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Diese Lebensmittel werden am häufigsten gefälscht

Panscherei und Etikettenschwindel  

Diese Lebensmittel werden am häufigsten gefälscht

14.01.2020, 12:07 Uhr
Diese Lebensmittel werden am häufigsten gefälscht. Lebensmittelfälschungen: Durch Analysen im Labor können Überwachungsbehörden den Fälschern auf die Schliche kommen. (Quelle: Getty Images/nevodka)

Lebensmittelfälschungen: Durch Analysen im Labor können Überwachungsbehörden den Fälschern auf die Schliche kommen. (Quelle: nevodka/Getty Images)

Pferdefleisch statt Rindfleisch in Lasagne, eingefärbtes Sonnenblumenöl statt Olivenöl – das sind nur zwei der zahlreichen Beispiele, wie Lebensmittelfälscher ihr Unwesen treiben. Es scheint ein lukratives Geschäft zu sein.

Vermeintliches Bio-Gemüse aus der konventionellen Landwirtschaft, mit Wasser aufgespritzte Garnelen, mit Zucker gestreckter Honig – die Möglichkeiten für Lebensmittelbetrug sind schier unendlich. "Im Prinzip kann jedes Lebensmittel verfälscht werden", sagt Isabelle Mühleisen von der Verbraucherzentrale NRW. "Jedes, mit dem Geld zu machen ist."

"Ein sehr großes Problem"

Fälscher haben das Potenzial erkannt, die Zahl der Lebensmittelfälschungen steigt immer weiter an. Genaue Zahlen gibt es natürlich nicht, bleiben viele Fälschungen doch unentdeckt. Einen Eindruck des Anstiegs aber geben etwa die Fallzahlen, die das europäische System für Amtshilfe (AAC) führt. Demnach wurden für 2015 und 2016 jeweils weniger als 60 Fälle registriert. 2017 und 2018 waren es schon 102 beziehungsweise 131 Fälle. Tatsächlich aber kommen die Behörden noch mehr Fällen auf die Schliche, denn die genannte Datenbank listet für Deutschland nur Fälschungen, die mehr als ein Bundesland betreffen. Hinzu kommen außerdem zahlreiche Fälle, die die Gesundheit gefährden und direkt an das Schnellwarnsystem RASFF übermittelt werden.

Auch der Bericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Lebensmittelkriminalität von 2018 hält fest, dass "Fälle, in denen auf kriminellem Weg mit Lebensmitteln und Futtermitteln finanzielle Vorteile erstrebt werden, zunehmend an Bedeutung auch im globalen Markt erlangen". Zudem würden seit einigen Jahren auf EU-Ebene entsprechende Operationen ausgeweitet. "Das wird nicht ohne Grund gemacht", sagt Mühleisen von der Verbraucherzentrale. "Lebensmittelbetrug ist ein sehr großes Problem."

16.000 Tonnen gefälschtes Essen beschlagnahmt

Eine dieser Operationen heißt Opson, nach dem griechischen Wort, das den wertgebenden Bestandteil eines Essens beschreibt. Europol und Interpol koordinieren diese regelmäßige Untersuchung. An der vergangenen Operation, die von Dezember 2018 bis April 2019 durchgeführt wurde, nahmen 78 Länder teil. Überprüft wurden Lebensmittel in Geschäften, an Flughäfen, auf Märkten, an Häfen und in Industriegebieten. 16.000 Tonnen und 33 Millionen Liter gefälschtes Essen und Getränke wurden dabei beschlagnahmt. Ihr Wert wird auf 100 Millionen Euro geschätzt.

Die Klassiker, die gefälscht werden, sind Fisch, Fleisch, Wein und Olivenöl, sagt Dr. Ilka Haase. Sie ist Leiterin des Nationalen Referenzzentrums für authentische Lebensmittel (NRZ Authent). Das Zentrum wurde 2018 in Deutschland ins Leben gerufen, um Analysemethoden zu entwickelt, die die Echtheit von Lebensmitteln nachweisen. Zudem soll es die zuständigen Überwachungsbehörden mit aktuellen Daten unterstützen. Besonders viel werde bei Fisch und Fischprodukten geschummelt.

Fälscher konzentrieren sich immer mehr auf pflanzliche Produkte

Das zeigt auch eine Erhebung des Max Rubner-Instituts, zu dem das NRZ Authent gehört. Im Rahmen des EU-Projekts "Labelfish" hat dieses Gerichte mit Seezungen aus 24 Restaurants in Hamburg, Bremen, Berlin und Frankfurt im Labor überprüft. "In genau der Hälfte der Fälle waren die Gerichte mit anderen Fischarten zubereitet worden, die mit der Seezunge nicht viel gemeinsam haben", sagt Haase. Aktuell rückten aber auch pflanzliche Produkte – neben Wein und Olivenöl vor allem Kaffee und Gewürze – immer mehr in den Fokus der Fälscher. "Aber das kann sich schnell wieder ändern."

Relativ hoch sei die Fälschungsgefahr bei teuren Lebensmitteln. Dennoch machten die Fälscher auch vor günstigen Produkten nicht halt: "Wenn die Menge, die gehandelt wird, groß ist, kann eine Fälschung auch in Fällen, bei denen die Gewinnmarge geringer ist, finanziell attraktiv sein." Die Fälscher würden dabei zudem abwägen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Verfälschungen mit den vorhandenen Analysemethoden entdeckt werden. "Seit dem Pferdefleischskandal ist bei den Verbrauchern die Aufmerksamkeit gewachsen und die Überwachung wird ebenfalls seit Jahren immer weiter optimiert", so Haase. "Das ist den Fälschern bewusst."

Diese Lebensmittel werden am häufigsten verfälscht

LebensmittelVerfälschungsarten
1. OlivenölStrecken mit anderen Ölsorten, falsche Angabe der Herkunft
2. Fischandere Fischart, Aquakultur statt Wildfang
3. Bio-LebensmittelVermischung mit konventionell angebauten Produkten
4. MilchStreckung mit Wasser und Pflanzenöl, Vermengung mit Fremdproteinen und Protein vortäuschenden Substanzen
5. Getreideandere Sorte, anderes Anbauverfahren, falsche Angabe der Herkunft, Streckung mit Fremdsubstanzen bei Mehl
6. Honig und AhornsirupStreckung mit Invertzucker-Sirup, Saccharose-Sirup und Wasser
7. Kaffee und TeeFalsche Angabe der Herkunft oder Sorte, Streckung mit geröstetem Mais, Malz oder Hülsenfrüchten (Kaffee) beziehungsweise benutzten Teeblättern oder gefärbten Sägespäne (Tee)
8. GewürzeStreckung mit günstigen Blättern, Späne, eingefärbtem Gras
9. WeinFalsche Angaben von Herkunft, Jahrgang, Reinheit, Zusatz von Wasser und Zucker, falsche Etikettierung
10. ObstsaftZusatz von anderen Fruchtsäften, Streckung mit Wasser und Zucker, Trübungsmittel täuschen "frisch gepresst" vor

Quelle: DLG-Expertenwissen 11/2018, Food Fraud

Lebensmittelbetrug: Vier typische Fälschungsmethoden

Haase identifiziert vor allem vier Arten von Tricksereien:

  1. Sorten/Arten: Es wird zum Beispiel Rind- durch Pferdefleisch ersetzt oder hochwertiger durch günstigen Weißfisch.
  2. Geografische Herkunft: Es wird eine falsche Herkunft des Produktes angegeben.
  3. Produktionsweise: Es handelt sich etwa um Aquakultur statt um Wildfang oder um eine konventionelle statt biologische Herstellungsweise.
  4. Wertgebende Bestandteile: Auf dem Produkt steht beispielsweise, es sei reich an Omega-3-Fettsäuren, was aber nicht stimmt.

Es wird also gepanscht, ersetzt, verdünnt, verschnitten, falsch oder irreführend deklariert. Eine rechtlich festgelegte Definition von Lebensmittelbetrug gibt es dabei nicht. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beschreibt ihn als "das Inverkehrbringen von Lebensmitteln mit dem Ziel, durch vorsätzliche Täuschung einen finanziellen oder wirtschaftlichen Vorteil zu erlangen". International wird die Praxis als "Food Fraud" bezeichnet.

30 Milliarden Euro pro Jahr Verlust für die Lebensmittelbranche

Von ihr kenne man nur die Spitze des Eisbergs, so Expertin Haase. Wie hoch Dunkelziffer und Gewinnmargen genau sind, sei schwer zu beurteilen. Im Jahresbericht des Food Fraud Network werden die Verluste der Lebensmittelbranche weltweit auf etwa 30 Milliarden Euro jährlich taxiert. Das Geschäft mit gefälschten Lebensmitteln sei das zweitprofitabelste nach dem Drogenhandel, schätzt ein Vertreter der europäischen Polizeibehörde Europol in einem Interview mit der "Financial Times".

In Deutschland flog zuletzt im Mai 2019 ein größerer Fall von Lebensmittelbetrug auf: Eine Bande verkaufte massenweise falsches Olivenöl nach Deutschland. Die Verdächtigen sollen pro Jahr mehr als eine Million Liter billiges Öl gekauft, verfälscht und weiterverkauft haben. Die italienischen Ermittler gehen davon aus, dass sie auf diese Weise jährlich Gewinne in Millionenhöhe erzielt haben könnten.

Wie können Lebensmittelfälschungen nachgewiesen werden?

Solche und andere Fälschungen können durch verschiedene analytisch-chemische Methoden festgestellt werden, erklärt Haase. Geht es etwa um die Identifizierung von Tier- und Pflanzenarten, wird die DNA genauer angeschaut. Soll die Herkunft eines Produkts ermittelt werden, könne die Stabilisotopenverteilung Auskunft geben. Bei ihr richtet sich das Augenmerk auf die Bioelemente in einem Lebensmittel und ihre Beschaffenheit. Durch diese können Rückschlüsse auf die Herkunft gezogen werden.

Für Verbraucher hingegen sind Lebensmittelfälschungen nicht erkennbar, sagt Mühleisen von der Verbraucherzentrale. "Sie haben letztlich keine Möglichkeit, sich davor zu schützen." Das sieht auch Haase so. Sie gibt aber noch einen Tipp: "Als Verbraucher würde ich immer stutzig werden, wenn es laut Verpackung ein qualitativ hochwertiges Produkt sein soll – mit verschiedenen Auslobungen – der Preis aber niedrig ist." Das könne nicht funktionieren. "Qualität hat einen bestimmten Preis."

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