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WM-Check Gruppe E: Brasilien ist mehr als Neymar, Schweiz aktuell gut drauf


t-online.de-WM-Check, Gruppe E  

Brasilien ist viel mehr als nur Neymar

Von Lutz Pfannenstiel

17.06.2018, 17:57 Uhr
WM-Gruppencheck von t-online.de-Experte Lutz Pfannenstiel (Screenshot: Imago)
Alle WM-Gruppen: Ihre Teams, ihre Stars und ihre Favoriten

Favoriten, Überraschungen, Enttäuschungen: Das sind die WM-Gruppen, ihre Teams, ihre Stars und ihre Favoriten. (Quelle:  t-online.de)

Favoriten, Überraschungen, Enttäuschungen: Das sind die WM-Gruppen, ihre Teams, ihre Stars und ihre Merkmale. (Quelle: t-online.de)


Neymar, Neymar und wieder Neymar: In Gruppe E schaut alles auf Brasiliens Superstar. Doch für t-online.de-Experte Lutz Pfannenstiel erklärt sich die Stärke der Seleçao etwas anders.

Bei der Weltmeisterschaft in Russland wird es international. 32 Mannschaften von sechs Kontinenten wetteifern um den Titel. Dabei kann man schnell den Überblick verlieren. Lutz Pfannenstiel war als Profi auf allen Erdteilen aktiv – und kennt die internationale Fußballwelt wie kaum ein Zweiter. Für t-online.de nimmt der Torwart-Weltenbummler alle WM-Starter unter die Lupe. Heute: Gruppe E mit Brasilien, der Schweiz, Serbien und Costa Rica.

Brasiliens Trainer Tite (2. v. r.) setzt zwar weiter voll auf Neymar, hat die Verantwortung im Angriff allerdings auf mehrere Schultern verteilt. (Quelle: imago images/Eibner)Brasiliens Trainer Tite (2. v. r.) setzt zwar weiter voll auf Neymar, hat die Verantwortung im Angriff allerdings auf mehrere Schultern verteilt. (Quelle: Eibner/imago images)

Brasilien

Die Brasilianer treten an, um das desaströse 1:7 im Halbfinale der Heim-WM gegen Deutschland wiedergutzumachen. Ich saß damals im Stadion neben Rivaldo und der war – wie alle Zuschauer – komplett fassungslos. Das hat sich angefühlt wie der Zusammenbruch eines ganzen Landes.

Seitdem hat sich allerdings eine Menge getan. Das aktuelle brasilianische Team hat fast nichts mehr mit dem von 2014 zu tun. Einen wichtigen Anteil daran hat Trainer Tite. Der beerbte im Sommer 2016 Ex-Nationalspieler Carlos Dunga und machte die WM-Qualifikation mit zehn Siegen und zwei Unentschieden quasi im Sprint perfekt. Ein entscheidender Grund dafür: Tite setzt zwar weiter voll auf Paris Saint-Germains Superstar Neymar, verteilt die Verantwortung aber auch auf andere Schultern.

Das hat gefruchtet – zumal in der Offensive mit Philippe Coutinho (FC Barcelona), Willian (FC Chelsea) oder Roberto Firmino (FC Liverpool) unwahrscheinlich viel Qualität zur Verfügung steht. Hinzu kommt, dass die Mischung aus Routiniers wie Marcelo (Real Madrid) und Youngstern wie Gabriel Jesus (Manchester City) stimmt. Das sieht man auch daran, dass in Tites 4-1-4-1-System alle Spieler auch nach hinten arbeiten müssen. Wenn es überhaupt eine Schwäche gibt, dann die rechte Außenverteidigerposition, auf der Dani Alves (Paris Saint-Germain) verletzungsbedingt fehlt. 

Der Star

Trotz einer echten Super-Offensive dreht sich alles um Neymar. Er ist einer der drei besten Spieler der Welt und macht in engen Spielen den Unterschied. Nach einer mehrmonatigen Verletzung präsentierte sich der 26-Jährige in den Vorbereitungsspielen, als wäre er nie weg gewesen. Da Neymar beim 1:7 gegen Deutschland ebenfalls verletzungsbedingt nicht mitwirken konnte, ist er jetzt umso heißer auf den WM-Titel.

Prognose

Brasilien ist mit einem klaren Ziel angetreten: Weltmeister zu werden. Die Voraussetzungen dafür sind gut. Die Selecao ist ein ganz heißer Titelanwärter.

Lutz Pfannenstiel war als erster Profi in allen sechs Kontinentalverbänden aktiv. Über seine Erlebnisse hat er das Buch "Unhaltbar – Meine Abenteuer als Welttorhüter" geschrieben. Heute ist er "Head of International Relations & Scouting" bei 1899 Hoffenheim, Fifa-Ausbilder und analysiert für t-online.de die WM 2018.

Fast alle Akteure der "Nati" spielen im Ausland  – vor allem in England, Deutschland und Italien. (Quelle: imago images/Geisser)Fast alle Akteure der "Nati" spielen im Ausland – vor allem in England, Deutschland und Italien. (Quelle: Geisser/imago images)

Schweiz

Da ich auch als TV-Experte für den Schweizer Sender SRF arbeite, beschäftige ich mich sehr intensiv mit unserem Nachbarn. Mein Fazit: Die Schweizer sind aktuell richtig gut drauf. Mit neun Siegen aus zehn Spielen haben sie die fast perfekte Qualifikation gespielt und wurden erst am  letzten Spieltag von Portugal überholt. In der Weltrangliste liegen die Eidgenossen als Sechster noch vor Frankreich oder Spanien. Den Iberern wurde in einem Testspiel Anfang Juni ein 1:1 abgetrotzt.

Fast alle Akteure spielen in der Premier League, der Bundesliga oder der Serie A. Eine große Stärke sind die beiden Außenverteidiger Ricardo Rodriguez (AC Mailand, vorher VfL Wolfsburg) und Kapitän Stephan Lichtsteiner (Juventus Turin), die nach vorne sehr viel Dampf machen und Überzahlsituationen schaffen. Davor sind mit Xherdan Shaqiri (Stoke City), der angeblich vor einem Wechsel zum FC Liverpool steht, und Granit Xhaka (FC Arsenal) zwei echte Stars mit an Bord. Problematisch wird es im Sturmzentrum: Dort fehlt ein echter Knipser.

Der Star

Nach seinem Wechsel von Mönchengladbach zum FC Arsenal hat sich Granit Xhaka bei den Gunners zu einer echten Führungsfigur entwickelt. Auch im defensiven Mittelfeld der Eidgenossen ist er der Chef und überzeugt kämpferisch wie spielerisch.

Prognose

Um Deutschland im Achtelfinale aus dem Weg zu gehen, müsste die Schweiz vor Brasilien Gruppensieger werden. Das wird eine ganz harte Nuss. Deshalb läuft für das sympathische Team alles darauf hinaus, dass als Gruppenzweiter im ersten K.o.-Spiel Schluss ist.

>>> Hier finden Sie alle Kader der Gruppe E in der Übersicht <<<

Nemanja Matic sorgt für Struktur im Spiel der Serben. Er ist einer der Lieblingsspieler von José Mourinho und bei Manchester United aktiv. (Quelle: imago images/Buzzi)Nemanja Matic sorgt für Struktur im Spiel der Serben. Er ist einer der Lieblingsspieler von José Mourinho und bei Manchester United aktiv. (Quelle: Buzzi/imago images)

Serbien

Die letzte WM hat Serbien verpasst – ein Umstand, der eigentlich verwundert. Denn gerade im Mittelfeld haben die Serben einige Spieler, die sich auf internationalem Top-Niveau bewegen. An erster Stelle sind da Routinier Nemanja Matic (Manchester United) und Supertalent Sergej Milinkovic-Savic (Lazio Rom) zu nennen. Durch ihre überragende Technik kann das Team an einem guten Tag jeden schlagen. An schlechten Tagen schlagen sich die Serben allerdings auch gerne einmal selbst.

Dazu passt, dass Erfolgstrainer Slavoljub Muslin nach geglückter WM-Qualifikation wegen Unstimmigkeiten mit dem Verband entlassen wurde. Sein Nachfolger: der ehemaligen Bundesligaverteidiger Mladen Krstajic. Der hat von 3-4-3 auf 4-3-3 umgestellt, um die Abwehr sicherer zum machen. Diese ist mit den Ü30-Akteuren Branislav Ivanovic (Zenit St. Petersburg), Aleksandar Kolarov (AS Rom) oder Antonio Rukavina (FC Villarreal) zwar sehr erfahren, aber besonders in puncto Geschwindigkeit nicht mehr ganz auf der Höhe.

Der Star

Nemanja Matic besticht im defensiven Mittelfeld durch ein wahnsinniges Gefühl für Räume. Nicht umsonst ist er einer der absoluten Lieblingsspieler von Star-Trainer José Mourinho. Bei Matic sieht zwar vieles behäbig aus, aber seine Effektivität und die Passquote sind Weltklasse.

Prognose

Serbien ist eine echte Wundertüte. Das Team wird sich mit den Schweizern um Platz zwei streiten – allerdings sehe ich den Schweizer Kader etwas ausgeglichener.

Keylor Navas ist der Star bei Costa Rica und einer der reaktionsschnellsten Keeper der Welt. (Quelle: imago images/Agencia EFE)Keylor Navas ist der Star bei Costa Rica und einer der reaktionsschnellsten Keeper der Welt. (Quelle: Agencia EFE/imago images)

Costa Rica

Bei der letzten WM war Costa Rica die große Überraschung. Einen erneuten Einzug ins Viertelfinale erwartet in dem mittelamerikanischen Land allerdings niemand. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Helden von 2014 zwar älter, aber nicht unbedingt besser geworden sind.

Obwohl das Team technisch recht beschlagen ist, dominiert die Defensive. Trainer Oscar Ramirez setzt auf eine 3-4-2-1-Grundordnung, die auch schnell mal zum 5-4-1 wird. Das Motto dabei: Die Null muss stehen. Entscheidender Faktor ist Torwart Keylor Navas, der mit Real Madrid dreimal in Folge die Champions League gewonnen hat. Durch die auf Sicherheit aufgebaute taktische Ausrichtung kommen die Costa Ricaner allerdings zu selten gefährlich vors gegnerische Tor und erzielen nur wenige Treffer. Mittelstürmer Marcos Ureña ist oft komplett auf sich alleine gestellt.

Der Star

Mit Keylor Navas steht der mit Abstand beste Spieler zwischen den Pfosten. Im Nationalteam wirkt er um einiges selbstbewusster als bei Real Madrid. Ich habe ihn über Torwarttrainer Luis Gabelo Conejo 2014 erstmals kennengelernt und war beeindruckt: Er ist nicht nur ein hervorragender Keeper mit Weltklasse-Reaktionen auf der Linie, sondern auch ein sehr umgänglicher Typ. Star-Gehabe ist ihm fremd. Trotzdem hat er offensichtliche Schwächen in der Strafraumbeherrschung.

Prognose

Eine Rolle wie 2014 werden die Costa Ricaner auf keinen Fall spielen. Die Gruppenauslosung hat es nicht gut mit ihnen gemeint. Um ins Achtelfinale zu kommen, brauchen sie ein kleines Wunder.

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