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Kündigung wegen Krankheit: Ist das gerechtfertigt?

Zu viele Fehltage  

Kündigung wegen Krankheit: Ist das erlaubt?

21.10.2020, 10:47 Uhr | cho, dpa-tmn

Kündigung wegen Krankheit: Ist das gerechtfertigt?. Ein Mann putzt sich die Nase. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/MilanMarkovic)

Erkältungen sind kein Kündigungsgrund – es gibt aber auch Ausnahmen. (Symbolbild) (Quelle: MilanMarkovic/Thinkstock by Getty-Images)

Viele Arbeitnehmer haben Angst vor einer Kündigung wegen Krankheit. Tatsächlich kann es in manchen Fällen brenzlig werden. Wir erklären, wie viele Fehltage zu viel sind.

Gerade in der Erkältungszeit ist es schnell passiert: Ein Infekt zwingt einen dazu, mehrere Tage im Bett zu verbringen – manchmal fällt man gar zwei Wochen am Stück aus. Das ist nicht nur für den Erkrankten selbst belastend, sondern auch für den Arbeitgeber. Doch darf der deswegen gleich die Kündigung aussprechen?

Die Angst wegen einer Krankheit den Job zu verlieren, ist oft unbegründet. Es kommt allerdings darauf an, wie lange Arbeitnehmer ausfallen. Wir erklären, ab wie vielen Fehltagen die Sorgen berechtigt sind, was in der Probezeit gilt und wie Sie sich gegen eine Kündigung aufgrund von Krankheit wehren können.

Kündigung wegen Krankheit – geht das?

Sollten Sie im Jahr einmal mehrere Tage krank sein, darf Ihr Arbeitgeber Sie nicht einfach kündigen. Wichtig ist dabei aber, dass sich die Krankheitstage im Rahmen halten. Konkret heißt das, Sie sollten insgesamt nicht länger als sechs Wochen krank sein.

Wenn ein Arbeitnehmer über das Jahr verteilt länger krankheitsbedingt ausfällt, kann es zur betrieblichen Beeinträchtigung kommen. Und die würde eine Kündigung rechtfertigen. Das gilt auch für Behinderte, sofern die Krankheit nicht auf die Behinderung selbst zurückzuführen ist.

Was gilt während der Probezeit?

Der Kündigungsschutz tritt häufig erst nach Ablauf der Probezeit ein. Im ersten halben Jahr muss sich der Arbeitgeber deshalb für eine Kündigung gar nicht rechtfertigen, auch nicht wenn eine Krankheit der Grund ist. Das gilt unabhängig davon, ob eine Probezeit vereinbart ist und wie lang diese dauert.

Bin ich während einer Erkrankung vor Kündigung geschützt?

Viele Arbeitnehmer unterliegen dem Irrglaubendass eine Kündigung während einer Erkrankung unwirksam sei. Eine Erkrankung stellt jedoch keinen Kündigungsschutz dar.

Diese falsche Annahme geht vermutlich auf das in § 8 verfasste Entgeltfortzahlungsgesetz zurück. Das legt fest, dass ein Arbeitgeber nach Ende des Arbeitsverhältnisses Entgeltfortzahlungen leisten muss, wenn der Arbeitnehmer aufgrund der Arbeitsunfähigkeit gekündigt wurde. Dann muss der Arbeitgeber bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlungen leisten (siehe nächster Abschnitt).

Habe ich bei einer Kündigung wegen Krankheit Anspruch auf Lohn?

Unter Umständen muss der Arbeitgeber dem nicht arbeitsfähigen Arbeitnehmer bei einer Kündigung wegen Krankheit den Lohn weiter zahlen – und zwar über den Termin der Kündigung hinaus bis zum Ende der Arbeitsunfähigkeit. Das soll verhindern, dass sich Arbeitgeber per Kündigung um die Pflicht der Entgeltfortzahlung drücken.

In den ersten vier Wochen des Arbeitsverhältnisses haben Angestellte allerdings generell keinen Anspruch auf Lohn bei Krankheit. Stattdessen bekommen sie Krankengeld von der Krankenkasse. Der Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall endet zudem sechs Wochen nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit – auch nach einer Kündigung.

Was gilt bei Aussicht auf Genesung?

Damit eine Kündigung rechtens ist, muss abzusehen sein, dass es in Zukunft keine Besserung gibt. Bricht sich ein Arbeitnehmer beispielsweise ein Bein und ist aus diesem Grund länger als sechs Wochen arbeitsunfähig, besteht kein Kündigungsgrund.

Hier wird von Pech gesprochen und die Aussicht auf Genesung ohne weitere Arbeitsbeeinträchtigung sei im Normalfall auch gegeben, so Alexander Birkhan, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Koblenz. 

Erkrankt jemand ständig an grippalen Infekten oder anderen Ansteckungskrankheiten, kommen schnell mehr als sechs Wochen im Jahr zusammen. Auch dann kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer rechtmäßig kündigen. Denn jemand, der häufig krank wird, bringt eine negative Prognose für die Zukunft.

Ist eine negative Prognose ein Kündigungsgrund?

Sollte ein Arbeitnehmer aufgrund einer schweren Krankheit länger ausfallen, kann auch die Prognose eine Kündigung wegen Krankheit rechtfertigen. Hierbei muss arbeitsrechtlich immer das Risiko für die Firma im Auge behalten werden.

Leidet ein Arbeitnehmer beispielsweise unter einem Bandscheibenvorfall mit negativer Prognose, ist das Risiko sehr hoch, dass die Arbeitskraft ausfällt und Kosten verursacht. Eine Kündigung wegen Krankheit kann in diesem Fall die Folge sein.

Wie kann ich eine Kündigung wegen Krankheit verhindern?

Wenn Sie wegen einer schweren Krankheit und dem damit zusammenhängenden Risiko gekündigt werden, können Sie die Kündigung mit einer positiven Prognose vonseiten Ihres Arztes unter Umständen verhindern.

Die Beweislast liegt aber beim Arbeitnehmer. Das heißt, Sie müssen sich selbst um die positive Prognose bemühen. Grundsätzlich ist es immer eine Einzelfallentscheidung.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagentur dpa-tmn
  • Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht
  • Urteil Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern (Az.: 2 Sa 158/16)
  • Gespräch mit Alexander Birkhan
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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