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Wenn Brustkrebs in der Familie liegt: Risikogenen auf der Spur

Risikogenen auf der Spur  

Wenn Brustkrebs in den Genen liegt

Wenn Brustkrebs in der Familie liegt: Risikogenen auf der Spur. Brust: Trägerinnen bestimmter Krebsrisikogene haben ein erhöhtes Risiko für ein Mammakarzinom. (Quelle: Getty Images/patchanan promunat)

Brust: Trägerinnen bestimmter Krebsrisikogene haben ein erhöhtes Risiko für ein Mammakarzinom. (Quelle: patchanan promunat/Getty Images)

Es gibt Familien, in denen Krebs vermehrt auftritt – dies gilt insbesondere für Brust-und Eierstockkrebs. Verantwortlich dafür sind Genmutationen, die an die Nachkommen weitergegeben werden. Ein Forschungsteam untersucht derzeit, welche Gene das Risiko für Brustkrebs erhöhen und welche Auswirkungen sie auf die Behandlung haben.

Etwa fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebserkrankungen sind erblich bedingt. Die Betroffenen tragen Krebsrisikogene in ihrem Erbgut. Sie führen dazu, dass sich in bestimmten Familien die Fälle von Brustkrebs häufen.

Die Risikogene BRCA1 und BRCA2 gehören zu den ersten identifizierten Genen, die mit familiärem Brustkrebs in Zusammenhang gebracht wurden. Mittlerweile ist eine Vielzahl weiterer Gene hinzugekommen, von denen einige kaum erforscht sind. Bundesweit haben sich daher Wissenschaftler zusammengeschlossen, um hier Licht ins Dunkel zu bringen.

Viele Risikogene sind wenig erforscht

Je nachdem, welche Genvariante vorliegt, erhöht oder senkt sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Brustkrebstumor entsteht. Viele dieser Risikogene sind jedoch noch weitgehend unerforscht. Insbesondere bei neu entdeckten und bislang weniger gut untersuchten Kandidaten gibt es eine Vielzahl von Varianten, deren klinische Auswirkungen noch unbekannt sind.

Während der Anteil von Varianten in den gut untersuchten Genen BRCA1 und BRCA2 weniger als fünf Prozent beträgt, ist diese Zahl bei bekannten neuen Risikogenen deutlich höher – sie liegt derzeit bei rund 20 Prozent. Konkret bedeutet dies: Jede fünfte Frau, die sich auf familiären Brust- oder Eierstockkrebs testen lässt, erhält einen Befund, dessen klinische Auswirkungen unklar sind.

Falsche Therapien durch Unwissen  

Ein solcher Befund birgt das Risiko medizinischer Fehlinterpretationen und somit von Maßnahmen und Therapien, die unter Umständen gar nicht nötig sind. "Das Wissen um ein familiäres Krebsrisiko ist für viele Menschen sehr belastend. Daher ist es umso wichtiger, eine möglichst präzise Vorhersage treffen zu können und die weiteren Schritte gemeinsam mit den Betroffenen genau zu planen", sagt Prof. Dr. Rita Schmutzler, Direktorin des Zentrums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs am Universitätsklinikum Köln. Die Ärztin ist Sprecherin und Leiterin der Verbundstudiengruppe und Koordinatorin des Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs in Deutschland.

Umfangreiche Datenanalyse soll Wissenslücken schließen

Mithilfe modernster IT-Methoden will die Arbeitsgruppe um Professorin Dr. Schmutzler nun eine umfassende Datenbank zur Dokumentation von Krebsrisikogenen aufbauen, die in Verbindung mit Brustkrebs- und Eierstocktumoren stehen. Alle verfügbaren Informationen zu alten und neuen Genvarianten sollen in diese Datenbank integriert werden.

Die Datenbank soll Wissenslücken in den Genanalysen, in der Einordnung von Risikogenvarianten sowie bei der klinischen Interpretation der Ergebnisse schließen. Auf dieser Basis sollen Mediziner zukünftig genauere Vorhersagen über das Auftreten eines erblich bedingten Tumors samt dem möglichen Krankheitsverlauf treffen können.

Ziel ist eine personalisierte Risikoberechnung

"Mithilfe dieser Ergebnisse möchten wir eine personalisierte Risikoberechnung, entsprechend danach gerichtete Maßnahmen der Prävention und eine gezielte Therapie für jede Patientin möglich werden lassen", sagt Schmutzler. Genvarianten, für die noch nicht genügend Daten vorliegen, werden durch die am Projekt beteiligten Experten unterschiedlicher Fachbereiche im Labor untersucht und ebenfalls klassifiziert. Die Erkenntnisse aus diesen Arbeiten fließen wiederum in die Datenbank ein.

"Mit der Förderung dieses Verbundprojektes verfolgen wir gemeinsam mit den beteiligten Wissenschaftlern auch das Ziel, ein Modellkonzept zu entwickeln, das für andere Krebsarten ebenfalls etabliert werden könnte“, sagt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. "Wir leisten somit wichtige wissenschaftliche Pionierarbeit für die medizinische Versorgung von morgen."

Was tun bei erhöhtem Risiko für Brustkrebs?

Tragen Frauen Risikogene in sich, hat das Konsequenzen für die Brustkrebsvorsorge. Die Leitlinien empfehlen Frauen mit einer risikosteigernden Genveränderung engmaschige Untersuchungen. Wie die Früherkennung genau ablaufen kann, klären die spezialisierten Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs mit betroffenen Frauen allerdings individuell ab. Grundsätzlich gelten jedoch folgende Empfehlungen, die auf den jeweiligen Risikofall abgestimmt werden:

  • eine halbjährliche Brustabtastung und Ultraschalluntersuchung für Frauen ab 25 Jahren
  • regelmäßige Mammographien ab dem Alter von 40 Jahren
  • Kernspinuntersuchung oder Magnetresonanz-Mammographie (MRT) einmal pro Jahr ab dem Alter von 25 Jahren

Ein MRT birgt jedoch laut Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFz) aufgrund der hohen Empfindlichkeit der Geräte auch das Risiko, dass oft "falscher Alarm" ausgelöst wird. Frauen müssten in diesem Fall mit einer Biopsie rechnen, die sich dann als unbegründet herausstellt. Zudem zeigten Studien, dass auch die Erfahrung der untersuchenden Ärzte den Erfolg der Früherkennung durch MRT beeinflussten.

Wann ist eine vorbeugende Brustamputation ratsam?

Laut DKFZ gibt es inzwischen relativ sichere Daten dazu, dass bei Frauen die Entfernung beider Brüste das Brustkrebsrisiko und vor allem die Sterblichkeitsrate senkt. Auch die Entfernung der Eierstöcke wirke sich entsprechend aus und senke die Rate an Todesfällen durch das vererbbare Ovarialkarzinom.

Dennoch haben beide Eingriffe gravierende Folgen. Sie betreffen die Lebensqualität und das äußere Erscheinungsbild der Frauen und sind psychisch enorm belastend. Die Entfernung der Eierstöcke bedeutet zudem das Ende der Familienplanung und versetzt Frauen vorzeitig in die Wechseljahre.

Die Fachgesellschaften empfehlen daher Frauen, die vor einer Entscheidung stehen, sich ausführlich zu informieren und umfassend beraten zu lassen – auch wenn man sicher weiß, dass man eines der Risikogene trägt, besteht für diese Entscheidung kein Zeitdruck.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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