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BMW-Testwagen beteiligt: Was steckt hinter dem Todescrash?


Was steckt hinter dem Todes-Crash des BMW-Testwagens?

  • Christopher Clausen Porträt
Von Christopher Clausen

Aktualisiert am 17.08.2022Lesedauer: 6 Min.
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"Autonomes Fahren"-Hinweis auf dem Elektro-BMW: Er brachte die Frage auf, ob die Autos tatsächlich alleine gefahren sind.
Hinweis auf dem Elektro-BMW: Das Auto ist demnach ein Testfahrzeug rund um Versuche fürs autonome Fahren. (Quelle: Adomat/7aktuell.de)
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Bei einem Zusammenstoß bei Reutlingen gab es einen Toten und neun Verletzte. Was hat es mit dem Hinweis auf autonomes Fahren auf dem Unfallfahrzeug auf sich?

Das Wichtigste im Überblick


  • Was ist das Besondere an dem Unfall?
  • Was kann das Unfallfahrzeug iX serienmäßig?
  • Unfallaufklärung: Um diese Frage geht es jetzt
  • Wie weit ist das autonome Fahren?
  • Was braucht es für das autonome Fahren?
  • Wo werden autonome Autos getestet?
  • Unfälle mit Testwagen: Wie häufig sind sie?

Ein vollelektrischer BMW iX hat im Landkreis Reutlingen einen schweren Unfall verursacht. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei fuhr der 43-jährige Fahrer des BMW am Montag gegen 17 Uhr auf der B28 in Richtung Ulm. Aus bislang unbekannter Ursache geriet das Fahrzeug bei Römerstein plötzlich nach links in den Gegenverkehr. Dort streifte es einen Citroën, der in der Folge seinerseits in den Gegenverkehr schleuderte und frontal in einen Seat Alhambra krachte, der sofort Feuer fing.

Schließlich kollidierte der BMW noch mit einem entgegenkommenden Mercedes Vito. Der 33-jährige Beifahrer im Vito starb noch an der Unfallstelle. Die Beifahrerin im BMW wurde schwer verletzt. Die insgesamt weiteren acht Insassen in den verschiedenen beteiligten Fahrzeugen erlitten alle schwere Verletzungen. Mit mehreren Rettungswagen und vier Hubschraubern kamen sie in verschiedene Kliniken. Zusätzlich war ein Polizeihubschrauber in der Luft, um Aufnahmen vom Unfallort zu machen. Den Gesamtschaden schätzt die Polizei auf 170.000 Euro.

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Was ist das Besondere an dem Unfall?

Am Wagen des Unfallverursachers prangten Hinweise, dass es sich um ein Testfahrzeug zum autonomen Fahren handelt. In ersten Berichten wurde deshalb angenommen, dass es sich um ein autonomes Fahrzeug handelte.

Dem hat BMW widersprochen: Das verunfallte Auto habe lediglich über Fahrerassistenzsysteme der Stufe 2 verfügt, die heute bereits in Serienfahrzeugen verbaut sind und den Fahrer auf Wunsch unterstützen. Bei diesem Level ist der Fahrer jederzeit in der Verantwortung.

Jedoch musste BMW einräumen, dass es sich – feiner Unterschied – eben nicht um ein Serienfahrzeug, sondern um ein Entwicklungsfahrzeug mit Assistenztechnik wie in Serienfahrzeugen handelt.

Inzwischen haben mehrere Sachverständige auf Anordnung der Tübinger Staatsanwaltschaft bestätigt, dass mit dem Auto zum Unfallzeitpunkt kein autonomes Fahren möglich war.

Was kann das Unfallfahrzeug iX serienmäßig?

Elektrisch: Das SUV iX ist eines der beiden E-Modelle bei BMW.
Elektrisch: Das SUV iX ist eines der beiden E-Modelle bei BMW. (Quelle: BMW)

Moderne Autos in der Preisklasse eines BMW iX (ab 77.300 Euro) haben eine Reihe an Assistenzsystemen an Bord, die das Fahren erleichtern sollen. Der sogenannte Driving Assistant Professional kann das Auto in bestimmten Situationen lenken und in der Spur halten, ausweichen und auch selbstständig einparken.

In der Praxis heißt das: Der Fahrer stellt zum Beispiel auf der Landstraße oder Autobahn den Tempomaten ein, das Auto hält selbstständig den Abstand, bremst gegebenenfalls und hält das Auto in der Spur. Der Fahrer muss aber jederzeit eingreifen können, die Systeme sind nur zur Unterstützung da. Außerdem erkennt das Auto Fußgänger, kann Notbremsungen einleiten oder bemerkt, wenn der Fahrer unaufmerksam ist.

Welche Stufen es gibt, erfahren Sie hier.

Unfallaufklärung: Um diese Frage geht es jetzt

Bei der Klärung des Unfallhergangs wird es also in erster Linie um die Frage gehen, ob die Assistenzsysteme zum Zeitpunkt des Unfalls eingeschaltet waren (und möglicherweise ein Fehler auftrat), ob der Fahrer hätte eingreifen können, oder ob er das Auto steuerte und aus anderen Gründen die Kontrolle verlor.

Wie weit ist das autonome Fahren?

Seit Jahren testet die Industrie selbstfahrende Autos – jedoch nur begrenzt im öffentlichen Straßenverkehr. Seit Juni 2021 sind Autos mit dem Automatisierungslevel 3 in Kundenhand auf den Straßen erlaubt.

Bislang bietet nur Mercedes Autos an, die entsprechende Funktionen beherrschen – und ist damit der weltweit erste Hersteller: Das System ermöglicht auf der Autobahn ein automatisiertes Fahren bis zu 60 km/h, ist also in erster Linie bei Staus und dichtem Verkehr nutzbar. Wird es aktiviert, regelt es die Geschwindigkeit, den Abstand zum Vordermann und das Halten der Spur. Auch Ausweichmanöver innerhalb der Spur sind möglich, komplett autonome Spurwechsel jedoch gesetzlich nicht erlaubt.

BMW wollte schon mit dem iX automatisiertes Fahren nach Level 3 ermöglichen, sah hier aber noch offene Fragen. VW will das autonome Fahren nach Level 4 mit dem Projekt Trinity ab 2026 anbieten, auch Toyota, Ford oder General Motors arbeiten an entsprechenden Systemen.

Der gesetzliche Rahmen für die nächste Stufe (Level 4), bei der die Fahrer theoretisch während der Fahrt schlafen könnten, ist in Vorbereitung. Bis die ersten Autos damit unterwegs sind, dürfte es aber noch etwas dauern.

Was braucht es für das autonome Fahren?

Autonomes Fahren könnte zu neuem Auto-Boom führen.
Vernetzt: Für autonomes oder automatisiertes Fahren braucht es eine Vielzahl an Faktoren. (Quelle: ZF/Hersteller-bilder)

Einerseits Sensoren: Das Auto muss sein Umfeld ganz genau erfassen. Dafür ist es mit etlichen Lidar-, Radar- und Kamerasystemen ausgestattet. Hier erfahren Sie mehr dazu.

Andererseits benötigt es Daten: Laut ADAC sammelt und analysiert beispielsweise BMW diese im realen Verkehr. 40 Testwagen sind dafür auf der Jagd nach Bildern und Daten unterwegs. Daraus entwickeln rund 1.700 Experten auf einem eigenen Campus die notwendigen Algorithmen, damit die Autos selbstständig Entscheidungen treffen können.

Die Mengen sind immens: In zwei Datencentern steht eine Speicherkapazität von 500 Petabyte zur Verfügung, "eine Speichergröße, in der alle jemals in der Menschheitsgeschichte geschriebenen und gedruckten Wörter fünfmal Platz hätten", so der ADAC.

Bevor neue Systeme auf die Straßen kommen, werden sie ausführlich von den Herstellern und unabhängigen Prüfstellen getestet und erst danach freigegeben. Dafür entwickeln Organisationen wie der TÜV Süd immer neue Testverfahren. Wie das abläuft, erfahren Sie hier.

Wo werden autonome Autos getestet?

In Deutschland sind Tests mit autonomen Autos im Straßenverkehr nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich. Auf der A9 in Bayern gibt es seit September 2015 das sogenannte Digitale Testfeld Autobahn. Hier gibt es die Möglichkeit für Erprobungsfahrten. VW und das US-Start-up ARGO AI sind auf geschlossenen Parcours am Münchner Flughafen unterwegs, aber auch durch die Innenstädte von München und Hamburg.

Während in den USA mittlerweile in ausgewählten Gebieten Autos komplett ohne Fahrer unterwegs sein dürfen, gelten hierzulande aber strenge Regeln: Es muss immer ein Mensch am Steuer sein und das System überwachen. Im Notfall kann das System mit einem Knopfdruck abgeschaltet werden.

Unfälle mit Testwagen: Wie häufig sind sie?

Ob autonom oder nicht: Unfälle mit Testwagen kommen immer wieder vor.

  • 2003 bedrängte ein Mercedes-Testfahrer auf der A 5 bei Karlsruhe eine Frau in einem Kleinwagen so sehr, dass sie schließlich von der Straße abkam, verunglückte und mit ihrer kleinen Tochter im Auto starb. Der Testfahrer wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
  • 2009 verunglückte auf der A 5 ein Porsche-Testfahrer tödlich.
  • 2010 raste ein Mercedes-Testfahrer auf der A 81 bei Rottweil mit Tempo 170 in eine Unfallstelle. Dabei wurde ein 26-jähriger Mann erfasst und getötet. Der Fahrer erhielt eine Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung.
  • 2013 geriet ein 29-Jähriger mit einem BMW-Vorserienfahrzeug bei Böblingen in einer Rechtskurve auf den Bordstein, beim Gegenlenken verlor er die Kontrolle über den Wagen. Der Testwagen überschlug sich, ein Mann wurde schwer, drei weitere leicht verletzt. Schaden: rund 90.000 Euro.
  • 2015 rammte ein BMW-Testwagen in der Stuttgarter Innenstadt einen Polizeitransporter mit eingeschaltetem Martinshorn und Blaulicht. Der Polizeiwagen fuhr mit Martinshorn über eine Kreuzung, der Testwagen hatte aus unbekannten Gründen die Signale ignoriert und war ebenfalls in die Kreuzung eingefahren. Der Fahrer und drei Polizisten erlitten bei dem Unfall leichte Verletzungen. Nach Schätzungen entstanden mindestens 150.000 Euro Schaden.
  • 2017 raste ein Porsche-Testwagen auf der rechten Spur der A 81 ungebremst in den Renault Twingo einer Frau. Sie wurde schwer verletzt, der Fahrer eines weiteren Autos leicht.
  • 2018 prallte im Landkreis Landshut ein BMW-Testwagen gegen mehrere Bäume. Dabei wurde eine Frau – die Mutter der Freundin des Testwagenfahrers – getötet. Die Polizei attestierte eine deutlich überhöhte Geschwindigkeit. Der Fahrer bekam eine Haftstrafe.

Dass Autokonzerne öffentliche Straßen als Versuchsstrecken nutzen, gerät deshalb immer wieder in die Kritik. Aber auch auf Teststrecken der Hersteller kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen: So starb 2018 ein 31-jähriger Testfahrer auf der VW-Teststrecke in Ehra-Lessien, der Fahrversuche bei niedriger Geschwindigkeit bis zum Stillstand durchführen sollte. Sein 33-jähriger Kollege fuhr in einem anderen Auto dieselbe Strecke, aber in deutlich höherem Tempo und übersah aus Unachtsamkeit seinen Kollegen, fuhr mit 170 bis 180 km/h auf dessen Kleinwagen auf. Der 31-Jährige starb, sein Kollege wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

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Unfälle mit autonomen Fahrzeugen sind in Deutschland nicht bekannt. In den USA hingegen wurden zwischen Juni 2021 und Mitte Mai 2022 der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA fast 400 Unfälle mit autonomen oder teils selbstfahrenden Fahrzeugen gemeldet.

Häufig steckt menschliches Versagen dahinter, wie etwa unaufmerksame Fahrer, die das System eigentlich überwachen sollten. Viele dieser Fälle beziehen sich auf Autos der Marke Tesla. Was dahinter steckt: Lesen Sie hier mehr. Trotz dieser Häufung darf Tesla den sogenannten "Autopiloten" weiterhin so nennen, hat das Oberlandesgericht München entschieden: Es sei klar erkennbar, dass die Fahrzeuge weder autonom fahren könnten noch dürften.

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Verwendete Quellen
  • adac.de: "Autonomes Fahren: So fahren wir in Zukunft"
  • auto-motor-und-sport.de: "Drive Pilot kostet wenigstens 5.950 Euro"
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  • Markus Abrahamczyk
Von Markus Abrahamczyk
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