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Riesiger Twitter-Hack offenbart Sicherheitsprobleme

Von Laura Stresing

Aktualisiert am 16.07.2020Lesedauer: 3 Min.
Twitter-Chef Jack Dorsey: Nach einem koordinierten Hacker-Angriff auf mehrere prominente Twitter-Profile steht das Unternehmen in der Kritik.
Twitter-Chef Jack Dorsey: Nach einem koordinierten Hacker-Angriff auf mehrere prominente Twitter-Profile steht das Unternehmen in der Kritik. (Quelle: imago/Hindustan Times/ZUMA Press/onw-images/T-Online-bilder)
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In einer beispiellosen Attacke haben Hacker die Twitter-Accounts von Prominenten und Firmen ĂŒbernommen und fĂŒr Bitcoin-Betrug missbraucht. Der Schaden ist immens – und bringt Twitter in ErklĂ€rungsnot.

Ein starkes Passwort wĂ€hlen, Zweifaktor-Authentifizierung aktivieren, Phishing-Angriffe abwehren und GerĂ€te gegen Malware absichern – viel mehr kann ein Nutzer kaum tun, um seine Online-Konten zu schĂŒtzen. Doch nichts davon hĂ€tte den groß angelegten Hacker-Angriff auf die Twitter-Konten von Barack Obama, Elon Musk, Jeff Bezos und anderen Prominenten am Mittwochabend verhindern können.


Vorsicht vor diesen Betrugs-Mails

Immer wieder versuchen BetrĂŒger, Internetnutzer mit erfundenen Nachrichten in die Falle zu locken, mit sogenannten Phishing-Nachrichten. Wir zeigen FĂ€lle, vor denen die Verbraucherzentrale aktuell warnt.
Besonders hĂ€ufig erreichen Nutzer Phishing-Nachrichten in Namen von Banken. Beispielsweise der Direktbank ING. Oft wird darin behauptet, dass Nutzer ihr Konto aktualisieren mĂŒssen.
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Ersten Erkenntnissen zufolge konnten die Angreifer nÀmlich auf die Hilfe eines Twitter-Insiders zÀhlen, der sÀmtliche interne Sicherheitsvorkehrungen aushebeln konnte. Das US-Magazin "Vice" berichtet gar, es sei Bestechung im Spiel gewesen. Twitter selbst spricht von "Social Engineering", also eine Art von gezielter psychologischer Einflussnahme auf "mehrere" Mitarbeiter, die Zugang zu den "internen Systemen und Tools" gehabt hÀtten.

Der Begriff wird oft im Zusammenhang mit Phishing-Attacken verwendet. Seit Beginn der Corona-Krise arbeitet ein Großteil der Twitter-BeschĂ€ftigten von Zuhause aus.

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Die Hacker ließen Donald Trump in Ruhe

Es ist der bisher schwerste Sicherheitsvorfall in der Geschichte des Kurznachrichtendienstes. Unbekannten war es am Mittwochabend deutscher Zeit gelungen, zahlreiche verifizierte Accounts zu kapern und fĂŒr eine Bitcoin-Betrugsmasche zu missbrauchen. Die TĂ€ter Ă€nderten offenbar die in dem Profil hinterlegte E-Mail-Adressen, so dass die EigentĂŒmer aus ihren eigenen Konten ausgeschlossen waren.

Anschließend forderten die TĂ€ter die Follower auf, Bitcoin an eine bestimmte Krypto-Adresse zu ĂŒberweisen. Das eingesandte Geld werde doppelt zurĂŒckgezahlt, so das falsche Versprechen. Die Rechnung ging auf: Innerhalb von nur wenigen Stunden flossen Bitcoin im Wert von mehr als 100.000 US-Dollar auf die virtuellen Blockchain-Konten der BetrĂŒger. Diese sogenannten "Wallets" sind öffentlich einsehbar, die EigentĂŒmer bleiben aber normalerweise anonym.

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In einer ersten Reaktion löschte Twitter die betrĂŒgerischen BeitrĂ€ge und sperrte die betroffenen Profile – darunter auch das des demokratischen PrĂ€sidentschaftskandidaten Joe Biden, des frĂŒheren New Yorker BĂŒrgermeisters Michael Bloomberg, des Rappers Kanye West und des Microsoft-GrĂŒnders Bill Gates.

Das Konto von US-PrĂ€sident Donald Trump mit seinen etwa 83 Millionen Followern ließen die Angreifer aus. Im Zuge der Gegenmaßnahmen nach dem Hack wurde es jedoch auch auf diesem Kanal vorĂŒbergehend still: Mehrere Stunden lang konnten verifizierte Twitter-Profile grĂ¶ĂŸtenteils nicht twittern, weil der Dienst so eine weitere Verbreitung der Bitcoin-Betrugsmasche stoppen wollte. Knapp 360.000 Konten waren davon betroffen.

Bill Gates, Elon Musk, Jeff Bezos, Barack Obama, Joe Biden und Kanye West (von links oben nach rechts unten): Sie alle waren von dem Twitter-Hack betroffen.
Bill Gates, Elon Musk, Jeff Bezos, Barack Obama, Joe Biden und Kanye West (von links oben nach rechts unten): Sie alle waren von dem Twitter-Hack betroffen. (Quelle: /dpa-bilder)

DĂŒstere Szenarien sind denkbar

"Zum GlĂŒck wollten die Angreifer nur Bitcoin-Betrug betreiben und die exakt gleichen Methoden nicht nutzen, um einen Atomkrieg zu starten", twitterte der bekannte Technik-Journalist Casey Newton. Zumindest Tesla-GrĂŒnder Elon Musk war zuvor schon einer Ă€hnlichen Masche zum Opfer gefallen. 2018 hatten Bitcoin-BetrĂŒger Fake-Accounts im Namen des bekannten Tech-MillionĂ€rs erstellt und Werbung fĂŒr KryptowĂ€hrung verbreitet. Schon damals hĂ€tte Twitter viel zu langsam auf die Bedrohung reagiert, kritisiert Newton.

"Man fragt sich, welche NotfallplĂ€ne das Unternehmen aufgestellt hat fĂŒr den Fall, dass es eines Tages nicht von gierigen Bitcoin-BetrĂŒgern, sondern von staatlichen Akteuren oder Psychopathen ĂŒbernommen wird", schreibt der Autor in einem Kommentar. Es werde schlagartig klar, dass Twitter die Datensicherheit nicht nur zum Schutz der PrivatsphĂ€re seiner Nutzer gewĂ€hrleisten mĂŒsse, sondern auch, weil die Plattform das Potenzial habe "die Welt durch betrĂŒgerisches Auftreten und TĂ€uschung ins Chaos zu stĂŒrzen". Insbesondere vor dem Hintergrund der kommenden US-Wahl gebe der Fall Anlass zur Sorge.

Twitter-Chef Dorsey wurde auch schon mal gehackt

Twitter hatte in der Vergangenheit immer wieder mal Probleme mit dem Kapern von Accounts – aber noch nie auf so breiter Front und bei so vielen prominenten Namen auf einmal. Schon das Ausmaß der Attacke legte nahe, dass diesmal nicht wie bei frĂŒheren FĂ€llen etwa eine mit Twitter-Accounts verknĂŒpfte App ausgenutzt wurde, sondern dafĂŒr direkt Systeme von Twitter eingesetzt wurden.

"Wir alle bedauern, dass dies passiert ist", schrieb Twitter-Chef Jack Dorsey. "Ein harter Tag fĂŒr uns bei Twitter." Sobald die Firma "ein besseres VerstĂ€ndnis" von dem habe, was passiert sei, werde man die Öffentlichkeit so ausfĂŒhrlich wie möglich darĂŒber informieren. Unklar sei noch, ob sich die Angreifer auch Zugang zu den Nutzerdaten der betroffenen Konten verschaffen konnten.

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Twitter hatte die Sicherheitsvorkehrungen weiter verschĂ€rft, nachdem Unbekannte vor knapp einem Jahr Nachrichten ĂŒber den Account des Firmenchefs Jack Dorsey verbreitet hatten. Der Dienst erklĂ€rte damals, seine Systeme seien nicht gehackt worden, aber eine SicherheitslĂŒcke bei Dorseys Mobilfunk-Anbieter habe das Versenden der Tweets per SMS zugelassen. Zuletzt gelang es Ende Januar einer Gruppe, die sich "OurMine" nennt, auf den Accounts mehrerer amerikanischer Football-Teams zu posten. Man habe damit zeigen wollen, "dass alles hackbar ist", hieß es damals.

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