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Bandscheibenvorfall erkennen: Symptome, Diagnose und Therapie

Nicht nur Schmerzen im Rücken  

Daran erkennen Sie einen Bandscheibenvorfall

03.07.2020, 15:46 Uhr | fsch, t-online, mwe

Bandscheibenvorfall erkennen: Symptome, Diagnose und Therapie. Schmerz im Rücken: Ein Bandscheibenvorfall verursacht meist starke Schmerzen in der Lendenwirbelsäule. (Quelle: imago images/Emil Umdorf)

Schmerz im Rücken: Ein Bandscheibenvorfall verursacht meist starke Schmerzen in der Lendenwirbelsäule. (Quelle: Emil Umdorf/imago images)

Ein Bandscheibenvorfall ist sehr schmerzhaft. Am häufigsten trifft er die Lendenwirbelsäule, aber auch die Hals- oder Brustwirbelsäule können betroffen sein. Diese Symptome sollten Sie ernst nehmen.

Die menschliche Wirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln (HWS), zwölf Brustwirbeln (BWS) und fünf Lendenwirbeln (LWS). Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern befinden sich die Bandscheiben, die als Art "Stoßdämpfer" dienen und für die Beweglichkeit und Stabilität der Wirbelsäule sorgen.

Die Bandscheiben bestehen aus einem äußeren Faserring und einem inneren, gallertartigen Kern. Durch Verschleiß oder eine Verletzung reißt bei einem Bandscheibenvorfall der Faserring und ein Teil der Masse – Sequester genannt – tritt aus dem Gallertkern aus. Im Volksmund heißt es dann, die Bandscheibe drückt auf die Nerven. Dies ist aus medizinischer Sicht nicht ganz korrekt.

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Die Gallertmasse greift die umliegenden Spiralnerven an, wodurch sich die Nervenwurzeln entzünden. Dadurch entsteht der starke Schmerz entlang der Nervenbahnen, den wir als Bandscheibenvorfall – in der Fachsprache auch als Bandscheibenprolaps oder Diskusprolaps bezeichnet – kennen.

Bandscheibenvorfall: Symptome im Überblick 

Typische Anzeichen für die Erkrankung sind starke Rückenschmerzen, die teilweise auch mit Lähmungen und Sensibilitätsstörungen (Taubheitsgefühle, Kribbeln) in Armen und Beinen einhergehen und meist schlagartig bei Belastung auftreten.

In seltenen Fällen kann es auch zu Störungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang kommen. Dann muss innerhalb von sechs Stunden operiert werden. Auch bei erheblichen Lähmungserscheinungen in den Beinen, die mit einem erhöhten Sturzrisiko einhergehen, ist eine Operation ratsam.

Die Symptome für einen Bandscheibenvorfall richten sich stark nach der betroffenen Region. Am häufigsten, bei rund 90 Prozent aller Fälle, treten Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) auf. Mit weitem Abstand folgen Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule (HWS). Ganz selten, bei etwa zwei Prozent aller Fälle, sind es Vorfälle im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS).

Wichtig: Ein Bandscheibenvorfall kann, muss aber nicht zwangsläufig mit Symptomen einhergehen. Ein leichter Bandscheibenvorfall, bei dem der Gallertkern nicht auf einen Nerv oder das Rückenmark trifft, bleibt oft unbemerkt. 

Symptome beim Bandscheibenvorfall der HWS

Ist die Halswirbelsäule betroffen, treten die Schmerzen zumeist in den Regionen zwischen dem 5. und 6. oder dem 6. und 7. Halswirbel auf. Neben Nackenschmerzen ist ein in den Arm ausstrahlender Schmerz ein typisches Symptom bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (HWS). Weitere Symptome sind Empfindungsstörungen in beiden Armen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Hand und Fingern.

In schweren Fällen kann es sogar zu Muskelschwächen und Lähmungserscheinungen kommen. Sind nicht nur die Spiralnerven entzündet, sondern ist auch das Rückenmark betroffen, kann als Komplikation ein vorübergehendes Querschnittssyndrom – ein teilweiser Funktionsausfall – auftreten.

Darstellung der Halswirbelsäule: Sie ist der beweglichste Teil der Wirbelsäule. (Quelle: Getty Images/magicmine)Darstellung der Halswirbelsäule: Sie ist der beweglichste Teil der Wirbelsäule. (Quelle: magicmine/Getty Images)

Symptome im Überblick

  • Nackenschmerzen
  • verhärtete Muskulatur im Bereich der Halswirbelsäule
  • Schmerzen strahlen in Arme und Hände aus
  • Lähmungserscheinungen in Armen und Händen
  • Kribbeln und Taubheitsgefühle in Armen und Händen

Symptome beim Bandscheibenvorfall der BWS

Am seltensten sind Vorfälle im Bereich der Brustwirbelsäule. Das ist damit zu erklären, dass die Wirbelsäule im Brustbereich nur gering beweglich ist. Zu den Symptomen bei einem Bandscheibenvorfall der BWS zählen Schmerzen, die hauptsächlich auf den betroffenen Wirbelabschnitt begrenzt sind.

Darstellung der Brustwirbelsäule: Sie stabilisiert den Rumpf und schützt mit den Rippen innere Organe. (Quelle: Getty Images/magicmine)Darstellung der Brustwirbelsäule: Sie stabilisiert den Rumpf und schützt mit den Rippen innere Organe. (Quelle: magicmine/Getty Images)

Symptome beim Bandscheibenvorfall der LWS

Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule wird auch als lumbaler Bandscheibenvorfall bezeichnet. Betroffen sind entweder die Regionen zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel oder zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem ersten Steißbeinwirbel.

Das typische Symptom eines Vorfalls im Bereich der LWS ist ein scharfer und stechender Schmerz, der im unteren Rücken auftritt. In schwereren Fällen strahlt dieser Schmerz über den Oberschenkel bis in die Kniegelenke und Füße aus.

Darstellung der Lendenwirbelsäule: Sie trägt das gesamte Gewicht des Rumpfes. (Quelle: Getty Images/magicmine)Darstellung der Lendenwirbelsäule: Sie trägt das gesamte Gewicht des Rumpfes. (Quelle: magicmine/Getty Images)

Symptome im Überblick

  • Schmerzen im unteren Rücken, vor allem bei Belastung
  • verhärtete Muskulatur im Bereich der Lendenwirbelsäule
  • Schmerzen strahlen in Beine, Füße oder Gesäß aus
  • Lähmungserscheinungen in den Beinen
  • Kribbeln und Taubheitsgefühle in Beinen und Füßen
  • Störungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang

Rückenschmerzen: Wann zum Arzt?

Rückenschmerzen sind zwar typisch für einen Bandscheibenprolaps, müssen aber nicht gleich Vorboten sein. Vielmehr sind sie meist die Folge eines eingeklemmten Nervs oder von Muskelverspannungen aufgrund von Fehlhaltungen oder Überbelastung. Diese Schmerzen verschwinden normalerweise nach zwei bis drei Tagen von allein. Sollte der Schmerz allerdings andauern oder sich verschlimmern, ist es ratsam einen Arzt aufsuchen, um eventuelle Schädigungen an der Wirbelsäule frühzeitig zu erkennen und behandeln zu lassen.

Bandscheibenvorfall: Ursachen und Risikofaktoren

Bandscheibenschäden gehören zu den häufigsten Ursachen quälender Rückenschmerzen. Erste Beschwerden treten in der Regel ab dem 30. Lebensjahr auf. Mit dem Alter nimmt die Elastizität der Bandscheiben ab, da Gallertkern und Faserring verschleißen. Bei übermäßiger Belastung der Wirbelsäule kann dann der Gallertkern verrutschen und den Faserring durchbrechen.

Das Risiko für einen Bandscheibenvorfall ist zwar bei älteren Menschen höher, es gibt aber auch Faktoren, die einen Bandscheibenvorfall bei Jüngeren begünstigen können:

  • mangelnde Bewegung
  • mangelnde Rücken- und Bauchmuskulatur
  • Übergewicht
  • Haltungsfehler
  • schwere körperliche Arbeit
  • schweres oder falsches Heben

Behandlung: Wann ist eine Operation notwendig?

In den meisten Fällen wird ein Bandscheibenvorfall zunächst konservativ behandelt, das heißt, dass Maßnahmen ergriffen werden, die die Beschwerden lindern sollen. Dazu zählen neben Ruhe und Entlastung auch Wärmeanwendungen, Schmerzmittel oder Medikamente zur Muskelentspannung. Darüber hinaus hilft eine Physiotherapie dabei, die Rückenmuskulatur zu stärken und so die Wirbelsäule zu entlasten.

Lassen die Schmerzen auch nach mehrwöchiger konservativer Therapie nicht nach, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Wurden durch den Bandscheibenvorfall Nerven beschädigt, ist eine Operation ebenfalls notwendig. Vor allem, wenn Nerven betroffen sind, die die Funktion von Darm oder Blase beeinträchtigen, sollte schnellstmöglich operiert werden.

Bei der Operation, auch Diskektomie genannt, wird Bandscheibengewebe entfernt, um die betroffenen Nerven zu entlasten. Folgende Verfahren stehen dabei zur Verfügung:

  • Offene Operation: Die so genannte mikrochirurgische Diskektomie beziehungsweise Mikrodiskektomie kommt vor allem bei komplizierten Bandscheibenvorfällen zum Einsatz. Die Entfernung des Bandscheibengewebes erfolgt über einen Hautschnitt am Rücken und unter Vollnarkose.
  • Minimalinvasives Verfahren: Beim endoskopischen Verfahren, auch Schlüssellochchirurgie genannt, wird ein Endoskop durch einen kleinen Einstich bis zur Bandscheibe vorgeschoben. Die Operation erfordert lediglich eine örtliche Betäubung und ist mit deutlich weniger Risiken verbunden als die offene OP.
  • Perkutane Nukleotomie: Um die Bandscheibe zu verkleinern und den Druck auf den Nerv zu verringern, wird der Gallertkern abgesaugt. Das Verfahren eignet sich vor allem für unkomplizierte Bandscheibenvorfälle.
  • Chemonukleolyse: Hierbei wird ein Enzym zwischen die Wirbelkörper gespritzt, durch welches sich der Gallertkern verflüssigt und daraufhin über eine Kanüle abgesaugt werden kann.
  • Laserverfahren: Bei diesem Verfahren wird der Gallertkern mittels Laserstrahlen verdampft. Der Eingriff findet unter lokaler Betäubung statt und eignet sich vor allem für unkomplizierte Bandscheibenvorfälle.

So können Sie einem Bandscheibenvorfall vorbeugen

Mit folgenden Maßnahmen können Sie sich und Ihren Rücken vor einem Bandscheibenvorfall schützen:

  1. Trainieren Sie sowohl Ihre Rücken- als auch Bauchmuskulatur, um die Wirbelsäule zu entlasten. Geeignete Sportarten sind zum Beispiel Yoga, Nordic Walking oder Schwimmen.
  2. Reduzieren Sie Übergewicht.
  3. Sorgen Sie im Büro für eine aufrechte Sitzhaltung und stehen Sie regelmäßig auf.
  4. Achten Sie beim Heben schwerer Lasten darauf, den Rücken gerade zu lassen und die Kraft aus den Beinen zu holen. 
  5. Verteilen Sie das Gewicht beim Tragen von Gegenständen immer möglichst gleichmäßig auf beide Seiten des Körpers.
Verwendete Quellen:
  • Techniker Krankenkasse: Der Bandscheibenvorfall
  • gesundheitsinformation.de
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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