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Werner Franke fordert härtere Doping-Gesetze


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"Deutsche Haltung bei der Aufklärung ist scheinheilig"

Von t-online
Aktualisiert am 10.02.2010Lesedauer: 4 Min.
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Das Interview führte Jörg Runde

Mit t-online.de sprach Franke über den Stellenwert des Anti-Doping-Kampfes in Deutschland, über die Schwächen im Kontrollsystem und Methoden, das Problem in den Griff zu bekommen.

Herr Franke, sind Sie mit mir einer Meinung, dass in Italien und Frankreich mehr für den Anti-Doping-Kampf getan wird, als in Deutschland?
Italien können Sie vergessen. Italien macht immer viel Brumborium, die Staatsanwaltschaft ermittelt, in erster Instanz gibt es auch eine Verurteilung, beim zweiten Mal wird die Strafe gemindert oder das Verfahren wird eingestellt. So war das auch bei den Fußball-Spielern von Juventus Turin. Italien, Spanien und ganz besonders Griechenland fasse ich zusammen unter „Allgemeinem Mittelmeerrecht“. Die machen nur Show.

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Und Frankreich?
In Frankreich ist alles anders. In Frankreich gibt es einige Gesetze, die gut formuliert sind und auch umgesetzt werden. Die sind klarer und besser als die derzeitigen Gesetze in Deutschland.

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Vor allem im Radsport sind die Franzosen sehr aktiv?
Es ist auffällig, dass in den letzten Jahren kaum französische Radprofis unter den besten 10 Fahrern bei der Tour waren. Französische Mannschaften fahren hinterher. Das zeigt, dass der Anti-Doping-Kampf dort ernster genommen wird und man hier etwas erreicht. Französische Radsportler spielen keine Rolle, obwohl Frankreich doch die Radsportnation überhaupt ist.

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Und wie sieht es in Spanien aus?
Das umgekehrte Beispiel ist in Spanien. Dort wird gar nichts gemacht. Unter den besten 20 der letzten Tour de France sind auffällig viele Spanier. Das sagt alles über den Anti-Doping-Kampf in Spanien aus.

Warum ist in Frankreich Vieles besser als in Deutschland?
Frankreich ist Deutschland sowohl in der Gesetzesformulierung als auch in der Durchführung des Anti-Doping-Kampfs um Welten überlegen.

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Was genau meinen Sie?
Jeder weiß, dass Erfolg von Doping abhängt. Deshalb dopen die Sportler ja. Also unser Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und der DOSB-Chef Thomas Bach wollen Erfolg für Deutschland. Sie möchten schon, dass es deutsche Medaillen gibt. Da man aber die in einigen Disziplinen nur mit Doping kriegt, muss man halt die eine oder andere Schweinerei geschehen lassen. Man betreibt sie nicht selbst, aber man geht nicht zu scharf dagegen vor.

Und in Frankreich gibt es medienwirksame Verhaftungen und Haftstrafen?
Genau. Deshalb haben Sportler wie Jörg Jaksche ja auch gesagt, dass sie nie durch Frankreich mit Medikamenten im Auto gefahren sind. Durch Deutschland oder Spanien zu fahren war dagegen kein Problem.

Wo hapert es beim Anti-Doping-Kampf besonders?
Ich ärgere mich als analytischer Biochemiker immer wieder darüber, wie unintelligent die Kontrollen teilweise ausgeführt werden. Die Zeitpunkte sind einfach dumm gewählt. Was bringt es, wie jetzt in Peking geschehen, kurz vor den Wettkämpfen zu kontrollieren. Das ist Quatsch. Optimal ist es, jemanden während des Trainings zu kontrollieren, nach Hause zu fliegen und am übernächsten Tag heimlich wieder anzureisen, um neue Tests durchzuführen. Zudem sollte man die Flüge im Internet buchen, denn die Sportler haben auch in Reisebüros ihre Informanten.

Sollte es in Deutschland härtere Strafen gegen Doping-Sünder und Hintermänner geben?
Auf jeden Fall. Wenn ich schon wieder höre, dass es starke Bestrebungen gibt, den Freiburger Doping-Ärzten ihre Approbation zu belassen, kann ich nur ironische Bemerkungen machen. Es heißt, sie sollen nur eine kleine Strafe bekommen. Was soll das? In den USA oder in Kanada sind schon Ärzte, Trainer und Sportler in den Bau gegangen. Deren Karrieren waren vorbei. Im Vergleich sind wir im moralethischen Bereich auf ganz niedrigem Niveau.

Wir sind diesbezüglich also nicht kritisch genug?
Kein Mensch wundert sich, dass Marion Jones ihre Goldmedaillen aus Sydney zurückgeben musste, Jan Ullrich seine aber behalten darf.

Was nervt Sie am meisten am angeblichen Anti-Doping-Kampf?
Die deutsche Haltung bei der Aufklärung von Doping-Vergehen ist scheinheilig. Sie erinnert mich ein wenig an die italienische Art. Am Ende werden wieder Wege gesucht, wie man zu einer kleinen Lösung kommt.

Sie kritisieren also die deutsche Rechtsordnung?
Wenn die Täter aus der DDR stammen und jungen Mädchen heimlich Hormone gegeben haben, ist das Körperverletzung. Seit es die DDR nicht mehr gibt, ist es nur noch ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz. Auf die DDR zeigt man mit dem Finger und bei sich selbst gelten dann andere Maßstäbe. Was ist daran denn Rechtsordnung?

Bei der Tour de France wollen ARD und ZDF demnächst aussteigen. Aber mit Beginn der Wintersportsaison gibt es wieder die Biathlon-Show im öffentlichen Fernsehen. Dabei wird dort doch auch gedopt, oder?
Biathlon, Langlauf und die nordische Kombination sind nach dem Radsport die am häufigsten mit Doping in Verbindung gebrachten Sportarten. Deshalb gehen Sie ruhig davon aus, dass auch im Wintersport gedopt wird.

Und bei Olympia in Peking dürfte es kaum sauber gewesen sein?
Wenn ich die auffallende Häufigkeit von Gliedmaßenverlängerungen sehe, das so oft auftretende längliche Kinn beobachte oder auch die Häufung an Zahnspangen bei erwachsenen Sportlern feststelle, weiß ich Bescheid. So war das bei Olympia. Da gab es viele Sportler, die genau so aussahen.

Wie kann man das Doping-Problem überhaupt in den Griff bekommen?
Es helfen nur intelligente, also wirklich unangekündigte Kontrollen, härtere Gesetze und Strafen und vor allem gnadenlose Aufklärung der Jugend und der Öffentlichkeit. Wichtig ist auf Leistungssport und Ausbildung zu setzen. Damit besteht keine Existenz-Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg.

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