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Ursprung der Corona-Pandemie: War es doch ein Laborunfall?

Thesen von Hamburger Forscher  

Ursprung der Corona-Pandemie: War es doch ein Laborunfall?

Von Sandra Simonsen, Melanie Weiner

19.02.2021, 15:08 Uhr
 (Quelle: Euronews)
Ist das der Ursprungsort des Coronavirus?

Ein Team aus Virologen, Tiermedizinerinnen, Epidemologen und Expertinnen für Lebensmittelsicherheit soll nach den Ursprüngen des SARS-CoV-2-Virus suchen. Die Theorie, dass der Erreger aus dem Labor stammen könnte, war vor allem von der US-Regierung unter Donald Trump vorgebracht worden. Peking wies die Vorwürfe als anti-chinesische Propaganda zurück. (Quelle: Euronews)

Suche nach Virus-Ursprung: Hier wird ein verdächtiges Fledermaus-Labor in Wuhan inspiziert. (Quelle: Euronews)


Seit mehr als einem Jahr verbreitet sich das Coronavirus überall auf der Welt. Der Ursprung wurde bisher vor allem auf einem Markt im chinesischen Wuhan vermutet. Ein Hamburger Forscher sieht Hinweise auf einen anderen Auslöser.

Bisher gab es viele Spekulationen darüber, woher das Coronavirus stammt, das seit mehr als einem Jahr für eine weltweite Krise sorgt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte ein ganzes Ermittlerteam nach China geschickt, um Hinweise auf den Ursprung zu finden. Die Experten gehen davon aus, dass das Virus von Fledermäusen über ein weiteres Tier als Zwischenwirt auf den Menschen übertragen wurde.

Der Nanowissenschaftler Prof. Dr. Roland Wiesendanger von der Universität Hamburg hat den Ursprung des Virus in einer eigenen Untersuchung beleuchtet. Dazu sammelte er zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 31. Dezember 2020 Informationen und kommt zu einem anderen Ergebnis als die WHO-Experten.

Vor allem im Netz wird die Untersuchung mittlerweile scharf kritisiert. Die Herangehensweise sei nicht wissenschaftlich, die Untersuchung könne nicht als "Studie" bezeichnet werden. Viele kritisieren auch die Quellen, die Wiesendanger verwendet hat, teils seien dies Twitter-Accounts, Youtube-Videos oder Boulevard-Medien. Auch t-online recherchiert in dieser Sache weiter, sowohl Prof. Wiesendanger als auch andere Experten zum Thema sind angefragt worden. 

Laut Wiesendanger sprächen "sowohl die Zahl als auch die Qualität der Indizien für einen Laborunfall am virologischen Institut der Stadt Wuhan", wie die Universität Hamburg in einer Pressemitteilung mitteilt.

Die Universität wollte die Untersuchung laut dpa bisher nicht kommentieren. "Die Hochschulleitung und die Pressestelle der Universität Hamburg üben keine Zensur zu Forschungsgegenständen und -ergebnissen ihrer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus", sagte eine Sprecherin. Dem ZDF hatte Wiesendanger gesagt, die Veröffentlichung sei gemeinsam mit Uni-Präsident Prof. Dieter Lenzen geplant gewesen. 

Hamburgs Wissenschaftsbehörde ist bei der umstrittenen Untersuchung vorsichtig auf Distanz gegangen. "Wissenschaftsfreiheit ist ein unverrückbares Gut. Gleichwohl gilt für alle Form wissenschaftlicher Forschung, dass bei unklarer oder unsicherer Datenlage Zurückhaltung in der Bewertung angebracht ist", sagte Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) am Freitag. "Ein Team der Weltgesundheitsorganisation hat erst vor wenigen Tagen einen umfangreichen Bericht zum Ausbruchsgeschehen in Wuhan vorgelegt und kommt zu anderen möglichen Szenarien." Wann der endgültige Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den Untersuchungen einer internationaler Expertengruppe zum Virus-Ursprung in China vorgelegt wird, stand am Freitag nach wie vor nicht fest.

Roland Wiesendanger ist ein hochdekorierter Physikprofessor der Universität Hamburg und Mitglied der Leopoldina. Er gilt als Experte in der Nanowissenschaft.

"Keine hochwissenschaftlichen Beweise"

Die Untersuchung basiert auf Recherchen in verschiedenen, zum Teil auch nicht wissenschaftlichen, Informationsquellen wie Fachliteratur, Medienberichten sowie Kommunikation internationaler Forscher. "Sie liefert keine hochwissenschaftlichen Beweise, wohl aber zahlreiche und schwerwiegende Indizien", heißt es in der Pressemitteilung der Universität, die die Analyse gleichzeitig als "Studie" bezeichnet, Wiesendanger spricht von einer "Preprint-Studie".

Eines dieser Indizien sei, dass bis heute kein "Zwischenwirtstier" des Erregers identifiziert werden konnte. Das sei bei früheren Corona-Epidemien wie SARS und MERS anders gewesen. Für die Übertragung der Viren von Fledermäusen auf Menschen benötige es allerdings diesen Zwischenwirt. "Die Zoonose-Theorie als mögliche Erklärung für die Pandemie besitzt daher keine fundierte wissenschaftliche Grundlage", schließt der Wissenschaftler daraus.

Neue Eigenschaften bei SARS-CoV-2-Viren

Als weiteres Indiz sieht Wiesendanger, dass die SARS-CoV-2-Viren anders als andere Coronaviren "erstaunlich gut an menschliche Zellrezeptoren ankoppeln und in menschliche Zellen eindringen" können. Dafür benötige das Virus spezielle Eigenschaften, die bisher bei Coronaviren nicht bekannt waren. Dies weise auf einen "nicht-natürlichen Ursprung des SARS-CoV-2-Erregers" hin.

Hintergründe zur Analyse
Die Preprint-Studie wurde im Januar 2021 fertiggestellt und zunächst in Wissenschaftskreisen verteilt und diskutiert. Mit der Veröffentlichung soll nun eine breit angelegte Diskussion angeregt werden. "Dies kann nicht länger nur Angelegenheit einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bleiben, sondern muss dringend Gegenstand einer öffentlichen Debatte werden", so Wiesendanger. 

Hinzu komme die Tatsache, dass Fledermäuse auf dem verdächtigen Fischmarkt in Wuhan gar nicht angeboten worden seien. "Im virologischen Institut der Stadt Wuhan gibt es jedoch eine der weltweit größten Sammlungen von Fledermauserregern, welche von weit entfernten Höhlen in südchinesischen Provinzen stammen", heißt es von der Uni Hamburg. Es sei "extrem unwahrscheinlich", dass die Tiere auf natürliche Weise etwa 2.000 Kilometer nach Wuhan geflogen seien, um "in unmittelbarer Nähe dieses virologischen Instituts eine weltweite Pandemie auszulösen".

Fischgroßmarkt und Labor: Nur rund 300 Meter liegen zwischen beiden Orten. Der Virus könnte so seinen Weg zu den Menschen gefunden haben, schreiben zwei chinesische Wissenschaftler. (Quelle: Google Earth/Maxar Technologies)Fischgroßmarkt und Labor: Nur rund 300 Meter liegen zwischen beiden Orten. Der Virus könnte so seinen Weg zu den Menschen gefunden haben, schreiben zwei chinesische Wissenschaftler. (Quelle: Google Earth/Maxar Technologies)

Die Studie führt zusätzlich an, dass eine Forschungsgruppe an jenem Institut in Wuhan viele Jahre lang an Coronaviren geforscht habe. Die Wissenschaftler hätten demnach Viren gentechnisch manipuliert, um sie für Menschen "ansteckender, gefährlicher und tödlicher" zu machen. Dazu gebe es "erhebliche Sicherheitsmängel" in dem Institut. Die WHO hält die Laborthese allerdings für sehr unwahrscheinlich.

Peking hatte eine unabhängige internationale Untersuchung zum Ursprung des Virus, die beim Kampf gegen diese und kommende Pandemien helfen sollte, zunächst verweigert. Erst mit einem Jahr Verspätung stimmte die Regierung der WHO-Mission zu, doch beschränkte sich diese letztendlich auf knapp zwei Wochen und blieb politisch heikel. Peking weist jede Verantwortung für die Pandemie von sich und bringt auch andere Verbreitungsmöglichkeiten ins Spiel.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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