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Ich will René Adler dauerhaft verdrÀngen

  • Luis Reiß
Ein Interview von Luis Reiß

Aktualisiert am 22.03.2018Lesedauer: 5 Min.
Florian MĂŒller: Der 20-JĂ€hrige stand bei den vergangenen drei Bundesliga-Spielen in Mainzer Tor.
Florian MĂŒller: Der 20-JĂ€hrige stand bei den vergangenen drei Bundesliga-Spielen in Mainzer Tor. (Quelle: Kai Pfaffenbach/Reuters-bilder)
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Er ist der aktuell jĂŒngste Torwart in der Bundesliga, der spielt: Im Interview mit t-online.de spricht Florian MĂŒller ĂŒber seinen mĂ€rchenhaften Karriere-Start und seine Vorbilder.

In den Junioren-Nationalmannschaften gilt er schon seit Jahren als das grĂ¶ĂŸte deutsche Torwart-Talent seiner Altersklasse. Jetzt erobert Florian MĂŒller vom FSV Mainz 05 mit 20 Jahren auch die Bundesliga. Nach der Verletzung des frĂŒheren Nationalkeepers RenĂ© Adler scheint er bei seinem Klub erste Wahl zu sein, zudem ist er erstmals in der U21-Nationalmannschaft dabei.

t-online.de traf MĂŒller vor dem EM-Qualifikationsspiel der U21 gegen Israel an diesem Donnerstag (19 Uhr/ live bei Eurosport) in Braunschweig.

t-online.de: Herr MĂŒller, vor drei Wochen feierten Sie ein sensationelles Bundesliga-DebĂŒt, brachten den HSV beim 0:0 zum Verzweifeln. Unter anderem hielten Sie einen Elfmeter. Wie haben Sie das verarbeitet?

Florian MĂŒller (20): Es ist schon unglaublich viel auf mich eingeprasselt danach, viele Nachrichten. In dem Ausmaß habe ich das nicht erwartet. Ich realisiere das alles erst so langsam und merke: Besser hĂ€tte es fĂŒr mich persönlich kaum laufen können, auch wenn ich mir natĂŒrlich einen Sieg gewĂŒnscht hĂ€tte. Das war ein bisschen GefĂŒhlschaos. Wir haben ein sehr schlechtes Spiel in Hamburg gemacht und waren nach dem Abpfiff nicht zufrieden, dieses GefĂŒhl hat auch bei mir trotz meines tollen DebĂŒts ĂŒberwogen.

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Und plötzlich sind Sie die Nummer eins in Mainz und haben den frĂŒheren Nationaltorwart RenĂ© Adler verdrĂ€ngt.

Aktuell ist das so klar noch nicht kommuniziert, wer bei uns die Nummer eins ist. Ich versuche mir ĂŒber den Status nicht so viele Gedanken zu machen, sondern will dem Trainer zeigen, dass es sich lohnt, mir weiter eine Chance zu geben. Ich will mich als Stammtorwart etablieren, das ist mein nĂ€chstes Ziel.

Ist Adler mehr Rivale oder Mentor fĂŒr Sie?

NatĂŒrlich sind wir Konkurrenten, verstehen uns aber gut. Und klar: so viel Erfahrung wie er hat, kann ich noch viel von ihm lernen. Er gibt in jedem Training 100 Prozent und heizt uns anderen TorhĂŒtern ein. Damit hat er das Niveau bei uns noch einmal angehoben. Wenn ihm etwas auffĂ€llt, gibt er auch hĂ€ufig hilfreiche Tipps.

Zum Beispiel?

Vor dem HSV-Spiel hat er mich in der Kabine auf die AtmosphĂ€re im Stadion vorbereitet. Er hat mir gesagt, ich soll mich nicht von außen beeinflussen lassen, weil das Stadion ein Hexenkessel sein wird und besonders die Anfangsphase sehr hektisch sein wird. Das habe ich in den ersten Minuten beherzigt.

Florian MĂŒller (r.) mit Teamkollege RenĂ© Adler (M.) und Schalkes Ralf FĂ€hrmann: Der 20-JĂ€hrige mischt die TorhĂŒter der Bundesliga auf.
Florian MĂŒller (r.) mit Teamkollege RenĂ© Adler (M.) und Schalkes Ralf FĂ€hrmann: Der 20-JĂ€hrige mischt die TorhĂŒter der Bundesliga auf. (Quelle: Arne Dedert/dpa-bilder)

Am vergangenen Wochenende haben Sie die Kehrseite der Bundesliga erlebt: Beim 0:3 gegen Frankfurt leisteten sie sich einen Fehler und wurden sofort kritisiert. Zwei Wochen nach dem Traum-DebĂŒt – wie gehen Sie damit um?

Ich wurde zu Recht kritisiert, das war ganz klar mein Fehler. Aber den habe ich analysiert und abgehakt. Als Torwart bist du schnell der Held oder der Verlierer. Damit musst du umgehen. Du hast im Profi-Fußball keine Zeit, dir zwei Wochen den Kopf zu zerbrechen.

Bei Ihren drei EinsÀtzen in der Bundesliga sind Sie auffÀllig oft laut geworden auf dem Platz und haben Ihre Àlteren Vorderleute zusammengestaucht. Wie schwer fÀllt das, wenn man mit 20 Jahren neu in eine Mannschaft kommt?

Das hĂ€ngt davon ab, was fĂŒr ein Typ du bist. Ich bin außerhalb des Platzes sehr ruhig, aber wĂ€hrend des Spiels versuche ich deutliche Ansagen zu machen. Wenn mehrere Aktionen nicht so laufen, wie es besprochen war, muss ich lauter werden.

Aktuell bereiten Sie sich mit der U21-Nationalelf auf die EM-Quali gegen Israel und Kosovo vor. Was wissen Sie ĂŒberhaupt ĂŒber diese Gegner?

Wir gehen erst einen Tag vorm Spiel so richtig ins Detail, haben bislang nur ĂŒber die grundsĂ€tzliche Ausrichtung gesprochen. UnabhĂ€ngig vom Gegner ist klar: Unser Anspruch ist es, jedes Quali-Spiel zu gewinnen und damit auch unsere Gruppe auf Platz eins zu beenden.

Zuletzt hatte die U21 fĂŒr ihr Alter sehr erfahrene Top-Talente wie Marc-AndrĂ© ter Stegen oder Bernd Leno im Tor. Aktuell sind Sie mit drei EinsĂ€tzen der dienstĂ€lteste U21-Torwart in der Bundesliga. Woran liegt das?

Vor ein paar Jahren war die Dichte an Top-Talenten sehr, sehr hoch. Viele PlÀtze in der Bundesliga sind von dieser Generation besetzt. Diese Jungs, wie Bernd Leno, Oliver Baumann oder Timo Horn, haben sich festgespielt und sind im Moment nur schwer zu verdrÀngen. Und es gibt eben nur 18 StammplÀtze in der Bundesliga. Aber wie ich zuletzt selbst gemerkt habe, kann sich schnell und unerwartet eine Chance ergeben.

Frankfurts Luka Jovic ĂŒberwindet MĂŒller: Der Mainzer Torwart erwischte beim 0:3 im Main-Derby nicht seinen besten Tag.
Frankfurts Luka Jovic ĂŒberwindet MĂŒller: Der Mainzer Torwart erwischte beim 0:3 im Main-Derby nicht seinen besten Tag. (Quelle: Hasan Bratic/dpa-bilder)

Von welchen TorhĂŒtern schauen Sie sich etwas ab?

Mir hat imponiert, wie sich zuletzt die junge deutsche Generation um ter Stegen und Leno in ganz jungen Jahren zuerst in der Bundesliga, und dann auch sehr schnell in der Champions League bewiesen hat. Was sie geschafft haben, ist unglaublich. Wie schnell sie sich weiterentwickelt haben, wie sie mit dem neuen Druck umgegangen sind – davon möchte ich lernen und auch schnell auf Top-Niveau kommen.

An dieser Stelle wird sonst immer Manuel Neuer genannt.

Das ist ja klar. Er hat das Torwartspiel verĂ€ndert und die Rolle ein StĂŒck weit neu definiert. Die AnsprĂŒche sind auch durch seine Leistungen enorm gestiegen, was zum Beispiel die Rolle des Torwarts im Spielaufbau angeht. Wir beschĂ€ftigen uns auch viel mehr mit taktischen Dingen, dem richtigen Stellungsspiel quasi als Libero. Das macht das Spiel fĂŒr TorhĂŒter aber auch viel interessanter.

Sie sind zum ersten Mal in dieser Altersklasse nominiert, haben aber im Gegensatz zu Ihren Konkurrenten im Tor schon Bundesliga-Erfahrung gesammelt. MĂŒssten Sie da nicht automatisch gesetzt sein?

NatĂŒrlich habe ich den Anspruch, auch in der U21 zu spielen. Aber darĂŒber habe ich mir in meinen ersten Tagen hier noch keine Gedanken gemacht. Ich will mein ganzes Können zeigen – und hoffe, dass ich dann auch zu meinem ersten Einsatz komme.

Gleichzeitig werben Sie mit dem U21-Team derzeit fĂŒr ein Fernziel: Deutschland als Ausrichter der EM 2024.

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FĂŒr unseren ganzen Kader wĂ€re es super. Wir wĂ€ren zwischen 26 und 28 Jahre alt, also im perfekten Fußballer-Alter. Außerdem sind wir alle geprĂ€gt von der Heim-WM 2006, die wir als Kinder miterlebt haben. Und letztes Jahr haben wir schon bei der U19-EM in Deutschland im Kleinen gemerkt, was so ein Turnier fĂŒr Euphorie freisetzen kann. Deshalb wĂ€re es toll, wenn wir 2024 die Chance auf die Heim-EM hĂ€tten.

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