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Mesut Özil über Erdogan-Foto und DFB-Rücktritt: "Alle haben den Mund gehalten"

Erdogan-Foto und DFB-Rücktritt  

Özil klagt an: "Alle haben den Mund gehalten"

17.10.2019, 13:47 Uhr | t-online.de , cfh

Mesut Özil über Erdogan-Foto und DFB-Rücktritt: "Alle haben den Mund gehalten". Der Ex-Nationalspieler Özil hat sich in einem Interview zu dem Erdogan-Foto, seinem DFB-Rücktritt und dem Überfall im Juli geäußert. (Quelle: imago images/MB Media Solutions)

Der Ex-Nationalspieler Özil hat sich in einem Interview zu dem Erdogan-Foto, seinem DFB-Rücktritt und dem Überfall im Juli geäußert. (Quelle: MB Media Solutions/imago images)

Der ehemalige deutsche Nationalspieler hat in einem Interview zu dem Erdogan-Bild und seinem Abschied aus der Nationalelf Stellung genommen. Er äußerte sich auch zum Überfall auf ihn im Juli in London. 

Lange hat Mesut Özil geschwiegen, nun hat er in einem Interview mit dem US-amerikanischen Sportmagazin "The Athletic" Antworten zu den brisantesten Fragen rund um seine Person gegeben. Dabei gab er ausführliche Einblicke in die Gefühlswelt seiner letzten Monate.

"Erdogan ist der aktuelle Präsident der Türkei. Ich zeige dem Präsidenten gegenüber Respekt, ganz egal, ob er im Amt ist oder jemand anderes. Es geht einfach darum, den höchsten Amtsinhabern eines Landes Respekt zu zeigen", sagte er zum Foto aus dem Mai 2018, welches ihn gemeinsam mit Erdogan zeigte. Einen gleichen Grad an Respekt würde er auch Kanzlerin Angela Merkel zollen. "Wenn der deutsche Bundespräsident oder die Kanzlerin in London wären und mich sehen wollen, würde ich sie natürlich treffen", gab er bekannt.

Bei der WM in Russland machte die deutsche Öffentlichkeit Özil für das frühe Ausscheiden verantwortlich. (Quelle: imago images/Sven Simon)Bei der WM in Russland machte die deutsche Öffentlichkeit Özil für das frühe Ausscheiden verantwortlich. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Özil: "Deutschland hat ein Rassismus-Problem"

Nach dem Foto mit Erdogan habe er sich in der deutschen Öffentlichkeit schlecht behandelt und ungeschützt gefühlt. "Ich wurde rassistisch von Politikern und Personen der Öffentlichkeit beleidigt. Selbst aus der Nationalmannschaft hat sich keiner vor mich gestellt. Alle haben den Mund gehalten und haben die Beleidigungen geschehen lassen."

Besonders erschüttert sei er gewesen, als im Anschluss seine ehemalige Schule in Gelsenkirchen, die er seit Jahren mit einem Hilfsprogramm für Kinder mit Migrationshintergrund unterstützt, einen Termin mit ihm absagte. "Der Schuldirektor befürchtete zu hohes Medienaufkommen an der Schule und einen Zustrom für die AfD in der Stadt. Ich konnte es nicht glauben! Meine Stadt, meine Schule. Ich habe mein Wort gehalten, sie ihres aber nicht. Ich fühlte mich nicht mehr willkommen."

Lange unterstütze Özil seine ehemalige Schule in Gelsenkirchen. Dort fühlt er sich mittlerweile nicht mehr willkommen. (Quelle: imago images/Contrast)Lange unterstütze Özil seine ehemalige Schule in Gelsenkirchen. Dort fühlt er sich mittlerweile nicht mehr willkommen. (Quelle: Contrast/imago images)

Nach dem Ausscheiden bei der WM in der Vorrunde trat Özil im Juli vergangenen Jahres aus der Nationalmannschaft zurück. Er sei "sehr glücklich" über diese Entscheidung. "Wenn ich jetzt zurückschaue, weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war."

Zuletzt sorgte ein misslungener Überfall auf Özil, seine Frau und sein Teamkollege Sead Kolasinac waren mit im Auto, im Juli in London für Aufregung. Alle drei kamen dabei unversehrt davon. Der Überfall wurde von einer Überwachungskamera eingefangen. "Meine Frau fühlte sich danach nicht mehr sicher, nicht einmal wenn sie unsere Hunde in den Garten rausließ", erzählt er. Sie rief dann verängstigt: "Komm rein! Bleib im Haus!"

Mittlerweile habe sich die Angst und die Aufregung aber wieder gelegt, so der Ex-Nationalspieler: "Es waren verdammt schwere Wochen. Ich habe aber nie darüber nachgedacht, London verlassen zu wollen. Mittlerweile ist für uns alles wieder in Ordnung."


Im Interview zeigte sich Özil auch besorgt über die derzeitige Situation in Deutschland. Hier, so Özil, gebe es ein großes Rassismus-Problem. Dies sagte er vor allem mit Hinblick auf den Anschlag in Halle in der vergangenen Woche. "Leider gibt es in Deutschland nicht mehr nur Rassisten aus dem rechtsextremen Spektrum. Leider hat dieser auch in der Mitte der Gesellschaft Platz gefunden", so der Arsenal-Spieler

Verwendete Quellen:
  • The Athletic: "If we don't do well in a 'big game' it's always my fault. but I'm not leaving Arsenal"

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