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Diese Mannschaften sind derzeit stÀrker als Deutschland

  • Dominik Sliskovic
Von Dominik Sliskovic

13.10.2019Lesedauer: 6 Min.
Serge Gnabry: Bayerns AußenstĂŒrmer ist der Lichtblick in einer gesichtslosen DFB-Elf.
Serge Gnabry: Bayerns AußenstĂŒrmer ist der Lichtblick in einer gesichtslosen DFB-Elf. (Quelle: MIS/imago-images-bilder)
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Vor dem nÀchsten Spiel in der EM-Qualifikation gegen Estland fragen sich nicht wenige Fans: Wo steht die DFB-Elf im europÀischen Vergleich? t-online.de hat sich die Konkurrenz genauer angeschaut.

Wieder kein Sieg. Wieder einen Vorsprung verschenkt. Wieder ein Einbruch in der zweiten Halbzeit: Der Testkick Deutschlands gegen Argentinien hat viele Erkenntnisse aus den vergangenen LĂ€nderspielen bestĂ€tigt. Er ließ auch die Frage zu: Wenn es gegen eine argentinische Rumpftruppe nicht mehr zum Sieg reicht – droht Deutschland etwa den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren?

Nun war auch die DFB-Elf extrem verletzungs- und krankheitsgeschwĂ€cht in die Partie in Dortmund gegangen. Dennoch konnte Bundestrainer Joachim Löw unter anderem mit Innenverteidiger Niklas SĂŒle, der Leipziger FlĂŒgelzange Klostermann und Halstenberg und dem formstarken Serge Gnabry auf viele Akteure setzen, die auch bei der Europameisterschaft im kommenden Sommer wichtige Rollen ĂŒbernehmen sollen. Jedoch konnte von den Genannten nicht jeder ĂŒberzeugen. Lediglich der als Sturmspitze agierende Gnabry stach einmal mehr aus der DFB-Elf heraus.

DFB-Elf: Der Mannschaft fehlt es an echten FĂŒhrungsspielern.
DFB-Elf: Der Mannschaft fehlt es an echten FĂŒhrungsspielern. (Quelle: MIS/imago-images-bilder)
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Löws DebĂŒtanten, die Freiburger Robin Koch und Luca Waldschmidt, waren noch unsicher und glĂŒcklos. Dazu kommt der klein geredete Konflikt zwischen Manuel Neuer und Marc-AndrĂ© ter Stegen, der dafĂŒr sorgt, dass der Haussegen beim DFB zum Teil schief hĂ€ngt. Zwar mag die EM-Qualifikation (noch) nicht ernsthaft in Gefahr sein, ein Patzer in Estland könnte die Mannschaft jedoch fĂŒr den letzten Spieltag (19, November gegen Nordirland) in eine missliche Drucksituation bringen.


Blickt man sich im Rest Europas um, findet man momentan nicht zwei oder drei, sondern gleich sechs Mannschaften, die Deutschland auf dem Weg zur EM 2020 links und rechts ĂŒberholt haben.

t-online.de erklÀrt in einem Ranking, warum diese Teams momentan vor der DFB-Elf liegen und wie es um ihre Titelchancen steht.

6. Niederlande

An der "Elftal" vorbeiziehen kann Deutschland aus eigener Kraft nicht mehr. Egal, wie hoch die DFB-Elf womöglich gegen Estland gewinnen sollte, der direkte Vergleich ging an die Niederlande. DafĂŒr sorgte der furios erkĂ€mpfte 4:2-AuswĂ€rtssieg in Gelsenkirchen.

Ronald Koeman: Der Bondscoach machte aus den Niederlanden wieder ein Topteam.
Ronald Koeman: Der Bondscoach machte aus den Niederlanden wieder ein Topteam. (Quelle: Pro Shots/imago-images-bilder)

Im Nachbarland Deutschlands gelingt Ronald Koeman genau das, womit Joachim Löw seine offensichtlichen Schwierigkeiten hat: Der Bondscoach hat eine integre Mannschaft geschaffen, in der die Strukturen und notwendigen Hierarchien klar verteilt sind.


Neben Virgil van Dijk lehren Spieler wie Ajax-KapitĂ€n Daley Blind (29), Champions-League-Sieger Georginio Wijnaldum (28) und Wandervogel Ryan Babel (32) den jungen Wilden nicht nur Respekt und Ehrfurcht, sondern gehen in den entscheidenden Momenten voran – StĂ€rken, von denen Supertalente wie Mathijs de Ligt (20), Frenkie de Jong (22) und Donyell Malen (20) fĂŒr die Zukunft der "Elftal" nur profitieren können.

5. Frankreich

Der Weltmeister setzt alles auf die Mission "Titel-Double". Trainer Didier Deschamps will mit seinen SchĂŒtzlingen also das wiederholen, was ihm als Nationalspieler bereits gelang (WM 1998, EM 2000). Dabei wird die Mannschaft vorerst auf KapitĂ€n Hugo Lloris verzichten mĂŒssen: Der Tottenham-Torwart droht mit einer Arm-Fraktur gar die EM zu verpassen.


Auch ohne den RĂŒckhalt Lloris bringt die "Equipe Tricolore" eine beeindruckende Elf auf den Platz – der es jedoch aktuell noch etwas an Gleichgewicht fehlt.

Jonathan IkonĂ©: ErkĂ€mpft sich Lilles FlĂŒgelflitzer einen Stammplatz fĂŒr die EM 2020?
Jonathan IkonĂ©: ErkĂ€mpft sich Lilles FlĂŒgelflitzer einen Stammplatz fĂŒr die EM 2020? (Quelle: PanoramiC/imago-images-bilder)

Deschamps legt in der Offensive großen Wert auf die FlĂŒgel, um das Spiel breit und Gegner mĂŒde zu machen. Weil aber Stars wie Kylian MbappĂ© oder Ousmance DembĂ©lĂ© aktuell oft verletzt fehlen, muss er zu oft auf Alternativen aus dem zentral-offensiven Mittelfeld wie Nabil Fekir oder Lilles Shootingstar Jonathan IkonĂ© greifen. Löst Deschamps diese Baustelle nachhaltig, könnte Frankreich auch bei der EM seinen Effektiv-Fußball heißlaufen lassen.

4. Italien

Nach der verpassten Qualifikation zur WM 2018 glich der italienische Fußball einem TrĂŒmmerhaufen. Nach mehreren Interimslösungen hat die "Squadra Azzurra" in Roberto Mancini nun aber den richtigen Architekten fĂŒr den Wiederaufbau gefunden. Der ehemalige Trainer von Manchester City ist in der Fußballwelt dafĂŒr bekannt, auch die schwierigsten Charaktere auf Linie zu bringen. DafĂŒr spricht nicht zuletzt, dass Chaos-StĂŒrmer Mario Balotelli den ehemaligen Weltklassespieler bis heute in höchsten Tönen lobt.

Doch was genau hat Mancini getan, dass Italien seine Quali-Gruppe ohne Punktverlust und mit gerade einmal drei zugelassenen Gegentoren anfĂŒhrt? Zweierlei: Erstens hat er sich an einen echten, ehrlichen Umbruch – ein Wort, das italienische Nationaltrainer bis dato mieden wie der Teufel das Weihwasser – gewagt, und er hat zweitens das ur-italienische Catenaccio mit dem modernen Umschaltspiel verheiratet.

NicolĂČ Barella: Der Inter-Star bringt Dynamik und PrĂ€zision ins italienische Spiel.
NicolĂČ Barella: Der Inter-Star bringt Dynamik und PrĂ€zision ins italienische Spiel. (Quelle: Gribaudi/ImagePhoto/imago-images-bilder)

Das unschlagbare Innenverteidiger-Duo aus Leonardo Bonucci und dem derzeit schwer verletzten Giorgio Chiellini wischen den Laden hinten aus, die Ballverteiler und WassertrĂ€ger Jorginho und NicolĂČ Barella, eines dieser neuen Gesichter des italienischen Fußballs, spielen die BĂ€lle schnell und prĂ€zise in die Spitze. Diese neue Dynamik macht die Italiener zum interessantesten Geheimfavoriten fĂŒr den EM-Titel.

3. Belgien

"Wenn nicht jetzt, wann dann?", sangen die Höhner 2005 ĂŒber die deutschen Handballer. Gleiches dĂŒrfte vor der EM 2020 auch in Belgien gelten. Nach eher ernĂŒchternden Turnieren 2014 und 2016 und der wohl verdienten Bronzemedaille bei der WM 2018 will sich die Radsport-Nation auch im Fußball zur europĂ€ische Nummer eins krönen.

Eden Hazard: Der KapitÀn will endlich einen Titel mit seinen Belgiern gewinnen.
Eden Hazard: Der KapitÀn will endlich einen Titel mit seinen Belgiern gewinnen. (Quelle: Reporters/imago-images-bilder)

Seit Monaten fĂŒhren die eingespielten Belgier die FIFA-Weltrangliste an, ihre Quali-Gruppe dominieren sie nach Belieben, haben sich als erstes Team das EM-Ticket gesichert. Doch es ist auch allen im Kader klar: So jung kommen wir nicht mehr zusammen. Gerade die Innenverteidigung aus Thomas Vermaelen (33), Toby Alderweireld (30) und Jan Vertonghen (32) wird nicht mehr lange in dieser Konstellation und mit dieser LeistungsfĂ€higkeit (erst ein Gegentor in sieben EM-Quali-Partien) zusammen spielen. Gerade Vertonghen zeigt in den vergangenen Wochen, dass er stark an Spritzigkeit abbaut – nicht zuletzt der FC Bayern wusste das beim 7:2 an der White Hart Lane auszunutzen.

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Doch diese Erfahrung ist auch Belgiens grĂ¶ĂŸter Trumpf. Selbst Spieler wie Eden Hazard und Romelu Lukaku, die mit 28, respektive 26 Jahren gerade erst im besten Fußballeralter sind, kicken seit einem Jahrzehnt zusammen in der A-Elf der "Roten Teufel". Sie werden es auch sein, die vom jungen, breit aufgestellten zentralen Mittelfeld der Belgier um Youri Tielemans (22) und Leander Dendoncker (24) profitieren werden. Vielleicht wird der Höhner-Hit dann 2020 auch in Belgien zu einer prophetischen Hymne erhoben.

2. Spanien

Nach enttĂ€uschenden Jahren wollen die Iberer 2020 mit breiter Brust und starkem Kader den Angriff auf den EM-Titel wagen. Die Mannschaft ließ sich auch vom privaten Schicksalsschlag ihres ehemaligen Trainers Luis Enrique (seine Tochter verstarb an den Folgen eines Krebsleidens) nicht von ihrem Weg abbringen und setzt seine Ideen unter dem neuen Cheftrainer Robert Moreno, Enriques ehemaligem Assistenten, beeindruckend um.

Auch die Spanier sind noch ohne Punktverlust in ihrer anspruchsvollen EM-Quali-Gruppe und beweisen dabei, dass eine spanische "Seleccion" nicht nur aus Spielern Reals, Barças und Atléticos bestehen muss. Moreno, der zuvor noch nie Cheftrainer war, setzt mit José Gaya, Dani Parejo und Rodrigo auf gleich drei Spieler des FC Valencia. Auch Spieler kleinerer Vereine, wie San Sebastians Talent Mikel Oyarzabal, und eigentlich schon lÀngst Abgeschriebene, wie der 34-jÀhrige Ex-Arsenal-Star Santi Cazorla, bekommen das Vertrauen vom Trainer ausgesprochen.

Paco Alcacer: Der BVB-StĂŒrmer könnte auch im Nationaltrikot den Unterschied machen.
Paco Alcacer: Der BVB-StĂŒrmer könnte auch im Nationaltrikot den Unterschied machen. (Quelle: eu-images/imago-images-bilder)

Diese DiversitĂ€t der Startelf fĂŒhrt naturgemĂ€ĂŸ zu einer brutal stark besetzten Ersatzbank, die es Spanien ermöglicht, auf jede Spielentwicklung und jedes Ergebnis passgenau zu reagieren. Vielleicht wird es so ja auch in "La Roja" Dortmunds Paco Alcacer, der als Edeljoker das entscheidende Tor zu einem möglichen spanischen EM-Titel erzielt.

1. England

"Football's coming home – very soon", sagte Kroatiens Nationaltrainer Zlatko Dalic im November 2018, nachdem die EnglĂ€nder gegen seine Mannschaft einen RĂŒckstand zu einem 2:1-Sieg umkehrten. Und es deutet alles darauf hin, dass Dalics Prognose tatsĂ€chlich sehr bald eintreten wird. Denn England wird als der absolute Topfavorit in die EM 2020 starten.

Harry Kane: Hebt er als KapitÀn Englands ersten Pokal seit 1966 in die Luft?
Harry Kane: Hebt er als KapitÀn Englands ersten Pokal seit 1966 in die Luft? (Quelle: MB Media Solutions/imago-images-bilder)

Trainer Gareth Southgate kann auf einen Kader zugreifen, der auf allen Positionen mit Spielern auf dem Zenit ihres Schaffens bestĂŒckt ist: Sei es Man-Utd-Rekordeinkauf Harry Maguire (26) in der Verteidigung, der KapitĂ€n der Champions-League-Sieger aus Liverpool, Jordan Henderson (29), im Mittelfeld oder Strafraumknipser Harry Kane (26) im Sturm – Southgate hat in jedem Feldabschnitt Lautsprecher und AnfĂŒhrer, die den Laden zusammenhalten.


Um diese LeuchttĂŒrme können sich Spieler wie das West-Ham-EigengewĂ€chs Declan Rice (20) und United-TorjĂ€ger Marcus Rashford (21) entfalten und Ausrufezeichen setzen. Sollten sie unter dem Druck der "Three Lions" auf der Brust in den großen Momenten einmal doch einbrechen, hat England in Raheem Sterling und Jadon Sancho Akteure, die stets ungeniert aufspielen, als hĂ€tten sie sich in einem Hinterhof Manchesters zum KĂ€figkick mit Schulfreunden getroffen.

Es sind solche Freigeister, die große Mannschaften erst wirklich aufs oberste Level hieven. Und auf dem spielt sich England dieser Tage fest und fĂŒr den EM-Titel warm. Daran Ă€ndert auch die knappe Niederlage in Tschechien nichts. Die "Three Lions" sind zurĂŒck.

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