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ARD-Nachrichten: "Tagesthemen" binden weiter externe Stimmen ein


"Tagesthemen" binden weiter externe Stimmen ein

Von dpa
15.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Kristin Schwietzer (MDR) prĂ€sentierte 2021 anteilig die meisten "Tagesthemen"-Kommentare.VergrĂ¶ĂŸern des BildesKristin Schwietzer (MDR) prĂ€sentierte 2021 anteilig die meisten "Tagesthemen"-Kommentare. (Quelle: Reiner Freese/ARD-Hauptstadtstudio/dpa./dpa)
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Hamburg (dpa) - In den ARD-"Tagesthemen" werden in diesem Jahr erneut auch externe Kommentatoren zu sehen sein. Der Zweite Chefredakteur von ARD-aktuell, Helge Fuhst, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Der Blick von außen ist wertvoll." Er erlĂ€uterte auch: "Es gab noch nie so viele externe Stimmen wie im vergangenen Jahr in der Meinung."

Den Kommentar, der 2020 in Meinung umbenannt wurde, gibt es schon seit mehr als 40 Jahren in der Nachrichtensendung im Ersten. "Die Meinungsrubrik wird Teil der "Tagesthemen" bleiben", sagte Fuhst. Neben der Namensumbenennung hatte die Redaktion das Format zudem etwas erweitert - der reine Kommentar wird seither hin und wieder durch ein Pro-und-Contra-Format ergÀnzt.

Zum Thema DiversitĂ€t betonte Fuhst: "Wir haben Riesenschritte geschafft und zugleich noch einige Schritte vor uns. Da befinden wir uns wie viele andere Sendungen und gesellschaftliche Bereiche gerade in einem lĂ€ngeren Prozess, DiversitĂ€t noch besser abzubilden, was ja heißt, unsere Gesellschaft in ihrer gesamten Breite vorkommen zu lassen."

Kommentatoren sehen sich den Angaben zufolge immer hĂ€ufiger Hass und Hetze ausgesetzt. "Hetze, Hass und Bedrohungen haben deutlich zugenommen. Es braucht bei einigen Themen sogar Mut fĂŒr Journalistinnen und Journalisten, eine Meinung mit Namen und Gesicht zu prĂ€sentieren", sagte Fuhst.

Zu Kritik, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk zu wenig konservative Stimmen haben könnte, sagte er: "Gerade die Meinungsrubrik zeigt doch im letzten Jahr: Wir sind alle streitbaren Themen ergebnisoffen angegangen. Sie finden ĂŒber das Jahr verteilt alle politischen Richtungen und alle Perspektiven bei uns, das ganze demokratische Spektrum." Da laufe die Kritik inzwischen ins Leere.

Auf die Frage, woher dann die Kritik komme, betonte er: "Bei manchen sitzt die Kritik seit Jahren tief, da braucht es Zeit bis die VerĂ€nderungen wahrgenommen werden." Was man nicht erfĂŒllen könne sei, "die guten alten Zeiten" zurĂŒckzuholen. "Bestimmte Köpfe und Charaktere werden so nicht zurĂŒckkommen." Die Gesellschaft habe sich verĂ€ndert und man sei heute, was Diskussionen und auch Meinungen angeht - auch wenn sie deutlich artikuliert werden -, durchaus sachlicher und abwĂ€gender geworden.

Anteilig die meisten "Tagesthemen"-Kommentare prĂ€sentierte 2021 die TV-Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio, Kristin Schwietzer (Mitteldeutscher Rundfunk). "Ich bin als langjĂ€hrige Korrespondentin zustĂ€ndig fĂŒr CDU/CSU, da gab es im letzten Jahr natĂŒrlich viel zu berichten und zu kommentieren. Corona war auch oft Thema und auch Themen, die in Ostdeutschland spielen", sagte die Journalistin. Es gebe auch die Bestrebung in der ARD, ostdeutschen Kommentatoren und ostdeutschen Themen mehr Sichtbarkeit zu geben. Schwietzer wurde in Magdeburg geboren und wuchs in der DDR auf.

Von ostdeutschen Politikern - vor allem von der CDU in Sachsen-Anhalt - kam in der Vergangenheit die Forderung, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr ĂŒber den Osten berichten sollte. Schwietzer sagte dazu: "Bei vielen Ostdeutschen besteht der Wunsch nach mehr Wahrnehmbarkeit, dass ihre Erfahrungen, Lebenswirklichkeiten, Sorgen und WĂŒnsche auch bundesweit mehr Sichtbarkeit erhalten. Nicht nur im regionalen Programm, auch auf der großen FlĂ€che." Ihr sei es wichtig, die Vielfalt der Gesellschaft noch besser abzubilden, dazu gehöre auch die ostdeutsche Perspektive. "Es hat sich viel verĂ€ndert, die Wahrnehmbarkeit ist schon gesteigert, und wir arbeiten weiter daran."

Hinter der Kritik steckten zwei GrĂŒnde. "Das eine ist etwas Politisches: Dass es viele Dinge gibt, die einfach nicht oder noch nicht erfĂŒllt worden sind." Mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gebe es die Erwartungshaltung, dass dies oder jenes erfĂŒllt sein mĂŒsse. "Die Wirtschaft ist immer noch kleinteilig, ArbeitsplĂ€tze sind nicht ausreichend vorhanden, und darĂŒber entsteht eine Unwucht. Und diese Unwucht ist die zweite Ebene." Das spiegele sich in einer gefĂŒhlten Wahrnehmung wider. Schwietzer ergĂ€nzte: Es sei eine reale Erfahrung und habe gleichzeitig eine gefĂŒhlte Wahrnehmungsebene. "Das wirkt nach außen nicht immer gerechtfertigt. Hat aber reale GrĂŒnde, die auch die Politik lösen muss."

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