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Deutschland: Ab wann gelten Singles, Paare und Familien als arm?


Für Singles, Paare, Familien  

Bei diesem Einkommen liegt die Armutsgrenze in Deutschland

30.09.2021, 12:46 Uhr
Deutschland: Ab wann gelten Singles, Paare und Familien als arm?. Lebensmittelausgabe bei der Tafel: Ein beträchtlicher Teil der Deutschen ist auf Lebensmittelspenden angewiesen. (Quelle: imago images/Michael Schick)

Lebensmittelausgabe bei der Tafel: Ein beträchtlicher Teil der Deutschen ist auf Lebensmittelspenden angewiesen. (Quelle: Michael Schick/imago images)

Obwohl Deutschland ein vermögendes Land ist, leiden viele Menschen unter Armut. Doch wann gelte ich eigentlich als arm? Wir zeigen, wo die Grenzen für verschiedene Haushaltstypen liegen.

Im Supermarkt kommt nur das Günstigste in den Einkaufswagen, das Handyguthaben ist aufgebraucht und neue Kleidung ist genauso wenig drin wie Restaurantbesuche und Kinoabende. Wer arm ist, hat nicht nur finanzielle Sorgen, sondern auch kaum Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Doch was bedeutet Armut in Deutschland eigentlich? Ab welcher Grenze gelte ich als arm? Wir zeigen, über welche Beträge Sie mindestens verfügen müssen, um nicht als arm eingestuft zu werden.

Wer gilt in Deutschland als arm?

In Wohlstandsgesellschaften wie Deutschland wird Armut meist relativ erhoben. Das bedeutet, es kommt darauf an, wie Sie mit Ihrem Einkommen im Vergleich zum Rest des Landes dastehen. Als armutsgefährdet gelten in Deutschland daher Menschen, die monatlich über weniger als 60 Prozent des mittleren Netto-Haushaltseinkommens verfügen.

Diese Schwelle ist die sogenannte Armutsrisikogrenze oder Armutsgefährdungsschwelle. 2019 befanden sich 16 Prozent der Bevölkerung, mehr als 13 Millionen Menschen, in dieser Lage. Dieser Anteil nennt sich auch Armutsgefährdungsquote. Verfügen Sie über weniger als 40 Prozent des mittleren Einkommens, gelten Sie laut Definition der Europäischen Union als offiziell arm – relativ gesehen. Das ist dann die Armutsgrenze.

Mittleres Einkommen: Das mittlere Einkommen, auch Medianeinkommen genannt, ist der Wert, der genau in der Mitte liegt, wenn alle Einkommen aufsteigend geordnet werden.

Im Gegensatz zur relativen Armut gibt es auch eine Definition für absolute Armut. Das bedeutet, dass Sie so wenig Geld besitzen, dass Ihr Überleben unmittelbar bedroht ist. Der Weltbank zufolge gelten Sie als absolut arm, wenn Ihnen weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung stehen. Mehr zum Unterschied zwischen relativer und absoluter Armut lesen Sie hier.

Bei welchem Einkommen liegt die Armutsgrenze?

Wie hoch das monatliche Nettoeinkommen für die Armutsrisikogrenze ausfällt, ist von Haushaltstyp zu Haushaltstyp verschieden. Das Statistische Bundesamt unterscheidet zwischen Singlehaushalten, Paarhaushalten mit und ohne Kinder sowie Alleinerziehenden.

Die aktuellsten Daten beziehen sich auf das Jahr 2019. t-online gibt Ihnen einen Überblick. Wenn Sie weniger als die angegebenen Beträge pro Monat zur Verfügung haben, gelten Sie auf dem Papier als arm:

  • Singles: 1.074 Euro
  • Alleinerziehende, ein Kind unter 14 Jahren: 1.396 Euro
  • Paar ohne Kinder: 1.611 Euro
  • Alleinerziehende, zwei Kinder unter 14 Jahren: 1.718 Euro
  • Paar, zwei Kinder unter 14 Jahren: 2.255 Euro
  • Paar, zwei Kinder ab 14 Jahren: 2.685 Euro
  • Paar, zwei Kinder unter 14 Jahren und ein Kind ab 14 Jahre: 3.007 Euro


Wo liegt die Armutsrisikogrenze bei Rentnern?

Auch für Rentner orientiert sich die Armutsrisikogrenze am mittleren Einkommen der Gesamtbevölkerung und daran, ob sie alleine oder mit einem Partner zusammenleben. Laut Statistischem Bundesamt ist die Armutsgefährdung bei den über 65-Jährigen zuletzt am stärksten gestiegen – um 4,7 Prozentpunkte von 2015 bis 2019. Die Armutsgefährdungsquote liegt mit 15,7 Prozent im Jahr 2019 annähernd auf dem Niveau der Gesamtbevölkerung von 15,9 Prozent.

Dem Forscher Christoph Butterwegge zufolge leben jedoch deutlich mehr ältere Menschen an oder unter der Armutsgrenze, als die Prozentzahlen auf den ersten Blick vermuten lassen. Denn in der Grundgesamtheit seien auch Pensionäre sowie Menschen enthalten, die sehr gut von ihren Kapitalerträgen leben könnten. Betrachte man nur die Rentner, sei aktuell bereits jeder Fünfte betroffenvor allem Frauen.

Wie hat sich die Armutsgefährdung entwickelt?

Wer einmal unter die Armutsgrenze rutscht, bleibt immer öfter länger arm. Das geht aus dem Datenreport 2021 hervor, den das Statistische Bundesamt, das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Zusammenarbeit mit dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) herausgeben. Demnach waren von den Personen, die im Jahr 2018 unter die Armutsrisikoschwelle fielen, 88 Prozent bereits in den vier Jahren zuvor zumindest einmal von Armut bedroht.

Fast die Hälfte von ihnen (44 Prozent) befand sich in diesem Zeitraum vier Jahre durchgehend in diesem niedrigen Einkommenssegment. Damit hat sich der Anteil der dauerhaft von Armut bedrohten Personen an allen Armen in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt: 1998 betrug er noch 20 Prozent.

Ein besonders hohes Armutsrisiko haben Alleinerziehende (41 Prozent), Menschen mit Hauptschul- und ohne Berufsabschluss (35 Prozent) sowie Menschen mit Migrationshintergrund (29 Prozent). 

Gut zu wissen: Der relative Armutsbegriff kann dazu führen, dass Menschen auch dann per Definition arm bleiben, wenn sie sich im Laufe der Zeit eigentlich mehr leisten können. Denn verdoppelt sich zum Beispiel das Einkommen aller Bürger, bleiben sie relativ gesehen immer noch arm.

Wie verhindere ich, dass ich arm werde?

Armut, gerade im Alter, lässt sich auf verschiedenen Wegen vorbeugen. Wichtigster Faktor, die Grundvoraussetzung dafür ist das eigene Einkommen. Ist es zu niedrig, können Sie kaum genug Geld zur Seite legen, um etwas für später zu sparen.

Erlaubt Ihr Gehalt jedoch, dass sie auch nur einen kleinen Betrag sparen können, reichen schon kleine Summen aus, um den Grundstein für ein Vermögen zu legen und so Armut zu verhindern. Eine gute Möglichkeit, mehr aus dem eigenen Geld zu machen, ist dabei die Geldanlage in Aktien. Besonders leicht geht das mit sogenannten ETFs, speziellen Fonds, die Ihr Geld breit streuen und sehr günstig sind.

Alles, was Sie zu ETFs wissen sollten, erfahren Sie hier auf unserer großen Themenseite. Warum ETFs eine so beliebte Form der Geldanlage sind, lesen Sie in diesem Artikel.

Verwendete Quellen:

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