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Warum die Corona-Impfungen nichts mit den Todeszahlen zu tun haben


Warum die Impfungen nichts mit den Todeszahlen zu tun haben

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 13.12.2022Lesedauer: 4 Min.
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Impfzentrum in Berlin: Die AfD suggeriert einen Zusammenhang zwischen den Corona-Impfungen und der derzeit erhöhten Sterberate.
Impfzentrum in Berlin: Die AfD suggeriert einen Zusammenhang zwischen den Corona-Impfungen und der derzeit erhöhten Sterberate. (Quelle: TOBIAS SCHWARZ)
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AfD-Mitglieder behaupten, es bestehe ein Zusammenhang zwischen den Corona-Impfungen und den zuletzt hohen Todeszahlen. Ein Experte erklärt die Denkfehler.

Am Montag trat der gesundheitspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Martin Sichert, vor die Presse und präsentierte eine Auswertung von Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Demnach gab es ab dem ersten Quartal 2021 deutlich mehr Sterbefälle mit den Todesursachen "Plötzlich eingetretener Tod" und "Sonstige ungenau oder nicht näher bezeichnete Todesursachen" und "Todeseintritt innerhalb von weniger als 24 Stunden nach Beginn der Symptome, ohne anderweitige Angabe".

Sichert leitete daraus die Forderung ab, die Corona-Impfungen auszusetzen, bis ausgeschlossen werden könne, dass die Zunahme darauf zurückzuführen sei. Er forderte zudem eine Auswertung der Zahlen durch das Paul-Ehrlich- und das Robert Koch-Institut.

"Keine Kausalzusammenhänge"

Die KBV reagierte umgehend und teilte mit, auf Basis der an die AfD übermittelten Daten ließen sich keine Kausalzusammenhänge zwischen Covid-19-Schutzimpfungen und Todesfällen herstellen. "Aus Sicht der KBV handelt es sich bei der dargestellten Zunahme der Todesfälle in den Quartalen I-IV 2021 und Quartal I 2022 größtenteils um eine pandemiebedingte Übersterblichkeit." Dies hebe nochmals die Bedeutung der Impfung als wirksame Maßnahme zur Verhinderung von schweren Verlaufsformen bis hin zu Todesfällen hervor. "Ohne die Impfung wäre die Übersterblichkeit wahrscheinlich weit höher gewesen."

Einen Tag später trendete bei Twitter der Hashtag "ploetzlichundunerwartet". Corona-Leugner und Verschwörungsgläubige orakelten über einen Zusammenhang zwischen Impfung und erhöhter Sterberate.

Doch Experten halten die Rückschlüsse für nicht plausibel. Bei t-online erklärt der Mathematiker Kristan Schneider die Denkfehler dahinter.

Herr Schneider, übersetzt gesprochen sagt die AfD: Die Impfungen könnten tödlich sein – und bedient damit ein Schwurbler-Narrativ von den bösen mRNA-Impfstoffen. Was halten Sie davon?

Kristan Schneider: Das ist natürlich Unsinn und letztlich dem Populismus der Partei geschuldet, die sich anscheinend nicht scheut, auch in der Szene der Corona-Leugner ihre Wähler zu suchen.

Beim Blick auf die Zahlen zeigt sich allerdings: Ab dem 1. Quartal 2021 ist ein deutlicher Anstieg der Sterberate zu sehen. Die Biontech-Impfung wurde im Dezember 2020 zugelassen. Daraus soll offenbar der Zusammenhang konstruiert werden.

Richtig, die Impfungen wurden Ende Dezember 2020 zugelassen und kamen dann nach Weihnachten bei uns an. Doch die Vakzine waren sehr rar am Anfang und so auch die Impftermine. Das galt bis weit hinein ins Jahr 2021. Der statistische Effekt kann sich also gar nicht abbilden, selbst wenn die Impfungen sehr schnell tödlich wirken würden.

Wo es kaum Impftermine und wenig Impfstoff gab, kann die Impfung ja kaum der Grund für den Anstieg der Todeszahlen sein. Und im 1. Quartal 2021 war die Übersterblichkeit vor allem im Januar hoch, als wenige geimpft waren. Im Februar und März, als die Impfkampagne Fahrt aufnahm, war die Sterblichkeit geringer als in den Jahren vor der Pandemie, das wurde natürlich verschwiegen.

Kristan Schneider
Kristan Schneider (Quelle: Helmut Hammer)

Kristan Schneider ist Mathematikprofessor an der Hochschule Mittweida, Sachsen. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Modellierung epidemiologischer Prozesse.

Die KBV führt den Anstieg auf die Pandemie zurück ...

Und das ist auch plausibel. In der zweiten Welle 2020 gab es zunächst einen Lockdown light, danach einen harten Weihnachtslockdown ab etwa Mitte Dezember. Man hat also gesehen, dass man nachschärfen musste. Menschen, die schwer an Corona erkranken, liegen einige Wochen im Krankenhaus, bis sie versterben. Das drücken die Zahlen aus. Die Übersterblichkeit 2021 war während der Corona-Wellen besonders hoch!

Und bis heute wissen wir nicht wirklich, wer überhaupt geimpft oder ungeimpft im Krankenhaus liegt.

Dieses Datenleck haben wir leider bis heute, ja.

Die Übersterblichkeit hält allerdings auch bis heute an, obwohl wir relativ hohe Impfquoten haben und einige bereits zum vierten Mal geimpft sind.

Eine hohe Wirksamkeit der Impfstoffe heißt eben auch nicht, dass sie zu 100 Prozent schützen. Das kann kein Wirkstoff leisten. Daher werden immer wieder Menschen nach einer Corona-Infektion sterben. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass Menschen, die schwere Covid- Infektionen durchmachen mussten, oft für ihr Leben gezeichnet sind und monatelange Nachbehandlungen über sich ergehen lassen müssen. Versterben diese Menschen, taucht das nicht als Corona-Todesfall in der Statistik auf. Es ist somit falsch, nur auf die akut an Covid-Verstorbenen zu schauen; wir müssen auch die Folgeschäden im Blick behalten.

Die Übersterblichkeit hat aber nicht nur mit Corona-Toten zu tun, richtig?

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Nicht nur, jedoch hat diese Notlage einen erheblichen Anteil daran. Wir sehen hier sicher auch die Effekte verschobener Operationen – zum Beispiel weil die Intensivstationen voll waren. Oder auch nicht gemeldete Notfälle wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle, die oft aus Angst, sich in der Klinik zu infizieren, nicht gemeldet wurden. Letztlich wird es eine Auswertung der Todesursachen geben. Aber ich bezweifle, dass diese Statistik so eindeutig sein wird, dass sie von den Corona-Schwurblern nicht doch wieder fehlinterpretiert werden kann.

Wie beweist man denn solchen Menschen, dass der Impfstoff nicht tödlich ist?

Wäre er das, wäre das in den Tausenden von Studien, die weltweit zu den Vakzinen erschienen sind, aufgefallen. Warum sollte ein Unternehmen einen so gefährlichen Impfstoff entwickeln, der dann auch noch milliardenfach verimpft wurde? Man muss schon sehr abstrusen Erzählungen anhängen, um das zu glauben.

Herr Schneider, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Interview mit Kristan Schneider
  • Nachrichtenagentur dpa
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