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Die neue Heimat f├╝r Querdenker und Rechte im Netz

Von Alexander Roth-Grigori, Steve Haak

Aktualisiert am 07.01.2022Lesedauer: 4 Min.
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Twitter hatte das Konto von Marjorie Taylor Greene gesperrt. Jetzt hat die Rechtspopulistin einen Account bei Gettr. (Quelle: Andre M. Chang via www.imago-images.de)
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Mit Gettr haben Rechte und Verschw├Ârungstheoretiker eine neue Heimat gefunden und erreichen dort bereits Hunterttausende Follower. Was macht das soziale Netzwerk aus?

Er freue sich auf viele freie Diskussionen auf Gettr, hat der umstrittene Journalist Boris Reitschuster vor wenigen Tagen getwittert. Und damit f├╝r das Netzwerk geworben, auf dem sich in letzter Zeit immer mehr Rechte und Corona-Leugner aufhalten.

W├Ąhrend Plattformen wie Twitter die Accounts von Rechtsextremen sperren, ist der Microblogging-Dienst Gettr beliebt wie nie zuvor. Warum das so ist und wieso Millionen heimatlose Verschw├Ârungstheoretiker und Populisten bei Gettr auf eine neue virtuelle Heimat hoffen, offenbart ein Blick auf die Geschichte des Netzwerks und die Entwicklung seit der Gr├╝ndung.

Was ist Gettr?

Gettr ist eine Social-Media-Plattform, die am 4. Juli 2021 ÔÇô dem Nationalfeiertag der USA ÔÇô offiziell gestartet ist. Der Name Gettr ist ein Portmanteau, ein sogenanntes Kofferwort, das sich aus den englischen Worten "getting together" zusammensetzt und soviel wie "zusammenkommen" bedeutet.

Laut eigenen Angaben steht der Dienst f├╝r freie Meinungs├Ąu├čerung, unabh├Ąngiges Denken und beruht auf der "Ablehnung von politischer Zensur sowie L├Âschkultur".

Auf Gettr k├Ânnen Nutzer Texte- oder Bildbeitr├Ąge posten, Artikel von Blogs oder Magazinen teilen und Live-Videos ├╝bertragen. Nutzer k├Ânnen sich gegenseitig folgen und Beitr├Ąge kommentieren, liken und mit den eigenen Followern teilen.

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Gettr gibt es als App f├╝r Android und iOS. Nutzer k├Ânnen die Plattform auch ├╝ber den Browser aufrufen. Auf der Startseite zeigt der Dienst die letzten Beitr├Ąge der Personen an, denen der Nutzer folgt. Eine Benachrichtigungsfunktion informiert den Nutzer ├╝ber Aktivit├Ąten wie zum Beispiel neue Follower oder wenn eigene Beitr├Ąge von anderen Personen kommentiert werden.

Wer hat das Netzwerk gegr├╝ndet?

Nach dem Sturm auf das Kapitol der Vereinigten Staaten am 6. Januar 2021 wurde der damalige Pr├Ąsident Donald Trump auf einigen Social Media-Plattformen gesperrt. Trump war daraufhin auf der Suche nach anderen Netzwerken, die er zur Kommunikation nutzen konnte. Bereits damals kam die Idee auf, ein eigenes soziales Netzwerk zu gr├╝nden. Mehr ├╝ber "Truth Social", so der Name von Trumps zuk├╝nftigem Netzwerk, erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema.

Trumps damaliger Berater und Sprecher Jason Miller verlie├č im Juni vergangenen Jahres das Trump-Team, um Gesch├Ąftsf├╝hrer eines Technologie-Startups zu werden. Aus diesem Startup entwickelte sich die soziale Plattform Gettr. Neben Miller ist auch Trumps ehemaliger Kampagnensprecher Tim Murtaugh als Medien- und Kommunikationsberater f├╝r das Unternehmen t├Ątig.

Finanziert wird Gettr durch ein Konsortium internationaler Investoren. Das Unternehmen ist nicht an der B├Ârse notiert und befindet sich in Privatbesitz. Einer der Investoren ist laut Aussagen von Miller der chinesische Dissident Guo Wengui.

Guo ist ein wohlhabender Unternehmer und floh in die Vereinigten Staaten, weil er in seinem Heimatland wegen mehrerer Vergehen, unter anderem Korruption und Geldw├Ąsche, gesucht wird. Ebenfalls ist er mit Steve Bannon, dem ehemaligen Berater und Chefstrategen Donald Trumps, befreundet und arbeitete bereits in der Vergangenheit mit ihm zusammen. So gr├╝ndeten beide gemeinsam ein regimekritisches, chinesischsprachiges Mediennetzwerk.

Wer ist auf Gettr aktiv?

Laut einer Studie der Stanford Universit├Ąt stammt ein Gro├čteil der Gettr-Nutzer aus den USA und Brasilien. Es gibt aber auch eine gr├Â├čere arabischsprachige Community auf der Seite. Nach eigenen Angaben hat die Plattform mehr als drei Millionen Nutzer weltweit. 250.000 sollen aus Deutschland sein.

Auf Gettr haben sich vor allem Populisten angemeldet. Es finden sich Profile von Brasiliens umstrittenem Pr├Ąsidenten Jair Bolsonaro und Donald Trumps ehemaligem Chefstrategen Steve Bannon. Donald Trump hingegen hat weder einen Account auf Gettr, noch ist er dort aktiv.

Auch deutsche Rechtspopulisten wie Matthias Matussek und AfD-Politikerin Beatrix von Storch sind auf Gettr vertreten. Wie die AfD versucht, Gettr als Propagandawerkzeug zu nutzen, haben wir hier aufgeschrieben. Der fr├╝here Verfassungsschutzpr├Ąsident und CDU-Mitglied Hans Georg Maa├čen hat ebenfalls einen Account auf der Plattform.

Vor Kurzem wechselte Boris Reitschuster, der in den letzten Monaten vor allem mit der Verbreitung von Fake News zur Corona-Pandemie aufgefallen ist, von anderen sozialen Netzwerken zu Gettr. So schrieb er bei einem konkurrierenden Kurznachrichtendienst, dass er sich "auf viele freie Diskussionen auf Gettr" freue. Reitschuster hat dort bereits mehr als 140.000 Follower.

Gettr ist f├╝r Populisten und Rechtsextreme ein Zufluchtsort geworden, da diese zumeist auf anderen Plattformen wie Facebook oder Twitter gesperrt wurden. Der Gro├čteil der Gettr-Nutzer l├Ąsst sich laut einer Studie ebenfalls dem rechten bis rechtsextremem politischen Spektrum zuordnen.

Das Netzwerk zielt aber auch vermehrt auf Nutzer ab, die sich in den sogenannten "Mainstream-Medien" nicht mehr vertreten sehen und davon ├╝berzeugt sind, dass die etablierten Medien ihre Ansichten und Meinungen gezielt unterdr├╝cken oder nicht widerspiegeln. Aus diesem Grunde finden dort auch Impfgegner und Corona-Leugner ein neues Zuhause.

Was macht Gettr anders als die Konkurrenz?

Wie alle sozialen Netzwerke finden sich auch in den Nutzungsbedingungen von Gettr Richtlinien f├╝r Inhalte, die nicht geteilt werden d├╝rfen. So wird verst├Ârender oder illegaler Content wie pers├Ânliche Anfeindungen oder rassistische Beitr├Ąge entfernt. Videos, die explizit Gewalt darstellen, sind ebenfalls verboten.

In einer Untersuchung der Stanford Universit├Ąt wurde aber deutlich, dass es sehr wenige Mechanismen gibt, Spam, gewaltverherrlichende Inhalte, Pornographie oder sonstigen verbotenen Content aufzusp├╝ren. Gettr verl├Ąsst sich hierbei vor allem auf die Meldefunktion, die Nutzer zum Anzeigen von strafbaren und verbotenen Beitr├Ągen verwenden k├Ânnen.

Hauptkonkurrent von Gettr ist vor allem der Kurznachrichtendienst Twitter, dem die Plattform auch nachempfunden ist. Optisch unterscheidet die beiden Plattformen nicht viel voneinander. Beide bieten ihren Nutzern die gleichen Funktionen: das Schreiben und Ver├Âffentlichen von Textnachrichten, das Kommentieren und Teilen von Beitr├Ągen und die M├Âglichkeit, anderen Nutzern zu folgen.

Die auff├Ąlligsten Unterschiede sind die Logos der beiden Plattformen und die L├Ąnge der Texte, die Nutzer ver├Âffentlichen k├Ânnen. W├Ąhrend Twitter die Zeichenanzahl einer Nachricht auf 280 Zeichen begrenzt hat, k├Ânnen Gettr-Nutzer Beitr├Ąge mit h├Âchstens 777 Zeichen verschicken.

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