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Coronavirus: Können sich Menschen wirklich mehrfach mit Covid-19 infizieren?

Nach Meldungen aus Südkorea  

Können sich Menschen wirklich mehrfach mit Corona infizieren?

14.04.2020, 16:49 Uhr
Corona-Kurven: Schwedens Sonderweg und ein Land mit beeindruckender Entwicklung

Das Coronavirus hat sich auf der ganzen Welt ausgebreitet. Doch die Entwicklungen in den einzelnen Ländern sind höchst unterschiedlich. Das zeigen auch diese animierten Verlaufskurven im direkten Vergleich. (Quelle: t-online.de)

Neuinfektionen und Genesene: Die weltweiten Kurven zeigen, wie sich Schwedens Sonderweg auswirkt und welches Land eine beeindruckende Entwicklung genommen hat. (Quelle: t-online.de)


Bei fast 100 Menschen in Südkorea konnte nach überstandener Coronavirus-Infektion der Krankheitserreger erneut nachgewiesen werden. Sind also wiederholte Infektionen mit dem Virus möglich? Wissenschaftler haben eine andere Erklärung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) untersucht Rückfälle von Covid-19-Patienten, die nach negativen Virustests als geheilt galten. "Wir stehen in enger Verbindung mit unseren klinischen Experten und arbeiten hart daran, mehr Informationen über diese individuellen Fälle zu erhalten", heißt es in einer WHO-Stellungnahme zu den ungewöhnlichen Fällen in Südkorea.

Es sei sehr wichtig, dass bei der Beurteilung der Patienten der vorgeschriebene Ablauf eingehalten werde. Nach den WHO-Richtlinien kann ein Patient erst aus dem Krankenhaus entlassen werden, wenn zwei Coronavirus-Tests im Abstand von 24 Stunden negativ ausgefallen sind.

"Reaktivierung" des Coronavirus wahrscheinlicher als Neuinfektion?

In Südkorea sind nach Angaben von Behörden knapp einhundert von einer Corona-Infektion genesene Menschen erneut positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Der Direktor des Koreanischen Zentrums für Krankheitsbekämpfung (KCDC), Joeng Eun Kyeong, erklärte, es sei eher wahrscheinlich, dass das Virus "reaktiviert" worden sei, als dass es sich um Neuinfektionen handele. Vertreter des südkoreanischen Gesundheitswesens sagten, noch sei unklar, was sich hinter diesem Trend verberge. Epidemiologische Untersuchungen würden derzeit fortgesetzt.

Auch deutsche Wissenschaftler zweifeln an schneller Reinfektion

Nach den Meldungen aus Südkorea stellen auch einige deutsche Forscher infrage, ob es sich wirklich um Neuinfektionen handeln kann. So kommentierte der Virologe Christian Drosten auf seinem Twitter-Account: "Gegen Ende des Verlaufs ist die PCR (der Coronavirus-Test: "Polymerase-Ketten-Reaktion") mal positiv und mal negativ. Da spielt der Zufall mit. Wenn man Patienten zweimal negativ testet und als geheilt entlässt, kann es zu Hause durchaus noch mal zu positiven Testergebnissen kommen. Das ist deswegen noch längst keine Reinfektion." Er verwies dazu auf die grafische Auswertung von Covid-19-Krankheitsverläufen: 

Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, erklärte in einem Pressebriefing des RKI, der Aspekt der Reinfektion sei noch unklar und es gebe unterschiedliche Theorien: Zum einen könne es sein, dass die betroffenen Patienten zunächst falsch-negativ getestet worden sein. Zum anderen, und diese Variante sei wahrscheinlicher, würden die Virusgenome, das heißt Erbgut des Virus, auch nach einer gewissen Zeit noch ausgeschieden. "Es ist nicht plausibel, dass es sich um Reinfektionen in so großer Zahl handelt." Zudem habe er noch keine Kenntnis von ähnlichen Fällen in Deutschland, so Wieler. 

Bereits im Februar kam die Frage nach Mehrfach-Infektionen auf, nachdem eine Frau aus Japan und auch Personen in China mehrfach positiv auf das Coronavirus getestet wurden. 

Viele Forscher stellten schon damals infrage, ob diese Fälle wirklich ein Beweis dafür seien, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 Menschen mehrfach kurz hintereinander infizieren kann. Zum einen lehrt die Erfahrung mit anderen Viruserkrankungen – darunter auch mit SARS sowie MERS und Influenza: Wer kürzlich von einem Erreger genesen ist, dessen Immunabwehr kann, zumindest eine gewisse Zeit lang, eine erneute Ansteckung verhindern. Zum anderen sind laut Experten Fehler bei Tests in einzelnen Fällen nicht auszuschließen.

Antikörper und Immunität nach Covid-19-Infektion

Erste Studien haben dem RKI zufolge gezeigt, dass Personen nach durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion spezifische Antikörper entwickeln. Durch Tierversuche an Rhesusaffen, frühere Erkenntnisse zu SARS sowie verschiedene Annahmen gehen Experten davon aus, dass genesene Patienten ein nur sehr geringes Reinfektionsrisiko haben.

Unklar ist, wie regelhaft, robust und dauerhaft dieser Immunstatus aufgebaut wird. Die Forschergruppe um den Virologen Hendrik Streeck, die aktuell die Fälle im bisher in Deutschland am stärksten betroffenen Landkreis Heinsberg untersucht, geht von sechs bis 18 Monaten Immunität nach einer überstandenen Coronavirus-Infektion aus.

Die Erfahrungen mit anderen Coronaviren-Infektionen (SARS und MERS) deuten laut RKI darauf hin, dass die Immunität bis zu drei Jahre anhalten könnte. Um das genauer zu bestimmen, sind serologische, also Antikörper-Längsschnittstudien erforderlich, die die Immunität der Patienten über einen längeren Zeitraum beobachten.

Die Frage, ob sich von einer Infektion genesene Menschen erneut am Coronavirus anstecken können, ist von internationaler Bedeutung. Viele Länder setzen darauf, dass von einer Corona-Infektion geheilte Menschen eine Immunität gegen das Virus entwickeln und mit der Zeit ein genügend großer Bevölkerungsanteil immun gegen die Krankheit ist, um ein Wiederaufflammen der Pandemie zu verhindern.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagentur Reuters
  • Robert Koch-Institut
  • Weltgesundheitsorganisation
  • Twitter
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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