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Rheumaknoten: Rheuma kann auch auf die Stimme schlagen

Rheumaknoten im Kehlkopf  

Rheumaknoten können auf die Stimme schlagen

27.06.2019, 12:23 Uhr | ag , t-online.de

Rheumaknoten: Rheuma kann auch auf die Stimme schlagen. Rheumaknoten treten nicht nur an den Fingern und anderen Gelenken auf. Sie können sich auch im Kehlkopf bilden und zu Sprechproblemen führen.  (Quelle: Getty Images/ Nerthuz)

Rheumaknoten treten nicht nur an den Fingern und anderen Gelenken auf. Sie können sich auch im Kehlkopf bilden und zu Sprechproblemen führen. (Quelle: Nerthuz/Getty Images)

Eine raue, beschlagene Stimme und ständiges Räuspern können auf Rheuma hindeuten. Auslöser sind Knoten im Kehlkopf, die sich in Folge einer rheumabedingten Entzündung im Bereich der Stimmbänder bilden. Doch sie treten auch an anderen Stellen des Körpers und sogar an inneren Organen auf. 

Experten schätzen, dass etwa jeder dritte Patient mit Rheuma akute Stimmprobleme hat. Etwa jeder Fünfte hatte in der Vergangenheit schon einmal Beschwerden beim Sprechen, die aber wieder verschwunden sind. Darauf weist die Deutsche Rheuma-Liga in ihrer Mitgliederzeitschrift "mobil" hin.

Was ist ein Rheumaknoten?

Im Laufe einer rheumatoiden Arthritis können sich kleine, harte Knötchen an verschiedenen Körperstellen bilden und auch innere Organe befallen. Man nennt diese Veränderungen des Bindegewebes auch Rheumaknoten, Entzündungsknoten oder Granulome. Sie bestehen aus Abwehrzellen des Immunsystems und treten in der Fettschicht direkt unter der Haut auf.

Rheumaknoten sind leicht ertastbar und lassen sich verschieben. Am häufigsten treten sie an Stellen auf, die einer mechanischen Belastung ausgesetzt sind wie zum Beispiel den Fingern, Handgelenken, den Unterarmen oder am Ellenbogen. Sie können aber auch innere Organe wie die Lunge oder den Kehlkopf befallen.

Rheumaknoten verursachen bei manchen Menschen wenig Beschwerden, während sich bei anderen die Haut plötzlich rötet und es zu Spannungs­schmerzen kommt. Schmerzen treten vor allem nachts und in Ruhe auf, wenn die Gelenke über längere Zeit hinweg nicht bewegt werden. Befinden sich die Rheumaknoten an den inneren Organen wie der Lunge, sind sie meist schmerzfrei. Allerdings können sie eine Tuberkulose oder ein Karzinom begünstigen. Deshalb ist es wichtig, die Knoten regelmäßig untersuchen zu lassen.

Alarmsignale: Raue Stimme und Räuspern 

Treten Rheumaknoten im Bereich der Stimmbänder auf, hat das Auswirkungen auf die Sing- und Sprechstimme. Bestimmte Töne im oberen und unteren Klangbereich werden dann nicht mehr getroffen und die Stimme klingt rau und heiser wie bei einer Erkältung.

Anders als bei einem grippalen Infekt treten die Symptome bei Rheumaknoten infolge einer rheumatisch-entzündlichen Erkrankung nicht plötzlich, sondern schleichend auf. Im schlimmsten Fall können die Stimmlippen nicht mehr richtig schließen, so dass ein Spalt offen bleibt. Betroffenen fällt das Sprechen dann zunehmend schwer, sie müssen sich ständig räuspern und bekommen nur noch schwer einen Ton heraus. 

Kortison kann die Stimme verändern: Bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Kortison können zu Stimmveränderungen führen. Da rheumatische Erkrankungen oft mit entsprechenden Präparaten behandelt werden, sind Rheumatiker hiervon nicht selten betroffen. Eine Untersuchung beim Arzt bringt Klarheit, ob ein Rheumaknoten für die Sprechprobleme verantwortlich ist oder ob diese die Folge einer medikamentösen Therapie sind.  

Therapie: Rheumaknoten richtig behandeln 

Da Rheumaknoten im Zuge einer rheumatoiden Arthritis (Polyarthritis) auftreten, steht deren Behandlung im Zentrum. In manchen Fällen kann es helfen, Kortison in die betroffene Stelle zu spritzen. Sollte der Rheumaknoten sehr groß sein und die Gelenke in ihrer Beweglichkeit beeinträchtigen, kann ein chirurgischer Eingriff ratsam sein.

Das Gleiche gilt für Rheumaknoten im Stimmzentrum, die das Sprechen so sehr erschweren, dass die Betroffenen in ihrem Alltag beeinträchtigt werden. Die Deutsche Rheuma Liga rät Betroffenen, sich in diesem Fall an einen Phoniater, einen Facharzt für Stimm- und Sprachstörungen zu wenden. Dieser analysiert mithilfe einer sogenannten Video-Laryngostroboskopie die Schwingungen der Stimmlippe und kann dann entscheiden, ob eine Operation sinnvoll ist oder nicht. Phoniater findet man in der Regel an Universitätskliniken. 

Vorbeugen: So bleibt die Stimme geschmeidig 

Die Rheuma Liga rät Rheumatikern, zur Stärkung ihrer Stimme regelmäßig zu singen. Das trainiere nicht nur die Stimmmuskeln, sondern sei obendrein gut fürs Immunsystem. Dabei sollte man allerdings darauf achten, die Stimme nicht allzu sehr zu strapazieren.

Zudem könnten ätherische Öle aus Minze und Latschenkiefer helfen, die Beschwerden zu lindern, sagen die Experten. Solche Produkte sollte man jedoch höchstens fünf Tage hintereinander benutzen, da ansonsten eine Gewöhnung eintrete und die Schleimhäute austrockneten. Wer langfristig seiner Stimme und der Schleimhaut in den Atemwegen etwas Gutes tun wolle, sollte mit Kochsalzlösung inhalieren.

Rheumatoide Arthritis: Ursachen und Symptome

Doch Hausmittel haben ihre Grenzen und ersetzen keine ärztliche Behandlung. Bei einer rheumatoiden Arthritis (Polyarthritis), bei der sich bereits Rheumaknoten gebildet haben, ist medizinische Hilfe unerlässlich. Denn die Knoten sind immer auch ein Zeichen für einen schweren Krankheitsverlauf und einen akuten Therapiebedarf.

Die Ursachen der rheumatoiden Arthritis sind bislang noch nicht vollständig geklärt. Mediziner vermuten, dass eine Fehlregulation des Immunsystems Schuld daran ist, dass es zu einer Entzündung in den Gelenken kommt. Fest steht, dass es eine erbliche Veranlagung für Polyarthritis gibt. Rauchen gilt ebenfalls als Risikofaktor und erschwert den Heilungsprozess.

Im Zuge einer rheumatoiden Arthritis treten häufig folgende Symptome auf:

  • Angeschwollene und schmerzende kleine Finger- und Zehgelenke
  • Besonders starke Gelenkschmerzen am Morgen
  • Morgensteifheit, die nach dem Aufstehen mehrere Stunden andauert
  • Rheumaknoten treten bei jedem Fünften auf
  • Erschöpfung, Schwächegefühl, Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust
  • Auch größere Gelenke (Schulter, Ellenbogen, Halswirbelsäule) sind im Laufe der Erkankung betroffen

Warum Früherkennung so wichtig ist

An einer rheumatoiden Arthritis erkranken vorwiegend Menschen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. Frauen sind ungefähr dreimal so oft betroffen wie Männer. Je früher die Krankheit behandelt wird, desto besser sind die Chancen, dass die Beschwerden wieder verschwinden.

Die Medizin hat in den letzten Jahren große Fortschritte bei der Behandlung erzielt. Wird eine Polyarthritis früh entdeckt und therapiert, kann sie sogar geheilt werden. Wichtige Bestandteile der Diagnostik sind das Abtasten des Gewebes, eine Blutuntersuchung auf Rheumafaktoren, Röntgenaufnahmen, Ultraschall und gegebenenfalls eine Kernspintomografie. 

Werden entzündlich-rheumatische Erkrankungen im Frühstadium behandelt, kann die Zerstörung der Gelenke verhindert werden. Bereits vorhandene Schäden können später nicht mehr rückgängig gemacht werden. Daher sollte die Behandlung einer rheumatoiden Arthritis idealerweise innerhalb von drei Monaten nach dem ersten Auftreten der Symptome beginnen. Auf diese Weise kann auch um ein Übergreifen auf innere Organe verhindert werden. 

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Rheuma Liga
  • Berufsverband Deutscher Rheumatologen 
  • www.rheumatologen-im-netz.de
  • Eigene Recherchen
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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