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Meniskusriss: Späte Behandlung fördert Arthrose

Problemzone Knie  

Meniskusriss: Abwarten macht alles nur schlimmer

06.05.2019, 13:58 Uhr | dpa/ akl, t-online.de

Meniskusriss: Späte Behandlung fördert Arthrose. Ein Meniskusriss entsteht oft in Folge von sportlicher Überbelastung. Er sollte umgehend von einem Arzt behandelt werden.  (Quelle: Getty Images/filadendron)

Ein Meniskusriss entsteht oft in Folge von sportlicher Überbelastung. Er sollte umgehend von einem Arzt behandelt werden. (Quelle: filadendron/Getty Images)

Meniskusverletzungen gehören zu den häufigsten Knieproblemen. Manchmal reicht schon eine falsche Bewegung aus – und der Meniskus reißt. Wichtig ist, dass man Schmerzen im Knie oder einen Kniegelenkserguss nicht ignoriert und frühzeitig zum Arzt geht. Nur mit einer schnellen und richtigen Diagnose können Folgeschäden verhindert werden.

Im menschlichen Kniegelenk finden sich jeweils zwei Menisken – der Innen- und der Außenmeniskus. Die halbmondförmigen Knorpel zwischen Ober- und Unterschenkel sind wichtige Strukturen in dem Gelenk. Sie dienen als Stoßdämpfer und Druckverteiler und passen die unterschiedlichen Strukturen des Ober- und Unterschenkels aneinander an. Dadurch schützen sie das Gelenk vor Verschleiß. Der Außenmeniskus ist generell beweglicher als der Innenmeniskus, der mit der Gelenkkapsel und dem Knie-Innenband verwachsen ist. 

Meniskus Modell (Quelle: imago images/SCIEPRO/SCIENCExPHOTOxLIBRARY F023/3758)Die Menisken: Stoßdämpfer im Kniegelenk, um es bei Bewegung zu schützen. Das Knorpelgewebe kann reißen, wenn es zu starker Beanspruchung kommt. Das kann durch Sport oder Verschleiß passieren. (Quelle: SCIEPRO/SCIENCExPHOTOxLIBRARY F023/3758/imago images)

Was ist ein Meniskusriss?

Der Meniskusriss ist eine der häufigsten Knieverletzungen. Meistens entsteht er, wenn sich Oberschenkel und Unterschenkel im Kniegelenk bei hoher Belastung gegeneinander verdrehen. Dabei wird der Innenmeniskus überlastet und kann einreißen. Der Außenmeniskus dagegen ist seltener betroffen. Je nach Lage und Verlauf des Risses kann der Meniskus seine Eigenschaften als Puffer  verlieren. Dann erhöht sich die Last auf den Gelenkknorpel zwischen Oberschenkel und Unterschenkel. 

Typische Symptome beim Meniskusriss

"Bei jüngeren Menschen treten Meniskusverletzungen meist unfallbedingt, zum Beispiel durch Sport- oder Verkehrsunfälle, auf", erklärt Rainer Siebold, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Heidelberg. Eine solche Verletzung führe meist unmittelbar zu Schmerzen im Kniegelenk. Ist der Meniskus zusätzlich gerissen, kann das Gelenk blockieren. Betroffene können das Knie nicht mehr richtig beugen oder strecken. Manchmal schwillt das Gelenk außerdem an.

Je nachdem, welcher der beiden Menisken verletzt ist, lassen sich die Schmerzen eher seitlich am Knie oder nach innen lokalisieren. Klassische Symptome eines Meniskusrisses außen sind: 

  • Schmerzen bei der Drehung des Knies nach innen (Innenrotation)
  • Druckschmerz am seitlichen Kniegelenksspalt
  • Schmerzen beim In-die-Hocke-Gehen und beim Durchstrecken des Beines (Streckhemmung)
  • diffuse stechende Schmerzen

Ist der Innenmeniskus geschädigt, zeigen sich meist folgende Symptome:

  • Schmerzen bei der Außen-Drehung des Knies (Außenrotation)
  • Schmerzen beim Beugen des Knies
  • Druckschmerz am mittleren Kniegelenksspalt
  • Schmerzen beim Aufrichten aus der Hockstellung

Ein großes Risiko für Meniskusverletzungen bergen laut Siebold Sportarten mit gegnerischem Einfluss. Auch häufige Stop-and-Go-Bewegungen sowie Richtungswechsel wie beim Fußball, Handball, Basket- und Volleyball oder Skifahren sind gefährlich.

Übrigens: Der Meniskus selbst bereitet keine Schmerzen, da das Knorpelgewebe nicht mit Nerven durchzogen ist. Die Schmerzen entstehen dort, wo der Meniskus im Gelenkspalt verankert ist und sich "losgerissen" hat. Dabei reizt der abgerissene Meniskuskörper das umliegende Gewebe.

Kniegelenkserguss nach einem Meniskusriss

Die Verletzung der Menisken und abgerissenen  Faserteile im Gelenk können auch zu einer Ansammlung von Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) im Kniegelenkspalt führen. Mediziner sprechen von einem Kniegelenkserguss. Er bildet sich in Folge eines Entzündungsprozesses im Kniegelenk und sorgt für eine Schwellung, die deutlich ertastbar ist.  Wenn der Kniegelenkserguss auf das umliegende Gewebe drückt, kann er Schmerzen verursachen, sowohl im Ruhezustand als auch bei Bewegung. 

Kühlung (Eispackungen), Ruhigstellung und kühlende Salben helfen, dass die Schwellung des Knies zurückgeht. Eine elastische Wickelung hilft ebenfalls, die initiale Schwellung zu reduzieren. Jede Belastung des Knies sollte vermiden werden. Die Einnahme eines schmerzstillenden, antientzündlichen Medikamentes kann ebenfalls sinnvoll sein. Wenn der Erguss nicht zurückgeht und der Verdacht auf einen Meniskusriss besteht, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der über die weitere Behandlung entscheidet. 

Knie: Mit dem Alter droht der Verschleiß

Sportunfälle sind nicht die einzige Ursache für Meniskusverletzungen. Eine Schädigung des Meniskus kann auch durch Verschleiß über die Jahre und Jahrzehnte der Belastung entstehen. Im Laufe der Zeit verändern die einwirkenden Kräfte die Struktur: Das Meniskusgewebe reibt sich auf und schädigt den Gelenkknorpel. "Viele Patienten verspüren Schmerzen beim Treppen hinuntergehen, wenn sie in die Hocke gehen oder sich aus der tiefen Hocke aufrichten, meist an der Innenseite des Knies", sagt Thomas Pauly, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Rheumachirurgie am St. Elisabeth-Hospital in Meerbusch (Nordrhein-Westfalen). Bei Vorschäden kann selbst einfaches Beugen oder ein leichteres Vertreten zum Einreißen des Meniskus und plötzlichen Schmerzen führen.

Knirschen im Knie – Anzeichen für Arthrose: Knirschende Knie deuten weniger auf einen Meniskusschaden hin als auf Arthrose (degenrativer Gelenkverschleiß). Innerhalb eines gesunden Kniegelenks trennen Knorpelschichten die Knochenenden voneinander. Von diesen Schichten wird eine Art Gelenkschmiere produziert. Diese Flüssigkeit und das Knorpelgewebe bilden sozusagen einen Stoßdämpfer. Wenn dieser beschädigt ist, kann ein Knorpelabbau die Folge sein, in dessen Zuge das Kniegelenk knirscht.

Durch Verschleiß verändert sich der Meniskus häufig schon im mittleren Alter, zum Beispiel mit 40 Jahren, manchmal auch früher. "Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt von der individuellen Beschaffenheit des Gewebes ab", erläutert Pauly. Auch Übergewicht oder mangelnde Bewegung fördern den Verschleiß und erhöhen somit das Risiko für einen Meniskusschaden,  ebenso Berufe, bei denen auf den Knien oder in der Hocke gearbeitet wird.

Meniskussriss: Nach den Schmerzen kommt die Arthrose

Nicht nur wegen der Schmerzen müssen Meniskusverletzungen unbedingt behandelt werden. "Ein eingerissener Meniskus ist immer der Beginn einer Arthrose, der fortschreitenden Zerstörung des Gelenks", betont Pauly. Ist eine Verletzung die Ursache, kommt zumeist eine Operation in Betracht. Entweder kann der Riss genäht werden oder beschädigte Teile des Meniskus werden entfernt.

Kleine Schnitte können Beschwerden lindern

Beide Operationen erfolgen in der Regel schonend mittels einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie). Nötig sind nur kleine, punktförmige Schnitte. Die Meniskusnaht (Meniskusrefixation) ermöglicht einen vollständigen Erhalt des Meniskus – die Erfolgsaussichten sind langfristig am größten. Ob ein Riss genäht werden kann, hängt allerdings von Ort und Art der Verletzung, Alter und körperlicher Fitness der Patienten und weiteren Faktoren ab.

Bei einer Meniskusentfernung oder Teilentfernung (Meniskusteilresektion) im Rahmen einer Arthroskopie werden Teile des Meniskus in kleinerem Umfang entfernt, kann der Patient das Knie oft schon kurz nach der Operation wieder voll belasten. Eine Meniskusnaht dagegen muss länger heilen und erfordert etwas mehr Geduld. In den ersten drei bis sechs Wochen sind Gehhilfen Pflicht, um das Kniegelenk zu entlasten.

Meniskusersatz: Seit einigen Jahren ist der Meniskusersatz als neues Verfahren erfolgreich erprobt. Nachdem eine Teil- oder Komplett-Entfernung des Meniskus (Meniskusresektion) erfolgt ist, wird ein Implantat aus gereinigtem Collagen in die entstandene Lücke eingebracht. Das Implantat ist dem menschlichen Innen- beziehungsweise Außenmeniskus nachgeformt und hat eine schwammartige Feinstruktur. Im Laufe der Zeit wächst neues Gewebe in das Implantat ein und nach etwa zwölf Monaten ersetzt es komplett die Aufgaben des urspränglichen Menuskus. 

Meniskusriss: Welche Operation ist die richtige?

Sich allein wegen der schnelleren Wiedereinsatzfähigkeit für eine Teilentfernung zu entscheiden, davon rät Siebold dringend ab: "Ein Patient, der als Jugendlicher oder jüngerer Erwachsener schon einen Meniskusteilverlust hat, hat ein sehr hohes Risiko für eine spätere Arthrose", warnt der Kniespezialist. Bei verschleißbedingtem Meniskusriss besteht keine Aussicht, dass sich der Meniskus durch Nähen wieder heilen und dadurch vollständig erhalten lässt. Der Operateur versucht in diesen Fällen, den Riss zu stabilisieren, indem er die instabilen Teile entfernt und möglichst viel Meniskus übrig lässt.

Nicht jeder Meniskusriss ist operabel

Hat der Gelenkknorpel schon viel Schaden genommen, weil eine Meniskusverletzung nicht behandelt worden ist, kann es auch sein, dass eine Operation nichts mehr bringt. "Man würde dann mit Medikamenten und Physiotherapie versuchen, die Schmerzen in den Griff zu bekommen und einen künstlichen Gelenkersatz möglichst lange hinauszögern", sagt Pauly.

Nach einem Meniskussriss sind Schonzeiten wichtig

Für einen positiven Verlauf der Genesung nach einer Meniskusriss-Operation ist mitunter zusätzlich Physiotherapie erforderlich. Sie werde in der Regel dann verordnet, wenn der Heilungsprozess von allein nicht optimal verläuft, erklärt Sascha Knappe, niedergelassener Physiotherapeut und Reha-Trainer beim Fußball-Regional-Ligisten VfB Lübeck.

Wichtig sei auch, die von Ärzten und Therapeuten festgelegten Zeiten für Schonung und Entlastung konsequent einzuhalten. "Wenn etwas heilen soll, braucht es auch Ruhe", betont Knappe. Häufig hätten Patienten aber den Anspruch, genauso schnell wieder fit zu sein, wie sie es von Leistungssportlern kennen. "Allein die körperlichen Voraussetzungen hinsichtlich Lymphabfluss, Durchblutung und gelenkstabilisierender Muskulatur beim Leistungssportler sind aber ganz andere", betont der Sporttherapeut.

Problemzone Knie: Bei Schmerzen immer zum Arzt

Meniskusverletzungen, Entzündungen, Fehlhaltungen, Sehnenschäden, Gefäßprobleme: Da Knieschmerzen verschiedene Ursachen haben können und nicht immer ein Problem des Meniskus die Schmerzen auslöst, ist es wichtig, rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen. Erst wenn man weiß, was das Kniegelenk quält, kann richtig behandelt werden. Wer die Schmerzen langfristig ignoriert und mit Hausmitteln versucht, auf eigene Faust die Beschwerden zu lindern, riskiert schlimmere Schäden.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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