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U17 – Paris Brunner: Dieser Vorfall beim BVB hätte ihn fast die WM gekostet


Deshalb stand seine WM-Teilnahme auf dem Spiel


Aktualisiert am 28.11.2023Lesedauer: 4 Min.
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Auf Paris Brunner (r.) kommt es für die DFB-Elf an.Vergrößern des Bildes
Paris Brunner (r.) ist für die DFB-Elf zu einem wichtigen Spieler avanciert. (Quelle: IMAGO/Zulkarnain)

Ein noch immer ungeklärter "Vorfall" bei seinem Klub Borussia Dortmund hätte Paris Brunner fast die U17-WM gekostet. Dort wurde er nun zum gefeierten Halbfinalhelden.

So richtig konnte Paris Brunner den historischen Moment, den er soeben mit seinem Treffer zum 4:2 im entscheidenden Elfmeterschießen gegen Argentinien geschaffen hatte, noch nicht erfassen. Es schien, als habe er selbst noch nicht begriffen, dass er die deutsche U17 mit seinem Tor ins WM-Finale geschossen hatte.

Brunner jubelte zunächst jedenfalls ziemlich zurückhaltend und drückte immer wieder seine ausgestreckten Handflächen nach unten. So, als ob er sagen wollte: "Bloß nicht zu früh freuen, Jungs. Noch haben wir nicht gewonnen." Erst als er im Augenwinkel seine Teamkollegen auf ihn zustürmen sah, verstand offenbar auch er die komplette Tragweite seines Treffers – und dass der fünfte und letzte argentinische Elfmeterschütze deshalb gar nicht mehr antreten würde.

Im selben Moment gab der Schiedsrichter ihm mit dem Schlusspfiff noch ein zusätzliches, akustisches Signal. Und so gab sich dann schließlich auch der Held des Spiels, dem schwarz-rot-goldenen Siegestaumel hin. Mittlerweile umringt von seinen Mannschaftskameraden, riss sich Brunner sein Trikot mit der Nummer sieben vom Oberkörper, bevor seine aufgestaute Freude in Form eines Jubelschreis förmlich aus ihm herausbrach.

Video | U17 im WM-Finale: "Wir können das noch besser"
Quelle: Glomex

Chaos in Brunners Gefühlswelt

Dabei war es nur allzu verständlich, dass Brunner seine Gefühlswelt und Emotionen so unmittelbar nach diesem spektakulären Halbfinalthriller nicht sofort wieder ordnen konnte. Die beiden Teams hatten sich schließlich bereits in der regulären Spielzeit einen packenden Schlagabtausch geliefert, bei dem die Argentinier mit ihrem Ausgleichstreffer in der siebten Minute der Nachspielzeit (98.) zum 3:3 den finalen Elfmeter-Showdown überhaupt erst erzwungen hatten.

Brunner stand bei diesem Spektakel von Anfang an im Mittelpunkt. Erst hatte er die DFB-Elf aus kurzer Distanz und spitzem Winkel mit seinem schwächeren linken Fuß mit 1:0 in Führung gebracht (9.). Vor dem 1:1 verlor er dann den entscheidenden Zweikampf im eigenen Strafraum gegen Dylan Gorosito und ermöglichte so die Vorlage.

Halbfinalthriller als Sinnbild für Brunners bewegte Karriere

Nach dem Seitenwechsel nutzte er dann einen Abspielfehler von Argentiniens Torwart Florentín zu seinem wuchtigen Treffer in den Winkel zum 2:2. Dass Brunner schließlich auch noch den entscheidenden Elfmeter verwandelte, war nur noch die passende Pointe seiner ganz persönlichen Geschichte – die dieses Spiel betrifft, aber auch weit darüber hinausgeht. Die Achterbahnfahrt der Gefühle im Halbfinale steht gewissermaßen auch sinnbildlich für Brunners bisherige Karriere.

In der ging es zwar bislang meist steil bergauf, speziell in den vergangenen Wochen und Monaten gab es aber auch immer wieder unerwartete Wendungen – positive und negative. Es ist also keinesfalls nur die Geschichte eines strahlenden Helden in einem Fußballmärchen, sondern vielmehr ein Drama in mehreren Akten.

"Vorfall" und Rauswurf beim BVB bleiben ungeklärt

Zuletzt hatte der Offensivspieler bei seinem Klub Borussia Dortmund für negative Schlagzeilen gesorgt. "Aus disziplinarischen Gründen", wie es in der äußerst knapp gehaltenen Mitteilung vom 18. Oktober hieß, hatte der BVB den 17-Jährigen nämlich suspendiert und damit zwischenzeitlich vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Über die Gründe hatte der Revierklub mit Verweis auf das geringe Alter des Spielers keine Angaben gemacht.

Trainer Edin Terzić hatte nur von "einem Vorfall" gesprochen. Eine drastische Maßnahme, denn damit verpasste der BVB ausgerechnet einem der derzeit zweifellos vielversprechendsten Talente des deutschen Fußballs einen Denkzettel. Nach knapp zwei Wochen sowie einem Gespräch mit Brunner, der kongolesische Wurzeln hat, und seinen Eltern hob die Borussia die Suspendierung schließlich wieder auf.

Deshalb stand seine WM-Teilnahme auf dem Spiel

Im Zuge seiner vorübergehenden Freistellung beim BVB stand auch immer wieder ein Rauswurf Brunners bei den DFB-Junioren im Raum. Dabei wäre der Offensivspieler aus sportlicher Sicht eigentlich unverzichtbar und über jeden Zweifel erhaben.

Brunner hatte schon im Mai und im Juni beim EM-Triumph der deutschen U17 mit vier Treffern als Torschützenkönig und bester Spieler des Turniers für Aufsehen gesorgt. Der Lohn folgte im August: die Fritz-Walter-Medaille in Gold für den besten deutschen Spieler des Jahrgangs 2006.

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Und auch in Dortmund überzeugt Brunner, der nach seinen Jugendvereine SG Lütgendortmund, TSC Eintracht Dortmund, Rot-Weiss Essen und VfL Bochum 2020 nun beim BVB spielt bislang zumindest mit seinen Leistungen voll und ganz. Nachdem ihm in der vergangenen Saison in der B-Jugend 16 Tore in nur sechs Spielen gelungen waren, schoss er in der A-Jugend-Bundesliga nun bereits zehn Treffer in acht Spielen. Vor seiner zwischenzeitlichen Suspendierung stand Brunner damit bereits unmittelbar vor dem Sprung zu den Profis.

Brunner zahlt Vertrauen mit Leistung zurück

U17-Nationalcoach Christian Wück nahm ihn nun trotz des Vorfalls beim BVB mit zur WM in Indonesien. Und dort zahlt Brunner das Vertrauen mit guten Leistungen zurück. Schon im Viertelfinale gegen Spanien hatte er einen Elfmeter herausgeholt und diesen anschließend selbst zum 1:0-Endstand verwandelt.

Mit seinen beiden Toren und vor allem seinem Elfmetertreffer gegen Argentinien wurde er nun erneut zum Matchwinner. "Toll, dass er das als letzter Schütze vollbracht hat", sagte Wück. Brunner steht jetzt erneut bei bereits vier Turniertreffern. WM-Torschützenkönig zu werden, dürfte allerdings trotzdem schwierig werden. Denn der Argentinier Agustín Ruberto, der gegen Deutschland alle drei Tore schoss, erzielte bereits insgesamt acht Treffer.

"Jetzt wollen wir natürlich die Goldmedaille"

Dafür greift Brunner nun aber im Finale mit der deutschen Elf nach dem ohnehin größten Objekt der Begierde: dem WM-Titel.

"Jetzt wollen wir natürlich die Goldmedaille haben", kündigte Wück vor dem Endspiel am Samstag (12.50 Uhr im Liveticker bei t-online) gegen Frankreich an, das sich im zweiten Halbfinale gegen Mali durchsetze. Die U17 ist erst die vierte deutsche U-Mannschaft in einem WM-Finale: Die U20-Auswahl verlor es 1987 ebenso wie zwei Jahre zuvor die U16. Den bislang einzigen Nachwuchstitel holte 1981 die U20 mit Spielern wie Rüdiger Vollborn, Michael Zorc, Ralf Loose oder Roland Wohlfarth.

Das WM-Endspiel am Samstag wird zweifellos auch der nächste Akt in der jetzt schon ziemlich bewegten Karriere von Paris Brunner. Man darf gespannt sein, mit welchem Ausgang.

Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen der Sky-Übertragung
  • Eigene Recherche
  • transfermarkt.de: Profil von Paris Brunner
  • Mitteilung von Borussia Dortmund vom 18. Oktober
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