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Nations League: Deutschland kämpft für Olympia-Traum gegen die Niederlande


Schluss mit "Angsthasenfußball"
Es geht um viel mehr als nur Olympia


Aktualisiert am 28.02.2024Lesedauer: 4 Min.
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Giulia Gwinn: Sie verwandelte gegen Frankreich einen Elfmeter.Vergrößern des Bildes
Giulia Gwinn: Gelingt Deutschland ein Sieg im kleinen Finale? (Quelle: IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl)

Die DFB-Frauen müssen das Nations-League-Spiel gegen die Niederlande gewinnen. Ansonsten zerplatzt nicht nur ein Traum.

Während sich die elf Frauen, die im Halbfinale der Nations League in der Startformation stehen sollten, auf den Torschuss konzentrierten, wärmten sich drei Ersatzspielerinnen auf ungewöhnliche Art auf. Sydney Lohmann, Laura Freigang und Linda Dallmann bildeten ein Dreieck und spielten Volleyball statt wie ihre Mitspielerinnen Fußball. Spielerisch verträumt baggerten und pritschten sie sich den Ball zu.

Genauso verträumt präsentierten sich auch die elf Spielerinnen der Startelf einige Minuten später auf dem Feld gegen Frankreich. Im ersten Olympia-Matchball startete das Team von Bundestrainer Horst Hrubesch zögerlich, leistete sich individuelle Fehler und wurde von der französischen Elf regelrecht überrannt. Besonders die Schlussphase der ersten Halbzeit setzte den DFB-Frauen zu, und so lagen sie zur Pause verdient 0:2 zurück.

Nach dem Wiederanpfiff brachte ausgerechnet "Volleyballerin" Lohmann neben Teamkollegin Jule Brand mit ihrer Einwechslung mehr Schwung in die Partie. Das Duo kombinierte sich immer wieder gefährlich vor das französische Tor. Deutschland erkämpfte sich zwar den Anschlusstreffer nach einem verwandelten Elfmeter von Giulia Gwinn (82. Minute). Die erhoffte und so wichtige Wende blieb aber aus.

Mit der 1:2-Niederlage im Halbfinale bleibt den DFB-Frauen nur noch das kleine Finale im Spiel um Platz drei – und die letzte Chance, sich für die Olympischen Spiele in Paris zu qualifizieren. In Heerenveen trifft Deutschland am Mittwochabend auf die Niederlande (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei t-online).

"Eine Mannschaft, mit der man immer rechnen muss"

Die "Leeuwinnen" waren im zweiten Halbfinale klar an Weltmeister Spanien gescheitert. Trotz der herben 0:3-Niederlage sollte das Team des ehemaligen Bayern-Interimstrainers Andries Jonker niemals abgeschrieben werden, mahnte Giulia Gwinn. "Die Niederlande sind eine Mannschaft, die in den vergangenen Jahren bei jedem Turnier präsent war. Das ist eine Mannschaft, mit der man immer rechnen muss", sagte sie am Montag bei einer Pressekonferenz.

Vor sieben Jahren holten die Niederlande den EM-Titel, wurden 2019 Vizeweltmeister und schafften es bei der EM 2022 und der WM 2023 jeweils bis ins Viertelfinale. Für die Olympischen Spiele qualifizierten sie sich erstmals 2021 und schafften es prompt unter die besten acht Teams. In der laufenden Saison der Nations League setzten sie sich in einer Gruppe gegen Europameister England durch. Gwinns Warnung kommt also nicht von ungefähr.

Die Niederlande profitieren besonders von der Erfahrung der 228-maligen Nationalspielerin Sherida Spitse. Zusammen mit Lieke Martens (157 Spiele) und Danielle van de Donk (151) führt sie das Team an. Gwinn erinnerte sich vor der Partie an ihre gemeinsame Zeit beim FC Bayern mit der Angreiferin Lineth Beerensteyn (2019 bis 2022) und hob sie hervor. "Die Niederländerinnen haben gute Einzelspielerinnen. Sie haben einen guten Mix aus Erfahrung und einer gewissen Frische. Ich persönlich kenne Lineth Beerensteyn, die für gefährliche Momente sorgen kann in der Spitze", so die Nationalspielerin.

Ihren Erfolg verdanken die Niederländerinnen auch Trainer Jonker. Bevor er im August 2022 den Cheftrainerposten übernahm, hatte er unter anderem die Männermannschaften des FC Bayern als Co-Trainer von Louis van Gaal gecoacht, den VfL Wolfsburg trainiert und die Talentakademie des FC Arsenal geleitet. Mit seiner langjährigen Erfahrung kann Jonker Deutschland nun knapp sieben Monate nach dem WM-Debakel in Australien den nächsten Rückschlag verpassen.

Es braucht Mut

Doch so weit wollen es die DFB-Frauen nicht kommen lassen. Abwehrchefin Marina Hegering sagte am Sonntag bei einer Medienrunde: "Es ist keine einfache Aufgabe. Wir sind auf alles vorbereitet und müssen im Spiel hellwach bleiben, um ihnen ihre Stärken zu nehmen." Aber: "Die Holländerinnen sind schlagbar."

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Das Ziel vor Augen zu haben, wird aber nicht ausreichen, um zu gewinnen. Außenverteidigerin Sarai Linder betonte vor allem die richtige Einstellung in den eigenen Reihen: "Ein positiver Gedanke kann eine ganze Mannschaft mitreißen, und so wollen wir es angehen. Es ist ein All-in-Spiel, und wir haben nichts zu verlieren", sagte sie am Dienstag.

Neben dem positiven Gedanken braucht Deutschland aber vor allem Selbstbewusstsein und Mut. Gwinn hatte nach der Niederlage gegen Frankreich am Freitagabend in der ARD genau das bemängelt: "Ich hatte das Gefühl, wir waren in der ersten Halbzeit nicht mutig genug, haben Angsthasenfußball gespielt." Eine harsche Kritik, die intern aber geteilt wurde: "Ich glaube, das hat – zumindest, mit denen ich gesprochen habe – jeder so gesehen", erklärte Gwinn wenige Tage später bei einer Pressekonferenz.

Es könne sich jede Spielerin "an die eigene Nase packen". Für die Aussage habe sie aber nicht büßen müssen. "Das hat mir auf jeden Fall keiner krummgenommen", so Gwinn, die von ihrer Teamkollegin Linder mit einem lächelnden "also ich nicht" unterstützt wurde.

Es geht nicht nur um Olympia

Gegen die Niederlande soll also Schluss sein mit "Angsthasenfußball". Es braucht mehr Mut, mehr Schüsse aus der zweiten Reihe, mehr Ideen für das Offensivspiel und auch Veränderungen in der Startformation. Trainer Hrubesch entschied sich im Frankreich-Spiel gegen die eigentliche Stammnationalspielerin Sara Däbritz und vertraute stattdessen auf Sjoeke Nüsken.

Warum also nicht noch eine Veränderung wagen und anstelle von Stammkräften auf frische Gesichter setzen? Nach ihrer guten Leistung im Frankreich-Spiel könnten nun auch Bayerns Lohmann und Wolfsburgs Brand eine Chance erhalten, in der Startelf zu stehen. Verzichten müsste Hrubesch dann aber wohl auf seine Idee der Doppelspitze aus Lea Schüller und Alexandra Popp. Letztere könnte wieder als alleiniges Kopfballmonster in den gegnerischen Reihen agieren. Auch die erfahrene Svenja Huth sah zuletzt schlecht aus, kam gegen Frankreich überhaupt nicht ins Spiel und könnte gegen die Niederlande vorerst auf der Bank sitzen und den Platz für Brand freiräumen.

Vielleicht verzichten dann Lohmann und Brand auch auf die Volleyball-Erwärmung und fokussieren sich stattdessen allein aufs Spiel. Denn das ist die letzte Chance, sich für Olympia zu qualifizieren, und es ist "ein Traum jeder Einzelnen. Auch für Horst wollen wir alles reinwerfen", betonte Gwinn.

Aus Sicht von Popp steht im Endspiel um Olympia für Deutschland aber weit mehr als das Paris-Ticket auf dem Spiel. "Wir wissen, um was es geht – nicht nur Olympia, sondern auch ein Stück weit darum, das eigene Gesicht zu wahren, das ist uns bewusst", sagte die Kapitänin vor dem kleinen Finale in den Niederlanden. Ein Sieg ist also Pflicht. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen in Lyon
  • Pressekonferenzen mit Marina Hegering, Sjoeke Nüsken vom 25. Februar 2024 und Giulia Gwinn, Sarai Linder vom 26. Februar 2024, Horst Hrubesch und Alexandra Popp vom 27. Februar 2024
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