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"Ich habe schon mehrere Therapien gemacht"

  • Josephin Hartwig
Von Josephin Hartwig

Aktualisiert am 08.05.2022Lesedauer: 6 Min.
Ildik├│ von K├╝rthy: Die Aachnerin hat einen neuen Roman geschrieben.
Ildik├│ von K├╝rthy: Die Aachenerin hat einen neuen Roman geschrieben. (Quelle: ┬ęSonja Tobias)
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Ihr neues Buch ist wie ein Hammerschlag in die Gef├╝hlswelt der Leser. Nun hat Ildik├│ von K├╝rthy angek├╝ndigt, dass es zum ersten Mal eine Fortsetzung geben wird. Dar├╝ber und warum Selbstironie oft hilfreich ist, sprach sie mit t-online.

Autorin Ildik├│ von K├╝rthy l├Ąsst sich l├Ąngst nicht mehr in der Unterhaltungsecke der Literatur verbuchen. Und vielleicht geh├Ârte sie da auch nie hin. In ihrem neuen Roman "Morgen kann kommen" hat von K├╝rthy erneut ernstere T├Âne angeschlagen. Hauptfigur Ruth ist in einer toxischen Ehe mit einem narzisstischen Schauspieler gefangen, Gloria hat schon seit Jahren den Kontakt zu ihrer Schwester verloren. Im Laufe des Romans verweben sich die Geschichten miteinander und noch andere, schon zuvor lieb gewonnene Figuren tauchen wieder auf. Wie Erdal K├╝pers, der liebenswerte Hypochonder.

t-online: Ihr Thema ist beruflich und privat der humorvolle Umgang mit Alltagssituationen. Auf Instagram haben Sie k├╝rzlich sehr selbstironisch ├╝ber eine misslungene Frisur geschrieben. Was war passiert?

Ildik├│ von K├╝rthy: Ich hatte mir mit einem Frisierstab versehentlich eine Art Klapp-Brett-Frisur gemacht ÔÇô und ein Foto davon ironisch kommentiert. Eine Frau schrieb: "Ein Mann w├╝rde niemals so an sich selbst zweifeln." Ich habe geantwortet: "Ja, das stimmt und das haben wir den M├Ąnnern voraus! Unseren offenen, menschlichen Umgang mit Schw├Ąchen und unser Eingest├Ąndnis, dass wir an uns selbst zweifeln." Ich halte Selbstzweifel f├╝r wichtig und ich m├Âchte die auch artikulieren d├╝rfen. Ich w├╝nschte, M├Ąnner w├╝rden das auch tun, dann ginge es uns allen besser.

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M├Ąnner machen das ja bekanntlich eher selten.

Warum nicht zugeben: Ja, das st├Ârt mich, es ist wirklich schiefgegangen, auch wenn ich es in dem Moment nat├╝rlich gar nicht lustig fand, als ich mit dicker Brandblase und brettharter Frisur auf der B├╝hne stand. Ich mag Frauen daf├╝r, dass sie so sind und finde das bereichernd. Dieses st├Ąndige so tun, als w├Ąren wir alle Prinzen und Prinzessinnen und unsere Ehen perfekt und unsere Kinder so unfassbar wohlgeraten ÔÇô damit macht man anderen das Leben schwer und sich selbst auch.

Wie w├╝rden Sie denn Ihre aktuelle Lebenssituation beschreiben?

Es gibt kein perfektes Leben. Es gibt keine rundum gl├╝cklichen Ehen, keine problemfreien Beziehungen. Wer hat sich blo├č diesen Quatsch ausgedacht? Ich versuche bei Instagram, wie durch den Post ├╝ber die misslungene Frisur, zu zeigen: Ich bin echt. Ich bin normal. Ich bin auch mal am Boden zerst├Ârt ÔÇô und das gar nicht so selten. Das ist unabh├Ąngig von einer Bestsellerlisten-Platzierung und vom Erfolg. Nat├╝rlich geht mein Erfolg mit einer finanziellen Sorglosigkeit einher und ich bin dankbar, dass ich mir dar├╝ber keine Sorgen machen muss. Aber ich habe genug andere!

Einmal kommentierte jemand: "Ihr Leben ist ein M├Ąrchen." Das fand ich schlimm, weil ich wei├č, dass das auf Instagram leicht mal so aussieht. Das stimmt aber einfach nicht. Mein Mann ist kein Prinz und meine S├Âhne sind keine kleinen Prinzen. Ich bin keine Diva und keine K├Ânigin. Das will ich ├╝berhaupt nicht sein, denn das w├╝rde einen enormen Abstand zwischen mir und meinen Leserinnen entstehen lassen. Ich kenne deren N├Âte, denn ich habe sie im Zweifelsfall selbst.

Pers├Ânliche N├Âte greifen Sie auch oft in Ihrem Podcast "Frauenstimmen" auf. Man k├Ânnte fast von einem therapeutischen Ansatz sprechen. Haben Sie selbst schon einmal eine Therapie gemacht?

Ich habe schon mehrere Therapien gemacht. Daran ist nichts Ehrenr├╝hriges. Ich wei├č, dass sich manche Menschen daf├╝r sch├Ąmen. Warum? Ich gehe ja schlie├člich auch zum Lungenfacharzt, wenn ich Asthma habe. Ich nehme meine Seele mindestens so ernst wie meinen K├Ârper. Psychische Krankheiten werden immer noch zu oft abgetan. Depressionen, Burn-out, Angstst├Ârungen ÔÇô zu viele denken immer noch, derjenige m├╝sse sich einfach nur richtig zusammennehmen. Das ist falsch. Und wenn dann noch Scham dazukommt, wird es fatal.

Sie haben das Buch Ihrer Mutter gewidmet. Hat die Hauptfigur Ruth, die mit einem narzisstischen Ekel verheiratet ist, in seinem Schatten steht und ihr eigenes Leben nur schwer in die Hand nehmen kann, auch etwas von ihr?

Ich habe meiner Mutter dieses Buch voller Respekt und Liebe, aber auch voller Bedauern gewidmet. Sie geh├Ârte zu den vielen Frauen ihrer Generation, die keine Befreiung erlebt haben und nicht aus dem Schatten gesellschaftlicher Konventionen heraustreten konnten ÔÇô und das sage ich ohne Vorwurf. Es tut mir leid, dass sie sich so wenige ihrer Tr├Ąume und W├╝nsche erf├╝llen konnte. Mein Vater war zwar ein dominanter Charakter, aber er war, anders als Ruths Mann, kein toxischer Narzisst.

Wo haben Sie Einblicke in Beziehungen wie diese bekommen?

Ich habe Freundinnen, die wirklich in schlimmen toxischen Beziehungen steckten und die mich an ihren Erfahrungen teilhaben lie├čen. Ein Verbrechen, so wie im Buch beschrieben, hat zum Gl├╝ck keine von ihnen erleben m├╝ssen. Aber in dem, was Ruth erlebt ÔÇô sie macht sich kleiner, als sie ist, damit sich ihr Mann gr├Â├čer f├╝hlen kann, als er ist ÔÇô, erkennen sich, f├╝rchte ich, viele Frauen wieder. Ich finde mehr Anteile von mir in Gloria, eine der anderen Figuren. Mal bin ich zu laut, mal bin ich zu leise. Ich glaube, das Buch bietet Identifikation f├╝r alle Seiten in uns.

Fatma ist eine weitere starke Identifikationsfigur im Roman. Mit ihr haben wir die verheiratete Frau, die Geliebte und die Single-Frau.

Ich mag den Begriff "starke Frauen" nicht. Er impliziert, dass solche Frauen nicht schwach sind oder glauben, nicht schwach sein zu d├╝rfen. Ich mag nur Menschen, die Verst├Ąndnis f├╝r die Schw├Ąchen anderer haben und ihre eigenen zeigen und reflektieren. Ruth ist eine Frau, die sich st├Ąndig mit anderen vergleicht. Dar├╝ber liegt kein Heil ÔÇô das kennen wir ja alle. Fatma ist allerdings eine warmherzige Person, die das gleich thematisiert und so etwas sagt wie: "F├╝r deine Figur w├╝rde ich morden."

Die Figuren sind sehr vielschichtig. Zum ersten Mal schreiben Sie nun auch eine Fortsetzung Ihres aktuellen Romans. K├Ânnen Sie schon ein wenig verraten, was geschieht?

Ich h├Ątte noch 300 Seiten mehr schreiben k├Ânnen und habe schon im Kopf, wie die Geschichte weitergeht. Es wird etwas Schreckliches passieren. In der ersten Version des Romans hatte ich in einem Epilog angedeutet, was in der Nacht, in der das Buch nun endet, noch geschieht. Es war nur eine halbe Seite, eine Art Polizeibericht. Mein Mann riet mir aber davon ab, weil er es zu brutal fand, mit dieser Ungewissheit aufzuh├Âren. Ein Roman ist ja keine Netflix-Serie, die man einfach so weitergucken kann. Also habe ich mich entschieden, die Geschichte nicht im derartig Ungewissen enden zu lassen.

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Ildik├│ von K├╝rthy erz├Ąhlt, was das gro├če Schreckliche sein wird und so viel muss dazu noch gesagt werden: Schon die wenigen Informationen sorgen f├╝r G├Ąnsehaut. Denn fest steht schon jetzt: Es wird eine Leiche im Haus Ohnesorg gefunden.

Ihr neuer Roman ist auf dem Markt, Sie haben einen Podcast, eine Show zum Buch. Was kommt als N├Ąchstes? Vielleicht ein eigenes "Ildik├│"-Magazin?

Ich bin schon ├╝berrascht, was sich in den letzten Jahren noch f├╝r M├Âglichkeiten f├╝r mich ergeben haben. Daf├╝r bin ich sehr dankbar. Vor 15 Jahren h├Ątte ich nie gedacht, dass ich mal Podcasterin bin. Und wer wei├č, was in weiteren 15 Jahren ist? Ein Magazin finde ich eigentlich eine gute Idee, allerdings ist der Printmarkt ja nicht der bl├╝hendste unter den M├Ąrkten. Da sind leider eine Menge sinkender Schiffe unterwegs. Eine eigene Fernsehsendung w├Ąre toll!

Als eine Talksendung?

Ja! Eine Talkshow, in der immer nur ich zu Gast bin und in der die Gastgeber wechseln. Ich rede ja ausgesprochen gern ├╝ber mich.

Bislang sind viele Rezensionen des Buches sehr positiv. Eine Leserin schrieb im Internet ├╝ber "Morgen kann kommen": "Das Buch ist wie eine Umarmung von lieben Freunden."

Da kommen mir die Tr├Ąnen. Damit hat sie alles gesagt, was ich sagen m├Âchte.

Am 9. Mai startet die Show zum Buch in Berlin im Tipi am Kanzleramt. Hier finden Sie die Termine.

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