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Häufig nächtliches Aufwachen: Ursachen und Hilfe

Schlafstörungen  

Häufiges nächtliches Aufwachen: Was dahinter stecken kann

Ann-Kathrin Landzettel

15.11.2021, 15:44 Uhr
Häufig nächtliches Aufwachen: Ursachen und Hilfe. Junge Frau liegt wach im Bett. Schlafstörungen haben viele Ursachen, mitunter Stress, Druck oder sogar ernsthafte Krankheiten. (Quelle: Getty Images/ megaflopp)

Schlafstörungen treten häufig in Verbindung mit Stress auf. (Quelle: megaflopp/Getty Images)

Häufiges nächtliches Aufwachen ist ein Symptom, das viele Ursachen haben kann. Psychiatrische Störungen wie Depressionen und Angststörungen kommen ebenso in Frage wie körperliche Erkrankungen.

Viele Menschen können nachts nicht durchschlafen. Das hat zur Folge, dass sie sich morgens schlapp fühlen und ihre Müdigkeit durch den ganzen Tag tragen. Manchmal stecken ernsthafte Krankheiten hinter dem nächtlichen Aufwachen. Häufig sind es aber Stress, Druck im Alltag und Sorgen, die den Schlaf rauben. 

Häufiges nächtliches Aufwachen ärztlich abklären

Wer unter Schlafstörungen wie Einschlaf- und Durchschlafproblemen und/ oder nächtlichem Aufwachen leidet, sollte seine Situation hinterfragen: Wie geht es mir? Wie ist meine Lebenssituation? Bin ich starkem Stress und Druck ausgesetzt? Wie fühle ich mich körperlich?

In jedem Fall ist es ratsam, die Schlafstörungen ärztlich untersuchen zu lassen, wenn erste Maßnahmen keine Besserung bringen – etwa eine Umgestaltung des Schlafzimmers, eine angenehme Raumtemperatur, regelmäßige Schlafenszeiten, leichte Mahlzeiten vor dem Zubettgehen und so weiter.

Neben der körperlichen Untersuchung und der Berücksichtigung psychischer Faktoren kann auch ein Besuch im Schlaflabor helfen, der Ursache für die Schlafstörungen auf die Spur zu kommen.

Nachts aufwachen: Nicht immer gesundheitskritisch

"Dass wir nachts mehrmals wach werden, ist nicht selten und völlig normal. Insbesondere, wenn wir wieder einschlafen können und der Schlaf als erholsam erlebt wird, besteht kein Grund zur Aufregung", erklärt Dr. Andreas Hagemann, Ärztlicher Direktor der Privatklinik Merbeck im nordrhein-westfälischen Wegberg.

"Ebenso unproblematisch sind Schlafstörungen, die hin und wieder in Belastungssituationen auftreten, etwa vor Prüfungen. Der Arzt sollte dann konsultiert werden, wenn die Einschlaf- oder Durchschlafprobleme bereits einen Monat oder noch länger anhalten. Dasselbe gilt, wenn weitere Beschwerden hinzukommen."

Schlafstörungen als Warnsignal

Angaben der Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz zufolge sind Schlafstörungen wie häufiges nächtliches Aufwachen in mehr als der Hälfte der Fälle Vorbote oder Begleitsymptom psychiatrischer Erkrankungen.

Bei fast allen schweren Formen können laut den Experten Ein- und Durchschlafstörungen oder das Gefühl, tagsüber nicht erholt zu sein, auftreten. Dazu gehören beispielsweise Angststörungen, Depressionen und Burnout.

 (Quelle: Privat) (Quelle: Privat)
Dr. Andreas Hagemann
ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er leitet als Ärztlicher Direktor die u.a. auf psychosomatische Schmerztherapien sowie Burnout und Stresserkrankungen spezialisierte Privatklinik Merbeck im nordrhein-westfälischen Wegberg

Stress am Tag führt zu Stress in der Nacht

Schlafstörungen gehören zu den ersten Symptomen, die auf eine anhaltende Überlastung und psychische Überforderung hindeuten – und möglicherweise sogar die Entwicklung einer psychischen Erkrankung anzeigen. "Bei anhaltender psychischer Belastung oder aufgrund einer psychischen Erkrankung ist der Körper im Alarmmodus und von Stresshormonen geflutet – auch abends.

Dieser Anspannungs- und Aktivierungsmodus ist der Grund, dass wir einfach nicht zur Ruhe kommen und der Schlaf leidet", erklärt Hagemann. "Chronischer Schlafmangel wirkt sich nachweislich schädlich für Körper und Psyche aus. Unser Immunsystem leidet und es drohen unter anderem Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems sowie psychische Beschwerden wie Depressionen." 

Schlafstörungen wegen Stress: Entspannungstechniken ausprobieren

Nicht immer entwickelt sich aus stressigen Phasen und Lebenssituationen mit erfahrener Überlastung automatisch eine psychische Erkrankung. Wichtig ist es, das Warnsignal schlechter Schlaf ernst zu nehmen und zu versuchen, die Lebenssituation zu entspannen – und so auch das Risiko für die Entstehung einer psychischen Krankheit zu senken.

"Eine bessere Work-Life-Balance sowie Achtsamkeits- oder Entspannungsübungen wie Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation können hier Besserung bringen", weiß Hagemann.

Restless Legs Syndrom: Wenn die Beine nicht zur Ruhe kommen: 

Neurologische Erkrankungen können ebenfalls die Ursache für Schlafstörungen und nächtliches Aufwachen sein. Dazu zählt unter anderem die nächtliche Bewegungsstörung "Restless Legs Syndrom" (RLS, Ruhelose Beine). Hierbei treten nachts unangenehme Missempfindungen in den Beinen auf, etwa Kribbeln, Stechen, Schmerzen und Zucken, die das Einschlafen und Durchschlafen stören. Auch Patientinnen und Patienten mit Parkinson oder Multipler Sklerose haben oftmals mit Schlafstörungen und nächtlichem Aufwachen zu kämpfen.

Nächtliches Aufwachen durch Atemaussetzer

Eine weitere häufige Ursache für häufiges nächtliches Aufwachen sind nächtliche Atmungsstörungen. Auch wenn Schnarchen als ein Warnsymptom für nächtliche Atemaussetzer gilt: Auch wer nicht schnarcht, kann Atmungsstörungen in der Nacht haben.

Atempausen während des Schlafs bezeichnen Mediziner als Schlafapnoen. Diese können zwischen 30 Sekunden bis über zwei Minuten andauern. Besonders häufig sind obstruktive Apnoen. Hierbei kommt es durch die Erschlaffung der Muskulatur im Rachenraum in Kombination mit engen anatomischen Verhältnissen zu den Atemaussetzern.

Damit die betroffene Person wieder beginnt, zu atmen, startet der Körper irgendwann eine Alarmreaktion. Die Person schreckt auf. Je häufiger die Atemaussetzer stattfinden, desto häufiger wird der Schlaf unterbrochen. Eine Schlafapnoe sollte immer ärztlich behandelt werden, da sie mit einem erhöhten Risiko für Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen verbunden ist.

Winter nächtlichem Harndrang an Diabetes denken

Wer nachts immer wieder aufwacht, weil die Blase drückt, sollte auch an einen nicht erkannten Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) denken. Neben verstärktem Durst gehört häufiges Wasserlassen – auch nachts – zu den ersten Warnsymptomen. Der Grund: Der Körper versucht über die vermehrte Flüssigkeitszufuhr und -ausscheidung den überschüssigen Zucker aus dem Blut über die Nieren abzutransportieren. Wer nachts immer wieder aufwacht und auf Toilette muss, auch wenn er vor dem Schlafengehen kaum etwas getrunken hat, sollte sich ärztlich untersuchen lassen.

Von Alkohol bis Lärm: weitere Schlafstörer

Weitere mögliche Ursachen für häufiges nächtliches Aufwachen können sein:

  • Medikamente: Haben Sie Medikamente als Schlafräuber in Verdacht, sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
  • Alkohol: Alkohol lässt uns weniger tief und unruhiger schlafen. Wer auf ein Glas Wein zum Abendessen nicht verzichten möchte, sollte möglichst früh essen, damit der Alkohol vor dem Zubettgehen abgebaut werden kann. Auch Koffein in Kaffee und Schwarztee wirkt aktivierend und stört die Schlafqualität. Trinken Sie am besten nachmittags die letzte Tasse, wenn Sie auf Koffein empfindlich reagieren.
  • Lärm und Licht: Wie sieht die Schlafumgebung aus? Geräusche, etwa das Ticken der Uhr, können ebenso wie Lichteinflüsse den Schlaf stören.
  • Schlaftemperatur: Ist es im Schlafzimmer zu warm, kann das ebenfalls zu nächtlichem Aufwachen führen. Lüften Sie vor dem Zubettgehen und stellen Sie die Heizung etwas herunter. Zum Schlafen als angenehm empfunden wird meist eine Temperatur zwischen 18 und 22 Grad Celsius.
  • Schlafzeiten: Unregelmäßige Schlafenszeiten können sich negativ auf den Schlaf auswirken. Wer Schicht arbeitet hat häufig mit Einschlaf- und Durchschlafstörungen sowie Schlafunterbrechungen Probleme. Der Körper mag Regelmäßigkeit. Wer zur gleichen Zeit ins Bett geht und zur gleichen Zeit aufsteht, schläft besser.
  • Aufgeregte Psyche: Vermeiden Sie es, aufregende Filme vor dem Schlafengehen zu schauen und treiben sie vor dem Zubettgehen keinen Sport mehr. Das aktiviert. Streit und Sorgen blockieren ebenso den Schlaf. Kreist das Gedankenkarussell erst einmal, ist an Schlaf nicht mehr zu denken.
  • Erkrankungen: Es gibt eine Reihe Erkrankungen, die mit Schlafstörungen verbunden sind, etwa weil sie Schmerzen verursachen oder auf Botenstoffe einwirken. Das können rheumatoide Erkrankungen sein, chronisch-entzündliche Erkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen, Nebennierenerkrankungen oder Krebs. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Möglichkeiten es gibt, Ihren Schlaf zu verbessern. Schlaftabletten sollten nur in Ausnahmesituationen und nur kurzfristig, maximal 14 Tage am Stück, eingenommen werden. Anderenfalls droht die Gefahr, dass ohne sie gar kein Einschlafen mehr möglich ist oder diese mit der Zeit ihre Wirksamkeit verlieren.

Für den Laien ist es nicht immer leicht, die Ursache der Schlafstörung selbst herauszufinden. Deshalb sollte man bei Schlafstörungen, die längere Zeit andauern, nicht zu lange mit dem Arztbesuch warten.

Verwendete Quellen:

 

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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