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Hans Meiser: "Ich m├Âchte mit denen nichts mehr am Hut haben"

Von Julia K. Gro├če-Vehne

Aktualisiert am 09.03.2020Lesedauer: 7 Min.
Hans Meiser: Acht Jahre lang hatte er seine eigene Talkshow auf RTL.
Hans Meiser: Acht Jahre lang hatte er seine eigene Talkshow auf RTL. (Quelle: imago images)
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Kaum ein Talkmaster pr├Ągte die 90er Jahre so sehr wie Hans Meiser. 2010 musste der Moderator v├Âllig ├╝berraschend RTL verlassen. Jetzt, zehn Jahre sp├Ąter, rechnet der 73-J├Ąhrige mit dem Sender ab.

Er ist eine echte Legende der deutschen TV-Landschaft. Mit seiner gleichnamigen Talkshow war Hans Meiser mehr als acht Jahre lang von den Bildschirmen nicht wegzudenken. Nicht selten lag der Marktanteil seiner Sendung bei ├╝ber 40 Prozent ÔÇô das schafft heute vielleicht gerade noch das Dschungelcamp in Spitzenzeiten.


So hat sich Hans Meiser ├╝ber die Jahre ver├Ąndert

Hans Meiser: Jahrelang war er das Gesicht von RTL.
Von 1992 bis 2006 moderierte Hans Meiser auf RTL die Sendung "Notruf".
+8

Doch in den Neunzigerjahren war das Nachmittagsprogramm fest in den H├Ąnden von Hans Meiser und seinen Talk-Kollegen. Mit dem erfolgreichen Start seiner Sendung 1992 begr├╝ndete der heute 73-J├Ąhrige eine wahre Flut an Talkshow-Formaten von B├Ąrbel Sch├Ąfer bis Arabella Kiesbauer. Doch trotz seiner pr├Ągenden Rolle verschwand Hans Meiser 2010 weitgehend aus dem Fernsehen.

Was bleibt, ist die Erinnerung an viele unvergessliche Talk-Momente, spektakul├Ąre Rettungsaktionen bei Meisers anderem Erfolgsformat "Notruf", gro├če Lacher bei der Pannenshow "Life! Dumm gelaufen", die er von 1998 bis 2010 gemeinsam mit Birgit Schrowange moderierte und die Frage: Was macht Hans Meiser eigentlich heute?

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Im Exklusivinterview mit t-online.de verr├Ąt der TV-Pionier jetzt, wie sein Leben nach der Fernsehkarriere aussieht, was er von Jan B├Âhmermann h├Ąlt und ob er sich eine R├╝ckkehr auf die Bildschirme vorstellen k├Ânnte.

t-online.de: Herr Meiser, ├╝ber acht Jahre lang hatten Sie Ihre eigene Talkshow. Ist Ihnen eine Geschichte besonders im Ged├Ąchtnis geblieben?

Hans Meiser: Sehr viele. Ich spreche mit alten Kollegen aus der Redaktion der Show noch oft dar├╝ber. Wir hatten hervorragende Sendungen, beispielsweise ├╝ber Sekten. Wir waren die erste Sendung, in der bekennende Scientologen waren. Das muss man erstmal schaffen. Da waren wir schon sehr stolz. Wir haben auch eine Sendung ├╝ber die Zeugen Jehovas gemacht. Da wurde ich vor eineinhalb Jahren von Mitgliedern noch bei einem Besuch in Bayern angegriffen, ich h├Ątte ihre Religion verunglimpft.

Hans Meiser: Acht Jahre lang begr├╝├čte der Moderator diverse G├Ąste in seiner Show.
Hans Meiser: Acht Jahre lang begr├╝├čte der Moderator diverse G├Ąste in seiner Show. (Quelle: imago images / teutopress)

Ich hatte auch einen Autisten zu Gast. Ich sollte ihm eigentlich nur vorgefertigte Fragen stellen, um ihn nicht zu verwirren. Doch ich sp├╝rte, dass er irgendwie Vertrauen zu mir gefasst hatte. Er l├Ąchelte mich sogar an. Seine Eltern sa├čen im Publikum und sprachen mich nach der Sendung an, was ich mit ihrem Sohn gemacht h├Ątte. Er hatte wohl seit Jahren nicht gel├Ąchelt. Solche Momente bleiben einem f├╝r immer im Ged├Ąchtnis.

Talkshows standen oft in der Kritik, mit Schauspielern und erfundenen Geschichten zu arbeiten. War bei Ihnen immer alles echt?

Bei mir war immer alles echt. Ich habe immer gesagt: "Wenn mir jemand beweist, dass etwas gefaked ist, kriegt er 1.000 Euro auf die Hand." Wir haben auch keine Anzeigen geschaltet, um G├Ąste zu gewinnen. Wer sich auf so was meldet, will nur ins Fernsehen. Wir wollten die Leute, die nicht ins Fernsehen wollten. Wir waren die erste Talkshow mit ganz normalen Menschen. Das war eine tolle Zeit.

Sie haben so bedeutende Pers├Ânlichkeiten wie Prinz Philip oder Helmut Schmidt interviewt. Welche Begegnung ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Mit Helmut Schmidt hatte ich den ersten Kontakt noch beim Radio, da war ich 25 Jahre alt und hatte Gl├╝ck, dass ich ein Exklusivinterview bekam. Wir sa├čen in einer Sitzecke und die ganze europ├Ąische Presse stand um uns herum und er sagte nur: "Was wollen Sie alle, das ist ein Exklusivinterview mit Herrn Meiser." Er war ganz normal. Einer der ganz Gro├čen. Auch Roman Herzog und Willy Brandt waren sehr beeindruckend. Heute wird auf die Politik mit einer unterirdischen Wortwahl vor allem in den sozialen Medien eingedroschen. Das ist schade.

Haben Sie Ihre Shows selbst im TV angeschaut?

Nie. Ich finde das ganz, ganz furchtbar. Ich habe mit 15 Jahren meine erste Radiosendung gemacht. Wenn man sich selbst h├Ârt und das schneiden muss, ist das ein Albtraum. Manchmal kam ich allerdings nicht drum herum. Bei "Notruf" musste ich immer die fertige Sendung abnehmen. Ich bin sehr selbstkritisch und fragte mich immer: "Warum stehst du so krumm?" oder "Warum warst du nicht beim Friseur?"

Gibt es jemanden, den Sie gerne noch interviewen w├╝rden oder interviewt h├Ątten?

Ich bin zwar bekennender Protestant, w├╝rde aber gern ein Interview mit dem Papst f├╝hren. Ein Gespr├Ąch unter M├Ąnnern, nicht von Reporter zu Papst. Ich war im Rahmen eines Interviews mit Kardinal G├Ąnswein schon einmal im B├╝ro des Papstes. Da stehen in einer Vitrine Bibeln neben dem Koran. Vielleicht kommen die Religionen also doch zumindest schriftlich ein bisschen zusammen.

Hans Meiser musste Anfang der 2000er seinen DailyTalk aufgeben.
Hans Meiser musste Anfang der 2000er seinen DailyTalk aufgeben. (Quelle: imago images)

Als Ihre Zusammenarbeit mit RTL 2010 endete, sprachen Sie davon, man h├Ątte Sie "abgeschossen wie eine Wildsau in der Morgensonne". Was war passiert?

Man hat mich angerufen und gesagt: "Es ist Schluss mit der Talkshow." Und ich fragte: "Was machen wir dann?" Die Antwort war: "Such dir einen neuen Sender!" Was der Anlass war, wei├č ich bis heute nicht. An den Quoten kann es nicht gelegen haben.

Wie stehen Sie heute dazu?

Ich m├Âchte mit denen nichts mehr am Hut haben. Intelligente Menschen k├Ânnen mich beleidigen, aber nur intelligente Menschen. Aber das ist Vergangenheit. Ich kenne heute noch viele Menschen im Sender. Ich will nicht schlecht sprechen. Zum Teil sind die Formate toll, zum Teil furchtbar. Aber das ist bei allen Sendern so.

K├Ânnen Sie sich trotzdem vorstellen, zum Fernsehen zur├╝ckzukehren?

Ich wei├č es nicht. Ich w├╝rde liebend gerne wieder Radio machen. Das ist das weitaus intensivere Medium. Da musst du mit deiner Stimme, deinem Wissen und deinem K├Ânnen ein Programm gestalten. Wenn den Leuten im Fernsehen nichts mehr einf├Ąllt, hei├čt es immer: "Wir lassen jetzt die Bilder auf uns wirken." Diese Ausfl├╝chte gibt es beim Radio nicht.

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Aber nat├╝rlich w├╝rde ich auch wieder Fernsehen machen. Die Diskussion, dass das lineare Fernsehen ausstirbt, gibt es seit 15 Jahren. Was Streamingdienste machen ist zum Teil viel besser als das lineare Fernsehen. Die haben inzwischen alle tolle Eigenproduktionen. Beim Fernsehen ist es nicht so leicht, mit guten, neuen Ideen durchzukommen.

Was f├╝r ein Format m├╝sste es sein?

Ich war ein begeisterter Nachrichtensprecher. Das w├╝rde ich gerne im Leben noch einmal machen: eine Nachrichtensendung moderieren. Auch "Notruf" w├╝rde ich gerne wieder machen. So eine Sendung gibt es heute nicht mehr. Ich engagiere mich seit meiner Jugend f├╝r den DLRG. Das ist wirklich eine Herzensangelegenheit.

Hans Meiser: Er moderierte in den Neunzigerjahren die Show "Notruf".
Hans Meiser: Er moderierte in den Neunzigerjahren die Show "Notruf". (Quelle: imago images)

Noch heute sprechen mich Leute vom THW, den Johannitern und dem Roten Kreuz darauf an. Was kaum einer wei├č, der erste Produzent von "Notruf" war Rudi Carrell. Es war damals meine Bedingung, dass ich die Moderation ├╝bernehme, dass jeder Fall positiv und nie mit dem Tod endet. Das hat er akzeptiert. Ich w├╝rde auch gerne wieder eine Talkshow machen und bin ├╝berzeugt, die w├Ąre wieder sehr erfolgreich.

Gibt es eine Sendung, die Sie regelm├Ą├čig gucken?

Ich bin Nachrichten-Junkie. Ich schaue sechs, sieben Mal Nachrichten am Tag. Gerne sehe ich auch Reportagen. "Tatort" kann ich nicht gucken. Die ganzen Krimis sind so an den Haaren herbeigezogen. Da gibt es mehr Tote in einer Sendung als in der Realit├Ąt in einem ganzen Jahr.

Welche Show w├╝rden Sie sich zur├╝ckw├╝nschen?

Ich habe nie so viel Fernsehen geguckt. Ich habe mehr Fernsehen gemacht.

W├╝rden Sie beim Dschungelcamp teilnehmen? Wurden Sie schon gefragt?

Ich werde immer wieder gefragt. Ich kann die Kollegen nicht verstehen, die da mitmachen. Ich w├╝rde das ums Verrecken nicht mitmachen. Wie kann man sich nur zu so etwas herablassen? Das ist kein Vorwurf an RTL. Die Quoten sind ja gut und offenbar wollen die Leute das sehen.

W├╝rden Sie eine TV-Karriere Ihrer Kinder unterst├╝tzen?

Gott sei Dank sind meine drei Kinder alle normal. Ich habe meinen Kindern nie gesagt, was sie tun sollen. Ich habe ihnen immer gesagt: "Wenn ihr eine Frage habt oder einen Rat braucht, fragt mich." Aber sie m├╝ssen ihren Weg selbst gehen und das tun sie auch.

Was braucht es heute, um eine erfolgreiche TV-Karriere zu machen? Wie hat sich das ver├Ąndert?

Man muss ein Selbstdarsteller sein. Aber man muss auch eine gewisse Form der Demut haben, dankbar sein daf├╝r, dass man M├Âglichkeiten und Chancen bekommt. Ich habe auch Rhetorik studiert. Mit der deutschen Sprache umgehen zu k├Ânnen ist ein Geschenk. Dass man sich mit Menschen austauschen kann, ist etwas Wunderbares. Es gibt heute so viele Sender, aber es gibt viel zu wenig ausgebildete Menschen, die den Job von der Pike auf gelernt haben ÔÇô beim Radio, bei der Sch├╝lerzeitung, wie ein Frank Elstner, Thomas Gottschalk oder G├╝nther Jauch.

Die Leute heute haben keine geschulten Stimmen, die reden ohne Punkt und Komma, recherchieren nicht richtig. Da kriege ich Zust├Ąnde. Als ich mit 15 Jahren beim SWR anfing, w├Ąre ich mit so seiner Leistung nicht mal am Portier vorbeigekommen. Das ist sehr schade.

2017 gab es Schlagzeilen, weil Sie f├╝r das Onlineportal "Watergate.tv", das rechtspopulistische Verschw├Ârungstheorien verbreitet, Spots eingesprochen hatten. Daraufhin verloren Sie ihr Engagement bei Jan B├Âhmermanns Satireshow "Neo Magazin Royale". Sind Sie ein Verschw├Ârungstheoretiker?

Wer mich kennt, wei├č, wenn ich Verschw├Ârungstheoretiker bin, ist der Papst Jesus Christus. Bei "Watergate.tv" habe ich drei Beitr├Ąge geschrieben, die waren alle absolut wasserfest und wurden sogar vom Nachrichtenportal "Businessinsider.de" ├╝bernommen. Wenn an den Vorw├╝rfen etwas dran ist, ist Herr B├Âhmermann Rechtspopulist und Verschw├Ârungstheoretiker, nicht ich. Was ich bei B├Âhmermann als "kleiner Mann" vorgetragen habe, hat alles Herr B├Âhmermann geschrieben. Da stammt nicht ein Wort von mir.

Ich trauere der Arbeit bei "Neo Magazin Royale" nicht hinterher. So gut war die Bezahlung auch nicht. Was mich ge├Ąrgert hat, ist, dass Herr B├Âhmermann per Bildzeitung die Zusammenarbeit beendet hat. Das ist kein guter Umgang. Heute w├╝rde ich sagen, Herr B├Âhmermann und ich treffen uns auf der gleichen Linie der gegenseitigen Abneigung. Ich habe mich zwei Wochen dar├╝ber ge├Ąrgert, inzwischen habe ich damit abgeschlossen.

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