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Wann bei Prostatakrebs abgewartet werden kann


Wann bei Prostatakrebs abgewartet werden kann

Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 20.07.2022Lesedauer: 3 Min.
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Prostatakrebs schreitet häufig langsam voran. Wurde der Krebs im frühen Stadium entdeckt, kann er in vielen Fällen erst einmal in regelmäßigen Kontrollen beobachtet werden.
Prostatakrebs schreitet häufig langsam voran. Wurde der Krebs im frühen Stadium entdeckt, kann er in vielen Fällen erst einmal in regelmäßigen Kontrollen beobachtet werden. (Quelle: Dr_Microbe/getty-images-bilder)
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Nicht immer muss Prostatakrebs sofort chirurgisch behandelt werden. Manchmal kann auch abgewartet werden. Wann die sogenannte aktive Überwachung möglich ist und wann besser operiert werden sollte.

Prostatakrebs ist bei Männern in Deutschland die häufigste Krebsart. Einer von acht Männern muss damit rechnen, in seinem Leben die Diagnose zu erhalten. Danach gibt es mehrere Möglichkeiten, wie die Behandlung weitergeht. Eine davon ist, erst einmal abzuwarten und den Tumor zu beobachten.


Fünf Fakten zu Prostatakrebs

Risikofaktor Alter. Männer in fortgeschrittenem Alter haben ein höheres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Das belegen Zahlen des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) im Robert-Koch-Institut. So sind etwa 90 Prozent aller Männer mit einem bösartigen Tumor in der Prostata älter als 60 Jahre. Bei Männern unter 45 Jahren diagnostizieren Ärzte selten Prostatakrebs.
DNA-Helix: Genetische Faktoren: Studien zeigen, dass für die männlichen Mitglieder einer Familie ein etwa zwei- bis dreimal so hohes Risiko besteht, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, wenn bereits ein Verwandter ersten Grades (Bruder, Vater) erkrankt ist.
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Immer auch eine individuelle Entscheidung

Prostatakrebs, auch Prostatakarzinom genannt, ist ein bösartiger Tumor in der Vorsteherdrüse des Mannes. Über 65.000 Männer erhalten in Deutschland jedes Jahr die Diagnose Prostatakrebs. Doch nicht jede Prostatakrebs-Diagnose macht eine sofortige Behandlung notwendig. Bei frühem Prostatakrebs mit langsamem und auf die Prostata begrenztem Wachstum kann aktiv überwacht werden.

Ob ein Tumor langsam wächst oder aggressiv ist, kann durch verschiedene Untersuchungen eingeschätzt werden. Ärzte nutzen hierfür Verlaufskontrollen des PSA-Werts, also des Werts des Prostataspezifischen Antigens im Blut, bildgebende Untersuchungen wie die Magnetresonanztomographie und die Untersuchung von Gewebeproben, welche im Rahmen einer Biopsie entnommen wurden. Vor einer Behandlungsentscheidung werden auch Alter, mögliche Begleiterkrankungen und die persönlichen Wünsche des Erkrankten mit in die Überlegungen einbezogen.

Aktive Überwachung: Vor- und Nachteile

Prostatakrebs ist häufig nur wenig aggressiv und wächst langsam. Solche Tumoren können überwacht werden – bei Tumoren mit einem günstigen Wachstumsprofil über viele Jahre hinweg – ohne dass eine Operation oder Bestrahlung notwendig ist. "Das hat für betroffene Männer den Vorteil, dass sie nicht mit den Therapie-Nebenwirkungen konfrontiert sind", sagt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

"Allerdings darf die möglicherweise damit verbundene psychische Belastung nicht unterschätzt werden. Auch ist es nicht ganz auszuschließen, dass der Krebs trotz der regelmäßigen Kontrolltermine unbemerkt fortschreitet, was ihn später möglicherweise schlechter behandelbar macht."

Kontrollen alle drei Monate in den ersten zwei Jahren

Im Rahmen der "Active Surveillance" (aktiven Überwachung) werden die betroffenen Männer die ersten zwei Jahre alle drei Monate untersucht. Verhält sich der Tumor stabil, werden die Untersuchungsintervalle ausgedehnt: Dann muss der Mann in der Regel alle sechs Monate zur Kontrolle. Bei den Kontrolluntersuchungen werden der PSA-Test, die Tastuntersuchung sowie bildgebende Verfahren miteinander kombiniert.

Wie oft Kontroll-Biopsien?

Weitere Biopsien können ebenfalls notwendig werden. "Eine Kontroll-Biopsie gibt Hinweise auf veränderte Wachstumsmuster. Ist etwa in den Gewebeproben eine Zunahme von Tumorzellen erkennbar und wachsen diese schneller, sollte eine Behandlung erfolgen", sagt Weg-Remers. "Gewebeentnahmen aus der Prostata zur Kontrolle sind in den ersten drei Jahren alle zwölf bis 18 Monate notwendig. Verändern sich die Eigenschaften des Tumors nicht, wird alle drei Jahre eine Kontroll-Biopsie empfohlen."

Übrigens: Active Surveillance sollte nicht mit "Watchful Waiting" verwechselt werden. Watchful Waiting bedeutet "abwartend zu beobachten". Anders als bei der aktiven Überwachung verzichtet der Mann beim Watchful Waiting auf die regelmäßige Untersuchung des Tumors und eine Behandlung wie Operation oder Strahlentherapie. "Beim Watchful Waiting kommen erst dann lindernde, sogenannte palliative Maßnahmen zur Anwendung, wenn der Krebspatient Symptome bekommt.

Beispielsweise, wenn der Prostatakrebs lokal fortschreitet oder Absiedlungen in anderen Organen bildet", sagt Weg-Remers. "Es werden krebsbedingte Beschwerden gelindert, nicht aber der Krebs behandelt. Heilung ist nicht das Ziel." Dieses Vorgehen kann dann eine gute Option sein, wenn der erkrankte Mann schon sehr alt ist oder schwere Begleiterkrankungen hat. Er wird dann nicht durch eine Tumorbehandlung mit vielen Nebenwirkungen zusätzlich belastet.

(Quelle: Privat)


Dr. Susanne Weg-Remers ist Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Nach ihrem Abschluss hat die Expertin in der Inneren Medizin sowie in der klinischen Grundlagenforschung gearbeitet. Sie steht in engem Kontakt mit Krebspatinnen und -patienten und unterstützt diese auf dem Weg ihrer Krebserkrankung.

Operation oder Strahlentherapie?

Auch wenn ein örtlich begrenzter und langsam wachsender Tumor beobachtet wurde, entscheiden sich viele Männer dennoch für eine Krebsbehandlung. Sie möchten nicht mit Krebs im Körper leben. Ist Prostatakrebs örtlich begrenzt, kann er entweder operativ entfernt (Prostatektomie) oder mit Strahlen therapiert werden. Die Wahl der Behandlung ist vom Tumor und dem zu erwartenden Nebenwirkungsprofil abhängig. Der behandelnde Arzt spricht abhängig vom Befund eine individuelle Empfehlung aus. Aber auch persönliche Präferenzen des Erkrankten können in die Behandlungsentscheidung einbezogen werden.

Beide Verfahren, sowohl die Operation als auch die Strahlentherapie, können Nebenwirkungen und Spätfolgen haben. "Häufig sind Nervenschädigungen, die zu einer vorübergehenden oder dauerhaften Inkontinenz von Harn und/oder Stuhl sowie Impotenz führen", erklärt Weg-Remers.

"Bei der Strahlentherapie kommen während der Behandlung häufig Entzündungen von Blase, Harnröhre und Darm hinzu. Auch ist durch eine Strahlentherapie das Risiko für die Bildung eines zweiten Tumors im bestrahlten Bereich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten leicht erhöht. Das betrifft die Blase und den Dickdarm."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • S3-Leitlinie "Prostatakarzinom" der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), AWMF-Register-Nr.: 043-022OL. (Stand: Gültig bis 11. Mai 2024)
  • Prostatakrebs (Prostatakarzinom). Online-Information des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). (Stand: 27. Januar 2022)
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Von Laura Stresing, Cem Özer, Sandra Simonsen
Von Wiebke Posmyk
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