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Verbrenner-Aus ab 2035: Darf ich meinen Diesel oder Benziner noch fahren?


Darf ich ab 2035 noch Diesel oder Benziner fahren?

Von dpa, ccn

Aktualisiert am 28.10.2022Lesedauer: 4 Min.
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Einigung: In der EU sollen ab 2035 nur noch klimaneutrale Neuwagen verkauft werden. (Quelle: Reuters)
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In rund zwölf Jahren sollen Neuwagen in der EU kein CO2 mehr ausstoßen. Ob Sie Ihren Diesel oder Benziner weiter fahren dürfen und was Sie noch wissen sollten.

Schluss für Diesel und Benziner: Vertreter des Europaparlaments und der EU-Staaten haben sich für diesen Schritt ausgesprochen. Was bedeutet die Entscheidung im Detail?

Was genau wurde beschlossen?

Die EU einigte sich darauf, dass die sogenannten Flottengrenzwerte für Autos bis 2035 auf null sinken sollen. Diese geben Autoherstellern vor, wie viel CO2 ihre produzierten Fahrzeuge im Betrieb ausstoßen dürfen. Neue Benzin- und Diesel-Autos, die Klimagase ausstoßen, dürfen also ab 2035 nicht mehr verkauft werden. Sie werden wahrscheinlich immer mehr durch Elektrofahrzeuge oder andere klimaneutrale Antriebe ersetzt.

Es gibt jedoch Einschränkungen: Im Jahr 2026 soll die Entscheidung erneut überprüft werden können. Zudem ist im Kompromiss eine Bitte an die EU-Kommission festgehalten, zu überprüfen, ob der Einsatz von sogenannten E-Fuels für Autos künftig infrage kommen könnte.

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Ist es das totale Verbrenner-Aus?

Das kommt auf die Interpretation an. Der liberale Abgeordnete Jan-Christoph Oetjen schreibt: "Die Europäische Kommission muss den Weiterbetrieb des Verbrennungsmotors auch nach 2035 mit alternativen Kraftstoffen ermöglichen" – also mit E-Fuels (synthetisch erzeugten Kraftstoffen, die mithilfe von Ökostrom aus Wasser und Kohlendioxid produziert werden können) beispielsweise. Grüne und Umweltorganisationen interpretieren das Ergebnis dagegen anders. Der Grünen-Verhandlungsführer Bas Eickhout sprach davon, dass das Ziel, nur noch emissionsfreie Wagen zuzulassen beibehalten worden sei, bis der Markt vollständig elektrisch sei.

Greenpeace geht davon aus, dass E-Fuels künftig höchstens in Sonderfahrzeugen wie Feuerwehr- oder Krankenwagen eingesetzt werden dürften. Auch bei der Überprüfung im Jahr 2026 gilt es vielen Beobachtern als unwahrscheinlich, dass das Verbot noch mal gekippt wird. Theoretisch könnten die Klimaziele auch nachgeschärft werden. Welches Ergebnis diese Überprüfung der EU-Kommission haben wird, ist aber offen.

Kann ich nach 2035 noch mit meinem Verbrennerauto fahren?

Ja. Das Gesetz betrifft nur den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor. Zwar geht es bei den Flottengrenzwerten um den Ausstoß von Klimagasen, während das Auto gefahren wird, die Null-Emissionsvorgabe gilt aber nicht für Privatpersonen.

Was passiert mit meinem alten Verbrenner?

Wenn Sie ein Auto mit Verbrennungsmotor besitzen, sind Sie nicht betroffen. Was die Entscheidung mit den Preisen auf dem Gebrauchtwagenmarkt macht, ist noch nicht abzusehen und hängt von vielen Faktoren ab. Das zeigt sich auch daran, dass die Preise für Gebrauchte in jüngerer Vergangenheit enorm gestiegen sind. Treiber waren und sind vor allem Corona, ein Mangel an Mikrochips und weiteren Teilen. Ein Verkaufsverbot für gebrauchte Autos mit Verbrennungsmotor ist nicht vorgesehen.

Kommen die neuen Einschränkungen auf jeden Fall?

Wenn sich die Unterhändler der beiden EU-Institutionen auf einen Kompromiss geeinigt haben, muss der Ministerrat beziehungsweise das Parlament zwar noch formell zustimmen. Theoretisch könnte ein solcher Kompromiss auch wieder gekippt werden, wenn sich Regierungen oder Fraktionen quer stellen.

Da die roten Linien der Verhandlungsteilnehmenden jedoch vorher bekannt sind, findet sich für die Kompromisse – sobald einer gefunden ist – auch in der Regel eine Mehrheit.

Ist der nächste Schritt ein Fahrverbot für Verbrenner?

Das ist eher unwahrscheinlich. Pläne, um Autos mit Verbrennungsmotor komplett von Straßen zu verbannen, sind nicht bekannt. Realistischer ist es, dass durch ein Verkaufsverbot Verbrenner automatisch immer seltener werden.

Gilt das Verbot nur für Autos?

Nein, auch kleinere Transporter sind betroffen.

Wie steht es um E-Fuels als Alternative?

Im Zuge eines Kompromisses schlug Bundesumweltministerin Lemke in Luxemburg vor, die EU-Kommission solle einen Vorschlag "für die Zulassung von Fahrzeugen nach 2035 vorlegen, die ausschließlich mit CO2-neutralen Kraftstoffen betrieben werden" und "außerhalb des Bereichs der Flottenstandards" sind. Gemeint sind dabei Fahrzeuge, die mit synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels) betrieben werden. Diese gelten als CO2-neutral.

E-Fuels werden unter Einsatz von Strom meist aus Wasser und CO2 hergestellt. Ob dies umweltfreundlich ist, hängt davon ab, woher der Strom stammt und zu welchem Aufwand die Treibstoffe zur Verfügung gestellt werden könnten. EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans zeigte sich skeptisch mit Blick auf das Potenzial von E-Fuels: "Derzeit erscheinen E-Treibstoffe nicht wie eine realistische Lösung. Wenn die Hersteller in der Zukunft aber das Gegenteil beweisen können, werden wir offen sein."

Marion Jungbluth vom Bundesverband der Verbraucherzentralen steht E-Fuels skeptisch gegenüber:

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Wie sieht es mit der Ladeinfrastruktur für E-Autos in Deutschland aus?

Der Bundesnetzagentur wurden zum 1. September knapp 70.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte für Elektroautos in Deutschland gemeldet, im Mai waren es 60.000 und Anfang 2021 gab es knapp 41.600. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) schätzte das Vorankommen beim Ladesäulenausbau zuletzt als gut ein. Der Verband der Automobilindustrie hatte jedoch immer wieder Zweifel, ob der Ausbau tatsächlich schnell genug vorangeht.

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Welche Länder wollten schon vor 2035 aus dem Verkauf von Verbrennungsmotoren aussteigen?

In manchen Ländern gibt es bereits seit einiger Zeit ein Ausstiegsdatum: Norwegen zum Beispiel will ab 2025 keine Verkäufe von Fahrzeugen mit klassischen Benziner- oder Dieselantrieben mehr zulassen. Großbritannien, Schweden, Dänemark, die Niederlande und Belgien peilten dafür zuletzt das Jahr 2030 an.

Wie reagierten deutsche Autobauer bislang auf den Vorschlag?

Unterschiedlich. Der frühere Volkswagen-Chef Herbert Diess sagte im Juli: "Es kann kommen – wir sind am besten vorbereitet." Diess verwies auf die schon angebotenen und noch geplanten Elektromodelle sowie die Strategien für eine eigene Batteriezellfertigung und mehr eigene Software. Im Oktober kündigte der Konzern an, sogar früher als geplant aus der Verbrennertechnologie aussteigen zu wollen.

BMW-Vorstandschef Oliver Zipse hielt das Verbot hingegen für falsch. "In der heutigen Zeit alles auf eine Karte zu setzen, ist ein industriepolitischer Fehler", sagte Zipse.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) zeigte sich auch skeptisch. "Eine flächendeckende europaweite zuverlässige Ladeinfrastruktur ist zwingende Voraussetzung für die Verbraucherinnen und Verbraucher", sagte ein VDA-Sprecher. In Deutschland sei man davon weit entfernt.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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