nicht in der Favoritenrolle. Die Ausgangslage ist völlig ausgeglichen. Tottenham hat so viele gute Leute. Heung-Min Son spielt aktuell unfassbar. Dortmund muss unglaublich gefestigt sein. Wie Marco Reus zuletzt mal gesagt hat: Sie bräuchten auch mal einen dreckigen Sieg.

Thomas Helmer im BVB-Dress: 1989 holte er mit Dortmund den Pokalsieg.  (Quelle: imago images/Kicker/Eissner/Liedel)Thomas Helmer im BVB-Dress: 1989 holte er mit Dortmund den Pokalsieg. (Quelle: Kicker/Eissner/Liedel/imago images)

Mit Marco Reus und Paco Alcacer fehlen jedoch zwei Torschützen vom Dienst. Auch Julian Weigl und Lukasz Piszczek sind nicht dabei. Kann der BVB das kompensieren?

Die Ausfälle werden auf jeden Fall nicht leicht zu kompensieren sein. Der Reus-Ausfall hat sich bereits abgezeichnet. Aber dass Julian Weigl nicht spielen kann, ist für mich auch ein herber Verlust. Er hat das in der Innenverteidigung prima gemacht, hat ein enorm gutes Stellungsspiel. Das hat ihm keiner so zugetraut.

BVB-Trainer Favre: "Auch mit kompletter Mannschaft wäre es sehr, sehr schwer". (Quelle: Reuters)

Torwart Roman Bürki hat im „Kicker“ gesagt, es gebe beim BVB „keine Grenzen“. Kann Dortmund in der Champions League sogar um den Titel mitspielen?

Nein. Das kann ich mir nicht vorstellen. Dortmund ist aktuell Tabellenführer der Bundesliga und momentan läuft alles gut. Aber für den Champions-League-Titel ist der BVB noch nicht reif genug. Perspektivisch können die Dortmunder mit ihren vielen jungen Topspielern irgendwann wieder in die Nähe kommen, aber in dieser Saison nicht. Das wäre zu früh.

In den letzten Wochen ist bei den Dortmundern vor allem Mario Götze aufgefallen. Ist er in dieser Form auch wieder einer für Jogi Löw und die Nationalelf?

Im Moment macht Mario Götze sehr, sehr viel richtig gut. Er belohnt sich dann auch wie gegen Hoffenheim mit einem Tor. Man sieht ihm wieder die Spielfreude an. Aber ob das für die Nationalmannschaft schon reicht, weiß ich nicht.

Trotz Götzes Tor kassierte der BVB am vergangenen Samstag gegen Hoffenheim nach einer 3:0-Führung noch das 3:3? Können diese leichtfertig verspielten zwei Punkte am Ende den Meistertitel kosten?

So krass würde ich es noch nicht formulieren. Aber es war natürlich eine Super-Vorlage für die Bayern. Und wenn man dann wie die Münchner nachzieht, pusht das ungemein und gibt Bayern Auftrieb im Titelkampf. 

Ist der BVB manchmal noch zu naiv, um die drei Punkte nach Hause zu bringen oder das 3:2 am Ende zu verteidigen?

Alle drei Gegentore, die die Dortmunder kassiert haben, waren unnötig. In der ersten Halbzeit haben sie total dominiert und die sonst spielstarken Hoffenheimer kamen gar nicht zum Zuge. Dass der BVB das Spiel am Ende dann noch aus der Hand gibt, lag meiner Meinung nach an der mentalen Müdigkeit. Einige Dortmunder, vor allem die jungen Spieler wie Jadon Sancho, aber auch Mario Götze oder Raphael Guerreiro schienen einfach platt, weil das Dortmunder Spiel sehr intensiv ist. Und durch diese mentale Müdigkeit passieren dann auch Flüchtigkeitsfehler.

Insgesamt hat der BVB nun drei Führungen in acht Tagen verspielt. Der FC Bayern sitzt der Borussia wieder im Nacken und hat nur noch fünf Punkte Rückstand. Hat der BVB, gerade die jungen Spieler, genug Nervenstärke für den Titel?

Die Frage kann man leider noch nicht beantworten. Die Bayern sind es gewohnt, jedes Jahr um den Titel zu spielen und sind sehr viel erfahrener als die BVB-Spieler. Das ist für die Bayern natürlich ein Vorteil. In der entscheidenden Phase wird beim BVB viel auf die personelle Situation ankommen: Wie lange fällt Marco Reus wirklich aus? Wie sieht es mit der Abwehr aus? Ich glaube, dass es für den BVB noch ganz schwer wird im Kampf um den Meistertitel.

Thomas Helmer mit Oliver Kahn 1999: Damals holte der Abwehrspieler den dritten Meistertitel mit dem FC Bayern. (Quelle: imago images/Pressefoto Baumann)Thomas Helmer mit Oliver Kahn 1999: Damals holte der Abwehrspieler den dritten Meistertitel mit dem FC Bayern. (Quelle: Pressefoto Baumann/imago images)

Anders gefragt: Ist der FC Bayern nach dem bisherigen Saisonverlauf denn überhaupt reif für den Titel?

Die Bayern haben in der Hinrunde viel liegen lassen, was man von ihnen nicht kennt. Aber sie haben acht der letzten neun Bundesligaspiele gewonnen. Die Ergebnisse stimmen also wieder. Und das ist das, was die Münchner ja immer ausgezeichnet hat: Sie holen zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Ergebnisse. Wenn sich die Dortmunder nicht verrückt machen lassen, dann haben sie immer noch einen großen Vorteil. Aber wenn sie jetzt die Flatter kriegen, dann wird Bayern da sein. Denn ich schätze, dass die Münchner nicht mehr so viele Punkte wie vorher abgeben werden. Da muss Dortmund enorm auf der Hut sein und darf sich keine Ausrutscher mehr wie gegen Hoffenheim leisten. Viel wird sicher dann auch vom direkten Duell am 28. Spieltag in München abhängen.

Wird es im Kampf um die Meisterschaft auf einen Zweikampf hinauslaufen oder kann auch Gladbach noch mal eingreifen?

Gladbach spielt bisher eine überragende Saison. Aber beim 0:3 gegen Hertha hatte man nun das Gefühl: Da fehlt dann doch vielleicht noch etwas zum großen Coup. So richtig gefährden werden sie Dortmund und Bayern im Kampf um den Titel nicht, auch wenn sie beide noch zu Hause empfangen.

Bei den Bayern gab es in den letzten Tagen vor allem Aufregung um die Kritik von Dietmar Hamann an Robert Lewandowski. Wie sehen Sie die Leistungen von Lewandowski in dieser Saison?

Ich finde, dass wir in dieser Saison tatsächlich einen anderen Robert Lewandowski sehen. Aber in positiver Hinsicht. Denn er spielt in dieser Saison nicht nur für sich, sondern bereitet auch viele Tore vor und arbeitet, wie zuletzt auch gegen Schalke, nach hinten mit und holt sich die Bälle. Das kannte ich zuvor nicht von ihm. Für mich spielt Lewandowski also eine sehr gute Saison. Dietmar Hamanns Kritik, dass er aktuell in den wichtigen Spielen nicht mehr der entscheidende Mann ist, stimmt aber natürlich faktisch. Da liegt es jetzt an Lewandowski, das zu widerlegen.


Halten Sie die Reaktion von Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic für übertrieben, der Dietmar Hamann als „ahnungslos“ bezeichnet hat und ihm eine Kampagne vorwirft? Muss ein Sportchef da sachlicher bleiben?

Ich finde es gut, wenn sich ein Verein schützend vor seine Spieler stellt. Man muss deswegen aber niemandem eine „Kampagne“ unterstellen. 

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