Nachrichten
Ist dieser Text objektiv?

Ja, die Redaktion hat fĂŒr diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

So kam es zum grĂ¶ĂŸten deutschen Bilanzskandal

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 03.08.2021Lesedauer: 16 Min.
Wirecard-GebÀude (Symbolbild): Wie kam es zu dem Milliardenbetrug bei dem Ex-Dax-Konzern?
Wirecard-GebÀude (Symbolbild): Wie kam es zu dem Milliardenbetrug bei dem Ex-Dax-Konzern? (Quelle: Fotostand/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Ein Milliardenbetrug und internationale Haftbefehle: Das ist die Geschichte der Finanzfirma Wirecard. Im Juni 2020 implodierte der Konzern. Wir erklĂ€ren Ihnen die HintergrĂŒnde des Skandals.

Das Wichtigste im Überblick


Ein deutsches Vorzeigeunternehmen der ersten Börsenliga, ein durchtriebener Manager, fast zwei Milliarden Euro, die verschwunden sind – und ein Dax-Vorstand, der sich fĂŒr einen Geheimagenten hĂ€lt und mittlerweile international gesucht wird: Die Geschichte des deutschen Unternehmens Wirecard ist perfekt fĂŒr die ganz große Leinwand.

Vor rund einem Jahr flog der Bilanzskandal auf. Doch was war eigentlich noch einmal passiert? Welche Rolle spielten die Wirecard-Manager, welche die WirtschaftsprĂŒfer – und was hatten der Finanzminister und die Bundeskanzlerin mit all dem zu tun?

t-online fĂŒhrt Sie durch einen Dschungel aus LĂŒgen, Verstrickungen und BetrĂŒgereien, erklĂ€rt Ihnen den Hintergrund des Wirecard-Skandals und die politische Dimension des Untersuchungsausschusses.

Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Panzer-Manager von Rheinmetall verschwand tagelang
Ein SchĂŒtzenpanzer Marder 1A5 der Bundeswehr (Symbolbild): Er wird von der Rheinmetall Landsysteme hergestellt.


Was fĂŒr ein Unternehmen ist Wirecard?

Wirecard ist ein Zahlungsanbieter mit Sitz in Aschheim bei MĂŒnchen. Binnen 20 Jahren entwickelte sich das Unternehmen von einem Dienstleister der Porno- und GlĂŒcksspielindustrie zum vielgefeierten Star unter den 30 Dax-Konzernen und damit zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten großer Firmen in der globalen Finanzlandschaft.

1999 entstand Wirecard aus zwei VorgĂ€ngerunternehmen, "Wire Card" und "EBS". 1999 wurde "Wire Card" gegrĂŒndet, ein Zahlungsdienstleister in den AnfĂ€ngen des Onlinehandels. Zu diesem stieß Markus Braun im Jahr 2000 hinzu – als Berater der Unternehmensberatung KPMG.

Kurz zuvor wurde die EBS AG gegrĂŒndet, die "Electronic Billing Systems AG", ein Unternehmen, das sein Geld mit Abwicklungen von Zahlungen an Pornowebseiten verdiente. Damals lief das noch ĂŒber die Telefonrechnung.

Als die Wire Card AG finanzielle Probleme bekam, hat die EBS sie ĂŒbernommen. Braun fĂ€delte dies ein. Er wechselte von KPMG zu dem Unternehmen – und wurde Vorstandsvorsitzender und Technikvorstand.

Markus Braun: Der langjÀhrige Wirecard-Chef sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft.
Markus Braun: Der langjÀhrige Wirecard-Chef sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. (Quelle: Sven Simon/imago-images-bilder)

Noch vor Braun war Jan Marsalek bei "Wire Card". Marsalek wurde die rechte Hand von Braun, jahrelang war er als Chief Operating Officer fĂŒr das TagesgeschĂ€ft zustĂ€ndig. 2005 ging die Firma ĂŒber die "Infogenie AG", eine Firma, die im Zuge des Platzens der Börsenblase gescheitert war, "durch die HintertĂŒr" an die Börse. 2006 benannte sich die Firma um: in Wirecard.

Wirecard

0,03 EUR-91,18%
Aktuelles ChartZeitraum 1 Jahr18:55 UhrHamburg SE
Wirecard Aktie
Hoch
0,48
Zwischenwert Hoch / Mittel
0,37
Mittel
0,25
Zwischenwert Mittel / Tief
0,14
Tief
0,02
Jul '21Okt '21Jan '22

ZunĂ€chst wickelte sie hochriskante Zahlungen von Porno- und GlĂŒcksspielwebseiten ab, am Rande der LegalitĂ€t. Das Duo Braun und Marsalek baute Wirecard weiter aus – und Ă€nderte die Kundengruppe des Unternehmens: weg von Zahlungsabwicklungen in der Pornoindustrie hin zum Dienstleister anerkannter, internationaler Firmen wie der Airline KLM, dem Haushaltsartikel-Spezialisten WMF oder dem Paketdienst FedEx.

Mit dem neuen GeschĂ€ftsmodell und Kundenstamm wuchs die Reputation von Wirecard – auch unter Anlegern. Der Aktienkurs von Wirecard stieg rasant an, 2018 ersetzte Wirecard die teilstaatliche Commerzbank in der ersten deutschen Börsenliga, dem Deutschen Aktienindex (Dax) . Lange wĂ€hrte der Erfolg aber nicht (siehe unten).

DAX

13.981,91-9,11%
Aktuelles ChartZeitraum 1 Jahr17:55 UhrDB Indices
DAX Index
Hoch
16.271,75
Zwischenwert Hoch / Mittel
15.411,69
Mittel
14.551,63
Zwischenwert Mittel / Tief
13.691,57
Tief
12.831,51
Jul '21Okt '21Jan '22

Wie lief das GeschÀft von Wirecard konkret ab?

Der Konzern wickelte hauptsĂ€chlich Kartenzahlungen sowohl an Ladenkassen als auch im OnlinegeschĂ€ft ab. Wenn jemand im Internet oder an der Kasse mit Kreditkarte bezahlte, sorgte Wirecard dafĂŒr, dass das Geld auch beim Onlineshop oder Supermarkt ankam. DafĂŒr kassierte Wirecard eine GebĂŒhr – einen sehr kleinen Prozentsatz des Umsatzes.

Das Wirecard-GeschĂ€ft lohnte sich deshalb erst bei besonders vielen Kunden und Transaktionen. FĂŒr die Transaktionen arbeitete Wirecard mit Treuhandkonten. Diese sprangen ein, wenn das Konto eines Kunden nicht gedeckt war – und die Zahlung eigentlich nicht stattfinden hĂ€tte können. Die Treuhandkonten sorgten also als Art Versicherung dafĂŒr, dass die Zahlungen reibungslos abliefen.

Wirecard-GebÀude (Symbolbild): Wie kam es zu dem Milliardenbetrug bei dem Ex-Dax-Konzern?
Wirecard-GebÀude (Symbolbild): Wie kam es zu dem Milliardenbetrug bei dem Ex-Dax-Konzern? (Quelle: Fotostand/imago-images-bilder)

FĂŒr sein GeschĂ€ft betrieb Wirecard in Europa auch ein eigenes Kreditinstitut, die Wirecard Bank – samt vollwertiger Banklizenz. Die Wirecard Bank sorgte als Mittelsmann dafĂŒr, dass das Geld von den Kartendiensten zu den HĂ€ndlern kommt. In anderen LĂ€ndern, wo Wirecard keine solchen Lizenzen hatte, arbeitete die Firma mit Drittfirmen zusammen, die dafĂŒr Provisionen erhielten.

In Asien etwa unterhielt Wirecard ein kompliziertes Netzwerk aus rund 100 Partnern, deren GeschÀfte untereinander auch wiederum mit Treuhandkonten abgesichert wurden. Diese komplizierte Firmenstruktur mit TreuhÀndern in verschiedenen LÀndern spielte eine entscheidende Rolle beim Bilanzskandal von Wirecard.

Denn erst durch die Treuhandkonten in Asien sah es so aus, als wĂŒrden Dritte dem Wirecard-Konzern offene Rechnungen per Überweisung bezahlen und auf diesen Konten zwischenparken. TatsĂ€chlich existierten 1,9 Milliarden Euro aber nicht (siehe unten).

Wie kam es zum Milliardenbetrug – und der Aufdeckung des Skandals?

Wie genau es zum Milliardenbetrug bei Wirecard kam, lĂ€sst sich bislang nur schwer rekonstruieren. Fakt ist: Im Juni 2020 brach das mĂŒhsam aufgebaute Kartenhaus zusammen. Eine Chronologie des Wirecard-Skandals:

FrĂŒhjahr 2015: In der britischen "Financial Times" ("FT") werden erste VorwĂŒrfe gegen Wirecard laut. In der Artikelserie "The House of Wirecard" hinterfragt der "FT"-Journalist Dan McCrum erstmals das schnelle Wachstum – und das unklare GeschĂ€ftsmodell des Konzerns.

Februar 2016: Der britische Investor und Shortseller Fraser Perring veröffentlicht als "Zatarra Research" einen kritischen Bericht ĂŒber Wirecard und wirft dem Unternehmen unter anderem GeldwĂ€sche und Betrug vor. Hier lesen Sie, was ein Shortseller ist. Der Aktienkurs von Wirecard bricht daraufhin stark ein. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin leitet rechtliche Schritte gegen den Investor ein.

Loading...
Loading...
Loading...

Anfang 2019: Die "FT" legt nach. In mehreren Artikeln wirft die britische Zeitung dem Konzern vor, dass Manager in Asien VertrÀge, Bilanzen und Rechnungen gefÀlscht und GeldwÀsche betrieben haben sollen. Hier lesen Sie, wie GeldwÀsche genau ablÀuft. Der Aktienkurs von Wirecard rauscht daraufhin erneut nach unten.

Februar 2019: Die Bafin verhĂ€ngt aufgrund des massiven Kurseinbruchs der Wirecard-Aktie ein Leerverkaufsverbot auf die Titel des Konzerns. Das heißt: Wetten auf einen fallenden Kurs der Wirecard-Aktie sind nicht mehr erlaubt – eine Schutzmaßnahme, fĂŒr die die Bafin spĂ€ter viel Kritik einstecken wird.

MĂ€rz 2019: Wirecard veröffentlicht die Ergebnisse eines PrĂŒfberichts einer Rechtsanwaltskanzlei aus Singapur und sieht sich als entlastet an. Das Unternehmen erstattet Anzeige gegen den Journalisten McCrum und die "Financial Times".

April 2019: Die Bafin zieht nach – und erstattet ebenfalls Anzeigen gegen die "FT". Sie geht davon aus, dass die Zeitung mit den Shortsellern gemeinsame Sache macht, um den Kurs der Wirecard-Aktie zum Einsturz zu bringen und um mit Wetten auf diesen Kurssturz Geld zu verdienen.

Oktober 2019: Die "FT" lĂ€sst nicht locker – sondern veröffentlicht weitere kritische BeitrĂ€ge ĂŒber Wirecard. Unter anderem berichtet sie jetzt von zu hoch ausgewiesenen Gewinnen in den Bilanzen des MĂŒnchner Unternehmens. Kurze Zeit spĂ€ter kĂŒndigte Wirecard eine SonderprĂŒfung ihrer Bilanzen durch die PrĂŒfungsgesellschaft KPMG an. RegulĂ€rer BuchprĂŒfer bei Wirecard ist bis dahin eigentlich KPMG-Konkurrent EY.

MÀrz 2020: Wirecard verschiebt die Veröffentlichung seiner Jahresbilanz von 8. April auf 30. April 2020. Die KPMG-Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen. Sie habe sich unter anderem wegen der Corona-Pandemie verzögert, so der Konzern.

Ende April 2020: KPMG ĂŒbergibt Wirecard den Bericht zur SonderprĂŒfung. Der Zahlungsdienstleister sieht sich abermals als entlastet an. Doch einige wichtige Fragen bleiben immer noch unbeantwortet. So kann die WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft zur Höhe und zur Existenz der UmsĂ€tze aus dem sogenannten DrittpartnergeschĂ€ft in den untersuchten Jahren 2016 bis 2018 keine Aussage treffen. Es bleibt unklar, ob die UmsĂ€tze existieren und korrekt sind oder ob es sie gar nicht gibt. Wirecard verschiebt die Veröffentlichung der Konzernbilanz erneut.

Mai 2020: Das Unternehmen kĂŒndigt an, ab 1. Juli ein Compliance-Ressort einzurichten – Vorstand soll der US-Manager James Freis werden, der zuvor bei der Deutschen Börse AG tĂ€tig war. Ende Mai verschiebt Wirecard erneut die Vorlage der Bilanz.

Anfang Juni 2020: Die Staatsanwaltschaft MĂŒnchen durchsucht die GeschĂ€ftsrĂ€ume von Wirecard in Aschheim. Dabei geht es um den Verdacht der Marktmanipulation.

18. Juni 2020: Nur wenige Stunden vor der Bilanzpressekonferenz meldet Wirecard, dass die Vorlage der Jahreszahlen erneut verschoben werden mĂŒsse. Die beauftragte WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft EY habe das Unternehmen darĂŒber informiert, dass fĂŒr die Existenz von Bankguthaben auf philippinischen Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro keine ausreichenden Nachweise vorlĂ€gen. Wirecard kĂŒndigt an, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten und spricht von einem "gigantischen Betrug". Die Wirecard-Aktien gehen an dem Tag mit einem Minus von 61,82 Prozent auf 39,90 Euro aus dem Handel. Zuvor hat eine Aktie noch mehr als 100 Euro gekostet. Jan Marsalek wird an dem Tag von seinem Vorstandsposten freigestellt.

19. Juni 2020: Wirecard-Chef Markus Braun rĂ€umt seinen Vorstandsposten. Wirecard habe ein exzellentes GeschĂ€ftsmodell, herausragende Technologie und ausreichende Ressourcen fĂŒr eine große Zukunft, so Braun. "Ich will diese Zukunft nicht belasten", schreibt er in einer ErklĂ€rung. Interims-Chef wird Freis, der eigentlich erst zum Juli das Compliance-Ressort ĂŒbernehmen sollte.

Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

22. Juni 2020: Die 1,9 Milliarden Euro, fĂŒr die EY Nachweise suchte, sind offenbar nicht auf den Philippinen, wie der PrĂ€sident der dortigen Notenbank mitteilt. Der bereits freigestellte Marsalek wird nun "mit sofortiger Wirkung" gefeuert, Markus Braun wird festgenommen. Einen Tag spĂ€ter kommt er gegen eine Millionenkaution wieder frei. Der Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, sagt, seine Behörde habe offenbar nicht genug getan. "Es ist eine Schande", so Hufeld und weiter: "Es ist ein komplettes Desaster." Jan Marsalek ist zu diesem Zeitpunkt bereits untergetaucht.

25. Juni 2020: Wirecard ist pleite – das Unternehmen stellt einen Insolvenzantrag. Die Zukunft des einstiegen Aufsteigerkonzerns ist ungewiss.

Anfang Juli 2020: Der Ausverkauf bei Wirecard beginnt, mehr als 100 Interessenten wollen Teile des insolventen Konzerns ĂŒbernehmen. Zum Insolvenzverwalter wurde Michael JaffĂ© berufen, der unter anderem schon die Kirch-Gruppe, den Halbleiterhersteller Qimonda und die dubiosen Anlegefirmen der P&R-Gruppe abwickelte.

Juli 2020: Der Wirecard-Skandal entwickelt sich mehr und mehr zu einer politischen AffĂ€re, nachdem bekannt wird, dass Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) im Herbst 2019 bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) fĂŒr Wirecard geworben haben soll – zu einer Zeit also, als bereits VorwĂŒrfe gegen das Unternehmen bekannt waren. FĂŒr Empörung sorgt auch, dass es offenbar Verwirrung um die genaue ZustĂ€ndigkeit der Aufsichtsbehörden im Wirecard-Skandal gab: Niemand fĂŒhlte sich so richtig fĂŒr Wirecard verantwortlich. Auch das Finanzministerium unter Olaf Scholz (SPD), zustĂ€ndig fĂŒr die Finanzaufsicht Bafin, die wiederum die Wirecard Bank ĂŒberwacht, gerĂ€t zunehmend unter Druck.

22. Juli 2020: Ex-Vorstandschef Braun wird erneut festgenommen – und dieses Mal nicht gegen eine Kaution freigelassen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft MĂŒnchen geht mittlerweile von "gewerbsmĂ€ĂŸigem Bandenbetrug", Untreue und Marktmanipulation aus. Sie schĂ€tzt, dass die Beschuldigten seit 2015 die Bilanzen des Konzerns aufgeblĂ€ht haben. Auch weitere Wirecard-Manager sitzen nun im GefĂ€ngnis.

21. August 2020: Als erster Pleite-Konzern in der Geschichte des Dax fliegt Wirecard aus der ersten deutschen Börsenliga. Die Deutsche Börse kĂŒndigte aufgrund dieses Vorfalls grundlegende Änderungen an. Unter anderem soll der Dax auf 40 Unternehmenswerte vergrĂ¶ĂŸert werden (siehe unten).

1. September 2020: GrĂŒne, Linkspartei und FDP einigen sich auf einen Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag, um die Verstrickungen der Politik in dem Fall aufzuklĂ€ren.

November 2020: Das Wirecard-KerngeschĂ€ft geht an die spanische Großbank Banco Santander. Markus Braun muss im Untersuchungsausschuss des Bundestages aussagen. Er habe "zu keiner Zeit Feststellungen getroffen oder Hinweise erhalten, dass sich Behörden, Aufsichtsstellen oder Politiker nicht korrekt, pflichtwidrig oder in irgendeiner Form unlauter verhalten hĂ€tten", so Braun. Mehr sagt er nicht und beruft sich auf sein Recht, die Aussage zu verweigern.

Ende Januar 2021: Der Chef der Finanzaufsicht Bafin Hufeld rÀumt seinen Posten. Man sei einvernehmlich zu dem Entschluss gekommen, dass es einen personellen Neustart an der Spitze der Bafin geben sollte, teilt das Finanzministerium mit. Auch seine Stellvertreterin Elisabeth Roegele muss ihren Posten rÀumen. Zuvor wurde bekannt, dass die Bafin einen Mitarbeiter wegen Insiderhandels anzeigte. Er hatte interne Informationen genutzt, um mit Wirecard-Aktien zu handeln. Auch weitere GeschÀfte von Mitarbeitern werden untersucht.

MĂ€rz 2021: Neuer PrĂ€sident der Bafin soll Mark Branson werden. Er ist bislang Chef der Schweizer Finanzaufsicht Finma. Branson soll seinen Posten spĂ€testens am 1. August antreten. Einige Tage spĂ€ter, Ende MĂ€rz, werfen Oppositionspolitiker dem Scholz-gefĂŒhrten Finanzministerium vor, wichtige Akten bewusst zurĂŒckgehalten zu haben. Die FinanzstaatssekretĂ€re weisen diesen Vorwurf aber zurĂŒck. Das Finanzministerium erklĂ€rt, es informiere den Ausschuss "sorgfĂ€ltig, detailliert und so zĂŒgig wie möglich". Insgesamt seien in den vergangenen Wochen und Monaten bereits mehr als 1.000 Ordner vom Ministerium ĂŒbersandt worden.

26. MĂ€rz 2021: Roegele und Hufeld von der Bafin sagen im Untersuchungsausschuss aus. Roegele weist VorwĂŒrfe zurĂŒck, die Finanzaufsicht habe den Skandalkonzern Wirecard absichtlich in Schutz genommen. Das von ihr ausgesprochene Leerverkaufsverbot sei vielfach als Parteinahme oder GĂŒtesiegel fĂŒr Wirecard verstanden worden, so Roegele. Das sei es aber nicht: "Das war und ist nicht die Zielsetzung der Bafin, die sie mit dem Leerverkaufsverbot verbunden hat."

20. April 2021: Peter Altmaier sagt im Untersuchungsausschuss aus, verteidigt sich gegen VorwĂŒrfe. Die WirtschaftsprĂŒferaufsicht Apas, fĂŒr die der CDU-Politiker die Rechtsaufsicht hat, habe nicht zu spĂ€t gehandelt.

21. April 2021: Jörg Kukies tritt vor den U-Ausschuss. Kukies gilt als einer der SchlĂŒsselzeugen – er ist StaatssekretĂ€r im Finanzministerium von Olaf Scholz. Ihm wird etwa zu Last gelegt, sich mehrfach mit Ex-Wirecard-Chef Braun getroffen und sich fĂŒr die Finanzfirma stark gemacht zu haben (siehe unten). Er bestreitet die VorwĂŒrfe.

22. April 2021: Einen Tag nach Kukies folgt sein Chef, Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Der SPD-Politiker weist sĂ€mtliche VorwĂŒrfe zurĂŒck.

23. April 2021: Der Höhepunkt des Wirecard-Ausschusses ist erreicht. Kanzlerin Angela Merkel sagt aus – ĂŒber ihr Lobbying fĂŒr das Unternehmen in China. Doch viel Neues fördert sie nicht zutage, stattdessen spielt ihr Kontakt zu Guttenberg eine große Rolle.

07. Juni 2021: Die Opposition sieht beim Wirecard-Skandal ein "kollektives Aufsichtsversagen". Der Skandal sei daneben auch von einem "politischen Netzwerk" und der Sehnsucht nach einem digitalen nationalen Champion ermöglicht worden, heißt es einem Sondervotum von FDP, GrĂŒnen und Linken zum Abschlussbericht des Wirecard-Untersuchungsausschusses im Bundestag. Es habe "kollektive VersĂ€umnisse" von Aufsichtsrat, AbschlussprĂŒfern, Aufsichts- sowie Ermittlungsbehörden gegeben, so die Politiker.

10. Juni 2021: Ex-Wirecard-Chef Braun, drohen mehr als zehn Jahre Haft, wie das "Handelsblatt" berichtet. Dabei beruft sich das Blatt auf die MĂŒnchner Staatsanwaltschaft. Laut dem Bericht bereitet diese eine entsprechende Anklage gegen den Ex-Top-Manager vor.

22. Juni 2021: Der 2026-seitige Abschlussbericht des Wirecard-U-Ausschusses wird veröffentlicht, Sie können ihn hier von der Seite des Bundestages herunterladen und einsehen. CDU, CSU und SPD tragen den Abschlussbericht mit, daneben gibt es ein gemeinsames Sondervotum der Oppositionsparteien FDP, Linke und GrĂŒne und ein eigenes der AfD.

02. August 2021: Der neue Chef der Bafin, Mark Branson, nimmt seine Arbeit auf. Er tritt die Nachfolge von Felix Hufeld an. Der 52-jĂ€hrige Branson, gebĂŒrtiger Brite, leitete zuvor sieben Jahre lang die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma. "Aufseher sein ist nicht nur Beruf, sondern auch Berufung", erklĂ€rt Branson bei seinem Amtsantritt in Bonn. Die Bafin solle eine Aufsichtsbehörde "von Weltklasse" werden (siehe unten).

Wer sind die Hauptfiguren im Wirecard-Krimi?

  • Markus Braun: Braun, Jahrgang 1969, war fast 20 Jahre lang Chef des Zahlungsabwicklers. Er baute das Unternehmen stark aus – von einem Dienstleister der Schmuddelindustrie hin zu einer aufstrebenden Finanzfirma im Dax. Braun, der das Unternehmen laut Staatsanwaltschaft mit "Korpsgeist" und nach einem "streng hierarchischen System" gefĂŒhrt haben soll, sitzt hinter Gittern. Ihm droht eine lange Haftstrafe.
  • Jan Marsalek: Marsalek, 1980 in Wien geboren, war bei Wirecard der zweite starke Mann hinter Firmenboss Markus Braun. Marsalek stammt aus einfachen VerhĂ€ltnissen. Kurz bevor er am französischen Gymnasium in Wien die Matura ablegen sollte, schmiss er die Schule, arbeitete anschließend fĂŒr Tech-Start-ups, ehe er im Alter von 20 Jahren bei Wirecard anheuerte. Er war damit lĂ€nger als Braun Teil des Konzerns, stieg auf und war zuletzt als Vertriebsvorstand auch fĂŒr das umstrittene AsiengeschĂ€ft des Unternehmens verantwortlich. Seit Ende Juni 2020 befindet sich Marsalek auf der Flucht, mutmaßlich hĂ€lt er sich zurzeit in Russland auf. Marsalek wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Nach seiner Flucht wurde bekannt, dass Marsalek oft mit Kontakten nach Russland prahlte, gar eine Art Doppelleben fĂŒhrte: So soll er etwa damit angegeben haben, mehrere PĂ€sse zu besitzen – "wie jeder gute Geheimagent", wie Marsalek zitiert wird. Auch soll er sich Ende 2018 fĂŒr den Aufbau einer Söldnerarmee in Libyen eingesetzt haben.
  • Felix Hufeld: Hufeld ist ein deutscher Jurist und war von MĂ€rz 2015 bis Januar 2021 PrĂ€sident der Finanzaufsicht Bafin. Im Zuge des Wirecard-Skandals geriet die Finanzaufsicht in die Kritik. Als Folge musste Hufeld seinen Posten rĂ€umen.
  • Dan McCrum: Dan McCrum ist Investigativjournalist bei der britischen Zeitung "Financial Times". Er schrieb bereits seit 2015 ĂŒber Wirecard. Zwischenzeitlich wurde McCrum auch von der Finanzaufsicht angezeigt. Ihm wurde vorgeworfen, gemeinsam mit Spekulanten auf einen fallenden Aktienkurs gewettet zu haben.
  • Olaf Scholz: Der SPD-Politiker ist Bundesfinanzminister und trĂ€gt damit auch die Verantwortung fĂŒr die Finanzaufsicht Bafin, einer nachgelagerten Behörde des Ministeriums. Scholz und das Finanzministerium gerieten wegen der Verstrickungen im Wirecard-Skandal zunehmend in die Kritik.
  • Peter Altmaier: Unter die ZustĂ€ndigkeit des Wirtschaftsministeriums, das CDU-Politiker Altmaier fĂŒhrt, fĂ€llt die AbschlussprĂŒferaufsichtskommission (Apas). Diese ĂŒberwacht die WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaften in Deutschland – also auch KPMG und EY. Der Chef der Apas wurde im Zuge des Bilanzskandals entlassen.
  • Kommentar: Das Zögern von Olaf Scholz ist Gift

Wie groß ist der Schaden des Wirecard-Skandals?

Groß. Tausende Anleger verloren viel Geld, weil der Aktienkurs des frĂŒheren Dax-Konzerns Wirecard ins Bodenlose stĂŒrzte, ein Börsenwert von rund 23 Milliarden Euro wurde verbrannt.

Hart getroffen sind auch die Banken, die Wirecard Geld und Kredite gaben. SchÀtzungen zufolge könnte sich ihr Schaden auf 3,2 Milliarden Euro summieren.

Zurzeit sind jede Menge Klagen von Anlegern, die sich geprellt fĂŒhlen, anhĂ€ngig. Schon im Sommer berichteten Anleger, dass sie viel Geld durch den Kurssturz nach der Wirecard-AffĂ€re verloren haben. Die Chance, dass Kleinanleger ihr verlorenes Geld wiedersehen, ist dabei denkbar klein. Denn die Einnahmen aus der Zerschlagung des insolventen Wirecard-Konzerns wird vorwiegend genutzt werden, um die Forderungen der Banken zu befriedigen.

Doch der grĂ¶ĂŸte deutsche Finanzskandal hat nicht nur finanzielle Auswirkungen. Viele Menschen sehen durch das Wirecard-Debakel das Ansehen des deutschen Finanzplatzes dauerhaft beschĂ€digt. Das wiederum wĂŒrde dafĂŒr sorgen, dass Investoren von AktivitĂ€ten in Deutschland Abstand nehmen – eine fatale Konsequenz fĂŒr die hiesige Unternehmenslandschaft.

Wer hat Schuld am Wirecard-Skandal?

Das ist die entscheidende Frage. Neben den Wirecard-VorstĂ€nden Markus Braun und Jan Marsalek spielen auch weitere Manager des Zahlungsdienstleisters wichtige Rollen in dem Skandal – nicht nur hier in Deutschland, sondern auch in Dubai, Singapur oder auf den Philippinen. Auch der Wirecard-Aufsichtsrat muss sich einiges anhören. Denn er vermochte es nicht, das Treiben der Manager zu stoppen.

Neben Beteiligten aus dem Konzern gibt es auch Kritik an den WirtschaftsprĂŒfern von EY. Zehn Jahre lang prĂŒfte die Gesellschaft die Bilanzen des Konzerns – und beanstandete nichts. Den WirtschaftsprĂŒfern wird vorgeworfen, durch Wirecard leicht Geld verdient, aber ihren Job nicht richtig gemacht zu haben. Auch der Sonderermittler des U-Ausschusses im Bundestag wirft den PrĂŒfern Versagen vor, sein Zeugnis ist vernichtend.

Der Deutschlandchef von EY, Hubert Barth, trat Ende Februar 2021 von seinem Posten zurĂŒck, allerdings bekommt er einen anderen Job im EY-Konzern.

Schließlich dĂŒrfte auch die Politik einige Schuld treffen, genauer gesagt: die Finanzaufsicht Bafin sowie das Wirtschafts- als auch das Finanzministerium – und die Kanzlerin.

Was hat die Politik mit Wirecard zu tun?

Womöglich eine ganze Menge. Die wichtigsten Fragen der politischen Aufarbeitung sind: Haben die Aufsichtsbehörden Wirecard als aufstrebenden Börsenstar trotz Hinweisen auf UnregelmĂ€ĂŸigkeiten mit Samthandschuhen angefasst? Wann genau wusste die Bundesregierung von UnregelmĂ€ĂŸigkeiten? Und hat sie zu wenig dagegen unternommen?

Olaf Scholz und Angela Merkel: Die Opposition Ă€ußert harsche Kritik an den beiden Spitzenpolitikern.
Olaf Scholz und Angela Merkel: Die Opposition Ă€ußert harsche Kritik an den beiden Spitzenpolitikern. (Quelle: Jens Schicke/imago-images-bilder)

Die Dimensionen des Wirecard-Skandals sind noch nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. Fakt ist: Es gibt mehrere Ebenen, auf denen die Politik scharfe Kritik erntet. Eine Übersicht:

  • Das Versagen der Finanzaufsicht und der Bilanzpolizei: Die Bafin habe trotz klarer Hinweise auf UnregelmĂ€ĂŸigkeiten nötige Schritte nicht ergriffen, werfen Kritiker der Behörde vor. Auch sei Verdachtsmeldungen auf GeldwĂ€sche vor der Wirecard-Insolvenz nur ungenĂŒgend nachgegangen worden. Zudem hatte sich die Aufsicht 2019 auf die Seite von Wirecard geschlagen und Journalisten der "FT" angezeigt – sowie ein Leerverkaufsverbot verhĂ€ngt. Es festigte bei Investoren den Eindruck, Wirecard sei Opfer einer gezielten Attacke. LeerverkĂ€ufer spekulieren auf fallende Kurse eines Unternehmens und veröffentlichen dafĂŒr oft bewusst negative Informationen. Kritisch sehen Beobachter auch, dass die Bafin sich dagegen nur fĂŒr die Wirecard Bank zustĂ€ndig fĂŒhlte – aber nicht fĂŒr das gesamte Unternehmen.
    Scharfe Kritik gibt es zudem an der Deutsche PrĂŒfstelle fĂŒr Rechnungslegung (DPR). Der privatrechtlich organisierte Verein DPR kontrolliert im Staatsauftrag Bilanzen. Die Finanzaufsicht Bafin hatte der auch als Bilanzpolizei bezeichneten PrĂŒfstelle im Februar 2019 den Hinweis auf Ungereimtheiten in der Halbjahresbilanz 2018 von Wirecard gegeben. Daraufhin veranlasste die DPR eine PrĂŒfung – die jedoch erst nach der Wirecard-Pleite zu einem Ergebnis kam. Inzwischen hat die Bundesregierung den Vertrag mit der DPR zu Ende 2021 gekĂŒndigt.
  • Das Lobbying der Politiker: Es geht vor allem darum, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Chinareise im September 2019 fĂŒr den Markteintritt von Wirecard in China geworben hatte – auf Bitte des Ex-Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der als Berater von Wirecard arbeitete. Zu Guttenberg sieht sich mittlerweile als Opfer, Wirecard habe "uns alle getĂ€uscht", wie er im Dezember 2020 im U-Ausschuss des Bundestags zu Protokoll gab. Doch nicht nur zu Guttenberg hatte sich fĂŒr das Unternehmen eingesetzt. Auch etwa der Ex-Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt, Klaus-Dieter Fritsche, hatte Lobbyarbeit fĂŒr Wirecard betrieben.
  • Das Schlafen der PrĂŒfer-Überwacher: Die AbschlussprĂŒferaufsichtsstelle, kurz Apas, ein bis zum Wirecard-Skandal relativ unbekanntes Gremium, ĂŒberwacht die WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaften in Deutschland – also auch KPMG und die Firma EY, die im Wirecard-Skandal keine gute Figur machte. Kritiker werfen der Apas, einer nachgelagerten Behörde des Bundeswirtschaftsministeriums, vor, bei der Überwachung von EY als Wirecard-Dienstleister nicht genug aufgepasst zu haben. Der Chef der Apas, Ralf Bose, wurde im Zuge des Bilanzskandals entlassen. Der Grund: Er handelte privat mit Wirecard-Aktien – wĂ€hrend seine Behörde sich bereits mit dem Fall beschĂ€ftigte.

Um die Fragen der politischen Verwicklungen zu klĂ€ren, beschĂ€ftigt sich seit Herbst 2020 ein Untersuchungsausschuss im Bundestag mit Wirecard. Besonders die Oppositionspolitiker Fabio De Masi (Die Linke), Florian Toncar (FDP) sowie Danyal Bayaz (Die GrĂŒnen), der mittlerweile Finanzminister Baden-WĂŒrttembergs geworden ist, spielten bei der AufklĂ€rung eine wichtige Rolle.

Danyal Bayaz (Die GrĂŒnen), Fabio De Masi (Linkspartei) und Florian Toncar (FDP) bei der Vorstellung der Zwischenbilanz des Wirecard-U-Ausschusses.
Danyal Bayaz (Die GrĂŒnen), Fabio De Masi (Linkspartei) und Florian Toncar (FDP) bei der Vorstellung der Zwischenbilanz des Wirecard-U-Ausschusses. (Quelle: JĂŒrgen Heinrich/imago-images-bilder)

Ende April musste Angela Merkel vor dem U-Ausschuss aussagen. FDP-Mann Toncar sagte, sie treffe zwar keine direkte Schuld. Doch sie habe Wirecard "den RĂŒcken gestĂ€rkt". Heftige Kritik Ă€ußerte er jedoch an Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Scholz. Das ganze Interview lesen Sie hier.

In einem Sondervotum von FDP, GrĂŒnen und Linken zum Abschlussbericht des Wirecard-Untersuchungsausschusses im Bundestag kritisierten die Parteien Anfang Juni die Aufsichtsbehörden sowie Minister Olaf Scholz scharf.

Ende Juni hat der U-Ausschuss den Abschlussbericht vorgelegt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Wie soll ein Wirecard-Skandal kĂŒnftig verhindert werden?

Neben der AufklÀrung im parlamentarischen Untersuchungsausschuss und personellen Konsequenzen steht auch die Frage im Raum, wie ein Finanzskandal wie bei Wirecard in der Zukunft verhindert werden kann.

Besonders die Finanzaufsicht Bafin wird grundlegend reformiert. Sie erhĂ€lt zusĂ€tzliche Befugnisse, und die Vorschriften fĂŒr AbschlussprĂŒfer werden verschĂ€rft.

Die ZustĂ€ndigkeiten fĂŒr die Bilanzkontrolle werden bei der Bafin gebĂŒndelt, wie der Bund Ende Mai 2021 beschlossen hat. Mitarbeiter der Bafin dĂŒrfen selbst nicht mehr mit bestimmten Finanzprodukten handeln. Das bisherige zweistufige Verfahren mit der Deutschen PrĂŒfstelle fĂŒr Rechnungslegung wird vereinfacht.

SchĂ€rfere Regeln fĂŒr AbschlussprĂŒfer

Zudem mĂŒssen AbschlussprĂŒfer spĂ€testens nach fĂŒnf Jahren wechseln, damit sie nicht betriebsblind werden. Sie werden auch stĂ€rker in Haftung genommen: Die Haftungshöchstgrenzen bei der PrĂŒfung kapitalmarktorientierter Unternehmen werden um das Vierfache auf 16 Millionen Euro hochgesetzt. Bei grob fahrlĂ€ssigem Verhalten gibt es Keine Höchstgrenze mehr.

Der "falsche Bilanzeid", also wenn fĂ€lschlicherweise behauptet wird, ein Abschluss vermittle ein zutreffendes Bild der Lage eines Unternehmens, kann zudem kĂŒnftig mit bis zu fĂŒnf Jahren GefĂ€ngnis sanktioniert werden. Das Gesetz soll im Juli in Kraft treten.

Dax Àndert sich entscheidend

Neben der Bafin und den Regeln fĂŒr EY und Co. Ă€ndern sich auch die Voraussetzungen fĂŒr die erste Börsenliga, dem Dax. Ab September 2021 wĂ€chst der Dax um zehn börsennotierte Firmen auf 40 Mitglieder. Dann wird er nicht mehr Dax 30 sondern entsprechend Dax 40 heißen, der MDax schrumpft dagegen von 60 auf 50 Werte.

Weitere Artikel

LeerverkÀufer Perring
"Wirecard war ein komplett kriminelles Unternehmen"
Fraser Perring: "Wirecard war ein komplett kriminelles Unternehmen."

Milliardenbetrug
Rechnungshof kritisiert Bund im Wirecard-Skandal scharf
Hauptsitz der Wirecard AG in Aschheim bei MĂŒnchen (Symbolbild): Der Konzern musste Ende Juni 2020 Insolvenz anmelden.

Börsenwissen
Was ist eigentlich eine Aktiengesellschaft?
FrĂŒher wurden Aktien noch auf Urkunden ausgegeben. Heutzutage lĂ€uft der Handel ĂŒberwiegend elektronisch.


Bis 2020 ĂŒberprĂŒfte die Deutsche Börse die Zusammensetzung des Dax einmal im Jahr, im September. Seit 2021 wird zwei Mal im Jahr entschieden, welche Aktiengesellschaften im Dax gelistet sein sollen und welche nicht. Außerdem werden Firmen, die zwei Jahre lang keine operativen Gewinne einfahren, kĂŒnftig nicht mehr in die erste Börsenliga hineingelassen.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Angela MerkelBundestagBĂŒndnis 90/Die GrĂŒnenCDUCSUChinaCommerzbankDeutschlandDie LinkeEuropaFDPHandelsblattKarl-Theodor zu GuttenbergOlaf ScholzPeter AltmaierPhilippinenRusslandSPD
Ratgeber

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website