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Neurodermitis: Expertin gibt Tipps – das hilft gegen lästiges Jucken

INTERVIEWExpertin gibt Tipps  

Neurodermitis: Das hilft gegen das lästige Jucken

Ann-Kathrin Landzettel

11.05.2021, 09:12 Uhr
Neurodermitis: Expertin gibt Tipps – das hilft gegen lästiges Jucken. Eine Frau kratzt sich am Unterarm: Juckreiz gehört zu den lästigen Symptomen einer Neurodermitis. (Quelle: Getty Images/Cavan Images)

Juckreiz gehört zu den lästigen Symptomen einer Neurodermitis. (Quelle: Cavan Images/Getty Images)

Die Hautstellen sind blutig und trotzdem kratzen die Betroffenen weiter: Für Neurodermitis-Patienten ist das quälende Hautjucken eine große Belastung. Kernelement der Neurodermitis-Therapie ist daher die Bekämpfung des Juckreizes.

Neurodermitis ist eine chronische Hautkrankheit, die in Schüben auftritt. Diese werden von quälenden Juckattacken begleitet. Was dagegen wirklich hilft und bei welchen Hausmitteln Vorsicht geboten ist, erklärt die Diplom-Oecotrophologin und Neurodermitis-Trainerin Julia Kahle im Gespräch mit t-online.

t-online: Warum leiden Neurodermitis-Betroffene unter quälendem Juckreiz?

Julia Kahle: Bei der chronischen Hautkrankheit Neurodermitis kommen verschiedene Faktoren zusammen, die das Hautjucken verursachen. Zum einen ist die Haut aufgrund der gestörten Hautbarriere sehr trocken. Zum anderen treten begleitend oft Hautentzündungen auf. Außerdem können durch das Kratzen zusätzliche Verletzungen der Haut entstehen, die eine bakterielle Infektion der Haut begünstigen können. Zudem verstärkt Kratzen den Juckreiz.

Welche Hautstellen sind besonders häufig betroffen?

 (Quelle: privat) (Quelle: privat)Julia Kahle ist Diplom-Oecotrophologin und Neurodermitistrainerin des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e. V. (DAAB). In ihren regelmäßigen Trainings und Beratungen gibt sie Betroffenen Hilfe im Umgang mit der Hautkrankheit.

Die für eine Neurodermitis typischen Hautrötungen, trockene Hautstellen, Entzündungen, Schuppungen und Ekzeme treten bei Babys meist im Gesicht und im Nacken auf. Bei Kleinkindern sind vor allem Handgelenke, Ellbogen und Kniebeugen betroffen. Jugendliche und Erwachsene zeigen die Hautveränderungen besonders im Gesicht, im Nacken und Hals, im Brust- und Schulterbereich sowie an den Gelenkbeugen und Händen.

Welche Therapie hilft gegen den Neurodermitis-Juckreiz?

Die Neurodermitis-Behandlung ist bei Erwachsenen und Kindern gleich. Einzig die Lichttherapie wird bei Kindern wegen der UV-Strahlenbelastung nicht eingesetzt. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf einer guten Basistherapie. Die Haut braucht eine entsprechende Pflege, welche die fehlenden Fett- und Feuchthaltefaktoren in der Haut ausgleicht, sodass diese wieder geschmeidig wird. So lassen sich Schübe hinauszögern und abschwächen. Falls die Ekzeme doch einmal stärker werden, kommen Cremes mit antientzündlichen Wirkstoffen ins Spiel. In schweren Fällen kann bei Jugendlichen und Erwachsenen ein Biologikum gespritzt werden. Auch ein Immunsuppressivum steht für die Behandlung Schwerstbetroffener zur Verfügung und seit Ende letzten Jahres erstmals auch ein sogenannter Janus-Kinase-Inhibitor.

Welche Hautpflege lindert bei Neurodermitis den Juckreiz?

Es kommt vor allem auf das richtige Verhältnis von Fett und Feuchtigkeit in den Pflegeprodukten an. Hier müssen Betroffene oft eine ganze Weile experimentieren, bis sie die passende Pflege gefunden haben. Am besten geht das in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Haut- oder Kinderarzt. Oft benötigen verschiedene Körperstellen zudem verschiedene Präparate. Auch kann sich der Hautzustand mit den Jahreszeiten ändern. Dann ist eine angepasste Hautpflege notwendig. Der Kampf gegen den Juckreiz ist oft eine echte Herausforderung. Hinzu kommt, dass die Pflege zeitintensiv ist: Mindestens ein- bis zweimal täglich sollten Neurodermitis-Betroffene cremen. Das nervt bereits viele Erwachsene. Bei Kindern ist das Cremen ein noch größerer Aufwand. Gerade Kleinkinder haben oft nicht die Geduld. Zweimal in der Woche sollte zudem ein Ölbad genommen werden.

Welche Anti-Juckreiz-Wirkstoffe ergänzen die Pflege mit Feuchtigkeit und Fett?

Gegen Juckreiz und Hautentzündungen hilft beispielsweise Zink. Ebenfalls juckreizstillend wirkt der Wirkstoff Polidocanol. Urea (Harnsäure) und Glycerin unterstützen das Feuchthaltevermögen der Haut. Für entzündete Haut und die Kinderhaut ist Urea allerdings nicht geeignet, da es unangenehm brennen kann. Bei starken Entzündungsschüben kann lokal aufgetragenes Kortison gegen die Hautreaktionen und den Juckreiz helfen.

Was halten Sie von Hausmitteln gegen Neurodermitis, die auf verschiedenen Internetplattformen empfohlen werden, etwa Kokosöl oder Apfelessig?

Bloß Finger weg von solchen vermeintlichen Neurodermitis-Hausmitteln. Diese schaden mehr als sie nutzen. Apfelessig brennt extrem auf gereizter und entzündeter Haut und bietet überhaupt keinen Nutzen. Kokosöl und reine Öle im Allgemeinen ziehen kaum in die Haut ein. Unter der Fettschicht kann sich leicht ein Wärmestau bilden, der den Juckreiz deutlich verstärkt. Quark mag auf den ersten Blick zwar angenehm kühlend wirken, aber er muss wieder von der Haut gewaschen werden. Mit ihm gehen auch hauteigene Fette im Abfluss verloren. Quarkwickel und -umschläge bei Kindern bergen zudem das Risiko, eine Kuhmilchallergie auszulösen. Generell ist von Selbstexperimenten bei Neurodermitiker-Haut eher abzuraten. Das Hautbild kann sich dadurch deutlich verschlechtern.

Was können Neurodermitis-Patienten noch für ein besseres Hautbild tun?

Wichtig bei einer Neurodermitis ist immer, zu schauen, ob eine Allergie besteht, beispielsweise eine Pollenallergie oder eine Hausstaubmilbenallergie, und das Krankheitsbild mitbestimmt. Dann gilt es, die Allergieauslöser möglichst zu vermeiden. Eine Hyposensibilisierung, bei der der Körper langsam an die Allergene gewöhnt wird, ist ein wichtiger Bestandteil der Allergie-Therapie. Sie kann ab einem Alter von circa sechs Jahren durchgeführt werden. Auch andere bekannte Triggerfaktoren sollten reduziert werden. Das können bestimmte Nahrungsmittel oder Substanzen aus der Umwelt, in Kosmetika oder Waschmitteln sein. Auch ein gutes Stressmanagement sowie ein gesunder Lebensstil sind von Bedeutung. Auf Rauchen und Alkohol sollte ebenfalls verzichtet werden.

Frau Kahle, vielen Dank für das Gespräch!

Verwendete Quellen:

 

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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