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Diabetes Typ 1 behandeln: Diese Möglichkeiten gibt es


Diabetes Typ-1: Alternativen zum Insulin-Pen


Aktualisiert am 06.06.2023Lesedauer: 4 Min.
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Frau mit Insulinpumpe sitzt am Tisch: Eine Insulinpumpe ermöglicht eine flexible Insulin-Versorgung. Betroffene können so, ohne zu spritzen, ihren Blutzuckerspiegel senken.Vergrößern des Bildes
Eine Insulinpumpe ermöglicht eine flexible Insulin-Versorgung. Betroffene können so, ohne zu spritzen, ihren Blutzuckerspiegel senken. (Quelle: dzika_mrowka/getty-images-bilder)

Bei Diabetes Typ 1 handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, die durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems verursacht wird.

Das Abwehrsystem greift bei diesem Diabetes-Typ fälschlicherweise die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an. Da der Körper ohne Insulin nicht leben kann, wird ihm dieses von außen verabreicht. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Typ-1-Diabetiker müssen zur Kontrolle ihres Blutzuckerspiegels mehrmals täglich von außen Insulin zuführen. Ein Großteil der Patienten nutzt hierzu einen Insulin-Pen, ein kleines Gerät, das einem Kugelschreiber ähnelt. Welche Alternativen es gibt, um den Körper mit Insulin zu versorgen und wie in Zukunft Typ-1-Diabetes behandelt werden könnte.

Herausforderung Typ-1-Diabetes

Diabetes Typ-1 verlangt den Betroffenen viel ab: Sie sind ihr ganzes Leben abhängig von der Insulinzufuhr von außen. Und nicht nur das: Der gesamte Alltag dreht sich um die Blutzuckerkontrolle, die Insulintherapie und die Berechnung der Kohlenhydrate im Essen. Es geht viel Spontaneität verloren. Ein Ausflug ohne Planung und Messgeräte im Gepäck? Unvorstellbar. Spontan durch ein Büffet schlemmen? Nicht möglich. Ohne Planung Sport treiben? Fehlanzeige.

Und auch für die Eltern betroffener Kinder ist Diabetes Typ-1 eine echte Herausforderung: Die Kleinen müssen lernen, mit der Stoffwechselkrankheit umzugehen. Und: Trotz guter Blutzuckereinstellungen sind gesundheitliche Langzeitschäden häufig nicht zu vermeiden. "Kinder bei denen ein Typ-1-Diabetes im Alter von 0 bis 10 Jahren auftritt, haben eine um bis zu sechzehn Jahre kürzere Lebenserwartung als Menschen ohne Diabetes", sagt Dr. Martin Scherm, Wissenschaftler am Institut für Diabetesforschung (IDF) des Helmholtz Zentrums München. Heilbar ist Diabetes Typ-1 bislang nicht. Ein Ziel der Forschungen ist es daher, das Leben von Betroffenen zunehmend zu erleichtern und das Risiko für gesundheitliche Folgeschäden zu senken.

Insulingabe ist Standardtherapie bei Diabetes Typ-1

Betroffene mit Typ-1-Diabetes müssen jeden Tag Insulin spritzen. Insulin als Medikament ist die vorrangige Behandlungsmöglichkeit bei Diabetes Typ-1. Die meisten Diabetes-Patienten nutzen für die Insulingabe sogenannte Insulinpens, welche die klassischen Insulinspritzen weitgehend abgelöst haben. Insulinpens erinnern optisch an einen Kugelschreiber. Da die Kanülen der Injektionshilfe sehr kurz und dünn sind, ist das Spritzen nahezu schmerzfrei. Die Handhabung ist für Geübte Routine. Nachteil ist jedoch: Die Betroffenen müssen sowohl ihren Blutzucker mit einem Pieks messen als auch das Insulin über eine Nadel in die Haut geben.

Insulinpumpen: Eigenhändiges Spritzen entfällt

Eine Weiterentwicklung zum Pen sind Insulinpumpen. Sie ermöglichen eine flexiblere Insulinversorgung, da das eigenhändige Spritzen entfällt. „Die Insulinpumpe ist über einen dünnen Schlauch, an dessen Ende eine dünne Nadel angebracht ist, verbunden. Die Kanüle wird am Bauch unter die Haut gelegt und verbleibt dort“ erklärt Scherm. So kann die Pumpe Insulin in das Unterhautfettgewebe abgeben. Die Insulinpumpe selbst ist recht klein und kann am Hosenbund befestigt werden. Aber: Die Betroffenen müssen nach wie vor ihren Blutzucker messen – und bei Bedarf mehr Insulin – sogenannte Bolusgaben – über die Pumpe abrufen.

Patch-Pumpen: Insulinpumpen ohne Schlauch

Für viele einfacher zu handhaben sind sogenannte Patch-Pumpen, die ohne Schlauch auskommen. So wird ein Hängenbleiben oder Abknicken verhindert. Die Patch-Pumpe wird auf die Haut aufgeklebt und über eine Fernbedienung gesteuert. Ist der Insulinvorrat leer, muss die Pumpe ausgetauscht werden – spätestens aber nach drei Tagen.

(Quelle: Privat)


Dr. rer. nat. Martin Scherm ist Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe Immuntoleranz am Institut für Diabetesforschung (IDF) des Helmholtz Zentrums München. Das IDF befasst sich schwerpunktmäßig mit der Entstehung und Prävention von Typ-1-Diabetes. Das IDF arbeitet daran, die Erkrankung zu verzögern oder sogar zu verhindern.

Insulinpumpen mit Glukosesensor

Blutzuckermessungen über den Finger können Diabetes-Betroffene reduzieren, die Insulinpumpen mit integriertem Glukosesensor nutzen. So wissen sie um ihre Blutzuckerwerte und können entsprechend Insulin über die Pumpe freigeben. Noch einen Schritt weiter gehen Hybrid-Closed-Loop-Systeme, auch künstliche Bauchspeicheldrüse genannt. Der Sensor sendet die gemessenen Blutzuckerwerte an die Insulinpumpe, die dann die Insulinabgabe selbständig steigert, drosselt oder unterbricht. "Dadurch kann gefährlichem Über- oder Unterzucker entgegengewirkt werden, was den Betroffenen ein Plus an Sicherheit bietet", sagt Scherm. "Auch sind viele Insulinpumpen mit einer Warnfunktion ausgestattet, die einen drohenden Über- oder Unterzucker anzeigt."

Damit das System stabil läuft, müssen die Betroffenen allerdings unter anderem die gegessenen Kohlenhydratmengen, ihr Bewegungsverhalten und geplante Aktivitäten in das System einspeisen und regelmäßig den Blutzucker am Finger messen und mit den Sensor-Werten abgleichen. Deshalb ist von Hybrid-Closed-Loop die Rede, da das System nicht ohne manuelle Eingriffe auskommt.

Künstliche Bauchspeicheldrüse: Insulinpumpen sollen selbständiger werden

Recht neu in der Entwicklung sind künstliche Bauchspeicheldrüsen, die mit einem sogenannten Closed-Loop-System ("geschlossener Kreis") arbeiten. Glukosesensor und Insulinpumpe sollen vollautomatisch den Grundbedarf an Insulin ermitteln und entsprechend Insulin abgeben. Insulinpumpe und Glukosesensor sind hierfür drahtlos über eine Software verbunden und können über diese auch gesteuert werden. Auch hier muss dem System die Menge an Kohlenhydraten mitgeteilt werden. Seit 2019 ist die in Amerika entwickelte künstliche Bauchspeicheldrüse "MiniMed" in das Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen aufgenommen und kann zur Diabetes-Behandlung eingesetzt werden.

Wohin geht die Forschung in der Zukunft?

Auch wenn der Fokus der Wissenschaft bisher auf der Insulingabe liegt, gibt es Forschungen, die sich mit anderen Therapieansätzen beschäftigen, etwa im Bereich der Zelltherapie mit der Entwicklung sogenannter implantierbarer Ersatz-Insulinzellen. "Ebenfalls interessant für die Forscher ist der Blick auf die Weiterentwicklung künstlicher Insuline", sagt Scherm. "So gibt es Forschungen zu sogenanntem "intelligenten Insulin", auch Smart Insulin genannt, das bei niedrigen Blutzuckerwerten inaktiv ist – und so gefährliche Unterzuckerungen verhindert. Im Bereich der Diabetesforschung können wir in den kommenden Jahren sicher einige Neuerungen erwarten."

Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Verwendete Quellen
  • Was ist Typ-1-Diabetes? Online-Information des Instituts für Diabetesforschung (IDF) am Helmholtz-Zentrum München. (Stand: Aufgerufen am 12. Januar 2022)
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