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Diese Corona-Medikamente kommen aus Deutschland

dpa, Alexander Sturm und Jan Petermann

Aktualisiert am 17.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Medikamente zur Behandlung von Covid-19: In einer Produktionsanlage werden Schachteln mit Pillen gegen Covid-19 transportiert.
Medikamente zur Behandlung von Covid-19: In einer Produktionsanlage werden Schachteln mit Pillen gegen Covid-19 transportiert. (Quelle: Pfizer/dpa-bilder)
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Mit der Zulassung von immer mehr Medikamenten fĂŒr Covid-Patienten gibt es zusĂ€tzliche Mittel gegen die Pandemie. Davon profitiert auch der Pharmastandort Deutschland.

Bei Corona-Impfstoffen hat die deutsche Pharmaindustrie einen Coup gelandet. Der Erfolg des Mainzer Herstellers Biontech brachte der Branche internationales Renommee und milliardenschwere GeschĂ€fte – mit der Aussicht auf erneut krĂ€ftig steigende UmsĂ€tze 2022.


Corona-Selbsttest: So funktioniert der Schnelltest zu Hause

1. Schritt (Symbolfoto): Nachdem Sie das Testkit ausgepackt und auf Zimmertemperatur gebracht haben, entnehmen Sie einen Abstrich gemĂ€ĂŸ der Packungsbeilage.
2. Schritt (Symbolfoto): Um den Test auswerten zu können, mĂŒssen Sie die Probe aufbereiten. Dazu geben Sie, je nach Anleitung des Herstellers, zunĂ€chst die ProbenflĂŒssigkeit in das aufrechte Extraktionsröhrchen.
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Nun werden Corona-Medikamente fĂŒr infizierte Patienten zur nĂ€chsten Chance. Zwar liegen im Fall der Therapeutika Konzerne aus der Schweiz, Großbritannien und den USA vorn. Doch bei Produktion und Verteilung spielen auch deutsche Standorte eine Rolle.

Paxlovid von Biontech und Pfizer

Der US-Konzern und Biontech-Partner Pfizer stellt sein Medikament Paxlovid gegen schwere Covid-VerlĂ€ufe hauptsĂ€chlich in Freiburg her. Nach Erhalt und Genehmigung des Wirkstoffs startet der Prozess zum Mischen, Granulieren, Pressen und Beschichten der Tabletten, sagt eine Sprecherin. "Ein Team von QualitĂ€tsexperten stellt sicher, dass die höchsten Standards eingehalten werden." Zudem werde in Freiburg, wo 1.700 Menschen fĂŒr Pfizer arbeiten, mit der Verpackung begonnen.

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Der Pharmariese geht davon aus, in diesem Jahr weltweit mindestens 120 Millionen Einheiten fertigzustellen – davon rund 30 Millionen in der ersten JahreshĂ€lfte. "Wir sind dabei, zusĂ€tzliche KapazitĂ€ten zu schaffen und die Produktion weiter hochzufahren", kĂŒndigte Pfizer an.

Die Bundesregierung hat bereits eine Million Packungen von Paxlovid bestellt. Mit ersten Lieferungen rechnet Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) noch im Januar. Das Mittel eigne sich insbesondere fĂŒr die Behandlung ungeimpfter Risikopatienten, heißt es. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat schon eine Notfallzulassung fĂŒr das Medikament ausgesprochen, in der EU lĂ€uft die PrĂŒfung noch.

Paxlovid-Tabletten: Die Produktion von Corona-Arzneien in Deutschland nimmt Fahrt auf.
Paxlovid-Tabletten: Die Produktion von Corona-Arzneien in Deutschland nimmt Fahrt auf. (Quelle: Pfizer/dpa-bilder)

Roactemra von Roche

Eine weitere Arznei ist Roactemra vom Schweizer Konzern Roche. Sie wird gegen eine ĂŒberschießende körpereigene Immunabwehr bei stark fortgeschrittenen Corona-Erkrankungen verabreicht. Das in der EU zugelassene Mittel wird unter anderem in Mannheim verpackt und abgefĂŒllt. Dort und am bayerischen Standort Penzberg arbeiten mehr als 1.000 BeschĂ€ftigte in der SterilabfĂŒllung fĂŒr den globalen Markt.

Gegen Corona-Erkrankungen im frĂŒhen Stadium lassen sich außerdem Antikörper einsetzen – dazu forschen auch UniversitĂ€ten, zum Beispiel die Medizinische Hochschule Hannover. Roche bietet etwa das PrĂ€parat Ronapreve mit den Antikörpern Casirvimab und Imedvimab an. Diese werden in den USA produziert, im sĂŒdbadischen Grenzach ist die QualitĂ€tssicherung und Freigabe der Chargen fĂŒr Europa angesiedelt.

Medikamente gegen Corona sind teurer als Impfungen

Medikamente gelten als SĂ€ule der Corona-BekĂ€mpfung. Sie sind aber im Vergleich zu Impfungen teurer und in der Anwendung oft komplizierter. "Der große Gamechanger sind sicherlich die Impfstoffe, nicht die Therapeutika", sagt der MĂŒnchner Infektiologe Christoph Spinner.

Therapeutika seien jedoch eine wichtige ErgĂ€nzung fĂŒr "Menschen, die beispielsweise wegen einer chronischen Erkrankung nicht geimpft werden und damit keinen vergleichbaren Immunschutz aufbauen können".

Casirvimab und Imedvimab: Medikamente gegen Covid-19 sind in der Regel teurer als Impfungen.
Casirvimab und Imedvimab: Medikamente gegen Covid-19 sind in der Regel teurer als Impfungen. (Quelle: Roche Pharma AG/dpa-bilder)

Fortecortin von Merck

Bei der Behandlung von Covid-Patienten kommt auch das Medikament Dexamethason zum Einsatz, das der Pharmakonzern Merck unter dem Namen Fortecortin vermarktet. Das patentfreie Mittel – schon seit langem in mehreren Anwendungsgebieten zugelassen – hilft bei der Sauerstoffgabe oder kĂŒnstlichen Beatmung Corona-Kranker.

In Darmstadt stellt Merck aus dem aktiven Wirkstoff alle flĂŒssigen, injizierbaren Formen her. Das Dax-Unternehmen habe Zulassungen bei Covid-19-Indikation unter anderem fĂŒr Deutschland, Österreich, die Schweiz und Tschechien, sagt ein Sprecher. "Weitere AktivitĂ€ten fĂŒr Nicht-EU-LĂ€nder laufen."

Auch deutsche Firmen forschen an Corona-Arzneien. Laut dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) sind 37 PrÀparate in der Entwicklung. Zugelassen ist aber noch keines. "Die Produktion von Corona-Impfstoffen ist in Deutschland in kurzer Zeit gewachsen und hat die Bedeutung des Pharmastandorts gesteigert", so Rolf Hömke vom vfa.

Getrieben von der Impfstoffnachfrage soll der Umsatz der Branche SchÀtzungen zufolge dieses Jahr um 8 Prozent zulegen. Deutschland sei stark in komplexen Produktionsprozessen. "Bei Corona-Therapeutika ist die Chance ebenfalls da, dass die Produktion ausgeweitet wird."

In den USA gibt es fĂŒr den Wirkstoff Molnupiravir des Unternehmens Merck & Co., das hierzulande als MSD auftritt und in Burgwedel bei Hannover auch einen Ebola-Impfstoff herstellt, eine Notfallzulassung. Bei der EuropĂ€ischen Arzneimittel-Agentur EMA liegt ein Antrag vor.

Die Produktion ist in Amerika, in den Niederlanden wird die Substanz dann fĂŒr den deutschen Markt konfektioniert. "Ende November hat die EMA eine wissenschaftlich begrĂŒndete Empfehlung zur Nutzung von Molnupiravir in der Behandlung von Covid-19-Patienten ausgesprochen", sagt Klaus SchlĂŒter, medizinischer Direktor bei MSD. "Auch wenn der offizielle Zulassungsprozess noch lĂ€uft, darf das Mittel nach PrĂŒfung durch die jeweiligen Behörden in den EU-Staaten angewendet werden."

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Mit dem Bundesgesundheitsministerium habe man fĂŒr Dezember und Januar ein erstes Kontingent von 80.000 Einheiten vereinbart. "Die Ware wird ĂŒber elf Anlaufstellen im Pharmagroßhandel vertrieben und kann von Apotheken fĂŒr Patienten bestellt werden, wenn eine Indikation durch Ă€rztliche Verschreibung vorliegt", so SchlĂŒter. Es liefen GesprĂ€che, um weitere Mengen auch fĂŒr Deutschland zur VerfĂŒgung zu stellen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
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