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"Traumschiff"-Star Nick Wilder verlässt Show: "Jetzt wird es Zeit zu gehen"

Doc Sander verlässt das "Traumschiff"  

Nick Wilder: "Das Rademann-Feeling an Bord existiert nicht mehr"

29.06.2020, 07:27 Uhr
"Traumschiff"-Star Nick Wilder verlässt Show: "Jetzt wird es Zeit zu gehen". Nick Wilder: Zehn Jahre lang spielte er den Schiffsarzt Doc Sander. (Quelle: Heinz Unger)

Nick Wilder: Zehn Jahre lang spielte er den Schiffsarzt Doc Sander. (Quelle: Heinz Unger)

Nach Chefhostess Beatrice und Kapitän Burger wird nun auch Doktor Sander das "Traumschiff" verlassen. Im Interview mit t-online.de hat Nick Wilder über seine Beweggründe gesprochen.

Zehn Jahre lang spielte er die Rolle des Schiffsarztes Doc Sander. In dieser Zeit hat Schauspieler Nick Wilder an Bord des "Traumschiffes" viele Kollegen und Kolleginnen kommen und gehen sehen. 2013 verließ den Liebesdampfer zum Beispiel Siegfried Rauch, fünf Jahre später Heide Keller. Im vergangenen Jahr ging auch Sascha Hehn von Bord. Die ZDF-Reihe habe nach dem Tod von "Traumschiff"-Erfinder Wolfgang Rademann "ihren Charme verloren", erklärte der Schauspieler damals in einem Interview.

Jetzt hat auch Nick Wilder den Entschluss gefasst, dass "Traumschiff" nach zehn Jahren zu verlassen. Ähnlich wie bei Sascha Hehn spielt auch bei dem 67-Jährigen der Tod von Wolfgang Rademann eine ausschlaggebende Rolle.

Zudem erklärt Nick Wilder im Interview mit t-online.de, warum er ausgerechnet während der Corona-Krise seinen sicheren Job als Schiffsarzt an den Nagel hängt und warum die Doppelspitze mit Florian Silbereisen und Daniel Morgenroth ein "geschickter Schachzug" des Senders war.

t-online.de: Herr Wilder, im Januar 2011 waren Sie zum ersten Mal in der Rolle des Schiffarztes zu sehen. Das ist mittlerweile fast zehn Jahre her. Wie fühlt sich das für Sie an?

Nick Wilder: Sehr gut – und sehr rund. Zehn Jahre, das ist eine gute Zahl und auch eine lange Zeit.

Sascha Hehn hat "Das Traumschiff" verlassen und die Dreharbeiten mit "Fließbandarbeit" verglichen. Haben Sie seinen Ausstieg damals nachvollziehen können?

Ja, konnte ich. Sascha ist ein Perfektionist. Er machte sich immer sehr viele Gedanken über Inhalt und die Dialoge. Wir haben an Bord oft Gespräche über die Drehbücher geführt. Die Kapitänsrede zum Beispiel hat er grundsätzlich umgeschrieben. Es war ihm "zu viel Gelaber", er wollte es kurz und auf den Punkt. Ich respektiere ihn als Schauspieler und Mensch sehr.

Sascha Hehn meinte damals, dass auch Sie überlegen, das Schiff zu verlassen. Jetzt, zwei Jahre später, haben Sie den Entschluss gefasst, von Bord zu gehen. Warum gerade jetzt?

Bord-Arzt auf dem "Traumschiff" zu sein, war der schönste Job der Welt. Aber alles hat im Leben seine Zeit. Und das war genau der Grund für meine wohlüberlegte Entscheidung: die kostbare Zeit! Ich habe noch so viele Ideen und Projekte, die anstehen, und die ich in meinem Leben verwirklichen möchte. Und um zwei "Traumschiffe", ein Special und zwei Folgen "Kreuzfahrt ins Glück" zu produzieren, war ich fast sieben Monate im Jahr zeitlich gebunden und reiste in der Welt umher. Das war auch zehn Jahre lang wunderbar, denn meine Frau und Schauspielkollegin Christine Mayn konnte mich in dieser ganzen Zeit immer begleiten. Sie spielte in all den Jahren auch einige Gastrollen.

Sie ist beim Phoenix-Team oft als Reiseleiterin eingesprungen oder hat für die Gäste an Bord Lesungen gehalten. Wir haben zusammen die Welt gesehen. Alle Kontinente, die schönsten Strände, exotische Inseln, New York, Dubai, Tokyo, Hongkong, Shanghai, Sydney, San Francisco, Los Angeles, den Oman, Panama Kanal, Suez Kanal, Südamerika, Asien und so viel mehr. Wir durften gemeinsam die schönsten Flecke dieser Erde erleben. Selbst unsere Hochzeitsreise 2002 war auf dem "Traumschiff". Und wir sind unendlich dankbar. Aber alles hat einmal ein Ende; und das ist gut so und richtig! Also haben Christine und ich gemeinsam beschlossen, dass es Zeit ist zu gehen.

Seit wann steht Ihr Ausstieg fest?

Als ich im Mai 2019 nach Beendigung der Dreharbeiten für "Kreuzfahrt ins Glück" von Bord ging, da spürte ich, jetzt wird es Zeit zu gehen. Wolfgang Rademann sagte 2010 mal zu mir: "Junge, Du bist 'ne treue Seele. Mit Dir brauch ick kenen Vertrag über Jahre. Du bist ab jetzt mein neuer Schiffsarzt." Würde Wolfgang heute noch leben, wäre ich sicher noch geblieben. Denn ich halte meine Versprechen. Das Rademann-Feeling an Bord existiert aber nicht mehr. Deshalb fühlte es sich jetzt richtig an, von Bord zu gehen. Außerdem sind zehn Jahre auch irgendwie wie ein Jubiläum.

Sie haben lange überlegt. Gab es einen ausschlaggebenden Punkt?

Ich habe die Entscheidung, dass Doc Sander in 2020 von Bord geht, zusammen mit meiner Frau getroffen. Das Leben ist rund, und ein Kreis schließt sich. Denn als ich Ende der Neunziger meine Frau kennenlernte, bekam sie in der Millenium-Folge ihre erste "Traumschiff"-Rolle. Ich besuchte sie an Bord und Christine stellte mich Wolfgang Rademann vor. Nach drei Episodenrollen besetzte er mich dann 2010 als Schiffsarzt. Es war also Christine, die mich aufs "Traumschiff" brachte. Jetzt, 20 Jahre später, spielt meine Frau in meiner letzten Folge wieder die Schicksalsfee. Lassen Sie sich überraschen.

In Ihrer letzten "Traumschiff"-Folge spielt auch Linda Evans mit.

Linda Evans war eine äußerst angenehme Kollegin. Sie dreht zwar nicht mehr so viel, ist aber immerhin ein Weltstar, dessen Name jeder kennt. Ohne Allüren kam sie an Bord und verliebte sich, so, wie sie es auf ihrem Instagram-Account selber unmittelbar nach ihrem Cameo-Aufritt postete, in das "Traumschiff"-Team.

Sie hat kräftig mit mir geflirtet. Ich fragte sie: "Was meinst Du, Linda, woran liegt es, dass Doc Sander auf dem 'Traumschiff' in zehn Jahren keine einzige Affäre hatte und der hässliche Bord-Arzt in der original US-Serie "The Loveboat" immer die schönsten Frauen vernaschte?" Lindas Antwort: "Der hat sicherlich die Autoren bestochen!" Außerdem habe ich ihr sehr tief in die Augen geschaut und konnte mich davon überzeugen, dass ihre traumhafte Augenfarbe wirklich echt ist. Keine Kontaktlinsen.

Wen hätten Sie sich denn gerne mal an Bord gewünscht?

Da ich mich in der Rolle des Doc Sander jetzt verabschiedet habe, erübrigt sich Ihre Frage eigentlich, aber ich hätte es schon cool gefunden, wenn Robert Redford mal mitgespielt hätte. Die Leute sprechen mich immer wieder darauf an, wie ähnlich ich ihm sehe.

Seit 2019 ist Florian Silbereisen der Kapitän des "Traumschiffes". Viele Zuschauer hatten zunächst Bedenken, sind nach den ersten drei Folgen jedoch total begeistert. Was haben Sie damals gedacht und was denken Sie heute?

Ich urteile niemals über andere Kollegen. Nach Saschas Abgang im Mai 2018, den ich damals sehr bedauerte, vergingen fast neun Monate, bis der Sender die optimale Besetzung der Kapitäns-Rolle in Florian Silbereisen sah. Zur Missbilligung vieler Kollegen in unserer Branche. Ihr Notfall-Plan, die Rolle des Staff-Kapitäns einzuführen, falls Florian Silbereisen wegen seiner vielen Engagements bei der ARD und den vielen Konzerten mit seiner Band einmal nicht drehen kann, war ein geschickter Schachzug. Florian war es jetzt wegen der Corona-Krise nicht möglich an Bord zu kommen, um seinen Part zu drehen. Am 26. Dezember, meiner Abschiedsfolge, steht Daniel Morgenroth als Kapitän auf der Brücke des "Traumschiffes". Wer dann letzten Endes der bessere Kapitän ist, wird das Publikum dann entscheiden.  

Was hat sich an Bord verändert, seitdem Florian Silbereisen das Kommando übernommen hat? 

Nichts. Die Stimmung hat sich damals mit dem Tod von Wolfgang Rademann geändert. 

Wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus mussten die Dreharbeiten auf dem "Traumschiff" gestoppt werden. Wie gehen Sie mit der Corona-Krise um?

Mich betrifft der Drehstopp ja nicht, denn es war meine letzte Folge. Und die haben wir noch zu Ende gebracht. Christine und ich versuchen jeden Tag, Freunde und Verwandte anzurufen und bei allen die Laune hochzuhalten.

Wie bedrohlich finden Sie die Situation? Ab 50 gehört man zur Risikogruppe. Machen Sie sich darüber Gedanken?

Sehr bedrohlich. Angst habe ich aber keine. Ich gehöre zwar auf Grund meines Alters zu der Risikogruppe, war aber mein Leben lang super fit, habe nie geraucht und Alkohol in Maßen konsumiert. Natürlich sind wir entsprechend vorsichtig und froh, nicht in einem Ballungszentrum zu wohnen, sondern hier in Montana, im Wilden Westen.  

Sie haben ein Haus in Südtirol und eins in Montana. Wo befinden Sie sich aktuell während der Corona-Krise?

Wir sind zu Hause in Montana. Ein sehr sicherer Platz in Corona-Zeiten. Montana ist etwas größer als Deutschland, hat aber nur knapp eine Million Einwohner. Da ist "social distancing" kein Problem. Der nächste Nachbar wohnt einen halben Kilometer weg von uns.

Viele machen sich gar nicht um die Krankheit Sorgen, sondern eher um die finanzielle Situation, die die Lage mit sich bringt. Wie ist das bei Ihnen? Haben Sie für sich selbst vielleicht sogar Sparmaßnahmen getroffen?

Ich habe schon lange vorgesorgt. 14 Jahre war ich Herr Kaiser. Wenn man da nicht gelernt hat, mit Geld umzugehen, wo dann? Phil Bird, ein guter Freund und Finanzexperte, predigte uns immer: "Investiert in Euch selbst!" Das haben wir auch getan. Über 20 Jahre haben wir hier in Montana auf 16 Hektar unseren Traum erschaffen – TING.

Auf Fünf-Sterne-Niveau kann man sich in unserem Gästehaus einmieten und hier sein ganz privates Montana-Abenteuer erleben. Zwischen wilder Natur, zwei Nationalparks (Yellow Stone und Glacier Park) befindet sich das TING mitten im viert größten Staat der USA. Oberhalb des Missouris und nicht weit entfernt von Montanas Hauptstadt Helena, die auch liebevoll die "Queen City oft the Wild West" genannt wird.

Während viele um ihre Jobs bangen, haben Sie ihren "Traumschiff"-Job an den Nagel gehängt. Dazu gehört viel Mut, oder?

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Ich höre lieber immer auf meinen Bauch.

Welche Pläne haben Sie noch für dieses Jahr und wie können Sie diese derzeit überhaupt noch "planen"?

Momentan schreibe ich mein Leben auf, meine Autobiographie, "Hallo, Herr Kaiser! Das Leben ist wilder als man denkt", erscheint im November dieses Jahres. Im Sommer werde ich in Minnesota mit dem wunderbaren Regisseur Cristobal Krusen drehen. Ein spannendes Drehbuch, basierend auf einer wahren Geschichte. Es geht um psychische Krankheiten. Die winterlichen Außenaufnahmen in Minneapolis und in Mexico sind bereits abgeschlossen. Es fehlen die Innenaufnahmen in einer Psychiatrie. Ob es planmäßig im August/September stattfindet? Wer weiß es in diesen Zeiten.

Außerdem findet eine spannende Geschichte für ein Filmskript endlich meine volle Aufmerksamkeit. Sie lässt mich seit 51 Jahren nicht los und braucht mindestens acht Episoden, um erzählt zu werden. Zusammen mit meinem Co-Schreiber Richard Opper nutzen wir jetzt die Ruhe im Umfeld des "social distancing", und können uns jetzt täglich viel intensiver austauschen.   

Gehen Sie auf Nummer sicher und haben sich einen Plan B überlegt?

Wenn ich aus dem Flugzeug springe, bin ich mir dann auch ganz sicher, dass der Fallschirm, den ich mir umgeschnallt habe, auch aufgeht? Optionen schaffe ich mir immer. Und dann wird Plan B schnell zu Plan A.

Die letzte Folge mit Nick Wilder als Doc Sander läuft an Weihnachten, am 26. Dezember um 20.15 Uhr. Heute Abend dürfen sich Fans noch einmal über eine Wiederholung freuen. Um 20.15 Uhr strahlt das ZDF eine Folge von 2015 aus.

Verwendete Quellen:

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