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Wintersport in Saudi-Arabien? Ex-Skispringer: "Sportler sind nur noch genervt"


"Sportler sind nur noch genervt"

  • Melanie Muschong
Von Melanie Muschong

Aktualisiert am 27.10.2022Lesedauer: 3 Min.
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Sven Hannawald (Archivbild): Der ehemalige Skispringer wurde 2000 und 2002 Skiflug-Weltmeister. (Quelle: Hannelore Foerster/Getty Images)
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Der frühere deutsche Skispringer Sven Hannawald betrachtet die neuesten Entwicklungen im Wintersport mit Skepsis. Zudem macht ihm das IOC große Sorgen.

Sven Hannawald hat als Skispringer sämtliche Erfolge in seiner Karriere feiern dürfen. Als erster Sportler gelang ihm im Jahr 2002 der Sieg der Vierschanzentournee nach Triumphen in allen vier Wettbewerben. Bis heute ist Hannawald seiner Sportart sehr verbunden und inzwischen auch als TV-Experte in der "ARD" zu sehen.

Allerdings kritisiert der Ex-Springer die aktuellen Entwicklungen im Wintersport und sieht nicht nur für die Umwelt eine Gefahr – sondern auch Nachteile für aktuelle Leistungssportler.

Die Winter-Asienspiele 2029 sollen in Saudi-Arabien stattfinden. In einer Stadt namens "Neom", die noch gebaut werden muss. Wie stehen Sie zu solchen Projekten?

Da kann man sich das Lachen nicht verkneifen. Ich hatte gehofft, dass die Verbände aus den Olympischen Winterspielen in Peking gelernt haben. Offenbar ist das nicht der Fall. Das IOC hat zwar mit den Asien-Winterspielen in Saudi-Arabien nichts zu tun. Aber ich befürchte, dass wir die Winterspiele in naher Zukunft an einem Ort sehen werden, wo die Menschen das Wort Winter nicht mal schreiben können. Da geht es eben auch um Geld. Die Asienspiele und solche Wettkämpfe sind Vorbewerbungen für das eigentliche Ziel: die Olympischen Spiele 2030 oder 2034.

Geht die Entwicklung mehr in Richtung solch unökologischer Projekte wie "Neom" oder sind die ökologisch unbedenklicheren Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo die Zukunft?

Um das klarzustellen: Cortina d’Ampezzo ist die richtige Richtung. Aber der Scheich weiß mit seinen Reizen zu spielen. Er hat das Geld. Und wir wissen, wie das IOC die letzten Jahre funktioniert hat. Wenn ich diese beiden Dinge zusammenlege, ist es eigentlich eindeutig, dass das IOC nicht "Nein" sagen wird. Dem Scheich ist sein Geld egal, er legt es einfach mal auf den Tisch. Wenn das IOC tatsächlich "Nein" sagen würde, dann wäre das für mich ein Zeichen von Stärke. Das wäre toll. Ich befürchte aber, dass es anders kommt.

So soll die Wüstenstadt Neon für die asiatischen Winterspiele 2029 aussehen.
"Neom": So soll die umstrittene Wüstenstadt in Saudi-Arabien aussehen. (Quelle: Glomex)

Warum glauben Sie das genau?

Ich habe noch die Aussage im Kopf, wie sich das IOC für China gerechtfertigt hat. Winterspiele in einer Region, wo es eigentlich keinen Winter gibt. Sie wollten "Brücken bauen", hieß es damals. Das ist völliger Schwachsinn. Ich habe noch etwas Hoffnung, dass das IOC daraus gelernt hat. Wenn sie allerdings Saudi-Arabien zusagen, brauchen sie gar keine Bewerbung mehr auszuschreiben.

Warum?

Keines der traditionellen Wintersportländer wird sich mehr bewerben, weil Klimaschutz und Umwelt offenbar egal sind. Alle versuchen, Zeichen zu setzen und sich zum Guten zu verändern. Aber so geht das Signal in die falsche Richtung.

Was genau macht diese Entwicklung mit Sportlern?

Es nervt sie einfach. Man muss sich in die Sportler hineinversetzen: Sie trainieren vier Jahre für die Olympischen Spiele, was eines der Highlights der sportlichen Karriere bedeutet. Da hinfahren zu dürfen, ist eine Auszeichnung. Finden sie an solchen Orten statt, sind die Athleten im Zwiespalt. Da würde ich jetzt auch mit Abstand sagen – zu meiner Zeit gab es das Gott sei Dank nicht –, dass ich Peking einfach gemacht hätte. Aber bei Spielen in Saudi-Arabien würde ich Nein sagen. Ein Sportler kann nichts dafür, wohin die Spiele vergeben werden. Werden sie an einen Ort vergeben, wo sie keinen Sinn ergeben, ist der Sportler in der Bredouille.

Können Sie das kurz erklären?

Der Sportler bereitet sich vier Jahre darauf vor. Für ihn gilt: "Meine Karriere rennt weg. Ich weiß ja gar nicht, ob ich bei den nächsten Olympischen Spielen noch konkurrenzfähig bin." Das ist das Frustrierende: Über die Sportler wird hinweggegangen und über ihre Karrieren macht sich keiner Gedanken. Das ist das Bittere.

Inwiefern besteht die Gefahr, dass das Interesse des Wintersports zurückgeht?

Das ist die Bredouille, in die sich das IOC selbst gebracht hat. Letzten Endes, wenn alles normal liefe, würden sich Länder wie Norwegen, Schweden und Finnland für die Olympischen Winterspiele bewerben. Jetzt ist es aber so, dass die jeweilige nationale Bevölkerung gefragt wird. Diese lehnt das ab. Die Menschen wollen nicht, dass ihr Land für Kommerz ausgenutzt wird. Dadurch, dass das IOC nicht sagt: "Wir haben für 2030 kein Land, dann machen wir mal kurz eine Pause und warten bis die normalen Regionen, wo Winter herrscht, Lust haben, sich zu bewerben", steht es unter Druck. So muss es auf Regionen zurückgreifen, in denen Wintersport eigentlich keinen Sinn ergibt – und das ist der falsche Weg. Aber irgendwo müssen die Spiele stattfinden.

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Verwendete Quellen
  • Eigenes Telefoninterview mit Sven Hannawald
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