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"Die Beste von allen": Das ist die Siegerin der French Open

  • Noah Platschko
Von Noah Platschko

Aktualisiert am 11.10.2020Lesedauer: 3 Min.
Iga Swiatek: Die Polin spielte bei den French Open wie im Rausch.
Iga Swiatek: Die Polin spielte bei den French Open wie im Rausch. (Quelle: Charles Platiau/Reuters-bilder)
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Iga Świątek ist die erste Polin, die die French Open gewinnen konnte. Am Samstag krönte sie sich zur Siegerin.

Iga Świątek wusste selbst nicht genau, was sie sagen sollte. Wenige Minuten nach dem Gewinn des Finales bei den French Open 2020 musste die 19-Jährige zum Court-Interview antreten.


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"Vielleicht sollte es so sein, dass schon wieder ein Underdog den Titel holt", schilderte Świątek, die kurz zuvor die US-Amerikanerin Sofia Kenin mit 6:4, 6:1 besiegte, ihre Gefühlslage. "Ich bin so glücklich. Es ist einfach überwältigend für mich."

Sensationssieg gegen Top-Favoritin Halep

Die in Warschau geborene Polin hat in Paris Geschichte geschrieben. Als erste Polin überhaupt holte sie die French Open – und das auf beeindruckende Art und Weise ohne Satzverlust.

Zwei Wochen befand sich Świątek, die Rafael Nadal als ihr Idol bezeichnet, auf dem größten Höhenflug ihrer Karriere. Nicht einen Satz gab sie im ganzen Turnier ab, in Summe sogar nur 28 Spiele bei einer lächerlichen Gesamtspielzeit von gerade einmal acht Stunden und 24 Minuten. Eine Bilanz, die beim diesjährigen Turnier bislang sonst nur der auf Sand geradezu übermächtige Rafael Nadal vorzuweisen hat.

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Doch eigentlich hätte Swiąteks Tour schon im Achtelfinale beendet sein müssen. Dort wartete am vergangenen Sonntag mit der Rumänin Simona Halep nicht nur eine zweimalige Grand-Slam-Siegerin, sondern mit der Gewinnerin des Finals von Rom und Nummer eins der Setzliste auch die absolute Topfavoritin auf den Titel.

Und Świątek? Gewann 6:1, 6:2. In 69 Minuten. Insbesondere das "Wie" ließ den Zuschauern den Atem stocken. Denn die hochfavorisierte Halep spielte nicht einmal schlecht. Aber Świątek war besser.

Świątek hat die nötige Stabilität

Nicht eine Break-Möglichkeit ließ sie zu. Świątek dominierte die Partie von Anfang bis Ende – und das gegen die Spielerin, gegen die sie noch im Jahr zuvor in Paris beim 1:6, 0:6 im Achtelfinale kein Land sah.

Woher kommt die Dominanz der aktuellen Nummer 54 der Welt?

Seit etwas mehr als einem Jahr gehört Daria Abramowicz zu ihrem Team, eine Sportpsychologin, die ihr die nötige Stabilität verleiht. "Die mentale Stärke ist das Wichtigste im Tennis. Und die, die den Druck aushalten, sind die Besten", sagte die 19-Jährige.

"Die Beste von allen"

Experten sind begeistert von der Polin. Der Schwede Mats Wilander bezeichnete ihre Schläge als komplett, sieht in ihr eine kommende "mehrfache Grand-Slam-Siegerin." Und auch ihre Landsfrau Joanna Sakowicz-Kostecka, ebenfalls ehemalige Tennisspielerin, sieht in ihr "die Beste von allen" in Paris.

"Świątek hat keine Angst. Ihr Spin mit der Vorhand ist dermaßen gut, mit der öffnet sie das Feld so weit, dass ihre Gegnerinnen meist nur hinterherschauen können", ordnete Eurosport-Kommentator Markus Theil, der ihre Halbfinalpartie gegen Podoroska kommentierte, die spielerischen Qualitäten Świąteks ein.

Eine unfassbare Dominanz

"Ihr liegen die Bedingungen. Sie kennt diese Temperaturen aus ihrer Heimat. Das hilft ihr", so Theil, der sich berieits vor ihrem Sieg auf Świątek als Favoritin für das Finale gegen die US-Amerikanerin Sofia Kenin festlegte: "Sie ist in der Lage, mit ihren Topspin-Schlägen Kenin vor sich herzutreiben. Kenins Aufschlag ist nicht so stark, was wiederum dem unfassbar guten Return Świąteks zugute kommt."

Świątek pusht sich permanent selbst. Die erhobene Faust zum Jubeln ist bei ihr nach fast jedem gewonnenen Punkt zu sehen. Die Dominanz, die sie trotz ihres jungen Alters auf dem Platz ausstrahlt, lässt sich auch anhand von Zahlen belegen.

Iga Swiateks Markenzeichen: die geballte Faust nach so gut wie jedem Punktgewinn.
Iga Swiateks Markenzeichen: die geballte Faust nach so gut wie jedem Punktgewinn. (Quelle: Michel Euler/dpa-bilder)

Mit 23 Winnern (Schläge zum Punktgewinn, Anm. d. Red.) schlug sie im Halbfinale fast vier Mal so viele wie ihre Gegnerin Podoroska (6). Auch gegen Martina Trevisan (20 zu 16 Winner) im Viertelfinale und zuvor gegen Halep (30 zu 12) schlug die Statistik zugunsten der Warschauerin aus.

Das Halbfinale sei sie angegangen, "als wäre es die erste Runde." Nun könnte sie eine unglaubliche Reise krönen. Auch einen Gruß an ihre Familie hatte sie nach ihrem Halbfinaltriumph noch übrig und die Hoffnung, dass ihre "Katze auch zugesehen" hat, wie sie in ihrer Muttersprache mitteilte.

Am Samstag um 15 Uhr (im Liveticker auf t-online.de) saßen Millionen in Polen vor dm Fernseher – und sahen ihre junge Heldin triumphieren. Nach Agnieszka Radwanska hat Polen einen neuen Stern am Tennishimmel.

Und nach Bianca Andreescu bei den US Open 2019 ist sie die nächste Teenagerin, die ein Grand-Slam-Finale gewinnen konnte. Gleichzeitig ist Świątek die jüngste Siegerin der French Open seit Monica Seles 1992 – und kann sich über ein Preisgeld von 1,6 Millionen Euro freuen.

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