Sie sind hier: Home > Gesundheit > Coronavirus >

Biontech-Zulassung | Corona-Impfung für Kinder: Wie sinnvoll ist das?

Nach Biontech-Zulassung  

Wie sinnvoll ist die Corona-Impfung für Kinder?

31.05.2021, 17:26 Uhr | AFP

Biontech-Zulassung | Corona-Impfung für Kinder: Wie sinnvoll ist das?. Corona-Impfung: Das Risiko, an Covid-19 zu sterben, ist bei jungen Menschen äußerst gering. (Quelle: Getty Images/Marina Demidiuk)

Corona-Impfung: Das Risiko, an Covid-19 zu sterben, ist bei jungen Menschen äußerst gering. (Quelle: Marina Demidiuk/Getty Images)

Bald ist es so weit: Auch die Jüngeren sollen ihren Piks gegen das Coronavirus erhalten. Doch nicht alle Experten sind mit diesem Schritt glücklich. Ist der Nutzen wirklich größer als die Risiken?

Seit Freitag steht erstmals in der EU ein Corona-Impfstoff auch für Kinder ab zwölf Jahren zur Verfügung. Nach der Zulassung des Vakzins von Biontech/Pfizer durch die EU-Arzneimittelbehörde (Ema) für diese Altersgruppe können auch Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren in Deutschland ab dem 7. Juni geimpft werden. 

Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe

Die Daten zur Wirksamkeit und den Risiken der Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna bei jungen Menschen beruhigen: Der Impfstoff von Biontech werde von den Zwölf- bis Fünfzehnjährigen gut vertragen, die Nebenwirkungen seien mit denen bei älteren Menschen vergleichbar, erklärt die Ema unter Verweis auf eine Studie mit 2.200 jungen Probanden.

Auf ein ähnliches Ergebnis kam eine Moderna-Studie mit 3.700 Jugendlichen. Der US-Konzern will Anfang Juni eine Zulassung für Zwölf- bis Fünfzehnjährige beantragen.

Die europäischen und US-Gesundheitsbehörden untersuchen derzeit mehrere Fälle von Herzmuskelentzündungen bei jungen Menschen, die nach einer Impfung aufgetreten waren. Bisher wurde noch kein Zusammenhang nachgewiesen.

Geringes Risiko für Kinder und Jugendliche nach einer Infektion

Das Risiko, an Covid-19 zu sterben, ist bei jungen Menschen äußerst gering – die EU-Gesundheitsbehörde ECDC zählte bislang 98 Todesfälle bei insgesamt 1,1 Millionen infizierten Zehn- bis Neunzehnjährigen. Das Risiko einer schweren Erkrankung, die im Krankenhaus behandelt werden muss, beträgt 0,9 Prozent.

Allerdings weist die Infektiologin Odile Launay vom französischen Impfausschuss darauf hin, dass die Langzeitfolgen von Covid-19 bisher nur wenig erforscht sind – insbesondere bei den Jüngsten. Zudem können Kinder, die etwa unter Leukämie leiden oder unter Immunschwächen, laut Launay durchaus auch an schweren Formen von Covid-19 erkranken.

Kinder: Insbesondere bei den Jüngsten sind die Langzeitfolgen von Covid-19 noch unerforscht. (Quelle: Getty Images/Drazen Zigic)Kinder: Insbesondere bei den Jüngsten sind die Langzeitfolgen von Covid-19 noch unerforscht. (Quelle: Drazen Zigic/Getty Images)

Mögliche Impfrisiken sind noch nicht bekannt

Einige Corona-infizierte Kinder erkrankten auch an dem sogenannten Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (Pims). Dabei handelt es sich um eine besonders ausgeprägte Entzündungsreaktion des Immunsystems. Doch auch hier schätzen die Gesundheitsbehörden das Risiko als extrem gering ein.

Auf der anderen Seite muss Launay zufolge der "indirekte Nutzen" einer schnelleren Rückkehr zu einem normalen Leben berücksichtigt werden.

Insgesamt ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Impfung bei jungen Menschen weniger deutlich als bei der erwachsenen Bevölkerung. Deshalb äußerte die Ständige Impfkommission (Stiko) wiederholt Vorbehalte gegenüber einer breiten Impfkampagne für Kinder und Jugendliche. Sie verwies dabei auch auf mögliche Impfrisiken, die noch nicht genau bekannt seien.

Das Problem mit dem Gemeinschaftsschutz

Auch Kinder sind gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus nicht gefeit und können es dann ihrerseits weitergeben. Ihre Immunisierung trägt somit zur Eindämmung der Pandemie bei.

Verschiedenen Schätzungen zufolge müssen etwa 70 bis 80 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft sein, um einen Gemeinschaftsschutz ("Herdenimmunität") zu erreichen. Das wären – ohne die Minderjährigen – etwa 90 Prozent der Erwachsenen; angesichts der vielen Impfskeptiker ein unerreichbares Ziel.

Wann starten die Impfungen?

Kanada und die USA haben bereits mit der Impfung von Kindern und Jugendlichen begonnen, Israel will bald entscheiden, in Deutschland soll es ab dem 7. Juni losgehen.

Frankreich peilt den Juni für die Sechzehn- und Siebzehnjährigen an, die Zwölf- bis Fünfzehnjährigen könnten ab September folgen. Andere Experten pochen hingegen auf weiterhin höchste Priorität für Erwachsene, die stärker gefährdet seien als Minderjährige.

Die Expertin für pädiatrische Infektionskrankheiten an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, Beate Kampmann, wiederum sieht keinen Sinn in Impfungen von Jüngeren, solange in den ärmeren Ländern noch nicht einmal die Hochrisikogruppen immunisiert sind. "Mehr Leid ließe sich vermeiden, wenn die Impfdosen Ländern überlassen würden, in denen viele Menschen an Covid-19 schwer erkranken oder sterben", sagt sie.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Gesundheit > Coronavirus

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: