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Inflation einfach erklärt: Definition & Einfluss auf Verbraucher

Inflation verstehen  

Mein Geld wird immer weniger wert – woran liegt das?

Von Sabrina Manthey, Mauritius Kloft

09.09.2020, 10:45 Uhr
Inflation einfach erklärt: Definition & Einfluss auf Verbraucher. Einkaufswagen mit Lebensmitteln: Preise für Waren und Dienstleistungen verändern sich. Steigt das gesamte Preisniveau anhaltend, ist der Euro weniger wert. Man spricht von Inflation. (Quelle: dpa/Jens Büttner)

Einkaufswagen mit Lebensmitteln: Preise für Waren und Dienstleistungen verändern sich. Steigt das gesamte Preisniveau anhaltend, ist der Euro weniger wert. Man spricht von Inflation. (Quelle: Jens Büttner/dpa)

Geht es um die Entwicklung von Preisen, fällt immer wieder der Begriff "Inflation". Doch was genau ist das eigentlich? Und was heißt es für Verbraucher, wenn die Inflation steigt?

Preisschwankungen sind nichts Ungewöhnliches. Steigen die Preise für Waren und Dienstleistungen jedoch anhaltend, spricht man von einer Inflation, auch Teuerung genannt.

Gemeint ist damit, dass der Wert des Geldes abnimmt. Für Ihr Geld bekommen Sie also weniger als zuvor. Oder anders ausgedrückt: Die Kaufkraft eines einzelnen Euros nimmt ab.

Doch wie funktioniert die Inflation genau? Ab wann wird sie gefährlich? Und wen trifft eine Inflation besonders? t-online beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist eine Inflation genau?

Der Begriff Inflation bezeichnet einen anhaltenden Anstieg des Preisniveaus. Verkürzt gesagt: Inflation herrscht, wenn die Preise für eine große Anzahl an Waren, Produkten und Dienstleistungen steigen und nicht wieder sinken.

Passiert das, verringert sich die Kaufkraft des Geldes. Ein Euro wird also weniger wert. Aus diesem Grund spricht man bei einer Inflation auch von einer Geldentwertung.

Eine Inflation spüren Sie relativ schnell in Ihrem Geldbeutel. Dann nämlich, wenn Sie für Waren und Dienstleistungen mehr ausgeben müssen als früher. Der Begriff Inflation entstammt dem Lateinischen "inflare" und bedeutet so viel wie aufblähen. Während gerade in Deutschland viele Menschen vor einer starken Inflation Angst haben, ist eine leichte Teuerung volkswirtschaftlich sogar durchaus wünschenswert (siehe unten).

Reichsbanknote der Weimarer Republik: Während der Hyperinflation von 1914 bis 1923 verlor die deutsche Währung rasant an Wert. (Quelle: Getty Images/Max Köhler)Reichsbanknote der Weimarer Republik: Während der Hyperinflation von 1914 bis 1923 verlor die deutsche Währung rasant an Wert. (Quelle: Max Köhler/Getty Images)

Hyperinflation
Eine Hyperinflation tritt dann ein, wenn die Inflationsrate auf mehr als 50 Prozent im Monat klettert. Die Geldentwertung wird quasi unkontrollierbar. In Deutschland war dies nach dem Ersten Weltkrieg der Fall: Das Geld verlor so schnell an Wert, dass man es sofort ausgeben musste, um überhaupt noch etwas dafür zu erhalten. Auf dem Höhepunkt der Inflation kostete ein Brot 200 Milliarden Reichsmark. 1923 wurde die Hyperinflation durch die Einführung der neuen Währung Rentenmark gestoppt.

Wie entsteht eine Inflation?

In der Praxis entsteht Inflation, wenn die Verbraucherpreise steigen. Dabei unterscheidet man zwischen einer Angebots- und einer Nachfrageinflation.

  • Angebotsinflation: Unternehmen können eine Inflation forcieren, wenn sie ihre Preise erhöhen. Zum Beispiel, um ihren Gewinn zu steigern oder um gestiegene Kosten – etwa für Energie oder Löhne – an die Konsumenten weiterzugeben. 
  • Nachfrageinflation: Genauso möglich ist es, dass die Verbraucher so viele Produkte und Dienstleistungen kaufen wollen, dass das Angebot nicht ausreicht. In diesem Fall treibt die Nachfrage die Inflation an, da die Hersteller und Anbieter für ihre knappen Waren mehr Geld verlangen können. Häufig ziehen in diesem Fall mit den Preisen auch die Löhne an, sodass sich eine selbst verstärkende Lohn-Preis-Spirale in Gang setzt. Das kann die Inflation noch weiter befeuern.

Zentralbanken wollen Inflation lenken

In der Theorie hingegen hat die Inflation vor allem mit der Geldmenge zu tun. Die Idee: Je mehr Geld im Umlauf ist, desto weniger ist es wert – und desto höher sind die Preise. Steigt die Geldmenge also, steigt auch das Preisniveua.

Die Kontrolle über die Geldmenge haben Noten- und Zentralbanken. Im Falle der Eurozone ist das die Europäische Zentralbank (EZB). Über verschiedene Mechanismen kann sie dafür sorgen, dass die Geldmenge steigt oder sinkt.

Die EZB ist damit die oberste Wächterin der Inflation. Ihr Auftrag ist die sogenannte Geldwertstabilität. Ziel der EZB ist es also, den Wert des Geldes dauerhaft stabil halten und gleichzeitig Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Dafür peilt die EZB eine jährliche Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an. 

Steigt die Inflation dauerhaft über diesen Wert, wäre das schädlich für die Volkswirtschaften der EU. Denn Verbraucher würden so das Vertrauen in die Währung, in dem Fall dem Euro, verlieren.

Deflation ist gefährlicher als Inflation

Umgekehrt birgt aber auch eine zu geringe Inflation eine große Gefahr: die einer Deflation.

Eine Deflation ist das Gegenteil einer Inflation: Die Preise sinken dauerhaft. Was erst einmal gut klingt, kann dafür sorgen, dass Unternehmen und Verbraucher ihre Investitionen und Ausgaben aufschieben.

Darunter leiden wiederum andere Firmen, die nichts mehr verkaufen können – und deshalb womöglich gar Mitarbeiter entlassen.Verlieren Menschen in der Deflation ihren Job, kaufen sie noch weniger ein, weil sie sparen müssen. Diese Abwärtsspirale halten Ökonomen für noch gefährlicher für eine Volkswirtschaft als eine Inflation.

Wie wird die Inflationsrate ermittelt?

Um die Inflationsrate zu bestimmen, orientieren sich Statistiker an einem sogenannten Preisindex. Dieser gibt für einen imaginären Warenkorb an, wie sich die Preise der Güter und Dienstleistungen in dem Korb im Zeitverlauf verändert haben. Im Korb enthalten sind etwa die Preise für Butter, Heizöl oder Fernseher.

Der bekannteste im Euroraum ist der sogenannte Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI). Auf diesen bezieht sich die EZB in ihren Berechnungen (siehe oben).

Die Inflationsrate wird aus dem Preis des gesamten Warenkorbs in einem Monat im Vergleich zum Preis desselben Warenkorbes im Monat des Vorjahres errechnet. Die Teuerungsrate bezeichnet demnach die prozentuale Veränderung der Lebenshaltungskosten innerhalb eines Jahres.

Bei der Ermittlung der Inflationsrate spielt die Gewichtung der Güter eine wichtige Rolle. Dabei wird den Preisen von Produkten, für die im Durchschnitt mehr Geld ausgegeben wird – wie zum Beispiel Strom – eine größere Bedeutung beigemessen als zum Beispiel Produkten, für die weniger Geld ausgegeben wird.

Wen trifft eine Inflation besonders?

Geringverdiener, die einen Großteil ihres Einkommens für Lebensmittel und Energie wie Strom, Heizöl oder Sprit aufwenden müssen, spüren die Inflation oft besonders deutlich. Denn häufig sind gerade die Energiepreise die Treiber der Inflation.

Zu den Verlierern einer Inflation zählen auch Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Rentner, deren Leistungen der Staat nicht schnell genug erhöhen kann, um die gestiegenen Preise auszugleichen.

Unabhängig vom Einkommen können zudem Sparer unter der Inflation leiden: Sie verlieren einen Teil ihres Vermögens, wenn die Zinsen auf ihrem Sparkonto unterhalb der Inflationsrate liegen.

Kann ich einer Inflation entkommen?

Ja, das geht. Dazu sollten bei Ihren Geldanlagen wie Tages- oder Festgeldkonten die Zinsen oberhalb der Inflationsrate liegen. Zurzeit sind die Zinsen jedoch sehr niedrig.

Stattdessen können Sie auf eine Anlage an der Börse setzen – etwa mit Aktien oder Fonds. Die Erträge liegen hier oft deutlich höher als bei klassischen Anlagen wie etwa dem Sparbuch.

Mit einer Aktie werden Sie zudem zum Miteigentümer an einem Unternehmen. Außerdem beteiligen viele Unternehmen ihre Aktionäre an ihrem Gewinn, schütten also sogenannte Dividenden aus.

Als inflationssichere Geldanlagen gelten zudem Gold oder Immobilien. Doch Vorsicht: Für Kleinanleger ist ein solches Investment meist sehr teuer.

Wer profitiert von einer Inflation?

Die Inflation kommt vor allem Schuldnern entgegen. Verbraucher, Unternehmen oder auch der Staat können sich leichter entschulden.

Denn: Steigt das Preisniveau, verlieren Schulden relativ an Wert. Schuldner können sich schneller mit Geld eindecken, während sich der reale Wert des Kredits verringert und schneller zurückgezahlt werden kann.

Zum Ausgleich der Inflation müssen aber auch die Einkommen steigen, damit die Verbraucher die Entwertung ihrer Schulden auch wirklich spüren.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Deutsches Historisches Museum
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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