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Vorsicht vor falschem Coronavirus-Test

  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen

Aktualisiert am 24.03.2020Lesedauer: 6 Min.
Betrug: Beim Enkeltrick rufen fremde Menschen an, geben sich als Verwandte aus und bitten um Geld.
Betrug: Beim Enkeltrick rufen fremde Menschen an, geben sich als Verwandte aus und bitten um Geld. (Quelle: ingimage/imago-images-bilder)
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Obwohl der Enkeltrick seit Jahren bekannt ist, funktioniert er immer noch. Wegen Covid-19 versuchen BetrĂŒger es nun als vermeintliche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes. Mit diesen Tipps können Sie sich schĂŒtzen.

Das Wichtigste im Überblick


  • Welche Tricks nutzen BetrĂŒger?
  • Tipps der Polizei: So schĂŒtzen Sie sich vor Betrug
  • Was können Angehörige tun?

Sie geben sich als Polizisten oder Verwandte aus, klingeln an der HaustĂŒr oder rufen an: BetrĂŒger suchen sich immer wieder Senioren als Opfer. Aktuell nutzen sie die Ausbreitung des Coronavirus fĂŒr eine neue Masche, um Senioren um ihr Geld zu bringen. Doch es gibt ein paar Tipps, wie Sie sich und Ihre Angehörigen schĂŒtzen können. Das erklĂ€rt Monika Weiß im GesprĂ€ch mit t-online.de. Sie ist Ansprechperson fĂŒr Seniorensicherheit beim Landeskriminalamt Berlin.

Welche Tricks nutzen BetrĂŒger?

Falscher Gesundheitsamtsmitarbeiter

In vielen StĂ€dten warnt die Polizei wie beispielsweise das Bezirksamt Neukölln in Berlin jetzt vor BetrĂŒgern, die sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgeben und Tests auf das sogenannte Coronavirus anbieten. Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke stellt klar: "Es gibt keine unangekĂŒndigten oder flĂ€chendeckenden Tests in Berlin. Tests auf das Virus SARS-CoV-2, das sogenannte Coronavirus, finden immer nur nach vorheriger Kontaktaufnahme durch das Gesundheitsamt statt. Es gibt keine unangekĂŒndigten Tests." Getestet werde zudem nur, wer bestĂ€tigten Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person hatte oder in einem Risikogebiet war und Symptome wie Husten, Fieber und Atembeschwerden zeigt.

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RatschlÀge der Polizei

Sollte jemand bei Ihnen an der TĂŒr klingeln und einen Corona-Test anbieten, der vielleicht sogar kostenpflichtig ist, gehen Sie darauf nicht ein und rufen Sie sofort die Polizei. Lassen Sie sich nicht bedrĂ€ngen. Lassen Sie sich keine Angst machen.

Enkeltrick zum Coronavirus

Wie die Polizei Berlin berichtet, haben Senioren in den letzten Tagen hĂ€ufiger TrickbetrĂŒgereien im Zusammenhang mit dem Enkeltrick vor dem Hintergrund des Coronavirus angezeigt. Nach den bisherigen Aussagen sollen Unbekannte bei Ă€lteren Menschen anrufen und sich als Angehörige ausgeben, die sich mit dem Virus infiziert hĂ€tten, im Krankenhaus liegen und nun dringend Geld fĂŒr teure Medikamente brĂ€uchten. Dann werde vereinbart, dass in KĂŒrze jemand an der Wohnanschrift der Angerufenen vorbeikommt, um das Geld abzuholen. Wenig spĂ€ter erscheinen Personen und holen Geld und Wertsachen ab.

RatschlÀge der Polizei

Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen wie Schmuck an unbekannte Personen. Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon selbst nicht mit ihrem Namen melden. Raten Sie nicht, wer Sie anruft. Seien Sie misstrauisch, wenn sich jemand als Verwandter ausgibt, den Sie nicht erkennen. Geben Sie niemals Details zu Ihren familiĂ€ren und finanziellen VerhĂ€ltnissen preis. Lassen Sie sich nicht drĂ€ngen oder unter Druck setzen. Besprechen Sie merkwĂŒrdige Begebenheiten persönlich mit Ihren Angehörigen und informieren Sie gegebenenfalls die Polizei. Sind Sie bereits Opfer des Tricks geworden, erstatten Sie sofort Anzeige bei der Polizei. Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkĂŒrzen oder Ihren ganzen Eintrag streichen.

"Normaler" Enkeltrick

Die TrickbetrĂŒger rufen beim sogenannten Enkeltrick Ă€ltere Menschen unter dem Vorwand an, Verwandte (meistens Enkel oder Neffen) oder gute Bekannte zu sein. HĂ€ufig fragen sie eingangs "Rate mal, wer am Telefon ist?" und kommen so an eine fremde "IdentitĂ€t". "Das VerhĂ€ltnis von Versuch und Erfolg liegt etwa bei eins zu zehn – aber auch da gibt es sicher noch ein Dunkelfeld", erklĂ€rt Weiß.

Dann tĂ€uschen die BetrĂŒger einen finanziellen Engpass vor und bitten um hohe BargeldbetrĂ€ge, weil sie das Geld aufgrund einer Notlage sofort benötigen. Durch mehrere Telefonanrufe in kurzer Zeit erhöhen die TĂ€ter hĂ€ufig den psychischen Druck auf die Senioren, verbunden mit Appellen wie: "Hilf mir bitte!" Die BetrĂŒger bitten zudem um absolute Verschwiegenheit gegenĂŒber Familie und Freunden.

Weil sie angeblich nicht selbst kommen können, vereinbaren sie mit den Àlteren Menschen ein Kennwort, das ein Freund oder Bekannter nennen wird, wenn er als Bote das Geld abholt. In zahlreichen FÀllen haben die Àlteren Opfer nach solchen GesprÀchen hohe GeldbetrÀge von ihrem Konto abgehoben, um dem vermeintlichen Enkel zu helfen.

RatschlÀge der Expertin:

Wenn Sie den Namen eines Anrufers erraten sollen, legen Sie auf.

Sollten Sie sich doch auf ein GesprĂ€ch eingelassen haben und nun unsicher sein, mit wem Sie sprechen, bieten Sie an, das Geld persönlich dem Anrufer und somit dem vermeintlichen Enkel oder Neffen zu ĂŒbergeben. Ist der gerade angeblich beim Notar, bieten Sie beispielsweise an, dorthin zu kommen. Übergeben Sie niemals einem Fremden Geld.

Kommt Ihnen ein GesprĂ€ch merkwĂŒrdig vor, können Sie jederzeit auflegen, um sich zu schĂŒtzen.

Falscher Polizist

Bei diesem Trick geben sich die BetrĂŒger am Telefon als Polizisten, StaatsanwĂ€lte oder andere Amtspersonen aus. Neben schauspielerischen FĂ€higkeiten nutzen sie eventuell auch eine Technik, die bei einem Anruf auf der Nummernanzeige die Notrufnummer 110 oder die Rufnummer der örtlichen Polizei anzeigt. Sie rufen hĂ€ufig bei Ă€lteren Menschen an und manipulieren ihre Opfer in stundenlangen Telefonaten.

Angeblich stehe ein Einbruch unmittelbar bevor oder die Polizei habe Schwarzgeld auf ihren Konten gefunden. In allen FĂ€llen fordern die TĂ€ter die Opfer massiv auf, WertgegenstĂ€nde und Bargeld zum eigenen Schutz an einen "Kollegen" zu ĂŒbergeben. Um die Ermittlungen nicht zu gefĂ€hrden, solle das Opfer mit niemandem ĂŒber den Vorfall reden. Mit geschickter GesprĂ€chsfĂŒhrung bringen die TĂ€ter die Opfer dazu, ihr gesamtes Barvermögen und mitunter sogar den Inhalt von BankschließfĂ€chern nach Hause zu holen, um es anschließend an einen vermeintlichen Beamten zu ĂŒbergeben.

RatschlÀge der Expertin:

Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Telefonnummer in der Anzeige richtig ist und existiert.

Sie sollten das GesprĂ€ch immer selbst aktiv beenden: ĂŒber den roten Knopf am Telefon oder das Auflegen des Hörers. Danach können Sie neu wĂ€hlen und beispielsweise die echte Polizei anrufen und nachfragen, ob es wirklich Ermittlungen zu einem Einbruch gibt. Legen Sie nicht selbst auf, kann es sein, dass Sie bei einem neuen Anruf wieder bei den BetrĂŒgern landen.

Schmuckdiebstahl

Es gibt einen Trick, der vor allem in den wĂ€rmeren Monaten auf der Straße angewandt wird. Die BetrĂŒger halten Ausschau nach Ă€lteren Leuten, die wertvollen Schmuck tragen. "Sie fahren dann durch die Straßen und wenn sie so jemanden sehen, sprechen sie denjenigen an und fragen beispielsweise nach dem Weg", sagt Weiß. Sie erkundigen sich zum Beispiel nach einem Krankenhaus, wo sie jemanden hinbringen mĂŒssen oder jemanden besuchen wollen.

Im Verlauf des GesprĂ€chs steigt schließlich jemand aus dem Auto aus – hĂ€ufig eine junge Frau – und bedankt sich ĂŒberschwĂ€nglich. Die BetrĂŒger wollen dem Opfer dann beispielsweise eine Kette schenken und hĂ€ngen ihm diese um den Hals. "Oft merken die Betroffenen spĂ€ter dann, dass ihre echte, wertvolle Kette weg ist und sie jetzt vielleicht so ein 50-Cent-Teil um den Hals hĂ€ngen haben", warnt die Polizistin.

RatschlÀge der Expertin:

Wenn Sie auf der Straße angesprochen werden, dann sollten Sie sich ĂŒberlegen, warum genau Sie angesprochen wurden.

Dann sollten Sie natĂŒrlich Distanz wahren und niemanden zu nah an sich heranlassen. Das hilft auch gegen Taschendiebstahl.

Trickdiebstahl in der Wohnung

Viele BetrĂŒger setzen auf den Diebstahl direkt in der Wohnung der Opfer. Nach dem Taschendiebstahl auf der Straße ist das die hĂ€ufigste Straftat, die Ă€ltere Menschen betrifft. Die TĂ€ter tĂ€uschen ihre Opfer, um Zutritt zur Wohnung zu bekommen.

Dabei gibt es laut Polizei drei Grundmuster:

  • Das VortĂ€uschen einer Notlage oder HilfsbedĂŒrftigkeit (Toilette benutzen, Zettel und Stift, Glas Wasser)
  • Das VortĂ€uschen einer offiziellen Funktion (Polizei, Handwerker, Hausmeister)
  • Das VortĂ€uschen einer persönlichen Beziehung zum Opfer (Enkel, Nachbar, Bekannter)

Haben Sie den BetrĂŒger erst einmal in Ihre Wohnung gelassen, können Sie einen Diebstahl kaum noch verhindern.

RatschlÀge der Expertin:

Viele denken vielleicht, sie seien in der eigenen Wohnung absolut sicher – dem ist jedoch nicht so. Lassen Sie daher niemals Fremde in Ihre Wohnung.

Überlegen Sie sich Auswege aus bestimmten Situationen. Holen Sie Nachbarn, Freunde, Verwandte hinzu, rufen Sie die Polizei oder die Hausverwaltung an, um nachzufragen, ob die geschilderten Situationen wie beispielsweise ein Rohrbruch oder die Sicherung der Wohnung vor einem Einbruch der Wahrheit entsprechen. Ein echter Handwerker und ein echter Polizist werden das verstehen – BetrĂŒger hingegen geben jetzt auf.

Handtaschenraub

Obwohl sich viele vor der Situation des direkten Handtaschenraubes auf der Straße am meisten fĂŒrchten, ist das eine Straftat, die deutlich seltener vorkommt als gedacht. "Im Jahr 2018 hatten wir in Berlin beispielsweise nur 110 solcher FĂ€lle", berichtet Weiß. Trotzdem gibt es ein paar Tipps, wie Sie sich schĂŒtzen können oder zumindest vermeiden, verletzt zu werden.

RatschlÀge der Expertin:

Bewahren Sie die wichtigsten Sachen wie WertgegenstĂ€nde, Papiere oder SchlĂŒssel nicht in der Handtasche auf, ĂŒberlegen Sie sich immer, was Sie wirklich mitnehmen mĂŒssen. So verringern Sie den Schaden.

Wenn Sie wissen, dass Sie nichts Wichtiges in Ihrer Tasche haben, lassen Sie los. So minimieren Sie das Risiko, sich zu verletzen.

Tragen Sie Ihre Tasche körpernah und versuchen Sie nicht, sich zu wehren.

Tipps der Polizei: So schĂŒtzen Sie sich vor Betrug

Die Polizeiliche KriminalprÀvention der LÀnder und des Bundes gibt einige besonders wichtige Tipps:

  • Die Polizei wird Sie niemals um GeldbetrĂ€ge bitten oder dazu auffordern, Geld oder Wertsachen herauszugeben.
  • Die Polizei ruft Sie niemals unter der Polizeinotruf-Nummer 110 an. Das tun nur BetrĂŒger. Sind Sie sich unsicher, wĂ€hlen Sie die Nummer 110.
  • Am besten ist, wenn Sie die Nummer Ihrer örtlichen Polizeibehörde sowie eventuell auch die Notrufnummer 110 – wenn diese nicht ohnehin gelĂ€ufig ist und auch im Notfall routiniert gewĂ€hlt werden kann – griffbereit am Telefon haben, damit Sie sie im Zweifelsfall selber wĂ€hlen können.
  • Geben Sie am Telefon keine Auskunft ĂŒber Ihre persönlichen und finanziellen VerhĂ€ltnisse oder andere sensible Daten.
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen.
  • Geben Sie BetrĂŒgern keine Chance, legen Sie einfach den Hörer auf. Nur so werden Sie BetrĂŒger los. Das ist keinesfalls unhöflich!
  • Öffnen Sie unbekannten Personen nicht die TĂŒr.
  • Ziehen Sie gegebenenfalls eine Vertrauensperson hinzu, zum Beispiel Nachbarn oder nahe Verwandte.
  • Übergeben Sie Fremden niemals Geld oder Wertsachen.

Monika Weiß rĂ€t darĂŒber hinaus, sich auf entsprechende Situationen vorzubereiten und sich Strategien zurecht zu legen, um beispielsweise einem BetrĂŒger vor der HaustĂŒr eine Absage zu erteilen und sich Hilfe zu holen.

DafĂŒr gibt es von vielen Polizeidienststellen VortrĂ€ge und Informationsveranstaltungen zu den gĂ€ngigsten Betrugsmaschen, aber beispielsweise in Berlin auch ein PrĂ€ventionstheater, um bestimmte Szenen zu ĂŒben.

Was können Angehörige tun?

ErzĂ€hlen Ihre Angehörigen von einem dubiosen Anruf oder betrĂŒgerischen Besuchern, können Sie das beispielsweise online anzeigen, das spart Wege.

Aber auch schon vorher können Sie Ihre Eltern oder Großeltern, Tanten oder Onkel schĂŒtzen. FĂŒhren Sie GesprĂ€che mit Ihren Angehörigen, erklĂ€ren Sie die Betrugsmaschen und erarbeiten Sie gemeinsam Verhaltensmuster. "Zum Beispiel: Wenn es an der TĂŒr klingelt, dass sie die TĂŒr nur gesichert öffnen und dass sie niemanden hereinlassen", sagt Weiß.

ZusĂ€tzlich können Sie ĂŒberprĂŒfen, ob die wichtigsten Telefonnummern immer griffbereit sind. Beispielsweise von der zustĂ€ndigen Polizeidienststelle, von der Hausverwaltung oder die der Nachbarn.

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Wichtig wĂ€re auch, nachzuschauen, ob die Betroffenen im Telefonbuch stehen. Dann sollten Sie ĂŒberlegen, ob Sie den Eintrag zumindest löschen oder vielleicht gleich eine neue Nummer beantragen, die dann nicht mehr im Telefonbuch eingetragen wird. "Dann nehmen Sie allen BetrĂŒgern, die ĂŒber das Telefon Kontakt suchen, die Arbeitsgrundlage. Denn die brauchen Telefonregister", erklĂ€rt die Polizistin. Wichtig ist bei allem: "Es muss natĂŒrlich fĂŒr jeden persönlich passen."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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