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Dienst statt Schlaf: Was Nacht- und Schichtarbeit mit uns macht

Dienst statt Schlaf  

Was Nacht- und Schichtarbeit mit uns macht

11.03.2020, 04:44 Uhr | dpa

Dienst statt Schlaf: Was Nacht- und Schichtarbeit mit uns macht. Wer tagsüber ins Bett gehen muss, schläft oft schlechter.

Wer tagsüber ins Bett gehen muss, schläft oft schlechter. Unter ständiger Nachtaktivität leider zudem das Immunsystem. Foto: Christin Klose/dpa-tmn. (Quelle: dpa)

Bremen (dpa/tmn) - Arbeiten, wenn andere schlafen: Zum Beispiel in Krankenhäusern, bei der Polizei oder in der Industrie ist das keine Seltenheit.

Das macht nicht nur dauermüde, das ist auch ungesund. Das können Nacht- oder Schichtarbeiter nur bedingt beeinflussen. Aber es gibt ein paar Tipps, wie man mit seinen Arbeitszeiten besser zurechtkommen kann.

Welche Gefahren bestehen für Menschen, die im Nacht- und Schichtdienst arbeiten? An erster Stelle stehen laut Prof. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité Berlin, Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems wie Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen - zumindest was die Häufigkeit angeht. An zweiter Stelle folgen Stoffwechselerkrankungen.

Nachtarbeit und Krebs

Vor allem die Nachtarbeit birgt aber noch mehr Gefahren, wie eineAuswertungder Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2019 zeigt: "Auf Basis dessen, was wir jetzt wissen, sind wir zu der Einschätzung gekommen, dass Nachtarbeit wahrscheinlich krebserregend ist", erklärt Prof. Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS), der an der Auswertung mitgearbeitet hat.

Aber warum schadet uns die Nachtarbeit? "Nachts erholt sich auch das Immunsystem", erklärt Fietze. Wer in der Nacht arbeitet und am Tag schläft, der hat somit ein weniger gut funktionierendes Abwehrsystem. Das gilt auch, wenn man den Schlaf tagsüber so gut wie möglich nachholen möchte: "Die Qualität des Schlafs ist am Tag immer schlechter und man schläft kürzer", so Fietze.

Verträglichkeit ist eine Typfrage

Manche Menschen kommen damit zurecht, andere nicht. "Es gibt noch keine Prädiktoren, wer Schichtarbeit verträgt und wer nicht", sagt Fietze. Warnsignale, dass einem Nacht- und Schichtarbeit nicht bekommen, gibt es laut Fietze viele: Man ist unkonzentriert, es passieren vermehrt Fehler oder sogar Unfälle, man ist geistig und körperlich nicht leistungsfähig, man hat schlechte Laune oder das Gedächtnis lässt nach.

Dass die Schichtarbeit müde mache, sei hingegen normal, sagt Fietze. "Solange Schichtarbeiter an mehreren freien Tagen oder im Urlaub gut schlafen, ist die Welt noch in Ordnung. Wenn sie in diesen Zeiten genauso schlecht schlafen wie in der Arbeitswoche, dann ist das ein ernst zu nehmendes Warnsignal." Besser nicht im Schichtdienst arbeiten sollten Menschen mit ohnehin schon sensiblem oder schlechtem Schlaf, chronisch Kranke, wer einen weiteren Job hat oder familiär sehr eingebunden ist.

Lerchen in die Frühschicht

Die meisten Menschen gelten als sogenannte Eulen: Sie würden am liebsten zwischen 23:30 und 2.00 Uhr ins Bett gehen und zwischen 7:30 und 9:30 Uhr wieder aufstehen, erklärt Hans-Günter Weeß, Psychologe und Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum. Gut wäre es deshalb, wenn Menschen, die ohnehin Frühaufsteher sind - die sogenannten Lerchen - die Frühschichten übernehmen würden. Die Langschläfer machen dann dafür den Spät- und Nachtdienst.

Wenn in Wechselschichten gearbeitet wird, sei es laut Weeß besser, in kurzrotierenden Schichten zu arbeiten: also zwei Tage Frühdienst, zwei Tage Spätdienst, zwei Tage Nachtdienst und dann eine längere Erholungspause. "So fängt der Körper gar nicht erst an, sich anzupassen", erklärt Weeß. Wer etwa für jeweils eine Woche eine Schicht übernehme, befinde sich in einer Art Dauer-Jetlag, was langfristig belastender ist.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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