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Schach-WM: Die bittere Anklage der Weltmeisterin


Schach-WM in Saudi-Arabien
Die bittere Anklage der Weltmeisterin

dpa, Benno Schwinghammer

28.12.2017Lesedauer: 3 Min.
Die aktuelle Schach-Weltmeisterin, die Ukrainerin Anna Musitschuk.Vergrößern des BildesDie aktuelle Schach-Weltmeisterin, die Ukrainerin Anna Musitschuk. (Quelle: Sergei Karazy/Reuters-bilder)
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Keine Israelis erwünscht und Frauen müssen Kopftuch tragen: Die Schach-WM in Saudi-Arabien sorgt für massive Kritik auch durch Profi-Spieler. Die aktuelle Weltmeisterin macht ihrer Verärgerung auf Facebook Luft.

Die Frauen sitzen sich gegenüber, ihre Blicke nach unten auf das Brett gerichtet. Eine Szene, typisch für eine Schach-Weltmeisterschaft. Doch findet diese gerade in Saudi-Arabien statt. In einem Land, in dem Frauen eigentlich verhüllende Gewänder tragen müssen. In einem Land, in dem die mächtigen Geistlichen das Spiel noch im vergangenen Jahr als "verboten" bezeichneten. Doch hier - das zeigen Fotos der Veranstaltung - sitzen sie: zwei Frauen in Blazern, Schach spielend, mitten in Riad.

Als "historische Einigung" hatte es der Weltverband FIDE vor der Schnell- und Blitzschach-Weltmeisterschaft vom 26. bis 30. Dezember noch bezeichnet, dass sich die Spielerinnen nicht den strengen Bekleidungsvorschriften in dem erzkonservativen muslimischen Land beugen müssen.

Nun ist es so, dass der gesellschaftliche Fortschritt im - nicht nur Frauenrechte betreffend - rückständigen Königreich mehr und mehr an Fahrt aufnimmt: Kinos werden wieder erlaubt, Frauen dürfen bald Autofahren und können sich auch auf der Straße viel selbstverständlicher bewegen, als im Westen angenommen. Doch eigentlich immer mit Abaja, dem traditionellen Gewand.

Israelische Spieler nicht erwünscht

Die Ausnahme, die sonst bei Staatsbesuchen wie von Bundeskanzlerin Angela Merkel gemacht wurde, bekommt auch bei der ersten Schach-WM in Saudi-Arabien große Aufmerksamkeit. Es ist ein weiterer kleiner Schritt des Kronprinzen Mohammed bin Salman, um die Gesellschaft seines Landes zu erneuern - gegen religiöse Widerstände. Schließlich hatte der Großmufti des Landes Schach noch 2016 als "verboten" bezeichnet.

Dass der Erneuerungswille der Saudis klare Grenzen hat, zeigt sich auf diplomatischer Ebene. 236 Spieler und Spielerinnen aus 70 Ländern nehmen teil - unter ihnen der norwegische Weltmeister Magnus Carlsen oder der russische WM-Finalist Sergej Karjakin. Es hätten 71 Staaten dabei sein können, wenn Riad die israelische Delegation akzeptiert hätte. Stattdessen aber überschattet die Entscheidung, Spielern aus dem Land keine Visa zu geben, die Hochglanz-Show der Scheichs.

"Wir wollen einen Ausgleich für unsere Spieler für die Tatsache, dass sie professionell benachteiligt wurden", forderte der Sprecher des israelischen Schachverbands, Lior Aizenberg. Internationale Turniere zu veranstalten, ohne dass alle Spieler antreten könnten, sei "nicht akzeptabel für uns".

Weltmeisterin klagt auf Facebook an

Und der faktische Ausschluss Israels war nicht der einzige Aufreger: Denn die Weltmeisterin im Schnell- und Blitzschach, Anna Musitschuk, wollte die Reise nach Riad ebenfalls nicht antreten. Ihre Titel wird die Ukrainerin kampflos verlieren. Bei Facebook begründete die Spielerin ihre Entscheidung damit, sich nicht wie "ein Mensch zweiter Klasse" fühlen zu wollen.

"In einigen Tagen werde ich meine beiden Weltmeistertitel einen nach dem anderen verlieren. Nur weil ich mich entschied, nicht nach Saudi-Arabien zu kommen. Nicht nach den Regeln von irgendjemandem zu spielen, nicht die Abaya zu tragen, mich nicht begleiten zu lassen", schreibt Musitschuk. Und weiter: "Das Ärgerlichste ist, dass es fast niemanden interessiert. Das ist ein wirklich bitteres Gefühl."

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Vorwürfe an den Schach-Weltverband

Hätte man die Beteiligung der Israelis nicht sicherstellen können, bevor Saudi-Arabien den Zuschlag für die WM bekam? Hat man sich - vielleicht auch wegen des Rekordpreisgelds von zwei Millionen US-Dollar - vor den PR-Karren der Saudis spannen lassen? Diesen Fragen und Vorwürfen muss sich der Weltverband nun stellen.

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