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Kreuzbandriss: Ursachen, Symptome, Behandlung

Häufige Knieverletzung  

Der Kreuzbandriss: Ursache, Symptome, Behandlung

12.01.2019, 16:47 Uhr | Malcolm Ritter, Larissa Koch, lk, dapd

Kreuzbandriss: Ursachen, Symptome, Behandlung. Gerissenes Kreuzband: Wenn von einem Kreuzbandriss die Rede ist, ist in aller Regel das vordere Kreuzband im Kniegelenk gemeint (Quelle: Getty Images/janulla)

Gerissenes Kreuzband: Wenn von einem Kreuzbandriss die Rede ist, ist in aller Regel das vordere Kreuzband im Kniegelenk gemeint. (Quelle: janulla/Getty Images)

Eine falsche Bewegung beim Fußball, Joggen oder Badminton und schon kann es passieren: Wenn das Kreuzband zu großer Spannung ausgesetzt wird, hält es der Belastung manchmal nicht stand. Der Kreuzbandriss gehört zu den häufigsten Sportverletzungen. Wie er sich bemerkbar macht und behandelt wird, lesen Sie hier.

Wenn von einem Kreuzbandriss die Rede ist, ist in aller Regel das vordere Kreuzband im Kniegelenk gemeint. Denn das hintere reißt nur äußerst selten. Vorderes und hinteres Band liegen überkreuz, daher der Name. Das vordere Kreuzband wird bei vielen Sportarten stark beansprucht. Wenn es dann noch zu einer ungünstigen Überstreckung oder Drehung kommt, kann es reißen. Vor allem beim Fußball, Handball, Volleyball, Eishockey oder Skifahren kommt es zu der Verletzung. 

Kreuzband: X-Ray (Quelle: Getty Images/alex-mit)Kreuzband: Auf der Animation ist sowohl das vordere auch als das hintere zu sehen. Sie verbinden Oberschenkelknochen und Schienbein. (Quelle: alex-mit/Getty Images)

So macht sich der Kreuzbandriss bemerkbar

Der Kreuzbandriss ist im Moment des Unfalls meist sehr schmerzhaft. Nach der Verletzung klingen die Schmerzen relativ schnell ab und sind eher gering. Der Riss ist manchmal durch ein kurzes "Schnalzen" zu hören. Kurz darauf kann es zur Einblutung ins Kniegelenk mit Folge einer Schwellung kommen. Der Bluterguss kommt mitunter aber auch verzögert. Weil die Schmerzen abklingen, wird der Kreuzbandriss nicht immer bemerkt. Die Betroffenen haben infolgedessen jedoch häufig ein instabiles Kniegelenk.

So richtig bemerken tun auch das die Verletzten manchmal erst nach Wochen oder sogar Monaten, wenn das Knie intensiv belastet wird. Es kommt dann zu einem Gefühl, dass das Knie weggknickt – "giving-way" heißt das in der Fachsprache. Zudem fühlt es sich für Patienten dann häufig so an, als würden sich Ober- und Unterschenkel gegeneinander verschieben.

Erste Hilfe beim Kreuzbandriss

Die Verletzung sollte zunächst gekühlt werden, damit die Schwellung zurückgeht. Außerdem ist es ratsam, das Knie zu schonen und gegebenenfalls zu stützen. Dafür gibt es extra Bandagen – sogenannte Knieorthesen. Auch Gehhilfen können zur Entlastung vorübergehend sinnvoll sein.

Diagnose des Kreuzbandrisses

Ein Orthopäde wird sich zunächst das gesunde Knie anschauen und mit bestimmten Mobilitätstests die Beweglichkeit des unverletzten Gelenks beurteilen. Mit dem sogenannten Lachmann-Test, bei dem der Orthopäde das Knie anwinkelt, den Fuß fixiert und dann den Unterschenkel zu sich heranzieht, kann er den Kreuzbandriss diagnostizieren. Denn der Unterschenkel lässt sich dann untypisch verschieben. Diese Flexibilität hat das gesunde Knie nicht.

Mit Hilfe einer Röntgenaufnahme kann Klarheit geschaffen werden. Darauf sind die Bänder selbst zwar nicht zu sehen, jedoch zeigt sich die Stelle am Knochen, an der das gerissene Band sitzt, leicht "ausgefranst". Auch ein MRT eignet sich, um einen Kreuzbandriss sichtbar zu machen. Ist das Knie stark geschwollen, erschwert das die Diagnose allerdings.

Kreuzbandriss – OP oder nicht?

Ob operiert wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Alter des Patienten
  • bisherige sportliche Aktivität
  • Intensität möglicher geplanter sportlicher Aktivität
  • Ausmaß der Instabilität des Kniegelenks
  • Beeinträchtigung des Betroffenen im Alltag
  • mögliche Begleiterkrankungen (Adipositas, Herzkrankheiten, Diabetes mellitus) 

Was den idealen Zeitpunkt einer OP angeht, fehlt es noch an wissenschaftlichen Untersuchungen. Wird der Eingriff zu lange hinausgeschoben, kann es zu erhöhten Komplikationsraten kommen. Dazu zählt beispielsweise die Entwicklung einer Arthrofibrose, bei der es zur Bildung von überschüssigem Bindegewebe im Kniegelenk kommt, infolgedessen versteift das Knie. Zudem gilt dann die Wahrscheinlichkeit von Infektionen und Wundheilungsstörungen als erhöht. 

Um wieder eine volle Stabilität des Kniegelenks herzustellen, muss das Kreuzband in den meisten Fällen ersetzt werden. Dabei wird in aller Regel eine körpereigene Sehne an anderer Stelle entnommen und als Kreuzbandersatz verwendet. Das Band wird angenäht oder verschraubt. Der Eingriff wird minimal invasiv mit Endoskopen durchgeführt. Es bleiben nur kleine Narben zurück.

Wann ist das Knie wieder belastbar?

Mediziner sind sich nicht einig darüber, wann Menschen nach einem Kreuzbandriss wieder sportlich aktiv werden können. Studien aus den USA haben ergeben, dass das Kniegelenk in mehreren Stufen heilt. Dabei ist nach sechs Monaten ein erheblicher Teil der Heilung vollzogen, aber erst nach einem Jahr die Genesung vollständig. Es gibt aber auch einen Wissenschaftler der Universität Stanford, der zu dem Ergebnis kam, dass die Einheilung des ersetzten Kreuzbandes nicht einmal nach Ablauf von zwei Jahren vollständig ist.

Wann Kreuzbandriss-Patienten wieder voll belastbar sind, ist daher individuell und sollte mit dem betreuenden Arzt besprochen werden. Als geeignete Kriterien zur Beurteilung dieser Frage gelten folgende:

  • Wieviel Zeit ist seit der OP vergangen? – üblich sind neun bis zwölf Monate
  • Gelenkfunktion und Muskelkraft: Beweglichkeit und Stabilität sollten im Wesentlichen dem gesunden Knie entsprechen 
  • Funktionelle Stabilität: Zur Beurteilung muss der Patient einmal auf dem gesunden, einmal auf dem operierten Bein hüpfen

Schwedische Studie: OP häufig nicht nötig

In Schweden wurde im Jahr 2013 eine wissenschaftliche Untersuchung mit 121 Freizeitsportlern durchgeführt. Darin wurde eine Hälfte der Teilnehmer nach einem Riss des vorderen Kreuzbands operiert. Die übrigen Patienten bekamen lediglich Krankengymnastik und begaben sich nur bei ausbleibendem Erfolg unters Messer. Das Resultat: Nach zwei Jahren ging es den Patienten beider Gruppen ähnlich gut. Das berichteten die Mediziner im "The New England Journal of Medicine". 

Die Teilnehmer waren alle im Alter von 18 bis 35 Jahren. Eine per Los ausgewählte Gruppe wurde operiert, die übrigen bekamen fünf bis sieben Monate lang Krankengymnastik, im Mittel etwa 60 Sitzungen. Etwa 40 Prozent dieser Teilnehmer wollten schließlich doch noch zum Chirurgen. Zwei Jahre später war der Genesungserfolg in beiden Teilnehmergruppen vergleichbar groß.

Der Schmerz, die Belastbarkeit beim Sport und die Einschränkungen durch das lädierte Knie waren ähnlich. In beiden Gruppen erreichten etwa 40 Prozent der Patienten wieder ihr früheres sportliches Niveau. Besonders auffällig: Wer zuerst die Krankengymnastik probierte und dann nachträglich doch noch die Operation wählte, erholte sich nicht besser als die ausschließlich physiotherapeutisch behandelten Patienten.

Freizeitsportler kommen oft mit Krankengymnastik aus

"Wenn man nur mit Krankengymnastik beginnt, hat man offenbar gute Aussichten, ähnlich zu genesen wie nach einer Kreuzband-Operation", erläutert Studienleiter Richard Frobell von der Universitätsklinik Lund. "Es ist überraschend, dass viele Menschen eine Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands nicht brauchen." Allerdings räumt der Arzt ein, dass an der Studie ausschließlich Freizeitsportler teilnahmen, überwiegend Fußballer und Volleyballer. Profi-Athleten lassen sich dagegen gewöhnlich operieren, weil sie schnellstmöglich wieder trainieren wollen. Ihnen fehlt schlicht die Zeit zum Abwarten, ob auch die Physiotherapie hilft.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie kann rund zwei Wochen nach dem Unfall mit Physiotherapie begonnen werden, bei der die Muskeln rund um das Knie aufgebaut und gestärkt werden.

Auch Fußballer müssen nicht zwingend unters Messer

Interessant ist die Studie für jene Tausende Bundesbürger, denen etwa beim Fußball das vordere Kreuzband reißt und damit genau jene Sehne, die dem Knie seine Stabilität verleiht. Dass nicht jeder Patient mit dieser Verletzung operiert werden muss, weiß man bereits seit längerem. Einem Jogger oder Radler mittleren Alters reichen oft schon eine Kniestütze und Krankengymnastik aus. In manchen Fällen wächst das Band wieder zusammen, in anderern stabilisiert sich das Knie auch so. Aber die Studie zeigte erstmals, dass davon auch jene Sportler profitieren, die strapaziöseren Sport wie etwa Fußball bevorzugen.

Zwar können manche Patienten mit Kreuzbandschaden auf hohem Niveau Freizeitsport treiben und etwa in einer Hobbymannschaft kicken. Aber bislang können Mediziner nicht unterscheiden, wer zu dieser Gruppe gehört. 

Weitere Langzeitstudien nötig

Chirurg Levy warnt jedoch vor voreiligen Schlussfolgerungen. Denn die Studiendauer sei mit zwei Jahren relativ kurz gewesen. "Die langfristigen Vorteile oder Risiken der beiden Vorgehensweisen kennen wir nicht", sagt der Mediziner. Einen weiteren Einwand erhebt Kurt Spindler von der Vanderbilt Universität in Nashville: In der krankengymnastisch therapierten Gruppe hatten mehr Patienten Probleme mit dem Meniskus. Das könnte eventuell darauf hindeuten, dass ihnen später eine Osteoarthritis drohe. Ob diese Sorge berechtigt ist, soll der weitere Verlauf der Studie zeigen. Deren Leiter Frobell will das Schicksal der Patienten mindestens noch weitere drei Jahre im Auge behalten.

Ob mit oder ohne OP, Experten zufolge verdichten sich zudem mehr und mehr die Hinweise darauf, dass Kreuzbandverletzungen Spätfolgen nach sich ziehen können: Eine Kniegelenksarthrose.


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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