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Coronavirus: Wann gibt es auch in Deutschland endlich einen Impfstoff?

Antworten auf wichtige Corona-Fragen  

Wird es im Herbst einen neuen Lockdown geben?

Von Melanie Weiner, Johannes Bebermeier

12.08.2020, 22:20 Uhr
RKI korrigiert sich: Doch keine Hoffnung auf Impfstoff im Herbst

Das Robert-Koch-Institut hat sich am Mittwochabend korrigiert: Man halte im Unterschied zu eigenen Verlautbarungen im Laufe des Mittwoches den Einsatz eines Impfstoffs gegen das Coronavirus im Herbst dieses Jahres nun doch nicht für möglich. (Quelle: Reuters)

RKI korrigiert sich: Man halte den Einsatz eines Impfstoffs gegen das Coronavirus im Herbst dieses Jahres nun doch nicht für möglich. (Quelle: Reuters)


Experten kritisieren die Zulassung des weltweit ersten Impfstoffs in Russland. Doch wann könnte es auch in Deutschland so weit sein? Und was droht uns, wenn die Zahlen bis dahin weiter steigen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum steigen die Corona-Zahlen jetzt schneller?

Die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland ist so hoch wie seit Anfang Mai nicht mehr. Zuletzt gab es – von den Wochenenden abgesehen – zumeist mehr als 1.000 Neuinfektionen pro Tag. Der Anstieg ist nicht mehr nur auf einzelne sogenannte Hotspots zurückzuführen (wie den Massenausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik), sondern auch darauf, dass in vielen Landkreisen die Neuinfektionen zunehmen. Zwar seien die Zahlen oft nur leicht gestiegen, so das Robert Koch-Institut (RKI), aber "über alle Kreise hinweg summiert sich dieser Effekt".

Der Anstieg der Zahlen auf breiter Front dürfte nach Meinung von Experten auch damit zu tun haben, dass inzwischen alle Bundesländer Sommerferien haben oder bereits die Schule wieder begonnen hat. Deshalb gibt es viele Reiserückkehrer, die sich während des Urlaubs im Ausland infiziert haben. Zuletzt führte das RKI fast jede dritte Neuinfektion darauf zurück.

Es wäre aber zu einfach, den Grund allein im Ausland zu suchen. Auch in Deutschland lässt sich überall beobachten, dass es viele Menschen mit den Corona-Regeln nicht mehr allzu Ernst nehmen. RKI-Präsident Lothar Wieler appellierte bereits Ende Juli, Abstand zu wahren, soziale Kontakte zu minimieren und Atemmasken zu tragen – auch im Freien. "Wir haben es zum Großteil selber in der Hand, wie sich die Pandemie in Deutschland entwickelt", sagte er.

Droht im Herbst ein erneuter Lockdown?

Die Politik will generelle Beschränkungen für ganz Deutschland möglichst vermeiden. Ökonomen warnen vor einem erneuten Lockdown, weil dieser wohl noch schlimmere wirtschaftliche und soziale Folgen hätte als der erste. Viele Geschäfte und Restaurants etwa würden eine erneute wochenlange Schließung wohl kaum verkraften.

Die Strategie besteht deshalb darin, aufflammende Infektionsherde und große Ausbrüche mit regionalen Lockdowns zu bekämpfen. Beim Tönnies-Ausbruch zum Beispiel wurden die Beschränkungen nur für den Kreis Gütersloh wiedereingeführt. Denkbar sind auch Maßnahmen, die nur für einen Ort oder ein Unternehmen gelten.

Das Problem dieses Ansatzes: Eine flächendeckende Verbreitung des Virus lässt sich so nicht verhindern. Und es ist offen, wie lange die Gesundheitsämter alle Kontakte von Infizierten nachverfolgen können. Wohl auch deshalb nehmen die Sorgen in der Politik zu – und mit ihnen die Warnungen. Etwa, wenn Gesundheitsminister Jens Spahn wie RKI-Chef Wieler die Bevölkerung auffordert, die Hygienregeln einzuhalten.

Ob Appelle reichen, ist allerdings fraglich. Zumal, wenn man in andere Länder wie Spanien blickt, die zunächst ähnlich erfolgreich in der Corona-Eindämmung wie Deutschland waren, nun aber mit stark steigenden Zahlen zu kämpfen haben. 

Impfstoff: Firmen aus aller Welt forschen an einem wirksamen Mittel gegen SARS-CoV-2 (Symbolbild). (Quelle: Getty Images/FilippoBacci)Impfstoff: Firmen aus aller Welt forschen an einem wirksamen Mittel gegen SARS-CoV-2 (Symbolbild). (Quelle: FilippoBacci/Getty Images)

Wann gibt es auch in Deutschland einen Impfstoff?

Russland hat als erstes Land der Welt einen Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen. Das verkündete Präsident Wladimir Putin am 11. August. Auch in Westeuropa gibt es Dutzende Impfstoffkandidaten, doch die müssen sich erst umfangreich beweisen. Das Zulassungsverfahren in der EU ist deutlich strenger als in Russland.

Der Impfstoff muss seine Wirksamkeit, Verträglichkeit und Zuverlässigkeit in mehreren Testphasen beweisen. In der Vergangenheit dauerte dies mehrere Jahre. Während der Corona-Pandemie kann der Prozess zwar deutlich beschleunigt werden, doch die Hersteller müssen sich weiter an klare Vorgaben halten: In der letzten Testphase vor der Zulassung – der sogenannten Phase III – wird der Impfstoff an mehreren Tausend Probanden erprobt. Das in Russland zugelassene Produkt wurde offenbar erst an wenigen Probanden getestet. Deshalb sind viele Experten skeptisch und sehen zum Teil sogar eine Gefahr für die russische Bevölkerung.

Dennoch könnte es auch in Deutschland schneller zur Zulassung eines Impfstoffs kommen, als noch zu Anfang der Pandemie gedacht. Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, das für die Zulassung zuständig ist, zeigte sich zuletzt optimistisch. "Ich gehe derzeit davon aus, dass es Ende 2020 und Anfang nächsten Jahres Zulassungen geben wird", sagte Klaus Cichutek dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er fügte allerdings einen entscheidenden Halbsatz hinzu: "Vorausgesetzt, die Phase-III-Prüfungsdaten sind positiv." Viele Impfstoffe scheitern schließlich erst in der letzten Phase. Wie weit die einzelnen Impfstoffprojekte vorangeschritten sind, erfahren Sie hier.

Verwendete Quellen:

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