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Neue Therapie gibt Parkinson-Patienten Hoffnung

Von t-online, NoS

11.04.2021Lesedauer: 4 Min.
Parkinson: Die Zeichen der Erkrankung tragen auch zur Stigmatisierung von Betroffenen bei. (Symbolbild)
Parkinson: Die Zeichen der Erkrankung tragen auch zur Stigmatisierung von Betroffenen bei. (Symbolbild) (Quelle: bymuratdeniz/getty-images-bilder)
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Zunächst werden die Muskeln steif, dann folgt das typische Zittern von Armen und Beinen. Die Parkinson-Krankheit zählt zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Häufig können medikamentöse Therapien nicht lange nützen. Doch ein neues Verfahren könnte künftig helfen.

Eine wissenschaftliche Studie, die im "The New England Journal of Medicine" publiziert wurde, zeigt die Erfolge einer neuen, experimentellen Therapie am Gehirn, der sogenannten "fokussierten Ultraschall-Subthalamotomie". Durch diese konnten die für Parkinson typischen motorischen Störungen wie Zittern und Muskelsteifheit bei den Testpersonen deutlich reduziert werden.

Bei der neuen Behandlung handelt sich dabei um ein nicht invasives, also ein nicht operatives Verfahren, das bislang nur in zwei Zentren in Deutschland angeboten wird. Die Studiendaten lassen nach Einschätzung der Deutschen Hirnstiftung hoffen, dass das Verfahren noch intensiver erforscht wird und eine breitere Anwendung erfährt.

Wirkung des neuen Ultraschallverfahrens

Durchgeführt wurde die Studie an 40 Patientinnen und Patienten, die an Morbus Parkinson erkrankt waren. 27 von ihnen wurden mit einer "fokussierten Ultraschall-Subthalamotomie" behandelt, bei den restlichen 13 Testpersonen kam ein Placebo-Verfahren zum Einsatz. Die Patienten wussten nicht, ob die tatsächliche Ultraschalltherapie oder die Scheinprozedur stattgefunden hatte. Behandelt wurde jeweils die Gehirnhälfte (Hemisphäre), die der Körperhälfte mit den schwersten Symptomen gegenüberlag.

Das Ergebnis: Der Symptome-Score, an dem die Stärke der motorischen Störungen gemessen wurde, reduzierte sich innerhalb der Behandlungsgruppe nach vier Monaten um 50 Prozent. Er sank signifikant von ursprünglich 19,9 auf 9,9 Punkte. In der Kontrollgruppe verbesserte sich der Ausgangswert dagegen nicht wesentlich. Die Forscher sahen darin eine Bestätigung für den Erfolg des neuen Therapieverfahrens.

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Auffällige Symptome belasten Betroffene

Das Zittern (Tremor), die Verlangsamung von Bewegungen (Bradykinese) und Muskelsteifheit (Rigor) sind typische motorische Parkinson-Symptome, die die Lebensqualität der Patienten enorm beeinträchtigen. Darüber hinaus tragen sie auch zur Stigmatisierung von Betroffenen bei: Vor allem das Zittern und die "eingefrorenen" Bewegungen lassen sich nicht verstecken und verraten die Erkrankung, was für die Parkinson-Patienten psychisch extrem belastend und stigmatisierend sein kann.

Hirnschrittmacher bei schweren Verläufen

Medikamentöse Therapien können zwar die Parkinson-Symptome teilweise lindern, aber mit dem Fortschreiten der Erkrankung lässt häufig auch die Wirksamkeit der Medikamente nach.

Seit einigen Jahren kann Betroffenen bei schweren Verläufen dann ein sogenannter Hirnschrittmacher eingesetzt werden, in der Fachsprache heißt das Verfahren tiefe Hirnstimulation: Dabei werden in einem neurochirurgischen Eingriff Elektroden in bestimmte Steuerzentren des Gehirns implantiert.

Die Wirkung ist sehr gut, die Betroffenen gewinnen oft mehrere Jahre, in denen sie unter deutlich geringeren Symptomen leiden. Dem gegenüber steht oft allerdings die Angst der Patienten und ihrer Angehörigen vor dem gehirnchirurgischen Eingriff.

Neue Therapie erspart operativen Eingriff

Die "fokussierte Ultraschall-Subthalamotomie", die in der englischen Studie zu einer ähnlich guten Reduzierung der motorischen Symptome geführt hatte, könnte sich nach Ansicht von Experten in der Parkinson-Therapie durchsetzen. Die Behandlung hat gegenüber der tiefen Hirnstimulation einen großen Vorteil: Sie ist nicht invasiv, der Schädel muss also nicht im Rahmen einer Operation geöffnet werden. Das ist möglich, weil bestimmte Hirnregionen mit extrem zielgenau und präzise gesteuerten Ultraschallwellen durch den Schädel hindurch behandelt werden können. Der Ultraschall wird millimetergenau in die vorher festgelegten Zielgebiete gelenkt. Dadurch werden die Fehlfunktionen der dort lokalisierten Gehirnzellen ausgeschaltet.

Nebenwirkungen bilden sich meist wieder zurück

Doch das neue Verfahren ist nicht frei von Nebenwirkungen: Während der Studie kam es bei den mit Ultraschall behandelten Patientinnen und Patienten direkt nach dem Eingriff zu Beschwerden. So traten beispielsweise bei insgesamt 12 von den 23 Studienteilnehmern Überbeweglichkeiten (Dyskinesien) auf, bei 15 Sprechstörungen und bei fünf eine Schwäche der behandelten Körperseite.

Nach vier Monaten hatten sich diese Nebenwirkungen jedoch deutlich zurückgebildet: nur noch vier Patientinnen und Patienten zeigten Zeichen der Überbeweglichkeit, über Sprechstörungen klagten nur noch drei und über eine Schwäche der behandelten Körperseite nur noch zwei der Ultraschall-Behandelten.

Experten schätzen neue Therapie als zukunftweisend ein

"Die Wirkung des Verfahrens war in dieser Studie durchaus beeindruckend, die Symptomlast konnte nahezu halbiert werden", sagt Professor Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung. Auch die meisten Nebenwirkungen seien nach einiger Zeit beherrschbar gewesen. Etwa 3.000 Patienten seien bislang weltweit mit diesem Verfahren behandelt worden und die Ergebnisse seien ermutigend. Allerdings seien weitere Studien erforderlich, um das Verfahren im Detail weiter zu erforschen und abschließend im Hinblick auf Wirkung und mögliche Risiken zu beurteilen.

"Noch ist die fokussierte Ultraschall-Subthalamotomie eine experimentelle Therapie, die nur an wenigen Zentren und meistens nur im Rahmen von Studien durchgeführt werden kann, aber wir verstehen es als Deutsche Hirnstiftung auch als unseren Auftrag, Betroffene frühzeitig über vielversprechende Behandlungsinnovation zu informieren, mit aller gebotenen Vorsicht und ohne falsche Hoffnungen zu schüren", sagt Erbguth.

Wo wird das neue Verfahren in Deutschland angewandt?

In Deutschland wird das neue Ultraschall-Verfahren zur Kontrolle des Muskelzitterns, der sogenannten Tremorkontrolle, derzeit an der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Bonn und am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel angeboten.

„Die aktuell vorliegenden Daten könnten dazu führen, dass das
Verfahren noch dynamischer und intensiver erforscht wird und eine breitere Anwendung erfahren kann. Wir glauben, dass das eine sehr erfreuliche Botschaft zum Welt-Parkinson-Tag ist, der diesen
Sonntag stattfindet: Forschung bringt Fortschritte“, so der Präsident der Deutschen Hirnstiftung.

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Zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April hat die Deutsche Hirnstiftung ihr Informationsangebot zum Thema Parkinson erweitert. Außerdem bietet sie
Betroffenen und Angehörigen die Möglichkeit, im Online-Chat Fragen an unabhängige Expertinnen und Experten zu stellen. Telefonisch erreichbar ist die Deutsche Hirnstiftung unter Tel. 030 531 43 79 36 (Mo-Do 10-14 Uhr, Fr 10-14 Uhr).

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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