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1000. "Tatort": Bei "Taxi nach Leipzig" wurde geschlampt

"Taxi nach Leipzig"  

Spannender Jubiläums-"Tatort" mit vielen Ungereimtheiten

14.11.2016, 13:27 Uhr | Lars Schmidt, t-online.de

Der 1.000 "Tatort" ist ein würdiger und spannender Krimi. (Screenshot: Bit Projects)
Der 1.000 "Tatort" ist ein würdiger und spannender Krimi

Tatort: Taxi nach Leipzig „Taxi nach Leipzig“ ist der 1.000 Tatort. Da kann man schon einen würdigen und spannenden Krimi erwarten. Diesmal treffen die drei Kommissare Borowski, Lindholm und Affeld eher zufällig aufeinander. Sie steigen in ein Taxi und werden gekidnappt. Eine beklemmende Fahrt in der Gewalt eines psychisch angeschlagenen Taxifahrers quer durch die Republik beginnt. Während der Fahrt erfährt der Zuschauer immer mehr Details. Auch, warum es nach Leipzig geht. Hintergrund ist eine enttäuschte Liebe des Taxifahrers. Der 1000. Tatort ist in der Tat eine fesselnde Abendunterhaltung. Wer auf der Suche nach logischen Fehlern in der Regie und im Drehbuch ist, der wird allerdings auch fündig. Ein bisschen genauer hätten die Filmemacher da bei der Jubiläumsausgabe ruhig arbeiten können.

Der 1.000 "Tatort" ist ein würdiger und spannender Krimi


Ja. "Taxi nach Leipzig" ist ein würdiger, ein spannender und sehenswerter Jubiläums-"Tatort". Aber auch einer mit vielen Ungereimtheiten, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ein bisschen mehr Genauigkeit darf es ruhig sein.

Beim Polizeiseminar in Niedersachsen, der genaue Ort wird nicht genannt, treffen die Kommissare Borowski (Axel Milberg) und Lindholm (Maria Furtwängler) eher zufällig aufeinander. Zusammen mit dem nervigen wie anhänglichen Kommissar Affeld (Hans Uwe Bauer in seinem 10. "Tatort") steigen sie in ein Taxi. Und das Unheil beginnt.

Noch so'n Spruch - Genickbruch

Denn am Steuer sitzt der ehemalige Elitesoldat Rainald Klapproth (Florian Bartholomäi in seinem 12. "Tatort"). Und dem geht die Psychodüse schon auf 180. Seine Ex, die er immer noch liebt, zu der er aber keinen Kontakt mehr haben darf, hat heute Geburtstag. Morgen will sie ihren Neuen heiraten. Er hat einen langen Tag mit nervenden Fahrgästen und einer demütigenden Polizeikontrolle hinter sich. Und jetzt noch drei Gestalten im Taxi, von denen der Typ auf dem Beifahrersitz (Kommissar Affeld) ihm auch noch wegen des nicht angelegten Gurtes auf den Wecker geht und sich als Bulle outet.

Mit einem geübten Griff bricht Rainald Klapproth Kommissar Affeld kurzerhand das Genick, schlägt Borowski kampfunfähig und bedroht die Polizisten mit einer Pistole. Dann fesselt er Borowski und Lindholm. Die Leiche wandert für den Trip nach Leipzig in den Kofferraum. Denn dort will er hin. Dort wohnt seine Ex Nicky.

Beklemmendes Kammerspiel im Taxi

Die nun beginnenden Psychospielchen sind das Highlight des 1000. "Tatorts". Die drei Taxi-Insassen loten die Gefühle der jeweils anderen aus. Versuchen sich aus der Reserve zu locken, sich zu provozieren oder zu beruhigen. Es ist ein Spiel von Macht und Unterwerfung, von Kampf und Resignation. Dabei geben alle Charaktere nach und nach sehr persönlich Dinge preis, während das Taxi durch die Nacht Richtung Leipzig fährt.

Geografische Wirrungen

Doch welche Route nimmt das Taxi? "Vier Kilometer vor Hannover. Bundesstraße 240. Vier Stunden bis nach Leipzig" sagt der Taxifahrer in Gedanken zu sich selbst. Die B240 aber verläuft von der Weser südlich von Hameln nach Gronau im Kreis Hildesheim. Von dort sind es noch 40 Kilometer bis Hannover. Das Taxi hat ein Braunschweiger Kennzeichen. Befindet sich also außerhalb seines eigentlichen Einsatzbereiches. Dennoch meldet sich der Fahrer per Funk bei seiner Zentrale ab. Dabei müsste die außerhalb der Reichweite sein. Schließlich ist Braunschweig von der B240 rund 75 Kilometer entfernt.

Auf dem Weg nach Leipzig, allem Anschein nach auf der Bundesstraße 6 quer durch den Harz, folgt die nächste geografische Ungereimtheit. Mitten in der Nacht an der verlassenen Tankstelle werden die Taxi-Insassen nach einem Gut Pöseneck, wo es ein Trabimuseum geben soll, gefragt. Doch so einen Ort gibt es nicht. Es gibt nur eine Stadt namens Pößneck. Und die liegt viel weiter südlich, in Thüringen bei Saalfeld.

Als Borowski seine Fesseln löst, dem Entführer und während der Fahrt bei etwa 70 km/h die Handbremse zieht, überschlägt sich das Taxi. Borowski und Lindholm sind angeschnallt und klettern unversehrt aus dem Wagen. Doch auch der nicht angeschnallte Geiselnehmer hat den Unfall, abgesehen von ein paar Blessuren, unbeschadet überlebt.

Vollmond und Wölfe - märchenhaft

Als die Polizisten in den Wald fliehen, sieht man am Himmel einen großen Vollmond. Zuvor hatte es geregnet. Auch in späteren Szenen regnet es wieder. Und dann wird Kommissarin Lindholm beim Umherirren im Wald auch noch von Wölfen verfolgt. Rotkäppchen lässt grüßen - schließlich trägt Lindholm einen roten Mantel.

Aber statt einem Jäger wie im richtigen Märchen, kommt der psychopathische Taxifahrer. Die Kommissare ergeben sich und mit dem geklauten Auto aus der Scheune, die mitten im Wald steht, geht es weiter dem Zielort entgegen. Dann ordnet sich die Handlung wieder.

Rache wegen Schuldgefühlen

Inzwischen ist das Verhältnis zwischen Geiselnehmer und Geiseln fast schon vertrauenswürdig. Der Taxifahrer ist so mies drauf, weil seine Ex ausgerechnet seinen ehemaligen Vorgesetzten aus dem Afghanistaneinsatz heiraten will. Jenen Offizier, durch dessen Fehler bei einem Einsatz eine unschuldige Familie starb, für deren Tod sich Rainald noch immer schuldig fühlt. Auch weil sein Vorgesetzter ihm die Schuld dafür in die Schuhe schob und sich selbst jeder Verantwortung entzog.

Am Ende dieses überraschenden "Tatorts" werden die drei Taxi-Insassen zu Komplizen. Den tragischen Ausgang des Dramas können sie aber nicht verhindern. So endet "Taxi nach Leipzig" zwar überraschend, stark und intensiv. Aber auch ein bisschen ernüchternd. Dabei hätte man nur in einen Atlas schauen müssen.

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