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Endometriose-Diagnose: Wie stelle ich fest, ob ich Endometriose habe?

Endometriose-Diagnose  

Wie stelle ich fest, ob ich Endometriose habe?

Von Lydia Klöckner, Medizinredakteurin

26.09.2021, 11:22 Uhr
Endometriose-Diagnose: Wie stelle ich fest, ob ich Endometriose habe?. Frau mit Bauchschmerzen: Endometriose verursacht oft jahrelang Beschwerden, ehe sie erkannt wird. (Quelle: Getty Images/nensuria)

Frau mit Bauchschmerzen: Endometriose verursacht oft jahrelang Beschwerden, ehe sie erkannt wird. (Quelle: nensuria/Getty Images)

Endometriose entwickelt sich schleichend und ist nicht einfach zu erkennen – selbst für Fachleute nicht. Hier erfahren Sie, auf welche Anzeichen Frauen achten sollten und welcher Arzt die Diagnose stellen kann.

Endometriose ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Frauen. Schätzungen zufolge sind in Deutschland 2 bis 10 von 100 Frauen davon betroffen. Bei ihnen wuchert Schleimhaut, welche normalerweise nur in der Gebärmutter wachsen sollte, in anderen Regionen des Körpers. Aus diesen sogenannten Endometrioseherden können sich Verwachsungen und Zysten bilden, etwa an den Eierstöcken.

Endometriose erkennen: Das sind die Anzeichen

Die Erkrankung verursacht häufig starke Symptome, vor allem Schmerzen im Unterleib. Meist beginnen diese etwa zwei Tage vor der Regelblutung und werden dann immer stärker. Fachleute sprechen daher von Crescendoschmerzen (ital. crescendo = lauter oder stärker werdend).

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Wenn die Blutung einsetzt, klingen sie häufig wieder ab. Bei einigen Frauen werden die Schmerzen chronisch. Vielen tut auch der Geschlechtsverkehr weh.

Ein weiteres typisches Endometriose-Symptom sind Zyklusstörungen wie zum Beispiel Blutungen zwischen den eigentlichen Monatsblutungen (Zwischenblutungen oder Schmierblutungen). Viele erkrankte Frauen haben zudem sehr starke oder lange andauernde Regelblutungen.

Es gibt allerdings auch Frauen, die zunächst nichts von ihrer Endometriose merken – und zwar über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Bei etwa 5 von 100 Frauen treten nämlich keinerlei Symptome auf.

Das kann selbst dann der Fall sein, wenn sich die Endometriose bereits stark ausgebreitet hat. Die Stärke der Beschwerden hängt also nicht vom Ausmaß der Endometrioseherde ab.  

Einige Frauen erfahren erst von ihrer Erkrankung, wenn sie versuchen, schwanger zu werden. Denn wenn die Endometriose die Eierstöcke oder die Eileiter in ihrer Funktion behindert, wirkt sie sich auf die Fruchtbarkeit aus. Viele Betroffene müssen daher eine Fruchtbarkeitsbehandlung in Anspruch nehmen, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.  

Endometriose in anderen Organen erkennen 

Endometriose kann sich auch in anderen Körperregionen entwickeln als den Fortpflanzungsorganen, beispielsweise im Darm oder in den Harnwegen. Mitunter erstreckt sie sich auf mehrere Organe.

Welche Symptome dann auftreten, hängt davon ab, welches Organ betroffen ist und wie stark die Wucherungen und Verwachsungen es in seiner Funktion beeinträchtigen. Sind der Darm oder die Blase betroffen, sind die Beschwerden nicht gleich als Anzeichen einer Endometriose zu erkennen.

Endometriose am Darm kann sich etwa durch Schmerzen und Probleme beim Stuhlgang sowie Blutungen aus dem After äußern. Die Betroffenen – und auch ihre Ärztinnen oder Ärzte – denken daher oftmals zunächst an eine Darmerkrankung oder ein Hämorrhoidalleiden.

Eine Endometriose der Blase kann zu Problemen beim Wasserlassen und Harnwegsinfekten führen, weil durch die Verwachsungen der Harn nicht richtig abfließen kann.

Manche Betroffenen haben sogar Blut im Urin. Die Beschwerden scheinen dann zunächst auf eine gewöhnliche Blasenentzündung hinzudeuten. Sie lassen sich aber durch eine Behandlung mit Antibiotika nicht langfristig in den Griff bekommen, sondern treten immer wieder auf – meist zyklusabhängig. 

Endometriose: Welcher Arzt hilft?

Endometriose fällt in das Fachgebiet der Gynäkologinnen und Gynäkologen, auf Deutsch: Frauenärztinnen und Frauenärzte. Allerdings ist die Erkrankung nicht immer leicht zu erkennen – selbst für Fachleute nicht.

Zudem gibt es noch immer Frauenärztinnen und Frauenärzte, die die Beschwerden als normale Regelschmerzen abtun, ohne weitere Untersuchungen durchzuführen.

Daher kann es sinnvoll sein, sich bei entsprechenden Beschwerden an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden, der auf Endometriose spezialisiert ist. Diese sind in zertifizierten Endometriosezentren anzutreffen. Welche Kliniken und Praxen in Deutschland dazu zählen, listet die Endometriose-Vereinigung auf ihrer Website auf.  

Ein Endometriosezentrum ist auch eine gute Anlaufstelle für eine ärztliche Zweitmeinung – etwa, wenn eine Frau das Gefühl hat, dass ihre Frauenärztin oder ihr Frauenarzt ihre Regelbeschwerden nicht ernstnimmt.

Zu welchem Arzt bei untypischen Endometriose-Beschwerden?

Manchmal führt eine Endometriose auch zu Symptomen, die scheinbar nichts mit den weiblichen Geschlechtsorganen zu tun haben, etwa zu Verdauungsbeschwerden oder Problemen beim Wasserlassen.

Die erkrankte Frau geht dann vielleicht erst einmal zur Hausärztin oder zum Hausarzt – was auch nicht falsch ist: Sofern die Ärztin oder der Arzt für Endometriose sensibilisiert ist, kann sie oder er die Betroffene an eine Frauenärztin oder einen Frauenarzt überweisen.

Jedoch haben Hausärztinnen und Hausärzte die Endometriose nicht immer "auf dem Schirm". Wenn eine Frau bei sich Anzeichen für eine Endometriose feststellt, kann es daher sinnvoll sein, die Ärztin oder ihren Arzt explizit darauf anzusprechen.

Die Ärztin oder der Arzt kann im Laufe des Gespräches und durch bestimmte Untersuchungen klären, welche Ursachen denkbar sind. Steckt tatsächlich eine Endometriose dahinter, lässt sich diese durch eine Bauchspiegelung feststellen. Wie diese Untersuchung abläuft, erfahren Sie im folgenden Kapitel.  

Endometriose: Schritte zur Diagnose

Die Ärztin oder der Arzt wird sich zunächst ein genaueres Bild von den Beschwerden machen und dann überlegen, welche Erkrankungen als Ursachen infrage kommen. Nach dem Gespräch folgt eine gynäkologische Untersuchung, bei der die Ärztin oder der Arzt die Organe im Becken abtastet. Dazu führt sie oder er einen oder zwei Finger in die Vagina ein und drückt mit der anderen Hand von außen vorsichtig auf den Unterbauch der Frau. So lassen sich zum Beispiel Knoten, schmerzhafte Stellen und Verhärtungen ertasten.

Ergänzend kann eine Untersuchung mit dem Spekulum folgen. Das ist ein medizinisches Instrument, welches dazu dient, die Scheidenwände aufzuspreizen. So kann die Ärztin oder der Arzt die Scheide und den unteren Teil des Gebärmutterhalses genauer betrachten und eventuell dort wachsende Endometrioseherde ausfindig machen.

Endometrioseherde können allerdings auch in anderen Bereichen des Bauchraums wachsen, die nur mithilfe von bildgebenden Verfahren zu sehen sind. Endometriosezysten an den Eierstöcken und größere Endometrioseherde an der Blase lassen sich beispielsweise mithilfe einer Ultraschalluntersuchung durch die Scheide feststellen.

Wuchert die Endometriose in tieferen Schichten der Gebärmutterwand, so ist das Organ häufig vergrößert – auch das ist auf mit dem Ultraschall möglicherweise zu erkennen.

Wenn auf den Ultraschallaufnahmen alles normal aussieht, ist das allerdings kein Nachweis, dass die Frau keine Endometriose hat. Vor allem kleinere Endometrioseherde und Verwachsungen werden mit dem Ultraschall häufig nicht entdeckt.

Um die Endometriose sicher feststellen beziehungsweise ausschließen zu können, ist daher eine Bauchspiegelung nötig. Da es sich dabei um einen (kleinen) operativen Eingriff handelt, wird die Ärztin oder der Arzt ihn nur in die Wege leiten, wenn die Symptome auf eine Endometriose hindeuten und sich keine anderen Ursachen finden lassen.

Um den Verdacht zu erhärten, kann die Ärztin oder der Arzt vor der Bauchspiegelung auch erst einmal einen Therapieversuch unternehmen: Die Patientin bekommt für drei Monate hormonelle Verhütungsmittel verschrieben – quasi als Test.

Die Hormone unterdrücken den natürlichen Menstruationszyklus und damit auch den monatlichen Aufbau und das Bluten der Endometrioseherde. Bessern sich die Beschwerden dadurch, ist das ein weiterer Hinweis auf eine Endometriose.

Gewissheit bietet jedoch letztlich erst die Bauchspiegelung. Dabei untersucht die Chirurgin oder der Chirurg die Bauchorgane mithilfe einer Kamera und Operationsinstrumenten, die durch drei kleine Löcher in den Bauchraum eingeführt werden. Die Patientin bekommt dafür eine Vollnarkose. Mehr zum Ablauf dieses Eingriffes erfahren Sie im Artikel "Schmerzen im Unterleib: Diese häufige Krankheit kann hinter Regelbeschwerden stecken".

Bei Verdacht auf eine Endometriose des Darms oder der Blase ist normalerweise auch eine Darm- beziehungsweise Blasenspiegelung nötig.

Endometriose: Was sagen die Blutwerte aus?

Eine Endometriose lässt sich nicht durch einen Bluttest feststellen. Die Blutwerte der Betroffenen sind oftmals normal. Eine Blutuntersuchung eignet sich somit nicht zur Diagnose dieser Erkrankung. Wenn die Ärztin oder der Arzt der Patientin Blut abnimmt, dann normalerweise nur, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Oder im Falle eines Kinderwunsches. Wenn die Endometriose die Eierstöcke in ihrer Funktion beeinträchtigt, steht sie einer Schwangerschaft im Wege. Um schwanger zu werden, muss die Betroffene dann unter Umständen eine künstliche Befruchtung vornehmen lassen. Vorab ist eine Blutuntersuchung nötig, bei der das Anti-Müller-Hormon (der AMH-Wert) gemessen wird.

Dieser Wert gibt Auskunft darüber, wie viele Eizellen im Eierstock der Frau zur Befruchtung zur Verfügung stehen. Das ist wichtig für die sogenannte Stimulationstherapie: Die Frau bekommt Hormone verabreicht, die die Reifung befruchtungsfähiger Eizellen im Eierstock anregen.

Die Eierstöcke dürfen dabei aber nicht zu stark zu stimuliert werden, weil sonst (unter Umständen schwere) Nebenwirkungen drohen. Der AMH-Wert hilft dabei, die richtige Dosierung festzulegen.

Verwendete Quellen:
  • Online-Informationen von Deximed: www.deximed.de (Abrufdatum: 24.9.2021)Online-Informationen von Amboss: www.amboss.com (Abrufdatum: 24.9.2021)
  • Online-Informationen des Pschyrembels: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 24.9.2021)
  • Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 24.9.2021)
  • Online-Informationen der Endometriose-Vereinigung Deutschland e. V.: www.endometriose-vereinigung.de (Abrufdatum: 24.9.2021)
  • Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.frauengesundheitsportal.de (Abrufdatum: 24.9.2021)
  • Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.familienplanung.de (Abrufdatum: 24.9.2021)
  • Arbeitsgruppe "Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose" der Deutschen, Österreichischen, Schweizerischen und Tschechischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe unter Mitarbeit der Stiftung Endometrioseforschung und der Europäischen Endometriose Liga: Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/045 (Stand: September 2020) 
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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