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Coronavirus: Sind von Covid-19 genesene Menschen immun?

Infektion mit SARS-CoV-2  

Sind von Covid-19 genesene Menschen immun?

Von Nicole Sagener

01.04.2020, 15:32 Uhr
Wie das Coronavirus menschliche Zellen infiziert

Forscher haben herausgefunden, wie das Coronavirus im menschlichen Körper wirkt. Eine Videoanimation zeigt, was das Virus ansteckender als den SARS-Erreger macht. (Quelle: t-online.de)

Coronavirus: So wird der Erreger auf den Menschen übertragen. (Quelle: t-online.de)


Kann das Coronavirus wieder zurückkommen, wenn ich schon mit SARS-CoV-2 infiziert war? Erste Forschungen dazu geben teilweise Entwarnung – und zeigen mögliche Therapien für Covid-19-Patienten auf.

Bin ich immun, wenn ich bereits mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert war? Wenn ja, wie lange? Und kann ich, wenn ich Covid-19 überstanden habe, trotzdem noch andere Menschen anstecken?

Während die Corona-Pandemie weiter um sich greift und die Infektionszahlen täglich rasant steigen, bestehen weiterhin viele Unklarheiten. Die Frage, wie das körpereigene Abwehrsystem mit dem neuartigen Coronavirus umgehen kann, beschäftigt derzeit nicht nur Menschen, die infiziert oder bereits von einer Infektion genesen sind. Sie ist auch für politische Entscheidungsträger, Mediziner und das öffentliche Gesundheitswesen entscheidend – und entsprechende Antworten könnten bei der Entwicklung der Behandlung von Covid-19-Patienten eine wichtige Rolle spielen.

Inzwischen gibt es aber eine gute Nachricht: Covid-19-Patienten bilden nach einer Ansteckung vermutlich tatsächlich Antikörper, werden also immun gegen den Erreger. Dafür liefert eine Studie nun Hinweise.

Forscher bauen auf Erfahrungen mit SARS und MERS

Experten hatten das schon zuvor vermutet. Denn die Erfahrung mit anderen Erregern wie der InfluenzaSARS oder MERS zeigt: Wer kürzlich von einem Erreger genesen ist, dessen Immunsystem kann, zumindest für einen gewissen Zeitraum, eine erneute Ansteckung abwehren.

Dass dies auch für das neue Coronavirus gilt, darauf deutet außerdem die in den vergangenen Wochen rückläufige Zahl der Neuinfektionen in China hin – auch wenn die Berichte aus der Volksrepublik mit der gegebenen Vorsicht zu genießen sind.

Studie gibt Hinweise auf Immunisierung nach einer Covid-19-Infektion

Die neue, an Rhesusaffen durchgeführte Studie, erhärtet nun diese Annahme. Die kleine, von einem Team um die chinesische Forscherin Linlin Bao durchgeführte Analyse untersuchte insgesamt vier der Tiere. Die Affen – deren Immunologie der des Menschen stark ähnelt – zeigten nach der Infektion mit einer Dosis SARS-CoV-2-Viren Symptome, die denen des Menschen ähnlich waren: geringerer Appetit, Gewichtsabnahme und eine erhöhte Atemfrequenz.

Mehr über typische Symptome von Covid-19 lesen Sie hier.

Bei den Tieren fanden sich Antikörper gegen das Virus im Blut. Besonders hoch war die Konzentration der Antikörper drei bis vier Wochen nach der Infizierung. Der Körper hatte also während der Genesung eine spezifische Immunabwehr entwickelt.

Nach etwa einem Monat hatten die Affen die Infektion überstanden. Die zwei Tiere, die die Forscher danach erneut einer Dosis des Coronavirus aussetzten, zeigten bis auf leichtes Fieber keine Symptome. Zudem ließ sich das Virus bei einer Testung nicht nachweisen. 

Mehrfachansteckung mit SARS-CoV-2 unwahrscheinlich

Primaten – und somit vermutlich auch der Mensch – sind also offenbar in der Lage, zumindest eine kurzfristige Immunität gegen den Erreger zu entwickeln. "Etwas anderes haben wir auch nicht erwartet aufgrund von Erfahrungen mit anderen Coronaviren, wie den Erregern von SARS oder MERS", hatte Isabella Eckert von der Abteilung für Infektionskrankheiten am Universitätsklinikum Genf nach Bekanntwerden der Studienergebnisse gesagt.

Den Studienautoren zufolge deuten die Erkenntnisse darauf hin, dass Berichte über einige Covid-19-Patienten, die ein zweites Mal reinfiziert wurden, kein Beweis für eine mögliche Mehrfachansteckung sind.

Mehr zum Thema Mehrfachansteckung lesen Sie hier.

Stattdessen ließen sich diese Fälle eher durch Probleme mit der Testung erklären. Dass der Nachweis von SARS-CoV-2 mit einem sogenannten PCR-Test in Einzelfällen fälschlicherweise negative Ergebnisse ausgeben kann, meint auch der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité.

Sind Betroffene nach überstandener Covid-19-Erkrankung noch ansteckend?

Entsprechend dürfte auch die Sorge, dass man seine Mitmenschen auch nach der Genesung noch anstecken könnte, unbegründet sein. Denn in der Regel gilt nach einer überstandenen Infektion: Wer gegen ein Virus immun geworden ist, dessen Abwehrsystem reagiert sofort, wenn es mit diesem Erreger wieder in Kontakt kommt.

Dadurch wird es für das Virus unmöglich, sich im Körper zu vermehren. Der menschliche Körper produziert also selbst keine neuen Viren mehr und ist somit auch nicht mehr ansteckend. Dies dürfte auch für das neuartige Coronavirus gelten, meinen Experten.

Antikörper von Genesenen als Therapie-Chance

Die Erkenntnisse dazu, wie das menschliche Immunsystem auf das neue Virus reagiert, sind auch wertvoll für mögliche Therapieansätze. Denn weltweit arbeiten mehrere Forschungsgruppen und Unternehmen derzeit daran, sogenannte Plasmatherapien zu entwickeln. Bei dieser Methode sollen Antikörper, die Genesene gegenüber Covid-19 gebildet haben, genutzt werden, um andere Erkrankte zu behandeln.

Konkret würde dabei antikörperhaltiges Blutplasma von genesenen Patienten extrahiert und dann anderen Patienten verabreicht. Die Hoffnung: Die injizierten Antikörper helfen dem Körper der Erkrankten, die Infektion zu bekämpfen.

Neben anderen plant aktuell die Medizinische Hochschule Hannover eine Studie, bei der leicht an Covid-19 erkrankte Patienten Plasma mit Antikörpern von genesenen Menschen bekommen.

Wie lange sind ehemals Erkrankte geschützt?

Eine weitere wichtige Frage lässt sich allerdings noch nicht sicher beantworten: Wie lange ist ein von Covid-19 gesundeter Mensch vor einer erneuten Ansteckung mit dem neuen Coronavirus gefeit? Nehme man eine Analogie zu den anderen Coronaviren an, könnte man von einem Zeitraum von ein paar Jahren ausgehen, so die Expertin für Infektiologie Isabella Eckert. "Bei SARS beispielsweise sind Antikörper drei bis fünf Jahre nachweisbar." Auch das RKI äußerte bereits die Annahme, dass ein ehemals Erkrankter nach der Bildung von Antikörpern voraussichtlich für ein paar Jahre immun sein könnte.

Andere Experten hingegen gehen davon aus, dass eine Ansteckung wie bei einem grippalen Infekt bereits nach weniger als einem Jahr wieder möglich sein könnte. Vor anderen durch Coronaviren verursachten Erkältungskrankheiten sind ehemals Infizierte durch das körpereigene Abwehrsystem zumindest nicht so lange geschützt. Solche Infekte können Jahr für Jahr wiederkehren.

Große Antikörper-Studie soll Antworten liefern

Zudem reagiert die Immunabwehr bei jedem Menschen unterschiedlich. Das heißt, dass die Reaktion des Immunsystems mit den spezifischen Antikörpern je nach Person stark oder eben auch schwächer ausfallen kann. Ob Betroffene, die trotz einer Infektion mit Covid-19 kaum Symptome entwickelt haben, beim nächsten Kontakt mit dem Virus eine schwächere Immunantwort haben, muss erst noch erforscht werden.

Dazu ist für April eine große Studie geplant. Die von dem Epidemiologen Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig geleitete Untersuchung soll Blutproben von mehr als 100.000 Deutschen auf Antikörper untersuchen. 

Die Ergebnisse könnten sehnlichst erwartete neue Einblicke in die Immunität und die Entwicklung der Corona-Pandemie geben. Außerdem könnte man den Immunen eine Art Impfpass ausstellen, "der es ihnen zum Beispiel erlaubt, von Einschränkungen ihrer Tätigkeit ausgenommen zu werden", sagte Gérard Krause dem "Spiegel".

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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